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Kindergesundheit Blasenentzündung beim Kind: So können Eltern sie erkennen

Kleines Mädchen schläft auf dem Sofa, seine Mutter streichelt es
© Liderina / iStock
Es brennt beim Pipimachen und dein Kind muss ständig auf die Toilette? Das hört sich nach einer Blasenentzündung an. Schulkinder können uns schon sagen, was ihnen fehlt. Aber woran erkennen wir, ob unser Baby an einer Harnwegsinfektion leidet? Hier ein Überblick zu Ursachen, Symptomen und Therapie.

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Auf einen Blick

  • Blasenentzündungen werden meistens durch Darmbakterien verursacht.
  • Bei Jungen können auch Fehlanlagen der Harnwege dahinterstecken.
  • Mit dem Verdacht auf eine Entzündung der Harnwege solltet ihr immer zum Arzt gehen.
  • Wird die Infektion nicht erkannt, kann sie aufsteigen und im schlimmsten Fall eine Nierenbeckenentzündung auslösen.
  • Neben Antibiotika helfen zusätzlich viel Trinken, Wärme und Ruhe.


Eine Blasenentzündung ist schmerzhaft – für die Kleinen ebenso wie für die Großen. Auch die Ursache ist in den meisten Fällen dieselbe wie bei den Erwachsenen. Der große Unterschied ist, dass die ganz Kleinen uns nicht sagen können, wo es wehtut. Wird die Infektion nicht erkannt, kann sie aufsteigen und im schlimmsten Fall eine Nierenbeckenentzündung auslösen. Um so wichtiger, dass Eltern die Symptome einer Zystitis erkennen und lieber einmal zu viel zum Arzt gehen als zu wenig.

Was ist eine Blasenentzündung?

Eine Blasenentzündung (Zystitis) ist eine nicht ansteckende Entzündung der Schleimhaut der Harnblase. Sie gehört zu den Harnwegsinfektionen. Sind nur Blase und Harnröhre betroffen, sprechen Mediziner von einem Infekt der unteren Harnwege. Der ist in der Regel einfach zu behandeln. Sind auch die Harnleiter und die Nieren (Nierenbeckenentzündung) betroffen, ist von einem Infekt der oberen Harnwege die Rede. Dieser kann langfristig zu ernsthaften Nierenschäden führen.

Welche Ursachen hat eine Blasenentzündung?

Blasenentzündungen werden meistens durch Darmbakterien (Escherichia coli) verursacht. Gerade bei kleinen Jungen können aber auch Fehlbildungen für einen Harnweginfekt verantwortlich sein. Sind Bakterien die Ursache, gelangen sie meistens durch die Harnröhre in die Blase. Das passiert bei Babys, wenn der Stuhl in der Windel mit Scheide oder Penis in Berührung kommt. Gerade bei kleinen Mädchen können die Darmbakterien auch beim falschen Abputzen in die Scheide gelangen und von dort in die Blase aufsteigen. Mädchen sind aus zwei Gründen stärker gefährdet, eine Blasenentzündung zu bekommen als Jungen. Zum einen liegt die Harnröhre näher am After und zum anderen ist sie viel kürzer. Dadurch gelangen die Darmkeime schneller bis zur Blase.

Bei Jungen sind Harnwegsinfekte seltener und haben oft eine andere Ursache. Denn sie kommen häufiger als Mädchen mit einer Fehlbildung des Harnsystems zur Welt. Bei den betroffenen Kindern fließt ein Teil des Urins aus der Blase zurück in die Nieren (vesikoureteraler Reflux (VUR)). Dort kann er Entzündungen verursachen und ­– im schlimmsten Fall – das Nierengewebe schädigen.

Auch die natürliche Vorhautverengung kann bei kleinen Jungs eine Blasenentzündung begünstigen.

Hat der Infekt schon begonnen, verstärkt Kälte sein Ausbreiten. Kalte Füße, nasse Badesachen, die nicht gewechselt werden und zu luftige Kleidung fördern die Vermehrung der Bakterien.

Blasenentzündung: Typische Symptome bei Kindern

Eine Blasenentzündung empfinden Babys und Kinder ebenso wie Erwachsene. Sie verspüren einen ständigen Harndrang, auch wenn nichts mehr kommt, und das Wasserlassen schmerzt oder brennt. Leider können erst die Drei- bis Vierjährigen benennen, wo es ihnen wehtut. Da die Symptome nach außen oft wenig eindeutig sind, wird häufig fälschlicherweise ein neuer Zahn vermutet. Bei Babys und Kleinkindern ist es also an Mama und Papa, Augen und Ohren offenzuhalten, um eine Zystitis rechtzeitig zu erkennen.

Das sind mögliche Anzeichen einer Blasenentzündung:

Bei Kindern

  • Das Kind läuft (wenn es schon alleine geht) ständig zur Toilette.
  • Oder: Es verkneift sich das Pipimachen, weil es ihm weh tut.
  • Das Kind klagt über Schmerzen beim Wasserlassen.
  • Es nässt wieder ein, obwohl es schon trocken war.
  • Der Urin riecht unangenehm.
  • Einige Kinder sagen, dass sie Bauchweh haben, weil sie die Blase als Ort der Schmerzen nicht kennen.
  • Sie fassen sich häufig in den Schritt und reiben an den Genitalien.
  • Sie sind quengelig.
  • Sie haben Fieber.
  • Einige erbrechen.
  • Viele Kinder haben keinen Appetit.

Typische Symptome bei Babys: Sie …

  • trinken schlecht.
  • jammern anhaltend.
  • reagieren empfindlich auf Berührungen.
  • wirken teilnahmslos.
  • haben Fieber.
  • haben Durchfall.

Anzeichen, dass sich die Entzündung schon bis in die Nieren ausgebreitet hat:

  • Die Kinder haben Schmerzen im Rücken oder der Seite (Flankenschmerzen).
  • Sie haben Blut und/oder Eintrübungen im Urin.
  • Sie entwickeln hohes Fieber.

Wie wird eine Blasenentzündung bei Kindern behandelt?

Wenn ihr aufgrund des Verhaltens eures Kindes auf eine Blasenentzündung tippt, solltet ihr unbedingt zum Kinderarzt gehen. Eine Blasenentzündung kann sehr schmerzhaft sein und birgt immer die Gefahr, sich zu einer Nierenbeckenentzündung auszuwachsen. Wenn euer Kind unter wiederkehrenden Harnwegsinfektionen leidet, es fiebert oder Blut im Urin ist, sind die Alarmsignale eindeutig. Ab zum Arzt! Ganz besonders mit einem Säugling.

Bei älteren Kindern habt ihr am besten schon eine Urinprobe im Gepäck, denn in der Praxis lässt sich die meistens schlecht nehmen. Bei Säuglingen hilft euch das Personal, mit einem Urinklebebeutel eine Probe aufzufangen. Euer Kinderarzt wird diese im Labor prüfen und euer Kind untersuchen. Handelt es sich um einen Harnwegsinfekt, ist in der Regel eine Antibiotikatherapie notwendig, um ein Aufsteigen der Entzündung Richtung Harnleiter und Nieren zu verhindern.
Sollte das bei eurem Kind der Fall sein, ist es wichtig, die Antibiotika bis zum Ende der Behandlung einzunehmen. Die bakterielle Infektion muss komplett auskuriert werden, sonst kann sie chronisch werden.

Da auch eine Fehlbildung der Harnwege die Ursache für die Beschwerden sein kann, wird der Kinderarzt darüber hinaus eine Ultraschalluntersuchung von Blase und Niere durchführen. Nicht immer muss ein angeborener Defekt der Harnwege operativ behoben werden. Häufig verwächst er sich einfach.
Ist euer Kind noch unter drei Monate alt, ist es normal, dass es mit einer diagnostizierten Blasenentzündung in der Klinik behandelt wird. Denn dort kann es das Antibiotikum über eine Infusion bekommen.

Gibt es wirksame Hausmittel?

Mutter und Kleinkind trinken fröhlich aus Bechern in einer Küche
© filadendron / iStock

Ergänzend zu der Therapie, die euer Arzt verschrieben hat, könnt ihr einiges tun, damit es eurem kleinen Patienten bald wieder besser geht. Vor allem ist es wichtig, dass euer Kind viel trinkt, um die Bakterien aus den Harnwegen zu spülen. Am besten ist Wasser und ungesüßter Tee, bei Säuglingen reicht die Muttermilch. Zuckerhaltige Getränke solltet ihr vermeiden. Denn Zucker nutzen die Bakterien für ihre Weiterverbreitung. Auch Blasen- und Nierentees für Erwachsene sind für kleine Kinder nicht geeignet. Sie können die Blase reizen. Ab dem Schulalter könnt ihr einen Blasen- und Nierentee für Kinder anbieten.
 
Außerdem hilft bei einem Harnwegsinfekt Wärme. Das können Sitzbäder, ein Körnerkissen oder eine Wärmeflasche sein. Achtet darauf, dass die Kinder nicht mit freiem Unterbauch und kalten Füßen herumlaufen. Zieht am besten unter den Schlafanzug ein Unterhemd, damit die Nieren warm bleiben. Socken, in denen man nicht schwitzt (Naturfasern) oder kuschelige Hausschuhe sorgen für warme Füße. Auch Ruhe ist wichtig, um eine Harnwegsinfektion gut auszukurieren.
 
Während einer akuten Blasenentzündung bei kleinen Kindern raten Experten von einer Selbstmedikation mit homöopathischen Mitteln dringend ab. Die Gefahr, dass sich die Infektion auch auf die oberen Harnwege ausdehnt, ist zu groß.

So könnt ihr vorbeugen

Viel trinken ist auch das beste Mittel, um einem Harnwegsinfekt bei eurem Kind vorzubeugen. Versucht, als Eltern ein gutes Vorbild zu sein und entscheidet euch vor allem für ungesüßte Getränke.
 
Da Darmbakterien die Ursache Nummer eins bei der Entstehung der Entzündung sind, ist eine gute Hygiene wichtig. Gerade Mädchen sollten früh lernen, dass sie den Po von vorne nach hinten abwischen. Andersherum gelangen Stuhlreste in die Harnröhre. Bei Wickelkindern müssen die Eltern dafür sorgen, dass die Genitalien möglichst nicht mit dem Windelinhalt in Kontakt kommen. Da hilft nur häufiges Windelwechseln, besonders dann, wenn euer Kleines gerade unter Durchfall leidet. 
 
Beim Pipimachen sollte die Blase immer vollständig geleert werden. Auch das gehört zur Sauberkeitserziehung: lernen, sich Zeit zu nehmen für das kleine Geschäft. Bis nichts mehr kommt.
 
Und zuletzt ist auch hier Wärme eine gute Prävention. Nach dem Schwimmen am besten die nassen Badesachen ausziehen und im Winter die Haare gut trockenföhnen. Füße und Nierengegend ­­­– nicht nur in der kalten Jahreszeit ­– warmhalten. Auch kalte oder feuchte Sitzflächen führen schnell zu einer Unterkühlung im Unterleib und sollten besser gemieden werden.
 
Die natürlichste Prävention ist das Stillen. Es verringert das Risiko einer Harnwegsinfektion, sogar über das Abstillen hinaus.

Fazit: Blasenentzündung bei Kindern

Bei Babys und Kleinkindern ist eine Blasenentzündung schwer zu erkennen. Auch bei nicht ganz eindeutigen Symptomen ist es daher wichtig, an eine Harnwegsinfektion zu denken. Hat euer Kleines Fieber, trinkt schlecht und weint viel, sind das Alarmsignale, die auf eine Blasenentzündung hindeuten können. Bei Fieber ist ein Arztbesuch ohnehin die beste Entscheidung. Je älter die Kinder werden, desto einfacher wird es auch für euch Eltern, die Symptome besser einzuordnen. Während der Therapie und zur Vorbeugung einer wiederkehrenden Blasenentzündung sind drei Dinge besonders wichtig: Hygiene im Genitalbereich, Wärme und viel trinken!

Verwendete Quellen

Kinderärzte im Netz: Harnwegsinfekte von Kindern: Bei Fieber drohen Nierenschäden
Kinderärzte im Netz: Nasse Windeln können Blasenentzündungen fördern
Kindergesundheit-Info: Harnwegsinfekte
MSD Manual: Harnwegsinfektionen (HWI) bei Kindern

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