Gesundheit
 
Schnupfen bei Kindern: Abschwellende Nasensprays richtig dosieren

Wenn ein verschnupftes Kind kaum Luft bekommt, sind abschwellende Nasensprays ein Segen. Doch man darf sie nicht zu oft und zu lang einsetzen, sonst entsteht ein Teufelskreis.

Krankes Kleinkind bekommt Nasentropfen
iStock, grimvalds

Elternfamily.de sprach mit Dr. René Summesberger, Facharzt für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde in Bludenz, Österreich.

Weshalb ist das Abschwellen der Schleimhäute so wichtig?
Bei Kindern haben wir die besondere Situation, dass die Nebenhöhlen und die Gänge zwischen Nase und Ohren noch sehr klein sind. Je kleiner der Durchmesser solcher Höhlen und Röhren, desto schneller ist hier bei einem Schnupfen alles komplett zu. Wenn man nicht für Belüftung sorgt, riskiert man Infektionen, besonders Mittelohrentzündungen. Außerdem beeinträchtigt die ständige Mühe beim Atemholen alle möglichen Funktionen wie Schlafen, Essen und Trinken und damit das gesamte Allgemeinbefinden. Die Behandlung mit abschwellenden Nasentropfen ist zweifelsohne die effektivste. Sie bringt die Schleimhaut binnen Minuten für Stunden zum Abschwellen und befreit damit die oberen Atemwege. Allerdings ist diese Therapie nicht ganz unproblematisch.

Welche Risiken gibt es dabei?
Die enthaltenen Wirkstoffe wie Xylometazolin, Oxymetazolin, Tramazolin oder Naphazolin ziehen die Blutgefäße in der Nasenschleimhaut zusammen und bewirken dadurch ein Abschwellen der Schleimhaut. Der Wirkstoff kann aber auch in geringen Mengen in das Blut gelangen und über dieses ins Gehirn, wo sogenannte zentralnervöse Nebenwirkungen wie Beeinflussung der Atmung, des Pulses, der Körpertemperatur oder auch des Bewusstseins hervorgerufen werden. Je kleiner ein Kind ist, desto größer ist diese Gefahr. Die Entscheidung für oder gegen abschwellende Nasentropfen muss individuell vom betreuenden Arzt gemeinsam mit den Eltern getroffen werden.


Viel häufiger hört man die Warnung, dass man sich an solche Nasensprays gewöhnt und nicht mehr ohne sie auskommt.
Dieses Problem besteht für Erwachsene genauso wie für Kinder. Die abschwellende Wirkung der Medikamente lässt nach, die Nase wirkt dauerhaft verstopft. Die Folge: Patienten müssen die Nasensprays immer wieder in immer höheren Dosierungen anwenden, um noch eine Wirkung zu erzielen. Zudem zeigt die Schleimhaut eine gewisse Überreaktion, so dass sie auch dann, wenn der eigentliche Schnupfen schon abgeklungen ist, noch immer anschwillt und damit das Verlangen nach der erleichternden Arznei bestehen bleibt. Deshalb darf man diese Präparate grundsätzlich nicht länger als zehn bis maximal 14 Tage nehmen und höchstens drei- bis viermal pro Tag anwenden.


Gibt es Möglichkeiten, ganz auf diese Arzneien zu verzichten?
Wenn man früh genug reagiert, also bei den ersten Anzeichen eines Schnupfens, kann man durchaus häufig ohne diese Präparate auskommen. Hilfreich sind isotonische Kochsalz-Lösungen, die man in Apotheken und Drogeriemärkten kaufen kann. Man sollte sie nicht selbst in der Küche zubereiten, weil man kaum die richtige Konzentration hinbekommt. Wichtig ist auch, dass man ein angebrochenes Spray oder Fläschchen dieser Art nach der Schnupfen-Episode entsorgt und nicht im Apothekenschrank für den nächsten Einsatz aufbewahrt.

Was können Eltern tun, deren Kind zu lange und zu oft ein abschwellendes Nasenspray bekommen hat und nun immer wieder unter einer "verstopften" Nase leidet?
Aus diesem Kreislauf kommt man raus, aber das erfordert Disziplin und natürlich den Rat eines Facharztes! Ich erarbeite mit den Eltern einen Karenz-Plan, nach dem sie konsequent vorgehen müssen. In schwierigen Fällen verordne ich ein Kortisonspray. Das hat nur leicht abschwellende Wirkung und kaum Nebenwirkungen. Nach zwei bis höchstens drei Tagen ist der Spuk vorbei, und die Nasenschleimhaut reagiert wieder ganz normal.

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