Ergotherapie für Kinder
 
So bekommen Kinder alles in den Griff

Was lernen Kinder in der Ergotherapie? Und wann macht sie Sinn? In unserem Film dürfen wir einen Jungen zu seiner Therapiestunde begleiten.

Ergotherapie für Kinder - was passiert da?

Ergotherapie für Kinder: So bekommen Kinder alles in den Griff

Eines der wichtigsten Arbeitsgebiete der Ergotherapie ist die Behandlung entwicklungsverzögerter Kinder. Von Kindern also, die ihren Altersgenossen sozial, kognitiv oder in der Motorik hinterherhinken. Die zum Beispiel Probleme haben, Roller zu fahren, Treppen zu steigen, Schuhe zu binden oder Männchen zu malen. Oder die das, was sie hören, sehen, riechen oder schmecken, nicht angemessen verarbeiten können. Oder ständig unangenehm auffallen, Probleme mit größeren Gruppen haben beziehungsweise keine Freunde finden.

Und: Die Zahl der Kinder, die ergotherapeutisch behandelt werden, nimmt zu. Den Hauptgrund dafür sehen die Therapeuten in der Bewegungsarmut: Unsere Kinder sitzen zu viel. Dadurch komme es vor allem zu motorischen Problemen, denn nur wer sich bewegt, spürt seinen Körper und lernt, ihn zu beherrschen.

Film zum Thema

Was Philipp während seiner Ergotherapie-Stunde macht, sehen Sie hier.

singlePlayer

Wann sollte man anfangen?

Die Aussichten, dass die Therapie anschlägt, sind umso besser, je früher man damit beginnt, sagt Christian Schlosser, stellvertretender Leiter der Berufsfachschule für Ergotherapie in Augsburg. Allerdings starten die meisten Ergotherapien nicht vor dem vierten Geburtstag. Ausnahme: motorische Probleme von Frühchen. Und was die Dauer der Therapie betrifft: Zwischen drei Monaten und einem Jahr ist alles möglich. In dieser Zeit arbeitet der Therapeut ein- bis zweimal pro Woche je 45 Minuten mit dem Kind.

Übernehmen die Kassen die Kosten?

Manche Ärzte greifen schon zum Rezeptblock, wenn Eltern das Gefühl haben, mit ihrem Kind stimme irgendwas nicht. Dabei sollte der Kinderarzt seinen kleinen Patienten vorher auf jeden Fall einmal untersucht haben. Spätestens das dritte bzw. vierte Rezept sollte erst dann über die Praxistheke wandern, wenn das Kind vorher von verschiedenen Fachleuten, zum Beispiel in einem sozialpädiatrischen Zentrum, gründlich durchgecheckt wurde.

Welcher Arzt stellt das Rezept aus?

Manche Ärzte greifen schon zum Rezeptblock, wenn Eltern das Gefühl haben, mit ihrem Kind stimme irgendwas nicht. Dabei sollte der Kinderarzt seinen kleinen Patienten vorher auf jeden Fall einmal untersucht haben. Spätestens das dritte bzw. vierte Rezept sollte erst dann über die Praxistheke wandern, wenn das Kind vorher von verschiedenen Fachleuten, zum Beispiel in einem sozialpädiatrischen Zentrum, gründlich durchgecheckt wurde.

Welche Therapie ist bei Kindern am häufigsten?

Ergotherapie ist ein Sammelbegriff für verschiedene therapeutische Verfahren. Bei Kindern kommt sehr häufi g die sogenannte Sensorische Integrationstherapie zum Einsatz. Sie basiert auf der Annahme, dass Kinder erst dann ihr Verhalten wirklich steuern können, wenn es ihnen gelingt, ihre eigene Körperwahrnehmung und die vielfältigen Reize aus der Umwelt - also das, was sie hören, sehen usw. – zu verarbeiten, sprich: sensorisch zu integrieren. Solange sie das nicht können, leiden sie aus ergotherapeutischer Sicht unter Wahrnehmungsstörungen. Bei der Sensorischen Integrationstherapie wird das Kind beim Spielen gezielt bestimmten Sinneserfahrungen ausgesetzt, damit es lernt, mit den verschiedenen Reizen umzugehen. So schaukelt zum Beispiel ein Kind, das Probleme mit dem Gleichgewicht hat und beim Rollerfahren immer wieder umkippt, viel auf Hängematte und Brettschaukel und übt mit dem Tretspielzeug Pedalo.

Was können die Eltern tun?

Zu Beginn der Behandlung informiert sich der Ergotherapeut über die Vorgeschichte des Kindes, seine Lebensumstände, seine Gesundheit und beobachtet sein Verhalten. Dann überprüft er die Diagnose auf dem Rezept und legt zusammen mit Eltern und Kind sowie nach Rücksprache mit dem Kinderarzt das Therapieziel fest. Erst danach beginnt die Behandlung. Bei motorischen Problemen zum Beispiel versuchen es Ergotherapeuten mit der sogenannten Sensorischen Integration (siehe Kasten), bei sozialen Schwierigkeiten mit verhaltenstherapeutischen Methoden. Außerdem zeigt der Therapeut den Eltern, wie sie zu Hause mit dem Kind üben können. Belege und wissenschaftliche Studien über die Wirksamkeit der Ergotherapie gibt es leider nicht. Ob die Behandlung anschlägt, merken Eltern, Erzieher, Lehrer und natürlich das Kind im besten Fall selbst.

So findet man einen Ergotherapeuten

Über den Kinderarzt oder andere Eltern. Ansonsten wendet man sich am besten an die Krankenkasse oder an den
Deutschen Verband der Ergotherapeuten e. V., Postfach 2208,
76303 Karlsbad,
Tel. 0 72 48/9 18 10,
Fax 0 72 48/91 81 71,
Internet: www.ergotherapie-dve.de oder www.dve.info.