Gesundheit
 
Auch Balkon-Raucher gefährden ihre Kinder

Dass Zigarettenqualm Babys und Kleinkindern schadet, weiß jeder. Nicht umsonst wird in Familienwohnungen kaum noch geraucht. Eltern, die es überhaupt nicht lassen können, weichen deshalb gern auf den Balkon aus mit der Vorstellung, dass ihre Kinder damit ausreichend vor dem Zigarettenqualm geschützt seien. Das stimmt aber leider nicht.

Aschenbecher außen
I Stock Ababsolutum

Auch wenn Eltern nur außerhalb der Wohnung rauchen, haben ihre Kinder deutlich häufiger Asthma oder Bronchitis als Kinder von Nichtrauchern. Zu diesem Schluss kommen Lungenspezialisten der Universitätsmedizin Götttingen. "Wer auf dem Balkon oder vor der Haustür raucht, schleppt anschließend in seinen Haaren und in der Kleidung Rauch in die Wohnung", erklärte die dortige Lungenspezialistin Christiane Lex der dpa. "Und wenn Kinder damit in Kontakt kommen, kann dies krank machen." 

Hand mit Zigarette außen
I Stock Sanjagrujic

Es gäbe zwar keine Studien dazu, wie groß die Gefahr für Kinder sei, die von "Draußen-Rauchern" ausgehe, Zigarettenrauch enthalte aber eine so hohe Konzentration an Feinstaubpartikeln, dass es schon Auswirkungen auf den Organismus haben könne, wenn Babys und Kleinkinder nur in geringen Mengen diesen Substanzen ausgesetzt sind, so die Mediziner gegenüber der DPA

 "Wer draußen raucht, schleppt Nikotin und krebserzeugende Substanzen, lungengängige Partikel und weitere giftige Stoffe mit in die Wohnung", betont deshalb auch Karin Schaller vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg.
Tabakrauch enthält mehr als 4000 Chemikalien. Mindestens 200 sind für den Menschen - zumal für Babys und Kleinkinder - schädlich. Nach Angaben des DKFZ gelangen nicht nur aus den Haaren und der Kleidung, sondern auch von den Händen Bestandteile des Tabakrauchs in die Raumluft. Raucher atmeten außerdem noch bis zu anderthalb Minuten nach dem letzten Zug Rauchpartikel aus. All dies führe dazu, dass Rückstände von Tabakrauch auch in Wohnungen zu finden sind, in denen nie geraucht wurde.

Baby auf Fußboden
I Stock Gartamat

In solchen Haushalten gäbe es zum Beispiel erhöhte Nikotin-Werte im Hausstaub, unterstreicht deshalb auch Gesine Hansen, Ärztliche Direktorin des Zentrums für Kinderheilkunde und Jugendmedizin an der Medizinischen Hochschule Hannover gegenüber dem Magazin. Dies gefährde insbesondere Babys, die ja alles Erreichbare in den Mund nähmen.
Wer sich und sein Kind also nachhaltig vor den Folgen des Rauchens schützen will, lässt es entweder ganz oder wäscht sich zumindest die Hände, bevor er wieder in die Wohnung kommt.
Die Mediziner schlagen auch das Tragen einer Mütze bzw. Jacke vor, die dann draußen bleibt; im Winter dürfte das kein Problem sein. Im Sommer könnte das ein zusätzlicher Anreiz sein, endlich mit dem Rauchen aufzuhören.