Schmerzen bei Kindern
 
Aua! Das tut so weh! Was Kindern bei Schmerzen schnell hilft

Schmerzen sind gemein – erst recht, wenn man noch ganz klein ist! Hier erfahrt ihr, wie ihr eurem Kind bei Schmerzen helfen könnt – und wann ihr lieber zum Kinderarzt geht.

Vater hält kleines krankes Mädchen auf dem Arm
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Hilft Pusten Kindern wirklich gegen Schmerzen?

Wenn die Schmerzen nicht so stark sind – ja. Nicht nur bei Kindern, auch bei Erwachsenen gilt: Wer sich sicher und geborgen fühlt, empfindet Schmerzen längst nicht so stark wie etwa jemand, der meint, einsam und ausgeliefert zu sein. Noch dazu sind wir gerade, wenn es um Krankheitssymptome geht, empfänglich für „Zauber“: Tabletten mit gleichem Inhalt wirken je nach Farbe unterschiedlich, wirkstofffreie Placebos helfen sogar dann, wenn der Patient weiß, dass es sich um ein Placebo handelt. Wie viel mehr hilft es wohl Kindern, wenn Mama oder Papa sie in den Arm nimmt und kleine Wehwehchen einfach wegpustet?
Auch Ablenkung ist ein wirksames Schmerzmittel: zusammen ein Buch angucken, etwas singen, kochen oder backen macht leichte Schmerzen schnell vergessen oder lindert sie zumindest.
Aber Vorsicht: Wenn ein Kind vor allem dann liebevolle Aufmerksamkeit bekommt, wenn ihm etwas weh tut, dann kann das Schmerzen noch verstärken. Und: möglichst nicht fragen, ob der Schmerz noch da ist, wenn es dem Kind offenbar besser geht – so kommt er leichter zurück.

Mein Kind hat Bauchweh – was tun?

Vater kümmert sich um krankes kleines Mädchen auf dem Sofa, mit Vater
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Bauchschmerzen sind bei Kindern bis zu zehn Jahren die häufigste Schmerzart und damit für etwa ein Viertel aller Schmerzen verantwortlich. Allerdings nennen gerade kleine Kinder fast alle Schmerzen "Bauchweh", auch wenn ihnen vielleicht der Kopf oder das Ohr wehtut.
Die Ursachen können vielfältig sein. Blähungen und Verstopfungen gehören genauso dazu wie ein akuter Magen-Darm-Infekt, eine Blasenentzündung oder in seltenen Fällen eine Blinddarmentzündung. Aber auch Ängste oder andere seelische Probleme können sich bei Kindern als Bauchweh zeigen.
Bei normalem Bauchweh helfen die üblichen Hausmittel oft ganz wunderbar: Bettruhe mit einem warmen Kirschkernsäckchen, ein warmes Bad, eine zarte Bauchmassage, ein Becher Fenchel-, Kümmel- oder Anistee.
Zum Kinderarzt solltet ihr geben, wenn

  • die Schmerzen sehr stark sind, das Kind die Beine an den Körper zieht und sich kaum bewegt,
  • die Bauchdecke stark gewölbt, stark angespannt oder eingezogen ist,
  • gleichzeitig noch andere Symptome wie Durchfall, blutiger Stuhl, Fieber, Erbrechen, Schüttelfrost auftreten,
  • das Kind sich nicht beruhigen lässt und generell sehr schlapp wirkt.
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Dürfen Kinder Schmerzmittel bekommen?

Ja. Zwar ist Aspirin für Kinder bis 14 Jahren nicht erlaubt, weil es bei Kindern in seltenen Fällen das lebensgefährliche „Reye-Syndrom“ auslösen kann. Aber mit Paracetamol und Ibuprofen gibt es zwei rezeptfreie Schmerzmittel, die als kindgerechte Zäpfchen und Säfte zur Verfügung stehen, für Kinder geeignet sind und gut helfen. Ganz wichtig: Beide sollten nur ganz genau nach Beipackzettel angewendet und nie überdosiert werden.
Das gilt ganz besonders für Paracetamol. Hier müssen Eltern auf eine genaue Dosierung achten, denn aufgrund des geringen Körpergewichts kann eine zu hohe Dosis bei Kindern schnell zu lebensbedrohlichen Leberproblemen führen, so warnen die „Kinderärzte im Netz“. Bei Ibuprofen besteht diese Gefahr nicht, aber auch dieser Wirkstoff darf nur genau nach Anweisung des Beipackzettels verwendet werden.
Als Faustregel (und nicht nur bei Kindern!) ist es aber am besten, es erst einmal mit Hausmitteln zu versuchen, zum Beispiel:

  • Entspannung und Ruhe – vor allem bei Kopfschmerzen und Bauchweh
  • Wärme – ebenfalls bei Bauchweh und anderen Verkrampfungen
  • Kälte – bei Beulen, Verstauchungen und Entzündungen
  • Warme Tees – je nach Beschwerden

Sind Schmerzpflaster für Kinder sinnvoll?

Ja, manchmal schon. Die rezeptfreien Pflaster enthalten das örtliche Betäubungsmittel Lidocain, sie werden eine gewisse Zeit auf die Haut geklebt, die dann ein bis zwei Stunden nach dem Entfernen betäubt ist. Die Pflaster werden eingesetzt, um zum Beispiel die Einstiche bei Impfungen und Blutentnahmen schmerzfrei zu gestalten. Dazu müssen die Eltern natürlich die genaue Einstichstelle vorher erfragen. Auch kleine Eingriffe an der Haut, etwa die Entfernung kleiner Warzen, bleibt so schmerzfrei. Die Pflaster können schon bei Säuglingen verwendet werden, allerdings nur nach Absprache mit dem Arzt und genau nach Beipackzettel.

Können Kinder schon Kopfschmerzen haben?

Eltern kümmern sich um Tochter mit Kopfschmerzen
iStock, Mindful Media

Leider ja, und sogar Migräne! Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft spricht davon, dass schon im Vorschulalter 20 Prozent betroffen sind, bis zum Ende der Grundschulzeit mehr als die Hälfte. Eine Untersuchung an fast 7.000 Schülern belegt, dass bis zum zwölften Lebensjahr rund 90 Prozent der Kinder Kopfschmerzen erlebt haben. Etwa 60 Prozent kennen Spannungskopfschmerzen und bis zu zwölf Prozent Migräne.
Was können Eltern tun? Wenn ein Kind nur hin und wieder über Kopfschmerzen klagt und die Schmerzen durch Ruhe, Ablenkung, vielleicht auch ein kühles Tuch auf der Stirn und ein bisschen kuscheln besser werden, müssen sie sich keine Sorgen machen.
Wenn die Kopfschmerzattacken allerdings häufiger kommen, länger dauern und sich kaum lindern lassen, ist es wichtig, den Kinderarzt zu konsultieren. Ebenso, wenn

  • starke Kopfschmerzen nach einem Sturz oder Schlag auf den Kopf auftreten. Dies kann auf eine Gehirnerschütterung hinweisen. 
  • die Kopfschmerzen zusammen mit Schwindel oder Sehstörungen auftreten.
  • die Kopfschmerzen zusammen mit hohem Fieber, Nackensteife und Erbrechen auftreten. Dies können Symptome einer Hirnhautentzündung sein, das Kind muss sofort untersucht werden. 

Hier hat die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft alles Wichtige über Kopfschmerzen bei Kindern zusammengefasst.

Chronische Schmerzen – und jetzt?

Als chronisch gelten Schmerzen dann, wenn das Kind länger als drei Monate unter ihnen leidet. Ursachen können zum Beispiel eine Rheumaerkrankung sein, schwere Migräne oder auch die Folgen einer Verletzung, etwa Verbrennung. Das Teuflische daran: Das Kind leidet nicht nur an den akuten Schmerzen, es entwickelt auch ein so genanntes Schmerzgedächtnis. Die Erinnerungen an erlittenen Schmerz sind dabei kaum von akutem Schmerz zu unterscheiden. Dazu kommt, dass das Kind sich oft niedergeschlagen und dem Schmerz ausgeliefert fühlt. Und auch die Eltern leiden mit und fühlen sich hilflos.
Damit es erst gar nicht so weit kommt, ist es wichtig, möglichst früh professionelle Hilfe und Unterstützung zu suchen. Das Deutsche Kinderschmerzzentrum gibt auf seiner Website eine Fülle hilfreicher Infos und sagt auch, wie Eltern ihrem Kind bei chronischen Schmerzen helfen können.