Zwangsstörungen
 
Welche Kinder sind gefährdet?

Zwangsstörungen
iStock, AndreyPopov

Stimmt es, dass Eltern oft sehr spät bemerken, dass ihr Kind unter einer Zwangsstörung leidet?
Bei fast allen Patienten stößt der Kinder- und Jugendpsychiater auf auffallend frühe erste Zwangssymptome, die jedoch niemandem aufgefallen waren. Erwachsene Patienten berichten ebenfalls von Symptomen, die in der Regel schon in der Kindheit und/oder im Jugendalter aufgetreten sind. Zum Beispiel beschreibt in dem Buch "Der Weg aus der Zwangserkrankung" herausgegeben von Crombach und Reinecker, erschienen im Vanderhoeck & Ruprecht-Verlag, eine erwachsene Patientin eindrucksvoll von Kontrollzwängen in der Kindheit und frühen Jugend.

Allerdings muss man wissen, dass es um das Einschulungsalter herum bei vielen Kindern so genannte physiologische Zwänge gibt. Man spricht auch von alterstypischen Sicherungsphänomenen. Zwänge dienen ja dazu, Angst zu binden. Da zählen manche ABC-Schützen Gartenzaun-Latten oder sie achten darauf, nicht auf die Fugen zu treten. Das sind meist vorübergehende Erscheinungen. Wenn sich diese aber nicht nach drei bis vier Monaten verlieren, sollte man fachlichen Rat suchen. Eine frühe Behandlung von Zwangsstörungen ist wichtig, um zu verhindern, dass die Krankheit chronisch wird. Die Kombination aus Verhaltenstherapie und der Einnahme bestimmter Antidepressiva ist heute die anerkannte Therapiestrategie. Die Symptome bekommen die Patienten gut in den Griff, eine vollständige Heilung ist aber leider oft nicht möglich.

Bei welchen Verhaltensweisen eines Kindes würden Sie hellhörig werden? Grundsätzlich gilt: Wenn ein Kind seine Grenzen nicht austestet, wenn es ein sogenanntes Vorzeigekind ohne Aggression und Impulsivität ist, und wenn es keine von der Umwelt oftmals als negativ wahrgenommenen Verhaltensweisen zeigt wie Angst, Wut oder Traurigkeit, dann ist das beunruhigend. Es können Hinweise sein, dass das Kind in der Entwicklung seiner gesunden Selbstbehauptung eingeschränkt ist. Auch eine extreme Leistungsorientierung, zum Beispiel in Schule oder Sport, oder auffallende religiöse Verhaltensweisen wie rituelles Beten, können Signale für eine zwanghafte Entwicklung sein. Auch ein Kind, das nicht in einem bestimmten Maße eine Loslösung von den unmittelbaren Bezugspersonen zeigt - es mag beispielsweise nicht alleine spielen - weist ein Signalverhalten auf.

Tauschen Sie sich mit anderen Eltern aus!

Beobachten Sie bei Ihrem Kind auch bestimmte, immer wiederkehrende Handlungen, von denen Sie befürchten, sie könnten zwanghaft werden? Würden Sie sich gerne über Ihre Sorgen und Probleme mit anderen Eltern austauschen, die ähnliche Erfahrungen gesammelt haben? Eine gute Gelegenheit dazu bietet unser "Wenn die Kinder größer werden-Forum".

Wenn sie lieber in einem kleineren Kreis diskutieren möchten, können Sie auch einfach eine Gruppe im Eltern.de Familiennetz gründen. Sie alleine entscheiden dann, ob diese Gruppe für alle zugänglich ist oder ob man erst nach einer Bewerbung im Gruppen-Forum mitreden und Fotos in den Gruppen-Blog einstellen darf.