Alternative Medizin
 
Akupunktur bei Kindern?

Fernöstliche Heilkunde, ob aus Indien oder aus China, liegt im Trend. Grund: Sie betten den Menschen in ein ganzheitliches Heilsystem ein. Für viele Patienten, die von der Schulmedizin enttäuscht sind, stellt insbesondere die chinesische Heilkunde eine echte Alternative dar.

Alternative Medizin : Akupunktur bei Kindern?

Zu den bekanntesten Anwendungen der TCM (Traditionellen Chinesischen Medizin) in Deutschland zählt die Akupunktur. Aber kann man das "Nadeln" auch bei Kindern erfolgreich einsetzen? Und was, wenn das Kind panische Angst vor dem Picksen hat?
Ein Interview mit Professor Li Wu, Heilpraktiker in München und Vorstandsmitglied im TCM-Ärzteverband.

Kann man Akupunktur überhaupt bei Kindern anwenden?

Ja, man kann Akupunktur sehr gut bei Kindern anwenden. Sie sollten allerdings mindestens drei Jahre alt sein. Ich benutze bei Kindern spezielle Nadeln, die etwas kleiner und dünner sind als die herkömmlichen für Erwachsene. Außerdem bleiben die Nadeln nicht so lange in der Haut stecken. Vielleicht eine bis maximal fünf Minuten, das sollte schon reichen. Bei Erwachsenen zum Vergleich dauert eine Anwendung ca. 20 bis 30 Minuten.

Wie können Kinder ihre Angst vor den Nadeln überwinden?

Die meisten Kinder lassen sich gut ablenken. Ich erzähle ihnen einfach eine Geschichte, zum Beispiel, dass sie durch eine Ritterrüstung gut geschützt sind und sich so ganz stark fühlen können. Oder, dass ihr Lieblingsfußballer sie an der Hand hält und sie beschützt. Kinder nehmen solche Geschichten sofort an und dann muss man einfach nur schnell sein und die Nadel setzen. Je schneller, desto besser! Und die Nadel darf nicht zu tief sitzen. Wenn ich die Kinder anschließend frage, ob sie Schmerzen haben, antworten sie in der Regel mit "nein". Viele beschreiben das Gefühl eher wie ein leichtes Kitzeln.

Bei welchen Krankheiten eignet sich die Akupunktur am besten?

Akupunktur kann man bei sehr unterschiedlichen Kranheitsbildern anwenden. Bei Allergien genauso wie bei Wachstumsbeschwerden und Angstzuständen. Aber auch bei Bettnässern oder Kindern mit Asthma kann man mit den Nadeln gut helfen. Manchmal kommen auch Eltern mit Kindern, die gar kein genaues Krankheitsbild aufweisen. Sie sind einfach ratlos, weil das Kind viel weint und noch zu klein ist, um seine Schmerzen selbst zu benennen. Ich fühle dann erst einmal den Puls des Kindes, schaue mir die Zunge und die Augen genau an und bilde mir so einen ganzheitlichen Eindruck über die Gemütslage und die gesundheitliche Verfassung meines Patienten. In der TCM werden Krankheiten anders benannt als in der Schulmedizin, deshalb kann man hier nicht so allgemeine Aussagen treffen. Jeder Patient ist mit seinen Beschwerden in seiner Gesamtheit individuell zu betrachten und zu behandeln. Meistens kann man mit Akupunktur eine gute Linderung der Schmerzen erzielen.

Was tun bei Kindern, die sich gegen die Nadeln wehren?

Da gibt es zum Glück die Laserakupunktur. Anstatt mit der Nadel, wird der betreffende Punkt mit dem Licht des Lasers stimmuliert. Das funktioniert ganz ähnlich wie mit einer Nadel – tut aber nicht weh. Man muss mit dem Laser aber häufiger behandeln als mit den Nadeln, d.h. der Zeitraum der Behandlung ist länger. Dafür spürt das Kind während der Therapie aber wirklich nichts und erlebt somit den Besuch beim Arzt äußerst positiv. Ich zeige den Kindern das Lasergerät vor der Anwendung und lasse sie damit etwas herum spielen. Das Licht des Lasers leuchtet auf einer weißen Wand rot und Kinder lieben solche Spielereien. Spätestens dann haben auch die ganz Kleinen Mut und trauen sich.

Wird Akupunktur bei Kindern von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt?

Ja, inzwischen gibt es da große Fortschritte. Die meisten privaten Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Aktupunktur inzwischen komplett. Aber auch immer mehr gesetzliche Kassen haben die Wirkung der Akupunktur zu schätzen gelernt und anerkannt. Sie übernehmen zumindest Teile der Kosten. Hier empfiehlt es sich, einfach bei der jeweiligen Kasse nachzufragen und sich zu erkundigen. Gegebenenfalls benötigt man eine Überweisung vom Hausarzt.

Das Interview führte Julia Kerner