Erste Hilfe für Kinder
 
Fragen an den Kindernotarzt

Wann sollen Eltern einen Notarzt rufen? Welche Notfälle kommen bei Kindern am häufigsten vor? Wie lange dauert es bis der Notarzt kommt? Sebastian Zimatschek ist Facharzt für Anästhesie und Kindernotarzt. Seit 1997 arbeitet er freiberuflich beim Kindernotarztdienst des Dr. von Haunerschen Kinderspitals der Universität München. In unserem Interview beantwortet er die wichtigsten Fragen zu Notfällen bei Kindern.

1. Was macht ein Kindernotarzt?

Erste Hilfe für Kinder: Fragen an den Kindernotarzt

Ein Kindernotarzt ist meist ein Kinderarzt, ein Kinderchirurg oder ein Kinderanästhesist, der langjährige Erfahrung in der Kindernotfall- und Kinderintensivmedizin hat. Daher wird er als Speziallist bei Kindernotfällen, die sofort von einem Notarzt versorgt werden müssen, über die Rettungsleitstelle dazu alarmiert.

2. Zu welchen Notfällen werden Sie am häufigsten gerufen?

Die häufigsten Notfälle sind bei Kleinkindern akute Atemnot und Krampfanfälle bei Infekten, die sogenannten Fieberkrämpfe.

3. In welchen Fällen sollen Eltern immer einen Notarzt rufen?

Immer, wenn auch nur schon der Verdacht besteht, dass der kleine oder auch große Patient durch die Erkrankung, den Notfall oder den Unfall ernsten Schaden an Leib und Leben nehmen könnte.

4. Was sind die ersten Schritte der Eltern bei einem Notfall?

  1. Sich ein kurzes Bild von der Situation, dem Notfall, seinem Hergang und der aktuellen Situation machen.
  2. Überprüfen, ob das Kind ansprechbar ist
  3. Gegebenenfalls laut um Hilfe rufen. Zu zweit oder mehreren kann man effektiver erste Hilfe leisten
  4. Atemweg kontrollieren und freimachen
  5. Bei Atemstillstand beatmen (5 mal)
  6. Danach nach Lebenszeichen (Husten, Prusten, Grimassieren) suchen
  7. Bei deren Ausbleiben Herzdruckmassage beginnen im Rhythmus 30 x drücken und 2 x beatmen.
  8. Nach einer Minute, wenn man immer noch allein ist, über die Notrufnummer 112 einen Notruf absetzen.

5. Welche Notrufnummer ist richtig: Die 112 oder 19222?

Fast überall in Deutschland ist die 112 die Notrufnummer und nur noch an manchen Orten die 19222. Es soll und wird aber ganz auf die 112 umgestellt werden. Grundsätzlich kommt man aber immer über beide Nummern an einer Hilfsstelle raus, es dauert nur manchmal einen Moment länger.
Über das Handy kommt man immer über die 112 zu einer Hilfsstelle, auch international!

6. Welche Angaben sollen Eltern bei einem Notruf machen?

  • WER ruft an?
  • WAS ist passiert?
  • WO ist es passiert?
  • WIEVIELE sind betroffen?
  • WARTEN auf Rückfragen?

7. Wie lange dauert es bis der Notarzt kommt?

In der Stadt dauert es in der Regel nur wenige Minuten, weil die Notarztdichte größer ist. Auf dem Land kann es manchmal etwas länger dauern. Grundsätzlich ist es immer auch vom gesamten Einsatzaufkommen abhängig und kann im Einzelfall sehr unterschiedlich sein.
In München gibt es nur einen Kindernotarzt. Deswegen kann es hier auch zu großen Zeitunterschieden kommen - je nachdem, wo er gerade unterwegs ist. Häufig, werden wir Kindernotärzte auch mal mit dem Hubschrauber in den Landkreis oder in benachbarte Landkreise geflogen, wenn wir von den dortigen Kollegen oder Rettungsleitstellen angefordert werden.

8. Was können die Eltern machen, bis der Notarzt kommt?

Grundsätzlich beim Kind bleiben und gegebenenfalls erste Hilfe leisten. Das ist sehr wichtig und ganz entscheidend auch für den Erfolg unserer erweiterten Maßnahmen. Wir können letztlich nur so gut sein, wie die erste Hilfe begonnen wurde.
Ganz wichtig ist das regelmäßige Auffrischen der Erste- Hilfe- Kenntnisse und das beherzte Ausführen in Notfällen. Ein zu langes Warten führt zur Sauerstoffmangelversorgung von lebenswichtigen Organen - allen voran dem Gehirn.

9. Können die Eltern immer im Notarztwagen mitfahren?

Wenn ein Kind im Rettungs- oder Notarztwagen oder im Hubschrauber transportiert wird, dann hat der Fahrzeugführer oder Pilot hat die Entscheidung ob und wie viele Begleitpersonen er mitnimmt.
In der Regel nimmt man ein Elternteil, meistens die Mama, mit. Den Papa bitten wir mit dem eigenen PKW zur Zielklinik zu kommen. Natürlich nur, wenn er die Ruhe dazu hat. Ansonsten ist es besser ein Taxi zu nehmen oder einen Nachbarn zu fragen. Ganz verkehrt und viel zu gefährlich wäre es, dem Notarztwagen mit großem Tempo und auch noch über rote Ampeln zu folgen! Ein Privatauto hat keine Blaulicht und muss sich auch in dieser Situation an die Straßenverkehrsordnung halten.

10. Darf man als Eltern mit entscheiden in welches Krankenhaus das Kind gebracht wird?

Wenn die Eltern den Notarzt darauf hinweisen, dass ein Kind in einem Kinderkrankenhaus schon bekannt ist, wird das Kind - wenn möglich - dorthin gebracht. Jedoch hängt diese Entscheidung immer von mehreren Faktoren ab, wie zum Beispiel, der Dringlichkeit, der Verkehrslage und nicht zuletzt der Bettenbelegungssituation - oft ist ein Haus einfach komplett voll.