Erste Hilfe: Gerettet!

Manchmal kommt es auf Sekunden an. Deshalb ist es gut zu wissen, wie man nach Unfällen richtig reagiert – auch wenn wir allen Eltern wünschen, dass Sie diese Kenntnisse nie anwenden müssen.

Das Kind ist bewusstlos

Erste Hilfe: Gerettet!

Wenn ein Kind weder auf Berührung, leichtes Kneifen oder Rütteln noch auf Ansprechen reagiert, hat es das Bewusstsein verloren. In diesem Fall rufen Sie sofort den Rettungsdienst! (Hier finden Sie alle wichtigen Telefonnummern) Weil es aber im Durchschnitt etwa 15 Minuten dauert, bis professionelle Hilfe vor Ort ist, müssen Sie unbedingt selbst handeln.
So können Sie helfen: Prüfen Sie, ob das Kind noch atmet. Dabei überstrecken Sie leicht den Kopf des Kindes, indem Sie ihn vorsichtig nach hinten beugen. Nun halten Sie Ihr Ohr über Nase und Mund des Kindes: Hören Sie Atemgeräusche, spüren Sie einen Luftzug?
Hebt und senkt sich der Brustkorb? Wenn ja, bringen Sie Ihr Kind in die so genannte stabile Seitenlage. Bei Bewusstlosigkeit funktioniert der Würge- und Hustenreflex nicht mehr, auf dem Rücken liegend könnte das Kind an seinem Erbrochenem oder der eigenen Zunge ersticken.
Kontrollieren Sie in jedem Fall den Mundraum, säubern Sie ihn von Erbrochenem und entfernen Sie Fremdkörper. Der Mund sollte leicht geöffnet bleiben, damit Erbrochenes jederzeit ungehindert abfließen kann.
Was, wenn das Kind bewusstlos ist und nicht atmet? Dann liegt ein Atem- und Herzstillstand vor, und man muss sofort mit einer Wiederbelebung beginnen. Dabei beatmen Sie das Kind und wenden gleichzeitig die Herzdruckmassage an.
 

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Das Kind hat sich verschluckt

Vor allem neugierige Krabbler sind gefährdet, Kleinteile wie Murmeln, Knöpfe oder Münzen zu verschlucken. Ein kleines Kind kann sogar an einer Erdnuss ersticken.
So können Sie helfen: Steckt ein Fremdkörper in der Luftröhre, sollten Sie Ihr Kind über Unterarm oder Knie legen – Oberkörper senkrecht nach unten – und fünfmal kräftig mit dem Handteller zwischen die Schulterblätter klopfen. Hilft das nichts, legen Sie das Kind auf einer harten Unterlage auf den Rücken und drücken fünfmal mit zwei Fingern auf die Mitte des Brustbeins. Klappt auch das nicht, den Notarzt rufen und versuchen zu beatmen.

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Das Kind hat einen Kruppanfall

Ohne Vorwarnung mitten in der Nacht: Sie werden wach, weil Ihr Kind seltsam trocken, hohl und sehr laut hustet (ähnlich wie das Bellen eines Seehundes) und unter Atemnot leidet. Von einem solchen Pseudokrupp-Anfall sind besonders Kinder im Alter von einem bis zu drei Jahren betroffen. Ursache ist eine Schwellung der Schleimhaut im Bereich des Kehlkopfes und der Stimmbänder. Die Atemwege sind eingeengt, und es kann Atemnot entstehen. Auslöser sind übrigens ganz normale Erkältungsviren.
So können Sie helfen: Beruhigen Sie Ihr Kind! Gehen Sie mit ihm auf den Balkon, auf die Terrasse, ans offene Fenster oder auch an die offene Kühlschranktür, wo es kalte Luft einatmen kann. Die kalte Luft bewirkt, dass der Kehlkopf etwas abschwillt. Gleiches gilt für warme feuchte Luft. Deshalb hilft es auch, ins Badezimmer zu gehen und über die Handbrause heißes Wasser in die Badewanne laufen zu lassen (Stöpsel rein!).
Verbessert sich die Atmung innerhalb einer halben Stunde nicht merklich, fahren Sie zur Sicherheit in eine Klinik mit Kinderabteilung. Bei schweren Anfällen, die sehr selten vorkommen (Blaufärbung der Lippen), rufen Sie den Rettungsdienst.

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Das Kind hat einen Elektrounfall

Bekommt das Kind einen elektrischen Schlag, sind Verbrennungen an den Ein- und Austrittstellen des Stromes (die so genannten Strommarken) sowie an inneren Organen die Folge. Der Strom verursacht eine starke Muskelverkrampfung der Finger, so dass der Körper des Kindes an dem Gerät, durch das es den Stromschlag erlitten hat, wie festgeklebt ist. Es kann zu einem Atem- und Herzstillstand kommen.
So können Sie helfen: Unterbrechen Sie so schnell wie möglich den Stromkreis! Fassen Sie das Kind nicht an, solange es in Kontakt mit dem Stromleiter ist! Fassen Sie auch das elektrische Gerät nicht an, es könnte ebenfalls unter Strom stehen! Wenn Sie nicht schnell genug an die Stromquelle kommen, schlagen oder treten Sie das Kind mithilfe eines nichtleitenden Gegenstandes (Schuhsohle, Holz oder Plastikgegenstände) von der Stromquelle weg. Kontrollieren Sie dann Atmung und Puls. Atmet das Kind, bringen Sie es in eine stabile Seitenlage. Zur Sicherheit sollten Sie ins Krankenhaus fahren, sobald es Ihrem Kind wieder besser geht. Kommt es zu einem Herzstillstand, sofort den Notarzt rufen und wiederbeleben!
 

Das Kind ist ins Wasser gefallen

Gartenteich, Regentonne und Plantschbecken können leicht zur tödlichen Falle werden. Kleine Kinder können bereits in einer flachen Pfütze ertrinken, wenn sie mit dem Gesicht nach unten hineinfallen. Lassen Sie Ihr Kind deshalb auch niemals allein in der Badewanne, und verwenden Sie immer Antirutschmatten.
So können Sie helfen: Prüfen Sie, ob Ihr Kind atmet. Tut es das nicht, müssen Sie sofort mit der Wiederbelebung in Form von Atemspende und Herzmassage beginnen! Versuchen Sie nicht, Wasser aus dem Körper des Kindes zu entfernen – für das Kind ist es jetzt am wichtigsten, dass es so rasch wie möglich wiederbelebt und beatmet wird. Machen Sie unbedingt so lange weiter, bis der Notarzt eintrifft! Auch Kinder, die alles scheinbar unbeschadet überstanden haben, müssen ins Krankenhaus, da sich bis zu 48 Stunden nach dem Unfall ein Lungenödem entwickeln kann.

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Das Kind ist auf den Kopf gestürzt

Ein Sturz vom Wickeltisch oder einer Rutsche, ein Unfall beim Sport oder im Straßenverkehr – oft geht so etwas gut aus, aber manchmal kommt es dabei auch zu schweren Kopfverletzungen.
So können Sie helfen: Hat das Kind eine Platzwunde, drücken Sie zunächst eine Wundkompresse auf, um die Blutung zu stillen. Geht es Ihrem Kind ansonsten gut, können Sie es selbst zum Arzt oder ins Krankenhaus bringen. Kopfwunden müssen meist genäht werden.
Sieht man nichts, kann Ihr Kind trotzdem eine Gehirnerschütterung oder eine andere ernste Verletzung haben. Umgehend ins Krankenhaus müssen Sie, wenn das Kind auffallend still ist, vielleicht sogar schläfrig, über Kopfschmerzen klagt oder erbricht. Den Notarzt alarmieren Sie, wenn Wasser oder Blut aus Ohren oder Nase läuft, wenn das Kind verwirrt und natürlich, wenn es bewusstlos ist. Nach Stürzen auf den Kopf sollte man ein Kind immer 24 Stunden genau beobachten. Kommt es Ihnen verändert vor, holen Sie sich am besten sofort Rat.

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Das Kind hat sich etwas gebrochen

Anzeichen für einen Bruch sind eine unnatürliche Lage, sichtbare Knochenenden (bei einem offenen Bruch) oder eine Stufenbildung am verletzten Körperteil.
So können Sie helfen: Das Kind vorsichtig hinlegen und die Bruchstelle möglichst nicht bewegen. Einen gebrochenen Arm mit Dreieckstüchern ruhig stellen, ein gebrochenens Bein möglichst in der vorgefundenen Position belassen und abstützen, bis der Rettungswagen eintrifft. Einen offenen Bruch sollte man mit Verbandstüchern steril abdecken. Haben Sie Verdacht auf einen Bruch der Wirbelsäule – Lähmungen, Abgang von Stuhl und Urin –, das Kind auf keinen Fall bewegen, nur den Kopf seitlich stützen, aber ohne ihn anzuheben. Zwar möchte jede Mutter ihr schwer verletztes Kind in den Armen halten, aber dieser Impuls könnte in dieser Situation ein fataler Fehler sein!

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Das Kind blutet stark

Während Schürfwunden meistens harmlos sind, müssen schlimmere Verletzungen mit starker Blutung unbedingt sofort behandelt werden.
So können Sie helfen: Um die Blutung zu stillen, drücken Sie ein Baumwolltuch einige Minuten auf die Wunde. Legen Sie das Kind auf den Boden, lagern Sie den blutenden Körperteil hoch und drücken Sie weiter auf die Wunde, bis die Blutung nachlässt. Machen Sie jetzt einen Druckverband: Dazu wird die sterile Kompresse eines Verbandpäckchens auf die Wunde gelegt und mit zwei Umwicklungen fixiert. Ein Druckpolster (eingepackte Mullbinde oder Verbandpäckchen) wird über der Wunde platziert und straff - aber nicht zu fest - umwickelt. Je nach Situation den Rettungsdienst verständigen.
Bei Nasenbluten neigen Sie den Kopf in sitzender Haltung leicht nach vorn. Es ist falsch, den Kopf nach hinten zu legen, weil dann Blut in den Magen gelangen und Übelkeit verursachen kann. Stopfen Sie auch keine Watte oder Papiertaschentücher in die Nase. Am besten legen Sie Ihrem Kind kalte Kompressen in den Nacken. Sie bewirken ein Zusammenziehen der Blutgefäße in der Nase. Verständigen Sie den Rettungsdienst, wenn die Blutung auch nach 20 Minuten nicht aufgehört hat.

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Das Kind hat sich verbrannt

Bei Verbrennungen ersten Grades ist die Haut gerötet, heiß und geschwollen wie bei einem Sonnenbrand. Der Betroffene verspürt einen brennenden, ziehenden Schmerz. Kommt es zur Hautrötung mit starker Schwellung, Blasenbildung und oberflächlicher Zerstörung der Haut und hat das Kind starke Schmerzen, liegt eine Verbrennung zweiten Grades vor.
So können Sie helfen: Kühlen Sie die verbrannte bzw. verbrühte Stelle mindestens zehn bis 15 Minuten lang. Es kommt auf die Länge des Kühlens an. Muss der Bauch oder die Brust gekühlt werden, besteht Unterkühlungsgefahr: Das Wasser sollte dann nicht ganz so kalt sein und das Kind unbedingt in Decken warm gehalten werden. Entfernen Sie nun Kleidung, die nicht mit der Wunde verklebt ist. Danach Brandwunden mit Verbandtüchern steril abdecken. Geben Sie auf keinen Fall Puder, Mehl oder Cremes auf offene Brandwunden. Bei Verbrennungen ersten Grades tragen Sie Brandsalbe auf und machen Umschläge mit Essig oder verdünnter Brennnesseltinktur. Brandblasen auf keinen Fall öffnen – Infektionsgefahr!
Alle Verbrennungen, die mehr als ein Prozent der Körperoberfläche ausmachen (entspricht etwa der Größe einer Handfläche des Patienten), sollten in einem Krankenhaus behandelt werden. Auch kleine, offene Verbrennungen sind sehr infektionsgefährdet.

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Das Kind hat eine Vergiftung

Nach Medikamenten stehen vor allem Nikotin, Haushaltsreiniger und Pflanzen auf der Gefahrenliste für Kinder.
So können Sie helfen:Bewahren Sie Ruhe, meist ist genügend Zeit für einen Anruf beim Giftnotruf (Hier finden Sie alle wichtigen Telefonnummern). Geben Sie keine Milch! Bei Tabletten, Pflanzenteilen, Alkohol und Tabak rufen Sie bei der Vergiftungszentrale an, um weiteres Vorgehen zu klären.
Hat Ihr Kind Wasch- und Spülmittel getrunken, geben Sie ihm Sab Simplex oder Lefax-Tropfen als "Entschäumer" und rufen Sie den Giftnotruf an. In keinem Fall dürfen Sie Erbrechen auslösen oder etwas zu trinken geben. Geben Sie trockenes Brot, falls kein Entschäumungsmittel zur Hand ist.
Ätzende Stoffe wie Geschirrspülmaschinenreiniger, WC-Reiniger, Backofenspray oder Rohrreiniger greifen die Schleimhäute des Mundes und Verdauungstraktes an. Dies kann sehr schmerzhaft sein. Rufen Sie den Notarzt, und bringen Sie das Kind auf keinen Fall zum Erbrechen, da sonst der ätzende Stoff die Speiseröhre zweimal passiert. Lassen Sie Wasser, Tee oder verdünnte Säfte nachtrinken. Aber geben Sie nicht mehr als ein Glas, zu viel Flüssigkeit könnte das Erbrechen begünstigen.

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Das Kind wurde gestochen

Gut zu wissen: Beim Wespenstich bleibt der Stachel nicht stecken, beim Stich einer Biene bleibt er mit Giftblase in der Haut zurück.
So können Sie helfen: Steckt der Stachel noch, ziehen Sie ihn mit einer Pinzette heraus. Anschließend kühlen Sie den Stich mit einer Insektenstich-Salbe, oder Sie reiben die Stichstelle mit einer aufgeschnittenen Zwiebel ein. Gefährlich wird es, wenn das Kind allergisch auf Insektengift reagiert – dann kann es zu Atemnot und einem allergischen Schock kommen. Dieser zeigt sich durch Rötung und Quaddelbildung der Haut am ganzen Körper. Bei einem allergischen Schock genauso wie bei Atemnot durch eine allergische Reaktion sollte sofort ein Rettungsdienst gerufen werden.
Dasselbe gilt bei einem Stich in den Mund-Rachenraum. Lassen Sie Ihr Kind bis zur Ankunft des Notarztes einen Eiswürfel lutschen, und legen Sie ihm kalte Tücher um den Hals.

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Das Kind hat einen Fieberkrampf

Das Kind ist bei einem Fieberkrampf bewusstlos und steif; oder es zuckt, verdreht die Augen und hat kurzzeitig blaue Lippen. Doch was so gefährlich aussieht, ist meistens harmlos und in wenigen Minuten vorüber. Auslöser ist schnell ansteigendes Fieber, nicht hohes Fieber an sich.
So können Sie helfen: Bewahren Sie Ruhe! Den Anfall selbst können Sie nicht beenden, er endet von selbst. Rufen Sie auf jeden Fall den Rettungsdienst, und überwachen Sie die lebenswichtigen Funktionen. Bei Kindern, die schon einmal einen Fieberkrampf hatten, empfehlen Kinderärzte spätestens bei Fieber von 39 Grad Celsius ein fiebersenkendes Zäpfchen.

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Zurück ins LEBEN

Säuglinge: Zeige- und Mittelfinger parallel zum Brustbein auf den Druckpunkt setzen und 1 bis 2 cm tief eindrücken.
Säuglinge: Zeige- und Mittelfinger parallel zum Brustbein auf den Druckpunkt setzen und 1 bis 2 cm tief eindrücken.

Maßnahmen zur Wiederbelebung sind nicht ganz einfach. Deshalb ist es sinnvoll, einen Erste-Hilfe-Kurs zu machen und besonders die Beatmung und Herzdruckmassage hin und wieder zu üben. Das bringt Sicherheit.

Beatmung
Bei Babys und Kleinkindern: Legen Sie das Kind auf eine harte Unterlage, zum Beispiel einen Tisch, den Kopf nur ganz leicht überstrecken. Nun holen Sie Luft und legen dann Ihren Mund über Nase und Mund des Kindes. Beatmen Sie fünfmal nacheinander und holen Sie dann selbst wieder Luft. Aber Vorsicht: Die Lunge von Babys ist sehr klein. Grundsätzlich sollten Sie so viel beatmen, dass sich der Brustkorb des Kindes deutlich hebt.
Bei größeren Kindern: Beatmen Sie entweder Mund zu Mund oder Mund zu Nase. Wenn das Kind wieder zu atmen beginnt, spüren Sie das sofort.

Die Herzdruckmassage
Wenn Atmung und Puls fehlen, müssen Sie Ihr Kind beatmen und gleichzeitig eine Herzdruckmassage durchführen. Den richtigen Druckpunkt finden Sie so: Beim Baby liegt er einen Finger unterhalb der Brustwarzenlinie, bei größeren einen bis zwei Finger oberhalb des unteren Brustbein-Endes.
Gedrückt wird mit zwei Fingern bzw. dem Handballen. Beatmung und Herzdruckmassage werden immer im Wechsel durchgeführt: bei Kindern bis zum 7. Lebensjahr im Verhältnis 1 (beatmen) : 5 (drücken), bei Kindern ab acht Jahren immer 2 : 15.
Sie dürfen diese Herz-Lungen-Beatmung erst beenden, wenn Sie eindeutige Lebenszeichen erkennen, das Kind also atmet und Sie den Puls spüren. Ist dies nicht der Fall, reanimieren Sie, bis der Arzt da ist.

Rufnummern für den Notfall

Rettungsdienst, Notarzt 112
Feuerwehr 112
Polizei 110

Vergiftungszentralen Deutschland:
Berlin 030-19240
Bonn 0228-19240
Erfurt 0361-730730
Freiburg 0761-19240
Göttingen 0551-19240
Homburg/Saar 06841-19240
Mainz 06131-19240
München 089-19240
Nürnberg 0911-3982451

Informationen zu Erste-Hilfe-Kursen für Säuglinge und Kleinkinder finden Sie unter den Internetadressen
www.erste-hilfe-fuer-kinder.de,
www.malteser.de,
www.drk.de