Weinen
 
Warum kommen uns die Tränen?

Sie kullern, wenn wir traurig sind und manchmal auch, wenn wir gleich vor Wut platzen. Wir Menschen sind die einzigen Lebewesen, die weinen - aber warum tun wir das eigentlich? Was die Wissenschaft über unsere Tränen herausgefunden hat, lesen Sie hier.

Unsere Augen brauchen täglich Tränen

Weinen : Warum kommen uns die Tränen?
Stockbyte

Haben Sie gerade Tränen in den Augen? Nein, denken Sie? Falsch! Denn auf unseren Augen liegt ständig ein Tränenfilm, der dafür sorgt, dass sie nicht austrocknen und mit ausreichend Nährstoffen versorgt werden. Wir produzieren also permanent Tränen, ohne es zu merken. Wenn Sie diesen Artikel am Bildschirm jetzt weiterlesen (was wir hoffen!), dann könnte es sein, dass die Tränenflüssigkeit auf ihren Augen etwas abnimmt. Denn durch das Lesen am Bildschirm vergessen wir unbewusst unsere Lider häufig genug zu bewegen. Und der Lidschlag ist es, der wie ein kleiner, fleißiger Scheibenwischer dafür sorgt, dass der Tränenfilm auf dem Auge gleichmäßig verteilt wird.

Das Geheimnis der emotionalen Tränen

Aber was ist mit unseren emotionalen Tränen, die uns die Augen randvoll füllen und dann die Wange hinab laufen? Die einfach so kommen, im großen Schwall, ohne dass wir uns dagegen wehren können? Wenn wir weinen müssen, steigt die Tränenflüssigkeit plötzlich um das 400-fache - kein Wunder, dass uns die Augen überlaufen. Warum wir weinen, diese Frage hat die Menschen schon seit er Antike beschäftigt. Und dennoch: So richtig ist unsere Wissenschaft dem Geheimnis des Weinens noch nicht auf die Spur gekommen.

Frauen weinen häufiger als Männer?

Es ist nicht bloß ein Klischee, sondern durch Untersuchungen tatsächlich belegt: Frauen sind im Gegensatz zu Männern richtige Heulsusen. Das zarte Geschlecht weint im Durchschnitt vier- bis fünfmal häufiger und lässt die Tränen auch länger fließen. Das haben Augenärzte der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft festgestellt. Während Frauen meistens sechs Minuten lang weinen, sind es bei Männern nur zwei bis vier Minuten. Und Frauen schluchzen auch mehr: Bei 65 Prozent der Frauen geht das Weinen in ein Schluchzen über, bei den Männern machen das gerade mal sechs Prozent.

Der Einfluss der Hormone

Bei Kindern gibt es diesen Unterschied übrigens noch nicht: Bis sie zwölf Jahre alt werden, müssen Jungs und Mädchen noch ungefähr gleich häufig weinen. Danach trennen sich die Geschlechter. Könnten also Hormone hinter dem Mehr an Tränen stecken? Als Verursacher für die weibliche Tränenflut wird gerne Prolaktin genannt: Gerade während der Schwangerschaft und Stillzeit wird dieses Milchbildungshormon vermehrt produziert - und in dieser Zeit sind viele Frauen ja auch sehr nah am Wasser gebaut. Aber: Untersuchungen haben auch gezeigt, dass Menschen, die dauerhaft erhöhte Prolaktin-Werte haben, nicht mehr weinen als Menschen mit normalen Werten. Und auch dem weiblichen Hormon Östrogen konnte wissenschaftlich nichts nachgewiesen werden.

Viele Theorien, wenig Beweise

Die Augenärztin Dr. Elisabeth Messmer, Dozentin an der Augenklinik der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität, hat sich intensiv mit dem Weinen beschäftigt und all die Thesen und Studien, die zum Thema kursieren, genauer unter die Lupe genommen. Ihr Ergebnis: Nichts Genaues weiß man nicht. Lange Zeit wurde zum Beispiel angenommen, dass das Weinen eine Art Katharsis-Funktion habe, also den Körper reinige. Mit den Tränen, so vermuteten schon antike Gelehrte würden wir uns von Giftstoffen befreien. Einen großen Fehler hat diese Theorie aber: Die meisten Tränen nehmen wir nämlich über den Tränennasengang direkt wieder auf. Aber vielleicht reinigen wir uns ja emotional durch unsere Tränen? Auch gegen diese Theorie sprechen handfeste Argumente. Studien haben gezeigt: Weinen entspannt uns nicht sondern setzt uns unter Stress. Unser Herz schlägt schneller und uns bricht der Schweiß aus

Mitleidsbonus durch Tränen?

Stimmt es denn, dass gerade Frauen gerne auf die Tränendrüse drücken, um Mitleid zu erregen? Auch dafür gibt es keine handfesten Beweise. Zwar ist das Weinen ein kommunikatives Mittel, durch das wir Menschen auf uns aufmerksam machen. Doch eine Studie hat gezeigt, dass wir viel häufiger im stillen Kämmerchen weinen als vor Publikum.

Lustkiller Weinen

Wenn Sie mit Ihrem Partner gerade ein Baby planen, sollten Sie mit Ihren Tränen auch etwas vorsichtiger sein. Denn laut einer israelischen Studie nimmt bei Männern die sexuelle Lust ab, wenn er eine Frau weinen sieht. Die Wissenschaftler vermuten, dass sich in der Tränenflüssigkeit chemische Botenstoffe befinden, die sich direkt auf die Libido auswirken. Allerdings wurde dieses Experiment mit gerade einmal 24 Männern durchgeführt. Und bei Ihrem Partner kann das schon wieder ganz anders sein…