Hörprobleme
 
Hört Dein Baby gut?

Drei von 1.000 Babys kommen mit einer Hörstörung zur Welt. Die gute Nachricht: Wenn das Hörproblem früh genug erkannt wird, stehen die Chancen gut, dass sich das Kind trotzdem rundum gesund entwickelt. Du hast den Verdacht, dass Dein Kind nicht gut hört? Dann findest Du hier die wichtigsten Infos, worauf Du achten solltest.

Lachendes Baby mit Kopfhörer
iStock, blusezhou
Inhalt: 
Wie erkenne ich, ob mein Baby Hörprobleme hat?Was sind die Ursachen für Schwerhörigkeit?Welche Auswirkungen haben Hörprobleme?Welche Methoden helfen bei Hörproblemen?Auf was muss ich bei dem Kauf von Hörgeräten achten?

Wie erkenne ich, ob mein Baby Hörprobleme hat?

Einwandfreies Hören ist für die Sprachentwicklung und die geistige Entwicklung des Kindes sehr wichtig. Deshalb wird seit 2009 bei allen Neugeborenen ein sogenanntes Hörscreening durchgeführt. Wenn Du Dir nicht sicher bist, ob Dein Baby gut hört, helfen Dir folgende Anhaltspunkte:

  • In der 4. bis 6. Lebenswoche sollten Säuglinge bei lauten Geräuschen erschrecken und sich durch Trösten der Eltern wieder beruhigen.
  • Ab dem 3. bis 4. Monat sollten die Kleinen laut lachen und bei einem Geräusch die Augen in die Richtung der Schallquelle bewegen.
  • Säuglinge ab dem 7. bis 8. Lebensmonat sollten auf Musik reagieren.
  • Ab 10 bis 12 Monaten sollten Babys reagieren, wenn sie aus etwa einem Meter Entfernung angesprochen werden. Außerdem sollten sie Verbote ("Nein") verstehen.
  • Ab etwa 2 Jahren sollten Kinder Anweisungen befolgen können, die ihnen ins Ohr geflüstert werden.

Wenn einer der Punkte bei Deinem Kind nicht zutrifft, solltest Du einen Termin beim Pädaudiologen ausmachen. Das ist der Spezialist für kindliche Hörstörungen. Er kann durch einen Hörtest feststellen, ob Dein Kind Hörprobleme hat oder das Gehör ausreichend funktioniert.

singlePlayer

Was sind die Ursachen für Schwerhörigkeit?

Die meisten Hörprobleme im Kindesalter sind angeboren. Außerdem können Komplikationen während der Schwangerschaft (zum Beispiel Röteln) oder während der Geburt (Sauerstoffmangel) dafür verantwortlich sein. Auch Medikamente oder Drogen können dazu führen, dass das Baby mit Hörproblemen zur Welt kommt.
Aber auch Kinder, die mit völlig gesunden Ohren zur Welt kommen, sind vor Hörstörungen nicht sicher. Viele schwerhörige Kinder leiden zum Beispiel unter dem Tuben-Mittelohr-Katarrh. Der Auslöser ist eine Mittelohrentzündung, bei der sich die eustachische Röhre (die Tube zwischen dem Nasenrachen und dem Mittelohr) nicht weit genug öffnet, um beim Schlucken eine Portion Luft in die Mittelohren zu lassen. In dem Vakuum entsteht ein Sekret, das die Schallleitung blockiert. Ein Belüftungsröhrchen im Trommelfell hilft.
Verschiedene andere Faktoren können ebenfalls Hörstörungen verursachen: Infektionskrankheiten wie Hirnhautentzündung, Masern, Mumps und Keuchhusten gehören dazu. Sogar Lärm und kurze, laute Knalle, zum Beispiel von Spielzeugpistolen oder Silvesterknallern, die neben dem Ohr abgefeuert werden, können verantwortlich sein.

Welche Auswirkungen haben Hörprobleme?

Unbehandelt wirken sich Hörprobleme wirken auf die Sprachentwicklung aus. Während es bei schwacher Hörbehinderung meist nur zu Fehlern bei den Zischlauten kommt, sprechen Kinder mit mittelgradiger Schwerhörigkeit ihr erstes Wort durchschnittlich erst mit 21 Monaten (normal ist mit 10 oder 11 Monaten). Bei hochgradiger Schwerhörigkeit sind betroffene Kinder oft schon zweieinhalb Jahre alt, wenn sie ihr erstes Wort sprechen. Das alles gilt, wenn das Kind nicht früh mit einem Hörgerät versorgt wird. Hat das Baby dagegen das Glück, dass die Diagnose früh gestellt wird und es gleich mit einem Hörgerät versorgt wird, dann kann eine Sprachentwicklung nahezu altersgerecht verlaufen.

Welche Methoden helfen bei Hörproblemen?

Das Hören des Kindes bessert sich so gut wie immer mit individuell angepassten Hörgeräten. Bei angeborener Schwerhörigkeit sollte das Hörgerät schon innerhalb der ersten sechs Lebensmonate angepasst werden, weil das Gehirn bis zum dritten Lebensjahr lernt, die gehörten Informationen auszuwerten.
Kindern, denen auch Hörgeräte nichts bringen, hilft ein Cochlea-Implantat. Der Elektrodenstrang wird durch eine Operation eingesetzt und übernimmt die Funktion des Innenohrs. Voraussetzung für die Implantation sind allerdings intakte Hörnerven.
Bei einer Schallleitungsschwerhörigkeit können Hörprobleme in vielen Fällen durch Operationen oder Medikamente beseitigt werden. Bei der häufiger auftretenden Schallempfindungsschwerhörigkeit ist das Innenohr geschädigt. Hier kann das Gehör fast immer erfolgreich mit Hörgeräten unterstützt werden, wenn es sich um eine leicht- bis mittelgradige Schwerhörigkeit handelt.
Die weiterführende Diagnostik wird bei Säuglingen und Kleinkindern mit Hörminderung meist in einer Pädaudiologischen Klinik oder Praxis durchgeführt. (Adressen unter: www.dgpp.org) Die Anpassung von Hörgeräten und die weitere Betreuung werden von einem örtlichen Pädakustiker übernommen.

Auf was muss ich bei dem Kauf von Hörgeräten achten?

Kinder möchten meist bunte Hörgeräte haben. Das ist gut, denn das zeigt, dass sich das Kind zu den Hörproblemen bekennt. Die Hinter-dem-Ohr-Geräte für Kinder bestehen aus einem Gehäuse, einem Schallschlauch und einem maßgeschneiderten Ohrpassstück (Otoplastik), das im Gehörgang liegt. Über das Hörgerät hinaus gibt es Zubehör, das Kindern in bestimmten Situationen das Hören erleichtert. So kann über FM-Anlagen die Stimme der Eltern, Erzieher, Lehrer per Funk direkt zum Hörgerät des Kindes übertragen werden.