Entspannung
 
Schlafprobleme bei Schulkindern

Eine Stunde = wesentlich mehr Leistungsfähigkeit

Die Antworten darauf kommen aus der ganzen Welt: In einer Studie der psychologischen Fakultät der Universität Tel Aviv konnte ein Forscherteam um Dr. Avi Sadeh zeigen, dass eine zusätzliche Schlafstunde die Leistungsfähigkeit bei Kindern enorm erhöht und wiederum eine Stunde weniger Schlaf genügt, um die Gehirnfunktionen negativ zu beeinflussen. Für diesen Nachweis ließen die Forscher die Schüler in zwei von fünf Nächten ganz normal schlafen. Die anderen drei Nächte durfte die eine Hälfte der Probanden eine Stunde länger und musste die andere eine Stunde weniger schlafen. Am Anfang und am Ende der Untersuchung testeten die Forscher Reaktionszeiten wie zum Beispiel die Tippgeschwindigkeit am Computer. Außerdem mussten sich die Testschläfer an bestimmte Zahlenfolgen erinnern.

Das Ergebnis: Schüler mit weniger Schlaf hatten deutlich schlechtere Reaktionszeiten als vor der Untersuchung. Die Schüler mit der Extraportion Schlaf waren dagegen so viel schneller geworden, dass die Forscher die Leistungsdifferenz zwischen den beiden Gruppen mit dem entwicklungsbedingten Unterschied zwischen Viert- und Sechstklässlern verglichen!

Wenig Schlaf erhöht das Risiko für Übergewicht

Die Zeitfenster und die benötigte Schlafmenge verändern sich mit dem Großwerden

Viel Schlaf macht aber nicht nur geistig und psychisch stark - er hält auch schlank! Schlafmangel verdreifacht bei Kindern dagegen das Risiko, übergewichtig zu werden. Das fanden Experten der Universität Laval in Kanada heraus. Kein anderer Faktor - übergewichtige Eltern, soziale Herkunft, Familieneinkommen, Medienkonsum oder Bewegung - wirkte sich so negativ auf das Gewicht aus wie mangelnder Schlaf.

Den genauen Zusammenhang zwischen Schlaf und dem Körpergewicht von Kindern haben die Wissenschaftler noch nicht geklärt. Aus Studien an Erwachsenen schließen sie jedoch, dass Schlafmangel hormonelle Mechanismen aus dem Gleichgewicht bringt. Das Hormon Leptin wird weniger, Ghrelin dafür vermehrt produziert. Leptin senkt das Hungergefühl. Ghrelin sorgt für das Gegenteil: Es stimuliert die Ausschüttung von Neuropeptid Y - und das steigert den Hunger.

Auch Wissenschaftler der Northwestern University in Chicago haben den Zusammenhang zwischen Schlaf und Gewicht erforscht. Für ihre Untersuchung sammelten die Forscher Daten von über 2.000 Kindern. Das Fazit: Auch hier macht wieder eine Stunde mehr Schlaf den Unterschied. Laut Emily Snell, Mitautorin der Studie, ist dabei auch entscheidend, wann das Schlafplus erfolgt: "Kinder zwischen drei und acht Jahren profitieren vor allem davon, früh schlafen zu gehen. Während zwischen acht und 13 Jahren das Übergewichtsrisiko besonders stark sinkt, wenn Kinder länger ausschlafen können."

Die Zeitfenster und die benötigte Schlafmenge verändern sich also mit dem Großwerden. Aber die weit verbreitete Formel "Je älter, desto weniger Schlaf genügt" ist leider falsch.