Durchfall
 
Wann du mit dem Baby bei Durchfall zum Arzt musst

Durchfall beim Baby kann gefährlich werden. Denn bei so kleinen Menschen wirkt sich der Flüssigkeitsverlust besonders gravierend aus. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Thema Durchfall bei Babys und kleinen Kindern.

Durchfall bei Babys und Kleinkindern
Thinkstock, Antek
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Durchfall beim Baby: die Ursachen

Durchfall ist ein Symptom, keine Krankheit. Meist stecken Viren oder Bakterien dahinter, die sich im Darm ausbreiten. Die Folgen sind ähnlich wie bei einem Schnupfen: Die entzündete Schleimhaut schwillt an, rötet sich, sondert Wasser und Schleim ab. Im Unterschied zum Schnupfen ist die entzündete Fläche im Darm jedoch viel größer, der Körper verliert wesentlich mehr Wasser und auch große Mengen an lebenswichtigen Mineralstoffen wie Natrium, Kalium und Chlor.
Durchfall kann aber auch andere Ursachen haben. Manche Medikamente, wie Antibiotika beispielsweise, führen zu Durchfall. Stillbabys bekommen häufig dünnen Stuhl, wenn ihre Mutter raucht.

Durchfall kann außerdem eine Begleiterscheinung von Atemwegserkrankungen, Harnwegsinfektionen, Blinddarm- oder Mittelohrentzündungen sein oder auftreten, wenn die Zähnchen durchbrechen. Auch wenn das Kind große Mengen Fruchtsaft trinkt, wird der Stuhlgang flüssig, weil Zucker im Darm Wasser bindet. Durchfall tritt häufig gemeinsam mit Blähungen und Bauchschmerzen auf. Werden Säuglinge gestillt, ist ein sehr weicher und bis zu zehnmal täglich auftretender Stuhl (Muttermilchstuhl) allerdings normal.

Was sind die häufigsten Auslöser für Durchfall bei Babys und Kleinkindern?

80 Prozent aller Durchfälle bei Kindern unter zwei Jahren werden durch Rota-Viren ausgelöst. Auch Noroviren und Adenoviren sind Ursachen für Durchfälle. Charakteristisch sind wässrige Stühle, Fieber und Erbrechen. Die Kinder verlieren rasch sehr viel Flüssigkeit. Ist der Stuhl eher schleimig oder gar blutig, stecken meist Bakterien wie Salmonellen, Campylobakter oder bestimmte Darmbakterien (E-Coli-Bakterien) dahinter.

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Durchfall beim Baby: wann zum Arzt gehen?

Faustregel: Je jünger das Kind, desto schneller muss es zum Arzt. Das heißt nicht, dass man sich sofort auf den Weg machen muss, wenn etwas flüssiger Stuhl in der Windel ist. Es kommt auch auf den Allgemeinzustand des Kindes an: Wenn es lebhaft ist und kein Fieber hat, kann man einen Tag abwarten. "Aber wenn das Kind sein Verhalten ändert, sollte man lieber gleich kommen", rät Dr. Susanne Linder, Kinderärztin in Grafrath bei München. "Beispielsweise wenn es nicht trinkt, nicht isst, wenn es zusätzlich zum Durchfall erbricht, Fieber hat und benommen wirkt."

Durchfall beim Baby: Wann kann es gefährlich werden?

Wenn das Kind zu viel Flüssigkeit verliert, kann es austrocknen. Dr. Susanne Linder empfiehlt deshalb, das Kind gleich nach dem ersten flüssigen Stuhlgang zu wiegen: "Der Arzt hat dann ein Ausgangsgewicht und kann abschätzen, wie viel Flüssigkeit das Baby verloren hat und wie er es behandeln muss." Ein Gewichtsverlust bis fünf Prozent ist meist ungefährlich, trotzdem sollte man das Kind zum Arzt bringen. Mehr als zehn Prozent heißt Alarmstufe rot: Das Kind gehört sofort in die nächste Klinik!

Zeichen für starken Flüssigkeitsverlust sind:

  • Das Kind weint fast ohne Tränen, sein Mund ist trocken.
  • Wenn man an seinem Bauch mit zwei Fingern die Haut hochzieht und loslässt, bleibt eine Hautfalte stehen.
  • Bei Babys sinkt die Fontanelle ein.
  • Das Kind wird schläfrig und reagiert nicht mehr richtig auf Ansprache.
  • Es hat hohes Fieber.
  • Die Windel war über 12 Stunden nicht mehr nass.

Brauchen Kinder mit Durchfall Medikamente?

Die meisten Durchfälle hören nach einem Tag von selbst wieder auf. Verliert das Kind nur wenig Flüssigkeit, ist die Therapie einfach: Kamillen-, Fenchel- oder Anistee, schluckweise über den Tag verteilt getrunken, genügt.
Flüssigkeit allein reicht jedoch nicht aus, wenn das Kind fiebert und ständig zur Toilette muss und die Stühle sehr wässrig sind. Jetzt braucht es orale Rehydratations- oder Elektrolytlösungen (aus der Apotheke), um eine Austrocknung zu verhindern. Vor Coca-Cola und Salzstangen oder selbst gemixten Getränken mit Zucker und Salz sollten Sie absehen.
Bekommt das Kind Flüssigkeit, sinkt meistens auch seine Temperatur. Reicht das nicht aus, braucht es Fieberzäpfchen oder -saft, je nachdem, was länger im Körper bleibt. "Das ist notwendig", erklärt Kinderärztin Dr. Linder, "denn durch das Fieber trocknet das Kind noch mehr aus!"

Weitere Hilfen aus der Apotheke sind:

  • Mittel mit natürlichen Milchsäurebakterien, die die Krankheitskeime in der Darmschleimhaut verdrängen;
  • Medikamente mit dem Wirkstoff Racecadotril, die den Wasserverlust im Darm reduzieren.

Was kann ich tun, wenn mein Kind nicht trinken will?

Ein ganzes Glas Rehydratationslösung auf einmal ist meist zu viel. Die Lösung sollte langsam löffelweise gegeben werden. Manchmal mögen die Kinder das Mittel auch lieber kalt: Die Lösung einfach in den Kühlschrank stellen oder - noch wirkungsvoller - in eine Form gießen, ins Eisfach legen und als Lolly zum Lutschen anbieten. Bei Kindern, die nicht so schwer krank sind, kann man es auch mit ungesüßten Kräuter- oder Früchtetees, warmer Gemüsebrühe, Mineral- oder Leitungswasser probieren. Wichtig ist nur, dass das Kind trinkt. Wenn es alles verweigert und auszutrocknen droht, muss es im Krankenhaus eine Infusion bekommen.

Wie kann man andere Familienmitglieder vor Ansteckung schützen?

Durchfallerreger werden in der Regel durch Schmierinfektion übertragen, deshalb ist die Vorbeugung ganz einfach: häufig Hände waschen, mit Seife und warmem Wasser. Außerdem: nach jedem Wickeln die Wickelauflage sorgfältig reinigen, öfter die Toilettenschüssel und -brille sowie die Klinke der Toilettentür mit Desinfektionsmittel abwischen und dem Kind häufig die Wäsche wechseln (bei 60 Grad werden die meisten Viren und Bakterien abgetötet). Kontakt mit Speichel, etwa beim intensiven Schmusen, sollte man meiden, weil die Keime, so Dr. Linder, "überall sind - auch im Mund".

Wann darf mein Kind wieder normal essen?

Früher hat man nach Durchfall zunächst Schonkost gegeben und die Ernährung langsam aufgebaut - davon halten Kinderärzte heute nichts mehr. Langsamer Aufbau bedeutet langsame Erholung. Aber ein Kind braucht Kalorien, damit es schnell wieder zu Kräften kommt. Deshalb: weiter stillen, auch wenn das Baby Durchfall hat. Ein älteres Kind kann wieder am Familientisch mitessen, sobald die schlimmsten Symptome abgeklungen sind. Leicht verdauliche Normalkost ist für den Anfang am besten. Etwa Karotten und andere leicht verdauliche Gemüsesorten, auch Nudeln mit Tomatensauce, Kartoffel- und Reisgerichte, Brot. Putengeschnetzeltes ist jetzt ohne Sahnesauce besser, das Schnitzel bleibt unpaniert.

Wann ist ein Durchfall chronisch?

Treten die Beschwerden trotz Behandlung länger als drei Wochen auf, spricht der Mediziner von einem chronischen Durchfall. Mögliche Krankheitsbilder sind:

  • Eine Laktoseintoleranz: Kinder mit dieser Lebensmittelunverträglichkeit können Milchzucker nur unzureichend verdauen. Nach dem Genuss von Milch, Käse oder Joghurt bekommen sie Blähungen, ihnen wird übel und sie haben Durchfall.
  • Eine Glutenunverträglichkeit (Zöliakie): Der Körper kann das in verschiedenen Getreidesorten enthaltene Gluten nicht aufnehmen.
  • Eine chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa
  • Eine funktionelle Störungen, z.B. Reizdarmsyndrom