Kindergesundheit
 
Mittelohrentzündung: wann Antibiotika?

Kinder zwischen drei und acht Jahren sind besonders häufig von Mittelohrentzündungen betroffen. Wie man diesen Kindern helfen kann und wann ein Antibiotikum nötig ist, erklärt Prof. Dr. Friedrich Bootz, Direktor der Universitäts-Hals-Nasen-Ohrenklinik in Bonn.

Kindergesundheit: Mittelohrentzündung: wann Antibiotika?
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Immer öfter liest man, dass nicht bei jeder Mittelohrentzündung mit Antibiotika behandelt werden müsse. Wie stehen Sie dazu?
Dass man seit einiger Zeit mit der Gabe eines Antibiotikums bei Mittelohrentzündung zurückhaltend geworden ist, ist mir nicht bekannt. Man sollte jedoch zurückhaltend sein bei der Verordnung eines Antibiotikums. Der Grund hierfür liegt darin, dass die Konzentration des eingenommenen Antibiotikums vor Ort - also im Mittelohr - relativ gering und daher auch die Wirksamkeit eingeschränkt ist.
Des Weiteren riskiert man bei der häufigen Gabe eines Antibiotikums die Entwicklung von Resistenzen, d. h. die entsprechenden Keime reagieren dann nicht mehr auf das Antibiotikum. Bei einer akuten Mittelohrentzündung stehen Maßnahmen zur Abschwellung der Schleimhaut wie entsprechende Nasensprays oder -tropfen und die Gabe eines Schmerzmittels im Vordergrund. Bei sehr starker Eiterbildung im Mittelohr kann zusätzlich ein Schnitt im Trommelfell zur Entlastung angelegt werden.

In welchen Fällen kann man auf eine Antibiotikatherapie nicht verzichten?
Eine der Komplikationen einer akuten Mittelohrentzündung ist z. B. die Mastoiditis, also eine Entzündung des sogenannten Warzenfortsatzes - der knöcherne Bereich lässt sich hinter dem Ohr tasten. Bei einer derartigen Entzündung, die sich durch eine starke Rötung hinter dem Ohr und einer abstehenden Ohrmuschel zeigt, ist eine Antibiotikatherapie unverzichtbar. Diese sollte jedoch dann nicht in Form von Tabletten sondern von Infusionen durchgeführt werden, um eine ausreichend hohe Konzentration im Blut zu erreichen.

Können Ohrentropfen helfen?
Ohrentropfen haben überhaupt keine Wirkung bei einer akuten Mittelohrentzündung. Sie sind allenfalls bei Entzündungen des Gehörganges wirksam. Zusätzlich muss berücksichtigt werden, dass in antibiotikahaltigen Ohrentropfen Substanzen enthalten sind, die das Innenohr schädigen können. Hat der Patient eine Öffnung im Trommelfell, so können diese Substanzen in das Mittelohr eindringen und sogar die Innenohrstrukturen erreichen. Dadurch könnten Gehör und Gleichgewichtssinn Schaden nehmen.

Welche Kinder profitieren von einem Paukenröhrchen, also einem künstlich angelegten Abfluss, damit Flüssigkeitsansammlungen im Mittelohr abgeleitet werden können?
Der Einsatz von Paukenröhrchen ist bei Kindern mit einer chronischen Ergussbildung im Mittelohr angezeigt. Diese Flüssigkeitsansammlung entsteht durch vergrößertes lymphatisches Gewebe im Nasen-Rachen, was im Volksmund als Polypen bezeichnet wird. Dadurch kommt es zu einer entzündlichen Reaktion der Schleimhaut des Mittelohres und zu einer Absonderung von Sekret. Bei einer akuten Mittelohrentzündung ist das Einlegen von Paukenröhrchen nicht angezeigt. Hier kann man - wie oben bereits erwähnt - einen Schnitt ins Trommelfell machen, um das eitrige Sekret abzusaugen.

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