Mittelohrentzündung
 
Mein Ohr tut so weh!

Ihr Kind greift sich ständig ans Ohr und klagt über starke Schmerzen? Das sieht nach einer Mittelohrentzündung aus. Hier finden Sie ausführliche Antworten auf alle Ihre Fragen - von der Erkennung bis zur Therapie.

Wie entsteht eine Mittelohrentzündung?

Mittelohrentzündung: Mein Ohr tut so weh!

Auslöser ist fast immer eine Erkältung. Denn Schnupfen-Viren breiten sich nicht nur auf der Nasenschleimhaut aus, sie können auch in die Ohrtrompete vordringen. Die beiden "Ohrtrompeten", auch Eustachische Röhren genannt, sind die Verbindung zwischen Nasen-Rachen-Raum und rechtem und linkem Mittelohr. Durch sie strömt Luft in die Paukenhöhle, der Druck im Mittelohr gleicht sich dem der Außenluft an. Ist eine der Ohrtrompeten verstopft, funktioniert dieser Mechanismus nicht mehr: Die Luftzufuhr ins Mittelohr ist unterbrochen, die vorhandene Luft wird resorbiert, es entsteht ein Unterdruck. Beides, der Verschluss der Ohrtrompete und der Unterdruck im Mittelohr, führen dazu, dass sich in der Paukenhöhle Sekret ansammelt. Das ist gefährlich, denn die Flüssigkeit ist der ideale Nährboden für Bakterien. Sie machen häufig aus einer "normalen" Mittelohrentzündung eine eitrige.

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Warum leiden gerade Kinder darunter?

Zum einen, weil ihr Immunsystem noch nicht ausgereift ist. Zum anderen, weil bei ihnen die Eustachische Röhre kürzer und flacher verläuft als bei Erwachsenen. Das bedeutet, dass sich Keime aus dem Nasen-Rachen-Raum leichter ins Mittelohr verirren können. Ab dem Schulalter tritt dieses Problem deutlich seltener auf.

Warum sind manche Kinder anfälliger für Mittelohrentzündungen als andere?

Diese Kinder weisen häufig bestimmte Risikofaktoren auf:

  • Eine besondere Form der Eustachischen Röhre: entweder sehr kurz und weit, was die Keimverschleppung begünstigt, oder besonders eng, wodurch sich leichter Sekret im Mittelohr anstaut.
  • Eine angeborene oder eine erworbene Abwehrschwäche: Das Immunsystem mancher Kinder reagiert langsamer und schwächer auf eindringende Krankheitserreger.
  • Eine Allergie: Auf der dauergereizten Schleimhaut von Heuschnupfen- und Asthmakindern breiten sich Keime besonders leicht aus.
  • Verdickte Rachenmandeln: Manche Kinder haben von Natur aus oder auf Grund gehäufter Infekte eine vergrößerte Rachenmandel. Wenn sie auf die Einmündung einer der Eustachischen Röhren drückt, ist die Luftzufuhr zum Mittelohr blockiert.

Auf welche Alarmsignale sollten Eltern achten?

Vor allem beim ersten Kind fällt es Eltern schwer, sein Schreien richtig zu deuten. Und in die Ohren gucken können Mütter und Väter nicht. Aber sie können auf folgende Warnzeichen achten:

  • Das Kind fasst sich dauernd ans Ohr, knetet es, zupft daran (Ärzte sprechen von "Ohrzwang").
  • Es fängt stärker an zu schreien, wenn man es hinlegt. Dagegen fühlt es sich wohler, wenn es auf dem Arm getragen wird oder wenn es sitzt.
  • Aus seinem Ohr läuft Flüssigkeit (weil das Trommelfell unter dem Druck des eitrigen Sekrets aufgegangen ist).
  • Achtung: Steht das Ohr vom Kopf ab und ist die Falte hinter dem Ohr verstrichen und gerötet, sofort zum Arzt gehen! Denn dann hat die Entzündung bereits auf den Schädelknochen übergegriffen.

Was sieht der Arzt beim Blick ins Ohr?

Wenn der Kinder- oder HNO-Arzt tief in die Ohren schaut, interessiert ihn außer dem Gehörgang (blass oder gerötet?) vor allem das Trommelfell. Beim gesunden Kind ist es ein zartes, blasses Häutchen mit einer leichten Delle in der Mitte. Es ist so glatt, dass es das Untersuchungslicht widerspiegelt. Beim kranken Kind wölbt sich das Trommelfell nach außen, es ist gelblich-rot verfärbt, und man sieht feine Gefäße. Wenn sich zu viel Sekret und Eiter im Mittelohr ansammelt, kann es sogar platzen. Dann läuft eine gelbliche, manchmal auch blutige Flüssigkeit durch den Riss in den Gehörgang.

Kann man vorbeugen?

Mit folgenden Strategien kann es gelingen, die Häufigkeit und Ausprägung der Entzündungen zu reduzieren:

  • bei Schnupfen abschwellende Nasentropfen geben (auf altersgemäße Dosierung achten!). So erhöht sich die Chance, dass sich die Eustachische Röhre nicht verschließt;
  • bei Infektanfälligkeit eine homöopathische Konstitutionsbehandlung einleiten (siehe dazu weiter unten: "So hilft die Homöopathie");
  • in Gegenwart des Kindes nicht rauchen. Studien zeigen, dass Kinder, die passiv mitrauchen, häufiger betroffen sind;
  • das Kind gegen Pneumokokken und Haemophilus influenzae (HiB) impfen lassen. Diese Bakterien zählen zu den häufigsten Erregern einer eitrigen Mittelohrentzündung;
  • eventuell vergrößerte Polypen entfernen lassen. So bleiben die Einmündungen der Ohrtrompeten in den Rachenraum offen;
  • das Kind von stark verschnupften Mitmenschen fern halten. Denn steckt es sich an, droht der nächste Infekt.

Warum helfen Zwiebelwickel?

Die ätherischen Öle der normalen Küchenzwiebel beruhigen die Schleimhaut in der Paukenhöhle, dämpfen den Schmerz und hemmen die Entzündung. Zwiebelwickel sind deshalb seit Generationen das Hausmittel bei Ohrenweh. Es geht ganz einfach: Zwiebel klein hacken, in ein Taschentuch wickeln, Päckchen mit einem Stirnband auf dem kranken Ohr fixieren und so lange wie möglich einwirken lassen.

Wann müssen Antibiotika sein?

Eine Mittelohrentzündung kann schlimme Folgen haben: Schwerhörigkeit, eine eitrige Entzündung der Gehirnhäute und des Gehirns, eine Knochenentzündung. Das ist zwar selten, aber nicht ganz auszuschließen. Sicherheitshalber bekamen deshalb bis vor wenigen Jahren alle Kinder mit Mittelohrentzündung ein Antibiotikum.
Heute gehen Ärzte mit den Bakterienkillern sparsamer um, damit sie nicht an Wirksamkeit verlieren. Fühlt sich das Kind relativ gut und hat es nur leichtes Fieber, geben viele nur noch abschwellende Nasentropfen, Schmerzzäpfchen und Zwiebelwickel. Allerdings muss das Kind häufig kontrolliert werden, zu Beginn der Behandlung mindestens einmal am Tag.
Unterstützung bekommt diese Strategie mehr und mehr durch Studien, die zeigen, dass Antibiotika bei leichten Mittelohrentzündungen die Krankheitsdauer und den Verlauf nicht wesentlich beeinflussen.
In kritischen Fällen führt aber weiterhin an einem Antibiotikum kein Weg vorbei. Beispielsweise bei Säuglingen und Kleinkindern. Auch wenn ein größeres Kind unter starken Schmerzen leidet und sich sehr schwach und krank fühlt, ist ein Antibiotikum unumgänglich.

Macht Mittelohrentzündung schwerhörig?

Manche Kinder, die eine Mittelohrentzündung durchgemacht haben, hören schlecht. Schuld ist fast immer ein Erguss in der Paukenhöhle, der nicht weggeht, auch wenn die akute Entzündung längst abgeklungen ist. Unter Umständen ist dann eine Paukendrainage fällig. Nur in extrem seltenen Fällen führt eine Mittelohrentzündung zu einer dauerhaften Schwerhörigkeit: wenn die Infektion so massiv war, dass sie die Gehörknöchelchen im Mittelohr oder das Innenohr angegriffen oder gar zerstört hat. Ursache: Entweder wurde die Infektion nicht erkannt oder die Antibiotika-Gabe zu lange hinausgezögert.

Manchmal geht es nicht ohne Operation

Viele Kinder, die häufig unter Mittelohrentzündungen und/oder Polypen leiden, haben einen so genannten Paukenerguss. Dabei sammelt sich in der Paukenhöhle hinter dem Trommelfell eine schleimige Flüssigkeit an, die die Schall-Leitung behindert. Hören die Kinder längere Zeit schlecht, kann das die Sprachentwicklung stören. Es gibt verschiedene Behandlungsmethoden:

  • Parazentese: Trocknet der Erguss nicht innerhalb von drei Monaten von selbst ab, oder liegt das Kind bereits in der Sprachentwicklung zurück, muss der Hals-Nasen-Ohren-Arzt operativ nachhelfen: mit einem kleinen Schnitt ins Trommelfell. Jetzt kann der Paukenerguss nach außen abfließen.
  • Polypen-Entfernung: Sind vergößerte Rachenmandeln die Ursache für den Erguss, müssen sie entfernt werden.
  • Paukenröhrchen: Wenn sich immer wieder Flüssigkeit in der Paukenhöhle ansammelt, ist eine "Drainage" sinnvoll. Der Arzt steckt ein winziges "Lüftungsrohr" in das Trommelfell: Der Erguss fließt ab, das Mittelohr wird langsam trocken. Der Eingriff wird ambulant durchgeführt, entweder in der Praxis des HNO-Arztes, in einer Tagesklinik oder im Krankenhaus. Wenn das Kind nach der Kurz-Narkose aufwacht, spürt es kaum Schmerzen und kann nach wenigen Stunden wieder nach Hause. Duschen und Baden darf es allerdings erst wieder, wenn der HNO-Arzt es erlaubt.

So hilft die Homöopathie

Häufigen Mittelohrentzündungen bei größeren Kindern liegt oft eine Infektanfälligkeit zu Grunde. Hier kann eine klassische homöopathische Konstitutionsbehandlung helfen. Der Arzt fahndet nach einem maßgeschneiderten Mittel für den Patienten, um seine Abwehrkräfte zu stärken. Manche Therapeuten setzen auch auf eine homöopathische Eigenblut-Therapie. Ansonsten helfen Kindern mit Ohrenweh folgende Globuli:

  • Ferrum phosphoricum bei Blässe, Schlappheit, Schnupfen;

  • Belladonna bei Ohrenweh nach erhitztem Spielen;

  • Aconitum bei Angst, Unruhe, Fieber;
  • Chamomilla bei Gereiztheit, Schreien, Wunsch nach Getragenwerden;

  • Pulsatilla bei Ohrenweh nach gelbem Stockschnupfen sowie Stimmungsschwankungen;

  • Präparate mit verschiedenen Wirkstoffen: Diese homöopathischen "Komplexmittel" eignen sich vor allem bei sich rasch ändernden Symptomen.