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Heuschnupfen in der Schwangerschaft Was hilft Schwangeren gegen die Allergie?

Heuschnupfen in der Schwangerschaft: Schwangere Frau steht unter einem blühenden Baum und putzt sich die Nase
© Maria Sbytova / Adobe Stock
Rote Augen, laufende Nase: Wenn die Pollen fliegen, plagt der Heuschnupfen – auch in der Schwangerschaft. Viele Frauen fragen sich nun: Darf ich als Schwangere noch Medikamente gegen die Beschwerden einnehmen? Wir haben die Antworten!

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Viele Frauen, die unter Heuschnupfen (allergische Rhinitis) leiden, stehen während der Schwangerschaft vor der Frage: Darf ich als Schwangere jetzt überhaupt noch Medikamente einnehmen, um die Allergie-Beschwerden zu lindern? Und wenn ja, welche Mittel sind geeignet? Vor allem schwangere Frauen, die unter allergischem Asthma leiden, sind häufig verunsichert. Doch das muss nicht sein: Wir haben alle wichtigen Informationen zur allergischen Rhinitis für euch zusammengestellt.

Wie kann man Heuschnupfen in der Schwangerschaft behandeln?

Die gute Nachricht direkt vorweg: Von Heuschnupfen verursachte Beschwerden lassen sich auch während der Schwangerschaft gut behandeln! Wenn die Beschwerden nur leicht sind, genügt es manchmal sogar schon, den Kontakt mit den Pollen und die Pollenkonzentration in der Umgebung zu reduzieren. Professor Arthur Helbling, Leiter der Poliklinik für Allergologie und klinische Immunologie des Inselspitals Bern, empfiehlt Allergikerinnen dazu:

  • Mit geschlossenen Fenstern Auto zu fahren.
  • Sich vor dem Schlafengehen die Haare zu waschen.
  • Nicht bei offenem Fenster zu schlafen.

Bei stärkeren Allergie-Beschwerden in Augen und Nase können Frauen laut Helbling aber auch in der Schwangerschaft frei verkäufliche Antihistaminika anwenden. Am besten als Augentropfen oder Nasensprays (topische Antihistaminika): Denn so wirken diese nur auf einen sehr kleinen Bereich der Schleimhaut: "Schäden beim Ungeborenen sind bis heute nicht beobachtet worden", so der Berner Experte Helbling. Doch auch die Anwendung von systemischen Antihistaminika – also Tabletten – ist in Ordnung.

Das Gleiche gilt für Kortison-Sprays (topische Glukokortikosteroide) und Kortison-Tabletten (systemische Glukokortikosteroide). Sowohl Antihistaminika als auch Glukokortikosteroide helfen bei akuten Symptomen wie verstopfter Nase und juckenden Augen. Eine langfristigere Lösung kann zudem der Mastzellstabilisator Cromoglicinsäure sein: Dieser Wirkstoff verhindert das Freisetzen von Entzündungsbotenstoffen und beugt so dem Heuschnupfen vor. 

Auf Medikamente mit diesen Wirkstoffen kannst du bei Beschwerden durch Heuschnupfen auch in der Schwangerschaft zurückgreifen:

  • topische Antihistaminika: Azelastin und Levocabastin
  • systemische Antihistaminika: Loratadin oder Cetirizin
  • topische Glukokortikosteroide: Budesonid
  • systemische Glukokortikosteroide: Prednisolon
  • topischer Mastzellstabilisator: Cromoglicinsäure

Auch wenn Arzneimittel mit diesen Wirkstoffen als weitestgehend unbedenklich während der Schwangerschaft eingestuft werden: Sprich vor der Einnahme immer mit deinem Arzt oder deiner Ärztin. Dann kannst du auch erfragen, welches Medikament für deine Beschwerden am sinnvollsten ist.

Achtung bei abschwellenden Nasentropfen oder -sprays

Abschwellende Nasentropfen oder Nasensprays, die die Wirkstoffe Xylometazolin oder Oxymetazolin enthalten, können bei einer verstopften Nase und geschwollenen Schleimhäuten zu einer schnellen Verbesserung führen. Und sie sind auch während der gesamten Schwangerschaft bedenkenlos nutzbar. Aber Vorsicht: Setze die Mittel nicht länger als zehn Tage am Stück ein – auch unabhängig von einer Schwangerschaft. Die Wirkstoffe können bei einem dauerhaften Gebrauch zu einer Schädigung der Nasenschleimhaut führen. "Unbedenklich hingegen sind Nasentropfen mit Kochsalzlösung", sagt Professor Helbling. Hilfreich können auch regelmäßige Nasenspülungen mit einer Nasendusche und Kochsalzlösung sein.

Was ist bei Heuschnupfen mit allergischem Asthma zu beachten?

Wenn du unter allergischem Asthma leidest, sprich dies gegenüber deiner Gynäkologin oder deinem Gynäkologen am besten so früh wie möglich an. So kann schnell geklärt werden, welche Medikamente in welcher Dosis für dich jetzt infrage kommen. 
Denn es ist wichtig, dass du diese auch während der Schwangerschaft weiter einnimmst oder im Notfall zur Hand hast. Unbehandeltes Asthma gefährdet nicht nur dich, sondern möglicherweise auch dein Baby: Bei schwerer Atemnot können die Sauerstoffversorgung und das Wachstum des ungeborenen Kindes beeinträchtigt werden. Also bitte nicht eigenmächtig Medikamente absetzen, sondern erst mal mit Arzt oder Ärztin Rücksprache halten. Auch, um eine Verschlechterung der Erkrankung genau beobachten zu können.

Dürfen Schwangere mit Heuschnupfen eine Hyposensibilisierung durchführen?

Wenn du schon länger unter Heuschnupfen leidest und dir die Symptombehandlung der Allergie auf Dauer nicht mehr ausreicht, kann eine Hyposensibilisierung für dich infrage kommen. Bei dieser Immuntherapie wird dir die allergieauslösende Substanz (das Allergen; in diesem Falle Pollen) in ansteigenden Dosen bis zu einer Maximaldosis verabreicht. Dadurch soll sich das Immunsystem an das Allergen gewöhnen und schließlich nicht mehr darauf reagieren. Die Behandlung kann mehrere Jahre in Anspruch nehmen, aber die Aussicht auf eine Verbesserung der Allergiesymptome ist groß.

Wenn du bereits vor der Schwangerschaft mit einer Hyposensibilisierung begonnen hast, kann diese in der Regel fortgesetzt werden. Insbesondere, wenn du die Therapie bis jetzt gut vertragen hast. Optional kann die Immuntherapie auch pausiert werden – eine Verschlechterung der Symptome ist dabei nicht zu erwarten. Berate dich zum weiteren Vorgehen am besten mit deinem behandelnden Arzt oder deiner Ärztin.

Erst während einer bestehenden Schwangerschaft mit der spezifischen Immuntherapie (SIT) – wie das Verfahren in der Fachsprache heißt – zu beginnen, wird allerdings nicht empfohlen. Denn in seltenen Fällen kann es durch die Behandlung zu einer allergischen Schockreaktion kommen.

Ist Heuschnupfen in der Schwangerschaft gefährlich für das Baby?

Abgesehen von schwerem allergischem Asthma, das durchaus gefährlich werden kann, sind die Symptome eines Heuschnupfens vor allem eines: lästig und zermürbend. Die durch die Pollen juckenden Augen, die laufende Nase oder auch brennende Ausschläge sind keine lebensbedrohliche Erkrankung, können das Wohlbefinden aber auf Dauer stark beeinträchtigen. 

Vom Heuschnupfen der werdenden Mutter geht keine unmittelbare Gefahr für das Ungeborene aus – abgesehen von möglichen Unterversorgungen durch Asthma. Aber ganz unbegründet ist die Sorge, dass Heuschnupfen dem Kind schaden könne, nicht: Studien haben ergeben, dass das Risiko, eine Allergie zu entwickeln, zwischen 20 und 40 Prozent höher ist, wenn ein Elternteil allergisch ist. Sind beide Eltern Allergiker, ist das Risiko sogar um 40 bis 60 Prozent erhöht. Doch: Schon in der Schwangerschaft kannst du einiges dafür tun, um eine Allergie bei deinem Kind hinauszuzögernoder sogar ganz zu verhindern:

  • Gesunde Ernährung: Mit allem, was du als Schwangere isst, nimmst du potenzielle Allergene zu dir, die in geringem Maße auch auf dein Baby übergehen. Trotzdem solltest du jetzt nicht auf hochallergene Nahrungsmittel wie Hühnerei oder Nüsse verzichten. Eine solche "Eliminationsdiät" könnte zur Mangelversorgung des Ungeborenen führen. Ernähre dich stattdessen möglichst ausgewogen, mit viel frischem Obst und Gemüse.
  • Vom Vierbeiner Abschied nehmen: Zumindest im Babyzimmer haben Haustiere nichts zu suchen. Bei einem sehr hohen Allergierisiko des Kindes kann es außerdem sinnvoll sein, Hund oder Katze bereits zu Beginn der Schwangerschaft in gute Hände abzugeben – auch wenn es schwerfällt. So kann sich die Tierallergen-Dichte in der Wohnung bis zur Geburt noch möglichst weit verringern. Babys nicht allergischer Eltern dagegen scheinen übrigens sogar besser vor Allergien geschützt zu sein, wenn sie mit Tieren aufwachsen.
  • Weg mit den Zigaretten: Mit dem Rauchen aufzuhören, ist die einzige Maßnahme, mit der Schwangere nachweislich das Allergierisiko ihres Kindes reduzieren können. Sie verhindern damit, dass die Zigarettengifte das Immunsystem des Ungeborenen negativ programmieren. Kinder, die im Mutterleib mitrauchen mussten, haben später häufiger Allergien. Zudem ist die Entwicklung ihrer Atemwege beeinträchtigt. Und weil auch Passivrauchen beim Ungeborenen ankommt, sollte auch der Partner das Rauchverbot in den eigenen vier Wänden berücksichtigen.

Und wenn das Baby da ist:

  • Stillen: Der Ärzteverband Deutscher Allergologen rät Allergikerinnen ausdrücklich, ihre Babys zu stillen – und zwar vier bis sechs Monate lang ohne Zufüttern. Auf ihre Allergie-Medikamente muss die Mutter auch während der Stillzeit nicht verzichten, allerdings sollte sie Rücksprache mit einem allergologisch ausgebildeten Facharzt bzw. einer Fachärztin halten.
  • Flaschenmilch: Wer nicht stillen kann oder mag, kann seinem Baby in Rücksprache mit Kinderarzt oder -ärztin hypoallergene Anfangsnahrung (H.A.-Nahrung) geben.
  • Ein milbenarmes Nest fürs Baby: Babys erstes Bettchen mit einer neuen, eventuell milbendicht überzogenen Matratze (kein Rosshaar!) und bei mindestens 60 Grad waschbarem Bettzeug ausstatten. Und auch bei der übrigen Einrichtung des Babyzimmers bitte möglichst milbenfeindlich und ohne Wohngifte vorgehen.

Quellen:

ELTERN

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