Ratgeber
 
Gesundheitsmeldungen für Kinder und Jugendliche

Wie kommen Morgenmuffel gut in den Tag? Wann ist Nägelkauen nicht mehr harmlos? Außerdem: Warum Eltern unbedingt einen Erste-Hilfe-Kurs machen sollten. Gesundheitsmeldungen rund um die Themen Kinder und Jugendliche.

Expertengespräch: Macht der Computer die Augen krank?

"Kind, du verdirbst dir die Augen!" Waren es früher die Bücher, die Kinder heimlich unter der Bettdecke lasen, so sind es heute die PCs, die Kinderaugen in Gefahr bringen sollen. Malt da wieder mal jemand den Teufel an die Wand? ELTERN family sprach mit Dr. med. Georg Eckert, Pressesprecher des Berufsverbandes der Augenärzte.

Kinder und Jugendliche sitzen heute oft stundenlang dicht vor einem Bildschirm. Was macht das mit den Augen?
Kinder und Jugendliche haben erstaunlicherweise fast nie Probleme, vielleicht weil sie in den unmöglichsten Haltungen vor dem Bildschirm hocken. Bei jungen Menschen funktioniert aber auch die Befeuchtung des Auges mit Hilfe des Tränenfilms noch sehr gut. Wenn Eltern sehen, dass ihre Kinder Rötungen in den Augen bekommen oder wenn die Kinder darüber klagen, dass ihre Augen jucken und brennen, dann hilft meist folgender Rat: Augen immer wieder mal für einige Sekunden schließen, häufig blinzeln und regelmäßig vom Bildschirm weg in die Ferne schauen.

Können sich Kinder durch ihre Liebe zum Computer die Augen verderben?
Nein. Hat ein Kind eine Veranlagung zu einer Sehschwäche, dann wird diese möglicherweise nun eher offenkundig, denn wer Einschränkungen in seiner Sehkraft hat, dessen Augen sind nicht so anpassungsfähig wie gesunde.

Wie sollte der Bildschirm aufgestellt sein, damit er die Augen nicht zu sehr strapaziert?
Fast alle Benutzer starren waagrecht auf den Bildschirm - und das mögen die Augen nicht. In der physiologischen Blickrichtung nach unten erfolgt der Lidschlag in normaler Frequenz, bei starrem Blick geradeaus seltener. Die Hornhaut wird weniger befeuchtet. Der Bildschirm sollte so abgesenkt sein, dass man quasi runtergucken muss. Trotzdem sollten sich Eltern keine allzu großen Sorgen machen: Vier Stunden berufliche Arbeit scheint Erwachsenen-Augen selbst unter optimalen Bedingungen mehr zuzusetzen als einem jungen Auge eine durchsurfte Nacht.

Wichtig für alle Eltern: ein Erste-Hilfe-Kurs

Dass dem Kind etwas Schlimmes passiert - ein scheußlicher Gedanke! Verdrängen ist keine Lösung, denn die richtige Reaktion kann lebensrettend sein und bleibende Schäden verhindern. Deshalb sollten sich Mütter und Väter in einem Erste-Hilfe-Kurs speziell für Eltern fit machen. Keine Angst - es geht in diesen Kursen nicht nur um Katastrophen, sondern zum Beispiel auch um Fragen wie:

  • Was tue ich, wenn mein Kind etwas verschluckt hat und nach Luft schnappt?
  • Wie hole ich eine Erbse aus dem Nasenloch?
  • Wie reagiere ich, wenn mein Kind von einem unbekannten Strauch gegessen hat?
  • Was mache ich bei einem Pseudokrupp-Anfall oder bei einem Fieberkrampf?
  • Wie kühlt man Prellungen und Verbrennungen richtig?
  • Wann müssen Wunden vom Arzt versorgt werden?
  • Was tun mit einem ausgeschlagenen Zahn?


  • Erste-Hilfe-Kurse für Eltern bieten z. B. das DRK, Krankenhäuser und selbstständige Sanitäter und Krankenschwestern an.

    Buchtipp: "Schnelle Hilfe für Kinder", Janko von Ribbeck, Kösel, 16,95 Euro.

    Nägelkauen: Wann ist das nicht mehr harmlos?

    Nach Schätzungen von Experten kauen rund 30 Prozent der Kinder und Jugendlichen zeitweise an ihren Nägeln. Die meisten Kinder beginnen damit im Kindergartenalter und hören spätestens in der Pubertät wieder auf. Nur selten bleibt diese Angewohnheit bis ins Erwachsenenalter. Psychologen sprechen von einer "Leerlaufhandlung", und meinen damit eine eher unbewusste Aktivität, die dem Abbau von Spannungen dient. Fügt sich ein Kind keine Verletzungen zu, kann man getrost abwarten. Ganz wichtig ist, dass Mütter und Väter nicht seelische Nöte hinter der Marotte vermuten. Das Kind spürt die Schuldgefühle und Ängste der Eltern, und gerät noch mehr unter emotionalen Druck.

    Wie bei vielen Besonderheiten im Kindesalter ist es allerdings auch hier möglich, dass sich dieses Phänomen verselbstständigt und dann eben doch zu einem Problem wird. Deshalb kann es helfen, einem Kind Alternativen anzubieten, wie etwa die Finger an einer kleinen Zahnbürste in der Hosentasche zu reiben oder einen glatten Kieselstein in der Hand zu bewegen. Ablenkung ist hier gewissermaßen die Hausapotheke. Beißt ein Kind seine Nägel so weit ab, dass das Nagelbett verletzt wird und Entzündungen oder Pilzinfektionen entstehen, braucht das Kind psychologische Hilfe. Bitter schmeckende Lacke oder Cremes, die es zum Auftragen auf den Nagel gibt, können hier nichts ausrichten.

    Lärm stresst Gedächtnis und Immunsystem

    Chronisch rauschender Straßenlärm ist nicht gesund, auch wenn man ihn oft kaum mehr wahrnimmt. Wahrscheinlich spielt die Ausschüttung von Stresshormonen, darunter vor allem das Kortisol, die entscheidende Rolle. Kortisol erzeugt eine "Niederlage-Reaktion" des Körpers, wie sie beispielsweise auch entsteht, wenn man von nahe stehenden Menschen enttäuscht wird. Gerät man immer wieder in solche Situationen, arbeitet das Immunsystem nicht optimal, und das Herz-Kreislauf-System wird belastet. Lärm soll sogar allergische Erkrankungen begünstigen: Studien haben ein fünffach erhöhtes Risiko für allergische Bronchitis und ein dreifach erhöhtes Risiko für Neurodermitis ausgemacht. An den Schadstoffen, die oft als "Lärmbegleiter" auftreten, kann es nach Meinung der Forscher nicht allein liegen.

    Lärm nervt beim Lernen - das ist nicht neu. Aber Lärm stört nicht nur die Konzentration, sondern beeinträchtigt auch die Lesefertigkeit sowie das Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis bei Schulkindern. Diese Fähigkeiten holen übrigens sofort auf, wenn der Lärm wegfällt. Ob und wie rasch sich ein dauerhaft gestresstes Immunsystem erholt, ist allerdings noch nicht geklärt.

    Was hilft Morgenmuffeln auf die Beine?

    Morgenmuffel können wirklich nichts für ihre schlechte Laune nach dem Aufwachen. Ihre Gene steuern die innere Uhr. Morgens ist einfach nicht ihre Zeit. Das Allerwichtigste: die Sache langsam angehen. Ein Radiowecker oder ein CD-Player mit Snooze-Funktion kann ihnen helfen, bei leiser Musik zu sich zu kommen. Die Schulsachen wurden selbstverständlich am Vorabend gepackt, auch die Kleidungsstücke liegen zum Einsteigen bereit. Zu Wechselduschen, Bürstenmassagen und Gymnastik kann man meist nur junge Mädchen überreden, die sich von diesen Maßnahmen Beauty-Effekte versprechen.

    Häufig haben diese Kinder wenig Appetit, vielleicht trinken sie aber wenigstens eine Tasse Kakao oder eine frisch gemixte Bananenmilch. Ansonsten sollte man ein Schälchen Vollkorn-Flakes mit Milch und Obst anbieten. Besonders wichtig für diese Kinder: ein vollwertiges Pausenbrot! Ebenfalls wichtig, wenn auch sehr unbeliebt: pünktlich zu Bett gehen. Das berühmte Glas warme Milch oder eine Rücken-Massage kann diesen Kindern helfen, zur Ruhe zu kommen. Beruhigende ätherische Öle: Bergamotte, Muskatellersalbei, Rose, Patchouli, Ylang-Ylang.

    Sturz auf die Nase - immer zum HNO-Arzt!

    Kinder fallen nun einmal öfter auf die Nase als Erwachsene. Ihr Kopf ist im Verhältnis zum Körper groß und schwer, und die Arme sind noch nicht lang und schnell genug, um den Sturz abzufangen. Auf die Nase zu fallen tut scheußlich weh, klar. Viele Kinder beruhigen sich aber schnell wieder. Trotzdem sollten Eltern mit ihrem Kind immer zum HNO-Arzt gehen, wenn die Nase bei einem Sturz etwas abbekommen hat. Viele behandlungsbedürftige Nasenverletzungen wie beispielsweise Knorpelbrüche werden nämlich zunächst übersehen, weil sich außer einem dumpfen Schmerz und dem Gefühl der „verstopften“ Nase keine Symptome zeigen. Ein Bluterguss entwickelt sich erst nach 24 bis 48 Stunden. Sollte die Nasenform gelitten haben, so kann man die mit einem kleinen Eingriff wiederherstellen.

    Knetmasse kaufen oder selber machen?

    Wochenende, mieses Wetter - und keine Knete im Haus? Kein Problem, Knete kann man auch selbst machen, z. B. aus Mehl, Wasser, Öl und Salz. Im Internet gibt es jede Menge Rezepte. Seit einiger Zeit wird allerdings vor einer Zutat gewarnt: Alaun. Alaun gibt es in Apotheken, es sieht aus wie Salz, wirkt desinfizierend und soll die Knetmasse vor einem Befall mit Keimen schützen.

    Doch nun warnen Apotheker: Alaun ist eine Chemikalie und hat in Kinderspielzeug nichts zu suchen. Es gibt nämlich keine Grenzwerte für eine gefahrlose Aufnahme von Alaun. Wenn ein Kind doch mal mit alaunhaltiger Knetmasse gespielt hat, beispielsweise in der Nachbarschaft, sollte es sich anschließend gründlich die Hände waschen.
    Übrigens: Knetmasse von namhaften Herstellern kann man bedenkenlos kaufen. Meist werden hierfür Wachse verwendet, wie sie auch in Lebensmitteln oder kosmetischen Produkten enthalten sind. Hochwertige Knetmassen sind "lebensmittelecht", d. h. sie sind gesundheitlich unbedenklich, sollte ein Kind davon mal etwas verschlucken.

    Exotische Früchte - Bio ist besser!

    Wir haben hierzulande eines der strengsten Lebensmittelgesetze der Welt. Und trotzdem passiert es, dass hin und wieder Obst und Gemüse mit hohen Pestizid-Rückständen in den Supermärkten liegt. Betroffen sind natürlich auch exotische Früchte wie Bananen, Orangen, Kiwi, Ananas, Curumba, Guave, Karambole, Kumquat, Litschi und Physalis. Über die Schadstoffbelastung dieser Ware ist oft noch wenig bekannt. Fest steht: Dieses Obst wird meist unreif geerntet und muss für die Reise fast zwangsläufig gespritzt, begast und/oder gewachst werden. Es gibt viele Pestizide und andere Obstschutzmittel, die in Europa und ganz besonders in Deutschland schon seit Jahren verboten sind, aber in den Herkunftsländern noch eingesetzt werden dürfen. Verbraucherberatungen warnen, dass exotische Früchte insgesamt zwar „nur“ als mittelmäßig belastet anzusehen sind, dass aber bei Stichproben immer wieder erschreckend hohe Werte gefunden werden. Auch bei exotischen Früchten gilt: Wer sich für Bio-Ware entscheidet, hat weniger Schadstoffe im Einkaufskorb.
    Auskünfte gibt es bei Greenpeace oder unter www.pestizidwissen.de

    Hilfe - mein Kind nimmt seine Arznei nicht!

    Wer krank ist, muss seine Arznei nehmen. Manchen Kindern ist das nicht so leicht begreiflich zu machen. Zu keinem anderen Zeitpunkt verlangt jemand von ihnen, dass sie etwas essen, was ihnen nicht schmeckt. Viele Kinder schlucken Tropfen, Saft oder Sirup eher, wenn er aus dem Kühlschrank kommt. Die Kälte betäubt die Geschmacksnerven vorübergehend. Manchmal hilft auch das Verdünnen mit Fruchtsaft. Allerdings darf die Portion dabei nicht zu groß werden, sonst kann das Kind womöglich die komplette Dosis gar nicht austrinken. Auch Milch und Joghurt können hilfreiche Begleiter sein. "Die Warnung, dass bestimmte Medikamente wie etwa Antibiotika nicht mit Milch oder Milchprodukten eingenommen werden sollten, da sie sonst ihre Wirksamkeit verlieren, muss man nicht so ernst nehmen", so Dr. Ulrich Fegeler, Kinder- und Jugendarzt in Berlin sowie Bundespressesprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). "In der Tat gibt es die so genannte Proteinbindung, also eine Verbindung zwischen Wirkstoff und Eiweiß, aber diese Prozesse sind nicht der Rede wert. Ich rate den Eltern, Arzneien in etwas Fruchtjoghurt zu geben. Viele dieser Joghurtzubereitungen schmecken wegen der enthaltenen natürlichen Aromastoffe recht intensiv und überdecken damit so manchen anderen Geschmack. Eltern von kleineren Kindern gebe ich häufig eine Spritze mit. Damit können sie zum einen die Dosis exakt abmessen und zum anderen die Arznei ganz spielerisch verabreichen - ohne den Balanceakt mit dem Löffel."

    Frühbehandlungszentrum hilft Jugendlichen in der Krise

    Erwachsen werden kann ganz schön anstrengend sein. Sowohl körperlich als auch seelisch. Für gar nicht so wenige Jugendliche, nämlich fast 20 Prozent, ist diese Entwicklungsphase eine derartige psychische Strapaze, dass sie Hilfe brauchen. Werden diese Schwierigkeiten oder die ersten Anzeichen einer Angst- und Zwangskrankheit nicht oder zu spät behandelt, kann das zu einem lebenslang belastenden Problem werden. An der Psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg gibt es ein seit einigen Jahren bewährtes Zentrum für die Frühbehandlung (FBZ) solcher junger Menschen. Hier werden Behandlungsbausteine aus Psychotherapie sowie Musik-, Ergo-, Kunst-, Bewegungs- und Arbeitstherapie angeboten. Die Betreuung erfolgt immer durch dasselbe Team, weil man heute weiß, dass eine solche Kontinuität für den Therapieerfolg sehr wichtig ist.
    Weitere Information
    Ähnliche Einrichtungen gibt es an allen Universitätskliniken für Psychiatrie und Psychotherapie.

    Übertragen Hunde den Fuchsbandwurm?

    Es ist wissenschaftlich erwiesen: Haustiere tun Kindern gut. Seit etwa einem Jahr stehen Hunde nun am Pranger. "Fuchsbandwurm - größte Gefahr geht vom Hund aus", so lauten die Schlagzeilen. Heidelbeeren und andere Waldfrüchte werden zu unrecht mit der Übertragung des Fuchsbandwurms in Verbindung gebracht, so hatte eine Studie ergeben. Wie riskant ist der Kontakt zu Hunden? Prof. Dr. Eberhard Schein, Leiter des Instituts für Parasitologie und Internationale Tiergesundheit an der FU Berlin: "Obwohl immer mehr Füchse in die Städte und da in die Gärten kommen und obwohl sich der Fuchsbandwurm über fast ganz Deutschland ausgebreitet hat, haben die Infektionen bei Menschen nicht nennenswert zugenommen. Das liegt nicht nur daran, dass Stadthunde - im Gegensatz zu den in ländlichen Regionen gehaltenen Hunden - in vielen Fällen an der Leine geführt werden und industriell hergestelltes Futter bekommen. Sie haben einfach keine Gelegenheit, Mäuse zu fangen. Denn nur Hunde, die sich als Mäusefänger betätigen, kommen als so genannter Zwischenwirt des Fuchsbandwurms in Frage. Nur weil ein Hund seine Nase permanent in Bodennähe hat, bekommt er keine Würmer. Katzen spielen übrigens in diesem Zusammenhang keine Rolle, obwohl sie - sofern sie Freilauf haben - ja ständig Mäuse fangen. Aber der Fuchsbandwurm kann sich in Katzen nicht weiterentwickeln." Human- wie Tiermediziner registrieren seit längerem einen erfreulichen Trend: Deutschlands Haustiere sind weitgehend frei von Krankheiten, die auf den Menschen übertragen werden könnten. Das liegt auch daran, dass Haustiere regelmäßig entwurmt werden. Prof. Dr. Eberhard Schein: "Wir haben vor einiger Zeit in allen größeren deutschen Städten Sandkastenproben entnommen und in keiner der Proben Parasitenstadien gefunden, die für den Menschen gefährlich werden könnten."

    Vor dem Umzug eine Raumluftuntersuchung?

    Husten, tränende Augen, Schwindel, Kopfschmerzen – es kommt relativ häufig vor, dass nach Neuanschaffungen, Renovierungen oder Umbauten im Haus unerklärliche Beschwerden auftreten. Nur jetzt kein unseriöses Beratungs-Angebot annehmen! Besser ist es, sich von einem Umweltmediziner beraten zu lassen. Solche Fachärzte können auch Tipps geben, an wen sich eine Familie wenden kann, die ein älteres Haus mieten oder kaufen will und hinsichtlich möglicher Altlasten unsicher ist. Manchmal ist das Problem schnell gelöst: Nicht selten haben Husten und gerötete Augen mit mangelnden Lüften zu tun, mit Fertigputzen an den Wänden, bestimmten Fußbodenbelägen oder falschem Heizen. In bestimmten Fällen macht es Sinn, das Leitungswasser auf Blei-, Kupfer- oder Nickelbelastungen zu überprüfen, vor allem bei Allergien, Verhaltensauffälligkeiten und Lernstörungen. Auch die Untersuchung von Hausstaubproben führt hin und wieder auf die richtige Spur, denn hierin können sich Schadstoffe wie Asbest, Schimmelpilzsporen oder Gifte aus Holzschutzmitteln finden. Mit welchen Kosten muss man rechnen? Eine Begehung kostet ca. 80 Euro pro Stunde, für Staubuntersuchungen werden 175 Euro, für Raumluftuntersuchungen etwa 200 Euro berechnet. Wenn ein Berater gleich das ganze Haus für 1000 Euro untersuchen möchte, ist er wahrscheinlich mehr am Geld als an der Gesundheit der Rat suchenden Familie interessiert. Umweltmediziner in Wohnortnähe findet man unter www.dbu-online.de Buchtipp: „Gesund wohnen - Schadstoffe beseitigen: Was Sie für eine bessere Wohnqualität tun können“, Christoph Trautmann u.a., Stiftung Warentest, 9,80 Euro.

    So jung und schon einen Hexenschuss?

    Von einer Minute zur anderen kann sich das Kind kaum noch rühren und klagt über scheußliche Rückenschmerzen. Keine Sorge, wahrscheinlich ist es nur ein Hexenschuss. Der kann auch junge Menschen treffen. Jeder zweite Schüler klagt über Rückenschmerzen. In einer Untersuchung in Thüringen waren rund 37 Prozent der Kinder reif für eine Krankengymnastik.

    Den plötzlich einschießenden Rückenschmerz nennen Ärzte "Lumbago" und gehen davon aus, dass ein eingeklemmter Nerv dahinter steckt. In der Lendenwirbelregion gibt es jede Menge schmerzleitende Nervenfasern, so dass schon kleine Auslöser heftigste Schmerzen machen können. Als Reaktion auf den Schmerz verspannen sich die Rückenmuskeln immer mehr, und die Betroffenen bewegen sich, als hätten sie einen Besenstiel verschluckt.

    Rasche Hilfe bei Nasenbluten

    Der Schreck ist groß, wenn plötzlich Blut aus der Nase läuft. Manche Kinder haben buchstäblich alle nasenlang Nasenbluten. Das ist fast immer harmlos. Die empfindliche, von vielen Äderchen durchzogene Schleimhaut hält nicht viel aus. Erst recht nicht bei Kindern, deren Blutgefäße besonders nah unter der Haut liegen. Alle "Gewalteinwirkungen" - dazu gehört auch das Nasebohren - können die zarten Adern zum Platzen bringen.
    Erste Hilfe: Hinsetzen, Unterarme auf die Oberschenkel stützen ("Kutschersitz"), Kinn Richtung Brustbein, Kühlpack oder feuchten Waschlappen in den Nacken. Ist weder Sitzgelegenheit noch Kühlung in erreichbarer Nähe, drückt man den oder die blutenden Nasenflügel mit Daumen und Zeigefinger für einige Minuten fest zu. Naseputzen und Herumtoben sind nach so einer Attacke zwölf Stunden lang tabu, damit das beschädigte Gefäß nicht wieder aufplatzt.
    Kinder, die häufig aus der Nase bluten, gibt man am besten einen Nasenstift (Apotheke) mit. Der presst die geplatzten Gefäße zusammen und fettet gleichzeitig die Schleimhaut. Vorbeugend wirken Nasensalben oder -tropfen mit feuchtigkeitsspendendem Dexpanthenol, Hyaluronsäure oder Mineralsalzen.

    Mehr Augenmerk für die Augen!

    Ein Kind merkt es nicht, wenn es schlecht sieht. Wie aber soll man Sehstörungen bei kleinen Kindern feststellen, die sich noch nicht für jeden verständlich ausdrücken geschweige denn lesen können? Wenn Eltern beobachten, dass ihr Kind selbst ein winzig erscheinendes Flugzeug am Himmel erkennen kann, wiegen sie sich oft in Sicherheit. Doch Gegenstände kann man auch mit einem Auge sehen. Für das räumliche Sehen braucht man aber zwei funktionstüchtige Augen. Messungen beim Augenarzt decken Schwächen auf. Und die sollten im Kindergarten- und im Vorschulalter erfolgen. Im sechsten Lebensjahr ist die Sehkraft normalerweise voll entwickelt. Einschränkungen, die man bis zu diesem Zeitpunkt nicht erkannt hat, kann man nur schwer behandeln, denn das Gehirn hat das eingeschränkte Sehen weitgehend gespeichert. Nicht wenige Kinder haben wegen ihrer Sehschwäche Lernprobleme.

    Wenig Appetit? Selten ein Grund zur Sorge!

    Wann isst ein Kind "richtig"? Antwort: Wenn es das isst, was ihm schmeckt und zwar in der Menge, die es mag. Selbst die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) spricht vorsichtig von "Referenzwerten für die Nährstoffzufuhr" und betont damit, dass Appetit und Essverhalten sehr individuell sind. Deshalb sollten sich Eltern, denen der Appetitmangel ihres Kindes Kummer bereitet, zunächst fragen: War mein Kind schon immer ein "schlechter Esser"? Ist mein Kind meistens fröhlich und ausgeglichen? Ist das Gewicht meines Kindes bei den "U's" im Normbereich?
    Kann man alle Fragen mit "ja" beantworten, ist alles in Ordnung. Es gibt nun einmal Menschen, denen Essen nicht viel bedeutet - und das bleibt meist ein Leben lang so. Studien haben gezeigt, dass auch die Kinder, die wie Spatzen essen, keinerlei Wachstums-Einschränkungen haben.
    Echte Appetitlosigkeit ist eine natürliche Reaktion des Körpers beispielsweise bei Fieber, bei Infekten, bei Eisenmangel oder bei Verstopfung. Hat ein "normaler" Esser ohne ersichtlichen Grund keinen Appetit mehr, sollte man den Kinderarzt konsultieren.

    Wichtig bei Erfrierungen: langsam wieder erwärmen

    Anstehen am Skilift bei eisigem Wind oder stundenlanges Schneemann-Bauen mit nassen Hand-)Schuhen - da sind Erfrierungen keine Seltenheit. Finger, Zehen, Nase, Ohren und Kinn erwischt es am häufigsten. Am Anfang werden die Körperpartien gefühllos, die Haut sieht weißgrau bis bläulich aus. Schon jetzt besteht dringender Handlungsbedarf, was aber nicht bedeutet "schnell aufwärmen".

    Hände oder Füße an die Heizung zu legen, kann ziemlich weh tun. Auch Reiben oder Massieren sind tabu - schon gar nicht mit Schnee! Erste-Hilfe-Maßnahme: Rückzug in einen möglichst nur mäßig beheizten Raum. Hände oder Füße des Kindes sollte die Mutter oder der Vater in ihre bzw. seine Achselhöhle stecken - hier herrscht die ideale Temperatur, um das Gewebe langsam wieder zu erwärmen. Dabei sollte das Kind Finger und Zehen möglichst ein wenig bewegen. Nasen, Ohren oder Kinn könnte das Kind auf Brust oder Bauch seiner Eltern legen. Eine andere Aufwärm-Möglichkeit: Man badet den betroffenen Körperteil zunächst lauwarm und gießt ganz allmählich wärmeres Wasser hinzu.

    Was Pollenallergiker mit Vorsicht genießen sollten

    Ungefähr die Hälfte aller Pollenallergiker entwickelt Kreuzallergien auf Nahrungsmittel. Dazu kommt es, weil manche Pollenallergene bestimmten Nahrungsmittel-Inhaltsstoffen so ähnlich sehen, dass das Immunsystem in beiden Fällen reagiert. Man nennt das Antigengemeinschaften. Isst das Kind die betreffenden Nahrungsmittel, wird die Antikörperproduktion ständig gesteigert, was mit der Zeit Heuschnupfensymptome mitauslöst oder verstärkt.

    Den meisten Birkenpollenallergikern hilft es, die entsprechenden Nahrungsmittel kurz aufzukochen, das macht die Allergene unwirksam. Schwieriger ist die Situation für Beifußallergiker. Sehr viele Beifußallergiker reagieren unter anderem auf Sellerie (auch erhitzten!). Betroffene sollten deshalb verarbeitete Lebensmittel wie beispielsweise Suppen- und Soßenpulver, Gewürzmischungen und Fertiggerichte meiden, da diesen Lebensmitteln häufig Sellerie zugesetzt ist.

    Das sind die bekanntesten "Antigengemeinschaften":
    Birken, Erlen und Hasel: Haselnüsse, Mandeln, Paranüsse, Walnüsse, Äpfel, Birnen, Pfirsich, Kirsche, Pflaume, Aprikose, Nektarine, Mirabelle, Karotte, Sellerie, Kiwi, Litschi.
    Gräserpollen: Tomate, Erdnüsse, Soja
    Beifußpollen: Sellerie, Karotte, Paprika, Tomate, Gurke, Melone, Mango, Kiwi, Apfel, Erdnuss, Sonnenblumenkerne, Anis, Curry, Dill, Knoblauch, Petersilie, Pfeffer, Zimt und viele andere Gewürze und Kräuter.

    Eltern sollten nicht "vorauseilend" Nahrungsmittel aus dem Kostplan streichen, denn rigide Diätvorschriften schaden mehr als sie nutzen. Nur symptomauslösende Allergene müssen gemieden werden. Generell ungünstig ist eine überwiegend pflanzliche Kost. Rohkost, Müsli und kräftiges Würzen sind oft schlecht bekömmlich. Gut vertragen werden dagegen gut durchgebackenes Mischbrot, ungewürztes Vollkornbrot aus fein gemahlenem Getreide, gedünstetes Gemüse und Kompottobst

    Besser wahrnehmen - leichter lernen

    Bisher zahlen die meisten gesetzlichen Kassen nur in Ausnahmefällen

    Bei 70 bis 80 Prozent der Kinder mit Legasthenie und Dyskalkulie (Rechenschwäche) findet man Entwicklungsverzögerungen des Gehirns bzw. daraus folgende Wahrnehmungsstörungen. Das sind die Ergebnisse jahrelanger Studien an der Universität Freiburg. Eine besondere Rolle beim Lesen und Erfassen von Ziffern spielt die Blicktüchtigkeit. Was bedeutet das? Um das gesamte Blickfeld zu erfassen, macht der gesunde Erwachsene beim Umherschauen drei bis fünf Blicksprünge pro Sekunde. Dieses "Scannen" erlernt man normalerweise während der ersten Lebensjahre.

    Spätestens mit Beginn der Schule wird die Hör-, Seh- und Blickfähigkeit mit einer besonders schweren Aufgaben konfrontiert. Beim Lesen muss die Blickfolge mit dem gerade ablaufenden Leseprozess synchronisiert werden. Bei längeren oder schwierigen Worten muss der Blick länger verweilen. Eine Herausforderung, der manche Kinder nicht gewachsen sind. Sie überspringen Endungen, verlieren die Zeile, lesen stockend - oder schnell, ungenau und fehlerhaft.

    Im sogenannten BlickLabor werden die Blicktüchtigkeit, die Differenzierungsfähigkeit beim Hören und die Mengenerfassung von Kindern untersucht, die sich mit Lesen, Schreiben oder Rechnen schwer tun. Bevor ein Kind hier untersucht wird, sollte allerdings klar sein, dass die Augen- und die Ohrenfunktion in Ordnung sind. Die Frage im BlickLabor ist dann: Wie zuverlässig verarbeitet das Gehirn die Informationen, die von Augen und Ohren kommen?

    Ein Kind, bei dem Wahrnehmungs- oder Blickfunktionsstörungen festgestellt werden und das Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben hat, bekommt zum täglichen Training ein Leihgerät mit nach Hause, das aussieht wie ein Gameboy. Nicht nur Muskeln, sondern auch Wahrnehmungsfunktionen kann man trainieren und zuverlässiger machen. Die Eltern schicken das Trainingsgerät nach einer bestimmten Zeit an das Blicklabor zurück, wo die Daten ausgewertet werden. Das Programm dauert je nach Ausprägung der Schwierigkeiten zwischen drei und acht Wochen. Bisher zahlen die meisten gesetzlichen Kassen nur in Ausnahmefällen. Für die Diagnosestellung muss man mit 150 bis 270 Euro rechnen, das Leihgerät kostet je nach Dauer des Trainings zwischen 120 und 215 Euro. Hinzu kommt eine Grundgebühr von 4 Euro pro Tag.

    Wer sein Kind untersuchen lassen möchte und nicht nach Freiburg fahren kann, sollte sich an eines der 140 BlickMobile wenden. Das sind Einrichtungen in Praxen von Lerntherapeuten, Ergotherapeuten, Kinder- oder Augenärzten.
    Informationen: Tel. 07 61/3841-9510,
    E-Mail freiburg@blicklabor.de oder unter www.blicklabor.de.

    Arzneien sorgsam dosieren!

    Eltern sollten dem Gewicht ihres Kindes entsprechend dosieren

    Bis vor wenigen Jahren war es aus ethischen Gründen nicht erlaubt, Medikamente an Kindern und Jugendlichen zu testen. Deshalb bekommen Kinder Arzneien "off label". Das heißt: Kinder nehmen Medikamente ein, die nicht ausdrücklich für Kinder zugelassen waren. Die Änderung im Arzneimittelgesetz, die entsprechende Studien mittlerweile erlaubt, hat nicht viel an dieser Situation verändert. Zulassungsverfahren dauern viele Jahre und kosten Millionen. Kinderärzte und Kliniken können diese Summen nicht aufbringen. Und viele Eltern würden niemals erlauben, dass ein Medikament an ihrem Kind ausprobiert wird.

    Um gängige Husten- und Schnupfenmittel ging es den Arzneimittel-Experten allerdings auch nicht vorrangig, sondern beispielsweise um Medikamente für herz- und krebskranke Kinder, für Kinder mit Epilepsie, Asthma, Diabetes, Rheuma und anderen schweren chronischen Erkrankungen. In den betroffenen Familien müssen Kinder manchmal über viele Jahre hinweg täglich Medikamente einnehmen, von denen niemand genau weiß, ob ein so junger Organismus sie wirklich auf Dauer verträgt.

    Doch was ist mit den in fast jeder Familie verwendeten Erkältungsarzneien? In den USA haben Hersteller vor zwei Jahren etliche Erkältungsmittel vom Markt genommen. Der Grund: Einige Eltern hatten ihren Kindern nach dem Motto "viel hilft viel" verschiedene Präparate gleichzeitig gegeben und das hat den Kindern sehr geschadet. Amerikanische Behörden warnen inzwischen vor allem davor, Hustenmedikamente leichtfertig zu verabreichen. In England müssen alle Arzneien, die weniger als fünf Jahre auf dem Markt sind, besonders gekennzeichnet sein.

    "Rezeptfrei ist nicht gleichbedeutend mit harmlos", sagt Prof. Dr. Hannsjörg W. Seyberth, ehemaliger Direktor der Universitäts-Kinderklinik Marburg und Vorsitzender der Kommission für Arzneimittelsicherheit der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin. "Oft enthalten die Arzneien einen Cocktail von Wirkstoffen, bei Hustenmitteln beispielsweise schleimlösende und das Hustenzentrum beruhigende Substanzen. Auch bei den schon seit Jahrzehnten verwendeten Fieber- und Schmerzzäpfchen mit Paracetamol oder Ibuprofen sollte man sich den Beipackzettel genau durchlesen und nur die für das Gewicht des Kindes entsprechende Dosis geben, also lieber mal kleinere Zäpfchen kaufen. Überdosierung kann sehr schaden!“

    Arzneien würden nur auf ihre Wirksamkeit und auf sofort und häufig auftretende Nebenwirkungen getestet, warnt Professor Seyberth. Seltene Nebenwirkungen und Spätfolgen kenne man im Augenblick der Zulassung oft nicht. Es könne durchaus sein, dass beispielsweise die Zunahme von Allergien auf einen unbedachten Umgang mit frei verkäuflichen Erkältungs-Präparaten zurückzuführen ist. "Erkältungen sind genau genommen keine Krankheiten, sondern eine Konditionierung des Immunsystems", erklärt Professor Seyberth. "Da es sich in den meisten Fällen um Infektionen durch Viren handelt, kann man nur die Beschwerden lindern. Die gehen nicht viel schneller weg, wenn man Medikamente gibt. Kranke Kinder sollten reichlich trinken und Eltern viel Geduld haben. Denn: Kinder brauchen Zeit!"

    Natürliches für den "verdorbenen" Magen

    Mittags Gans, nachmittags Stollen, abends Lachs und später noch ein paar Marzipankartoffeln … Kein Wunder, wenn auch ein robuster Magen irgendwann beleidigt ist. Für die Großen gibt es einen Magenbitter, den Kleinen kann man mit einem "Bauchwehtee für Kinder" helfen:
    Zutaten:
    30g Kamillenblüten
    30g Anisfrüchte
    20g Gänsefingerkraut
    20 g Fenchelfrüchte

    Zubereitung: 1 Tl dieser Mischung in eine Tasse geben und mit kochendem Wasser überbrühen, zugedeckt fünf bis sieben Minuten ziehen lassen, abseihen. Zwei- bis dreimal täglich ein halbe bis eine Tasse trinken.

    Kindern, die Tee verabscheuen, kann eine beruhigende und krampflösende Anis-Kümmel-Milch helfen.
    Zubereitung: Je Tl zerdrückte Anis- und Kümmelsamen in l Milch geben, 5 Min. kochen lassen und abseihen; schluckweise trinken.

    Sind Übelkeit und Magendrücken so schlimm, dass das Kind nichts trinken mag, tut ein Leinsamen-Umschlag gut. Dazu eine Tasse Leinsamen in einen Topf geben, gut mit Wasser bedecken und aufkochen, so dass ein Brei entsteht; den Brei in ein Geschirrtuch einschlagen und so warm wie möglich auf den Bauch legen. Mit einem Baumwoll- und einem Wolltuch abdecken. Das Kind sollte zugedeckt eine halbe Stunde liegen bleiben.

    Ein Piercing zu Weihnachten?

    Manchmal können die Mediziner bleibende Schäden nicht verhindern

    Es gehört zum Fest der Liebe, den Seinen keinen Wunsch abzuschlagen. Aber was ist, wenn der Herzenswunsch des Sprösslings ein Piercing ist? Mittlerweile hat schon so manches Baby einen Knopf im Ohr, und viele Kinder sind bereits im Grundschulalter gepierct. Eltern wollen nicht von gestern sein und immer mehr geben das für Minderjährige notwendige Einverständnis. Dubiose, nicht vom Gesundheitsdienst überwachte Institute stechen die Löcher auch ohne elterliche Erklärung. Sie wissen: Die wenigsten Familien ergreifen rechtliche Maßnahmen, wenn das Kind mit solch einem Schmuckstück nach Hause gekommen ist.

    Kinder- und Jugendärzten ist das alles ein Dorn im Auge. Sie fordern ein gesetzliches Verbot von Tätowierungen und Piercings für Minderjährige. Diese Ärzte sind keine Spaßbremsen, sie sehen ganz einfach zu viele Entzündungen, Komplikationen und Verletzungen - und auch immer öfter entsetzte Eltern, die förmlich darum flehen, die Tätowierungen ihrer Kinder rückgängig zu machen. In manchen Fällen können die Mediziner jedoch nur wenig tun, um bleibende Schäden zu verhindern. "Entzündungen rund um ein Ohrmuschelpiercing sind nicht harmlos, weil hier der Ohrknorpel betroffen ist", erklärt Dr. Ulrich Fegeler , Kinder- und Jugendarzt in Berlin sowie Bundespressesprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). "Ohrknorpelentzündungen sind nur schwer zu behandeln und man kann Entstellungen der Ohrmuschel nicht sicher verhindern. Piercings im Nabel oder in der Augenbraue können Ausgangspunkt für Infektionen sein, die teilweise gefährliche Verläufe zeigen. Außerdem ist die Verletzungsgefahr durch Piercings deutlich erhöht. Besonders mit einem Zungen-, Augenbrauen- oder Ohrläppchenpiercing kann man irgendwo hängen bleiben und sich das Schmuckstück buchstäblich rausreißen. Diese Risswunden tun nicht nur weh; die Narben, die dann entstehen, sehen ziemlich hässlich aus." Was viele Eltern nicht wissen: Treten Komplikationen auf, übernimmt die Krankenkasse bestenfalls einen Teil der Kosten für die ärztliche Behandlung.

    Das Gerstenkorn richtig behandeln

    Es sieht aus wie ein großer Pickel - und verhält sich auch so. Erst rot und dick, dann entsteht ein gelb-weißes Häubchen und schließlich platzt es auf. Diese bakterielle Entzündung einer Lidrand-Drüse - im Volksmund Gerstenkorn - kann allerdings ganz schön weh tun. Doch vor allem für größere Kinder und Jugendliche ist der Schmerz oft nicht so schlimm wie das Gefühl, vollkommen entstellt zu sein. Deshalb können sie sich oft nur schwer zurückhalten, an ihrem Gerstenkorn herumzudrücken. Eltern sollten alles tun, ihr Kind davon abzuhalten, denn das macht die Sache nur noch schlimmer. Im Extremfall geraten die Erreger in die Blutbahn. Besser: etwas Geduld und trockene Wärme mit Rotlicht. Es werden zwar immer wieder feuchte Umschläge empfohlen, doch das sehen Augenärzte nicht so gern. Öffnet sich das Gerstenkorn unter der feuchten Wärme, besteht die Gefahr, dass die Eitererreger über das Auge verteilt werden. Besser: Anwendung von antibiotikahaltigen Augensalben, die vor einer weiteren Ausbreitung beispielsweise auf das andere Auge schützen. Schmerzt das Gerstenkorn sehr oder öffnet es sich nicht von allein, so kann der Augenarzt mit einem winzigen Schnitt helfen.

    Husten oder Keuchhusten?

    Eine Bronchitis dauert zwei bis drei Wochen, Keuchhusten 100 Tage. Bei Bronchitis sind Antibiotika umstritten, bei Keuchhusten helfen sie in der ersten Phase und verhindern im fortgeschrittenen Stadium wenigstens weitere Ansteckungen. Doch ob ein Kind einen "normalen" Husten oder Keuchhusten hat - das ist gar nicht so leicht zu erkennen. Wenn Ihr Kind länger als eine Woche hustet, ohne dass sich eine Besserung zeigt, ist es auf jeden Fall höchste Zeit, mit ihm zum Kinderarzt gehen. Um Keuchhusten-Bakterien nachzuweisen, muss das Sekret aus den Atemwegen im Labor untersucht werden. So kann man im Fall des Falles rechtzeitig mit der Behandlung beginnen.

      Keuchhusten verläuft in drei Phasen:
    • Phase 1: Nach einer Inkubationszeit (= Zeit nach der Ansteckung) von sieben bis zehn Tagen treten zunächst für ein bis zwei Wochen Erkältungsbeschwerden auf: Niesen, Schnupfen, Heiserkeit, etwas Husten, leichtes Fieber und eventuell eine Rötung der Bindehaut. Jetzt ist die Ansteckungsfähigkeit der Erkrankten am höchsten.


    • Phase 2: Jetzt erst kommt es zu den berüchtigten, äußerst quälenden Hustenanfällen, die sich über Minuten hinziehen können. Typisch: Die Kinder strecken beim Husten die Zunge heraus und ziehen vor jedem neuen Hustenstoß laut hörbar Luft ein. Die Hustenattacken wiederholen sich, bis das Kind einen zähen glasigen Schleim herauswürgt. Nicht selten muss das Kind erbrechen, und manchmal sind die Augen von der großen Anstrengung durch Einblutungen in die Bindehaut (die gehen ohne Behandlung wieder weg!) ganz rot. Die Hustenanfälle treten besonders in der ersten Zeit häufig nachts auf, später kommen die Attacken auch tagsüber. Die Kinder haben keinen Appetit und fürchten sich vor jedem Anfall. Diese Phase dauert vier bis sechs Wochen.


    • Phase 3: Die Hustenanfälle lassen innerhalb dieser ein bis zwei Wochen dauernden Phase allmählich nach, doch die eigentliche Genesung kann sich noch Wochen bis Monate hinziehen. "Besonders für Säuglinge im ersten Lebensjahr ist Keuchhusten gefährlich", sagt Dr. Sigrid Ley-Köllstadt, Leiterin Medizin und Wissenschaft beim Deutschen Grünen Kreuz. "Die Kleinen haben keinen Nestschutz gegen diese Krankheit. Durch eine frühzeitige Gabe von Antibiotika während des erstens Stadiums oder zumindest zu Beginn des zweiten Stadiums kann man den Krankheitsverlauf verkürzen. Danach können diese Medikamente zumindest die Ansteckung anderer verhindern. Auf die Beschwerden haben die Antibiotika dann jedoch keinen Einfluss mehr, denn die Schleimhäute sind nun bereits durch das Bakteriengift geschädigt. Schleimlösende Mittel können etwas helfen. Wichtig ist auch, dass die Kinder viel trinken. In schweren Fällen können auch Kortisonpräparate zum Inhalieren angewendet werden."

    Wenn ein Schulkind noch nicht trocken ist

    Auf dem Weg in den Kindergarten hatte das Kind schwarze Jeans an, mittags kommen zwei rote Beine angelaufen … Okay, da ist ein kleines Malheur passiert. Macht nichts! Tagsüber einnässen - das ist bis zum fünften Geburtstag kein Grund zur Beunruhigung. Wenn allerdings einem Schulkind so etwas passiert, dann braucht es Hilfe.

    Harnwegsinfekte oder anatomische Ursachen stecken selten dahinter. Meist handelt es sich um die sogenannte überaktive Blase. Das bedeutet: Der Blasenmuskel arbeitet unermüdlich, zieht sich auch in unpassenden Momenten zusammen entleert damit einen Schwall Urin. Viele der betroffenen Kinder gehen auffallend häufig zur Toilette, sie drücken beim Sitzen die Beinchen zusammen oder setzen sich auf ihre Ferse. Sie spannen oft unbewusst den Beckenboden an, um das Einnässen zu verhindern - so wird auch der Beckenboden überaktiv.

    Das zeigt sich u.a. dadurch, dass die Kinder nicht mehr in einem kontinuierlichen Strahl Wasser lassen können, sondern ihre Blase stakkatoartig entleeren. Eltern sollten ihr Kind beizeiten einem (Kinder-)Urologen vorstellen. Unangenehme Untersuchungen sind nur selten nötig. Neben Ultraschall-Untersuchung und Urinprobe braucht der Arzt vor allem Informationen über Urinmengen und Trinkverhalten. Eltern werden gebeten, ein Blasentagebuch ("Miktionstagebuch") zu führen.

    Zum Therapieplan gehören Blasentraining, Trinkplan und ggf. auch Medikamente. Außerdem lernen die Kinder einige Tricks, z. B. wie sie bei plötzlich auftretendem starken Harndrang reagieren können, wenn keine Toilette in der Nähe ist. Biofeedbacktraining mit speziellen Geräten in Form eines Gameboys ergänzt oft die Behandlung. Nach einer etwa dreimonatigen Therapie sollten erste Erfolge erkennbar sein. Bis das Kind jedoch vollständig "trocken" ist, müssen Eltern sich gedulden. Kleine Pannen kann es noch mehr als ein Jahr lang geben.

    Jetzt ist die beste Zeit zum Schwimmen lernen

    Immer mehr Eltern scheinen sich darauf zu verlassen, dass ihr Kind in der Schule schwimmen lernen wird. Doch der Schwimmunterricht ist an vielen Schulen dürftig - und er kommt reichlich spät. Experten raten dazu, dass Kind zwischen vier und sechs Jahren ihre ersten Schwimmkenntnisse erwerben, ideal sei das letzte Kindergartenjahr. Das "Seepferdchen" - dafür müssen Kinder vom Beckenrand springen, 25 Meter schwimmen und nach einem Gegenstand im schultertiefen Wasser tauchen können - verschafft den Kindern schon eine gehörige Portion Sicherheit im Wasser. Allerdings muss ein "Seepferdchen"-Besitzer nach seiner Prüfung regelmäßig schwimmen gehen. Sonst gerät das Gelernte in Vergessenheit. In der Herbst- und Wintersaison werden die meisten Schwimmkurse angeboten, und zwar von Vereinen, Schwimmbädern oder Schwimmschulen.

    Läuse! Wie kriegt man die wieder weg?

    Es erwischt fast alle irgendwann einmal. 85% der Kinder machen Erfahrungen mit Kopfläusen. Die Tierchen überleben sowohl auf einem ungepflegten Kopf als auch auf einem regelmäßig gewaschenen Haar. Die Übertragung der Kopflaus von Mensch zu Mensch geschieht normalerweise durch direkten Haarkontakt, also zum Beispiel beim Umarmen, Herumbalgen oder beim "Köpfe-Zusammenstecken". Kein Wunder also, dass sich Läuse in Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen, Kindergärten, Zeltlagern oder Schullandheimen besonders schnell verbreiten können.

    Wie man einen Kopf lausfrei bekommt, dazu gibt es die abenteuerlichsten Tipps vor allem in Internet-Foren. Erzieherinnen und Lehrer wissen ein Lied von der ständigen Wiederkehr der Läuse zu singen, die in vielen Fällen falscher oder inkonsequenter Behandlung zuzuschreiben ist. Allgemein bekannt sind die Läusemittel, die Insektengifte enthalten. Die Wirkstoffe werden entweder aus Chrysanthemen gewonnen oder künstlich hergestellt. Ohne Gifte arbeiten Mittel, die ein Silikonöl enthalten. Diese Präparate müssen etliche Stunden einwirken. Das Silikonöl verlegt die Atemwege der Insekten, so dass die Parasiten ersticken. Fragen Sie Ihren Kinderarzt oder Ihre Krankenkasse, welche Mittel erstattungsfähig sind.

    Sehr wichtig: Sagen Sie den Erzieherinnen bzw. den Lehrern Ihres Kindes Bescheid, wenn Ihr Kind Läuse hat. So können auch andere Familien Vorsichtsmaßnahmen ergreifen. Läuse-Befall ist nie das Problem eines Einzelnen, sondern immer das der Gemeinschaft. Prüfen Sie deshalb auch die Haare aller Familienmitglieder und halten Sie sich an die Merkblätter, die Kindergärten und Schulen mitgeben.

    Nachlässigkeit und Ungepflegtheit kann man nur denjenigen vorwerfen, die andere nicht über ihr Problem informieren und die sich nicht exakt an die Gebrauchsanweisungen der nachweislich wirksamen Läusemittel halten. Weil Läuse immer wieder "verschleppt" und nicht sachgerecht behandelt worden sind, sollen sie - ähnlich wie Bakterien gegen Antibiotika - in einigen europäischen Ländern sogar schon Resistenzen (Widerstandskräfte) gegen bestimmte chemische Präparate entwickelt haben. Informationen: www.pediculosis-gesellschaft.de

    Bringen PC-Sportspiele mehr Bewegung?

    Kinder sollten mindestens eine Stunde am Tag körperlich aktiv sein. So weit die Empfehlung der Expertengremien. Die Wirklichkeit: Die Bewegungsfreude mancher Sprösslinge ist annähernd so groß wie die einer Wanderdüne. Das gilt besonders für diejenigen, die sich ein Leben ohne virtuelle Welt nicht mehr vorstellen können. Für alle Spielkonsolen gibt es mittlerweile Sportprogramme bzw. -spiele. Wäre das nicht ein sinnvolles Weihnachtsgeschenk für alle PC-Hocker?

    Nach Einschätzung von Fachleuten bleibt der körperliche Einsatz leider trotz gut durchdachter Ansätze der Hersteller dürftig. Und so allein vor dem Bildschirm und mit der Anheizer-Stimme des virtuellen Trainers – das macht den meisten Kindern und Jugendlichen eben doch auf Dauer keinen Spaß.

    Außerdem fehlt die frische Luft. Der Sauerstoffgehalt liegt draußen fast immer deutlich höher als in geschlossenen Räumen. Kühle Luft regt die Aktivität der Atemwegs-Schleimhäute an und das wappnet gegen Erkältungsviren. Bei Wind und Wetter Radfahren, Klettern, Toben - und vielleicht sogar mal Schlittenfahren, all das fördert die Durchblutung und die Bildung von Abwehrstoffen. Und noch etwas: Die UV-Strahlen - ja, die gibt es sogar im Novembergrau, und ja, ein bisschen davon braucht jeder Mensch - bewirken die Bildung von Vitamin D. Und das ist für stabile Knochen unerlässlich.

    Kein Sport nach Gehirnerschütterung!

    Es ist schnell passiert: Kinder fallen aus dem Stockbett, vom Klettergerüst, von der Skating-Rampe oder sie krachen beim Fußballspielen mit den Köpfen zusammen. Experten sind sich einig: Die Zahl leichter Schädel-Hirn-Traumata im Sport, kurz als mTBI (minor traumatic brain injury) bezeichnet, nimmt zu. In der Regel sind Kopfverletzungen bei Kindern und Jugendlichen harmlos, aber dennoch sollten Eltern ihr Kind beobachten und es bei starken Kopfschmerzen oder Erbrechen sofort in eine Kinderklinik bringen. Manche Beschwerden können sich erst verzögert entwickeln, so dass der Kinderarzt manchmal zur Sicherheit eine Überwachung im Krankenhaus empfiehlt.

    Wichtig: Kinder und Jugendliche sollten sich auch nach einer leichten Gehirnerschütterung mindestens 72 Stunden schonen. Was im Klartext heißt: keinerlei Sport! Auch in die Schule sollten die Kinder erst wieder gehen, wenn sie sich rundum wohl fühlen. Die Gehirne von Kindern brauchen länger als die von Erwachsenen, um sich von Verletzungen zu erholen. Bekommt der Kopf, noch bevor sich das Gehirn von der ersten Erschütterung erholt hat, einen weiteren Schlag ab, kann sich eine Hirnschwellung oder ein Bluterguss unter der Hirnhaut entwickeln. Und das ist nicht ungefährlich.

    Mein Kind hinkt! Was kann das sein?

    Am häufigsten trifft es Kinder - Jungen öfter als Mädchen - um das sechste Lebensjahr. Ein bis zwei Wochen nach einer Erkältung mit Schnupfen und Husten fangen die Sprößlinge zu hinken an. Meist tut ihnen ein Hüftgelenk weh, manchmal auch beide. Wenn andere Beschwerden wie Fieber oder Abgeschlagenheit fehlen, handelt es sich sehr wahrscheinlich um einen sogenannten Hüftschnupfen. Ob Erkältungsviren nun im Gelenk ihr Unwesen treiben oder andere Ursachen für die Schmerzen verantwortlich sind - keiner weiß es. Es scheint sich um eine im Grunde harmlose Entzündung mit Schwellung der Gelenkschleimhaut zu handeln, die keine spezielle Behandlung erforderlich macht. Die kleinen Patienten sollten sich schonen, was die meisten ganz freiwillig tun. Sind die Schmerzen sehr stark, kann man dem Kind ein Schmerzmittel mit Ibuprofen geben. Spätestens nach zwei Wochen ist das Problem normalerweise ausgestanden. Trotzdem: Schmerzende Hüften sollten auf jeden Fall vom Kinderarzt untersucht werden, da auch eine rheumatische Erkrankung, Borreliose oder eine Durchblutungsstörung des Hüftkopfes (Morbus Perthes) dahinterstecken könnte. Übrigens: Auch ältere Kinder und Erwachsene können einen Hüftschnupfen bekommen.

    Hunde senken Allergierisiko

    Kinder, die mit Hunden aufwachsen, leiden seltener unter Allergien. Das ist das Ergebnis einer mehr als zehnjährigen Studie mit über 9.000 Kindern. Wie es zu diesem geringeren Allergie-Risiko kommt, kann Studienleiter Prof. Dr. Joachim Heinrich vom Helmholtz Zentrum München jedoch nur vermuten. Bislang ging man davon aus, dass Bestandteile von Bakterien, sogenannte Endotoxine, für den schützenden Effekt der Hundehaltung verantwortlich sind. Von einem solchen Zusammenhang ging man ja auch jahrelang aus bei den Beobachtungen, dass Bauernhof-Kinder seltener Allergien haben. Doch heute weiß man, dass diese Endotoxine für den Schutz vor einer Allergie keine Rolle spielen.

    "Kleinen Kinder als Allergieschutz mehr Kontakt zu Schmutz, Bakterien und Pollen zu verschaffen, funktioniert leider nicht", sagt Prof. Dr. Torsten Zuberbier, Leiter des Bereiches Allergologie an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Berliner Charit und Leiter der Europäischen Stiftung für Allergieforschung. "Die Beobachtung, dass Kinder von Landwirten weniger anfällig für Asthma und Allergien sind als Stadtkinder, ist nicht in allen Studien bestätigt worden. Außerdem: Es könnte sein, dass ländlich lebende Familien schon seit Generationen eine geringe Allergieneigung vererbt haben."

    Die Experten des Helmholtz Zentrum München gehen davon aus, dass das Leben mit Hunden - viele Aufenthalte im Freien, "hundefreundliche Wohnumgebungen" oder bislang unbekannte Keime - zu diesen "sehr starken" Allergie-Schutzeffekten führen könnten. Solange man nicht genau sagen kann, auf welche Weise die Vierbeiner Kindern Allergien ersparen, wollen die Münchner Wissenschaftler keine Empfehlungen aussprechen. Fest steht: Allergikerfamilien sollten sich die Anschaffung eines Hundes sorgfältig überlegen. Bei allen anderen Familien senkt ein Hund dagegen offenbar das Allergierisiko, wie auch das Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin bestätigt.

    Immer mehr Kopfschmerzen - liegt's am Bewegungsmangel?

    Wahrscheinlich können Sie diesen Satz schon nicht mehr hören: "Kinder müssen sich mehr bewegen!" Das ist ja alles richtig, werden Sie sagen, aber wie bewegt man bitteschön 14-Jährige mit dem Temperament einer Wanderdüne?

    Vielleicht motiviert junge Menschen die Erfahrung, dass Bewegung Kopfschmerzen lindert. Schließlich klagen immer mehr Jugendliche regelmäßig über Kopfschmerzen. Gerald Ulbricht von der Landesärztekammer der Kinder- und Jugendärzte in Berlin gab anlässlich des Deutschen Kopfschmerztages am 05. September die Empfehlung: Die beste Medizin bei Kopfschmerzen ist Bewegung. Auch zur Vorbeugung müssten sich Jugendliche viel mehr bewegen. Das stundenlange Sitzen in der Schule und das meist noch reglosere Dasein vor dem PC fördern Spannungskopfschmerzen, die von Verspannungen der Nackenmuskulatur herrühren. Aber auch Schüler, die selten vor Bildschirmen sitzen, stattdessen viele Stunden über Hausaufgaben und Lernstoff brüten, bekommen häufig stressbedingte Kopfschmerzen, so Gerald Ulbricht. Der Hauptgrund für Kopfschmerzen bei Jugendlichen sei aber eindeutig die mangelnde Bewegung.

    Nur bei Migräne kann Bewegung nicht helfen. Im Gegenteil. Ganz typisch für Migräne ist unter anderem, dass sich der Schmerz bei jeder Bewegung verschlimmert.

    Jetzt mit der Hypoallergisierung gegen Baumpollen beginnen!

    Der Klimawandel lässt Bäume und Gräser immer früher blühen. Manchmal sind schon im Dezember Hasel- und Erlepollen unterwegs. Deshalb ist es jetzt höchste Zeit für Eltern von allergischen Kindern, deren Immunsystem mit den anstehenden Aufgaben vertraut zu machen. SIT (spezifische Immuntherapie) heißt das Zauberwort oder auch Hyposensibilisierung (frei übersetzt: "weniger empfindlich machen").

    Diese Therapie, bei der Allergiker durch langsam ansteigende Dosierungen eines Allergen-Präparates unempfindlich gemacht werden gegen ihren Allergieauslöser, ist heute sehr ausgereift und bekommt auch den meisten Kindern gut. Allerdings macht die SIT nur bei Allergieformen vom Sofort-Typ Sinn, also in den Fällen, in denen die allergischen Symptome innerhalb einer halben Stunde nach Kontakt mit dem Allergen auftreten. Das gilt für Allergien auf Gräserpollen, frühblühende Bäume oder die Hausstaubmilbenallergie.

    Die klassische Anwendung ist die Gabe kleinster Mengen des Allergens direkt unter die Haut. Diese "subcutane" Einspritzung wird mit sehr kleinen Nädelchen durchgeführt und ist kaum schmerzhaft. Inzwischen gibt es auch Tropfen oder Tabletten, die allerdings nur bei bestimmten Allergieformen wirksam sind. Je kürzer die allergischen Symptome bestehen, desto größer sind die Chancen, Folgeerkrankungen wie zum Beispiel das Asthma bronchiale oder weitere Allergien zu vermeiden. Die Hyposensibilisierung sollte also möglichst früh begonnen werden.

    Allergiker, die nach einer Hyposensibilisierung gegen Birken- und Buchenpollen keinerlei Besserung ihrer Beschwerden empfinden, sollten sich auf Eschen- und Fliederpollen testen lassen. Bisher ging man davon aus, dass die SIT gegen Birken- und Buchenpollen auch gegenüber Pollen von Esche und Flieder unempfindlicher macht. Das scheint jedoch nicht zu funktionieren, so dass betroffenen Patienten zu einer erweiterten SIT geraten wird. Mehr Informationen unter www.allum.de

    Macht das Stubenhocker-Dasein kurzsichtig?

    Unsere Großmütter haben uns gewarnt: Wer beim Lesen mit der Nase auf den Buchstaben klebt, braucht irgendwann eine Brille. Heute wissen wir: Oma hatte Recht! Zahlreichen Studien zufolge wird ein Mensch um so eher kurzsichtig, je mehr er sich in Bücher vertieft oder auf Computer-Bildschirme starrt.

    In den Industrienationen ist mittlerweile etwa ein Drittel der Bevölkerung kurzsichtig, in den Metropolen Asiens sind es teilweise über 90 Prozent. Genetische Veranlagung ist dabei sicher ein Faktor: Sind beide Eltern kurzsichtig, werden es in 60 Prozent der Fälle auch die Kinder. Allerdings kann die massive und rasche Zunahme der Kurzsichtigkeit in den vergangenen 40 Jahren nicht nur genetisch begründet sein. Auf dem 12. Internationalen Kongress für Kurzsichtigkeit (12th International Myopia Conference), der im Sommer in Australien stattgefunden hat, präsentierten Wissenschaftler eine Studie, die den Zusammenhang zwischen Landleben und guter Sehfähigkeit nahelegt. Kinder, die viel Zeit im Freien verbringen, haben demnach ein deutlich geringeres Risiko, kurzsichtig zu werden als Stubenhocker.

    Stadtleben und hoher Bildungsstand erhöhen also das Risiko für diese Sehschwäche. Denn die Beschäftigung mit Büchern und Bildschirmen zwingt das Auge zu stundenlanger "Naharbeit" und fördert so offenbar die Kurzsichtigkeit. Dafür spricht auch die Beobachtung von Kinderärzten, dass sich Kurzsichtigkeit bei Kindern oft in der Zeit der Einschulung entwickelt. Besonders viele kurzsichtige Kinder fanden die Wissenschaftler in Singapur. Asiatische Kinder lesen bereits im Alter von drei Jahren, und in Singapur ist es zudem üblich, den Nachwuchs im Durchschnitt nur drei Stunden pro Woche nach draußen zu scheuchen. Volksgruppen in Nepal oder in Südamerika, die noch weitgehend im Freien leben, ist Kurzsichtigkeit so gut wie fremd.

    Ob es die Vielfalt an nahen und fernen Objekten in der freien Natur ist, die dem Auge gut tut oder was sonst den entscheidenden Unterschied zwischen "Indoor" und "Outdoor" ausmacht, ist noch nicht klar. Viele Forscher gehen davon aus, dass durch das hellere Licht draußen die Freisetzung des Botenstoffs Dopamin angeregt wird. Diese Substanz blockiert das Längenwachstum des Augapfels. Kurzsichtigkeit entsteht dadurch, dass der Augapfel zu lang ist und demzufolge der Brennpunkt nicht auf der Netzhaut, sondern davor liegt.