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Gesundheit Blutgerinnungsstörung: Das sind die Warnzeichen

Blaue Flecken bei der kleinsten Gelegenheit, immer wieder starkes Nasenbluten: Das können Anzeichen einer Gerinnungsstörung sein, besonders bei Kindern.Wir nennen die wichtigsten Warnzeichen und Info-Adressen.
Gesundheit: Blutgerinnungsstörung: Das sind die Warnzeichen
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Aufgeschürfte Knie, blaue Flecken, ein Schnitt in den Finger oder eine Platzwunde am Kopf: Bis ein Kind groß ist, hat es meist einige kleine und größere Blessuren hinter sich. Dass sie alle gut und meist spurlos verheilen, ist für die meisten Eltern selbstverständlich. Nicht so für Eltern, deren Kind an einer Bluterinnungsstörung leidet. Der Name sagt es schon: Bei einer Gerinnungsstörung kann das Blut nicht wie normalerweise bei Kontakt mit der Luft gerinnen, den Blutfluss stoppen und die Wunde verschließen.

"Bluterkrankheit": früher lebensgefährlich, heute gut beherrschbar

Die bekannteste und gefährlichste Gerinnungsstörung ist die Hämophilie, oft „Bluterkrankheit“ genannt. Sie wird vererbt, tritt aber als Krankheit fast ausschließlich bei Jungen auf, während Frauen nur Überträgerinnen sind. Es gibt zwei Unterformen, Hämophilie A und B genannt, je nach Schweregrad können die Betroffenen lebensgefährliche Blutungen erleiden. Zum Glück gibt es heute moderne Medikamente, mit deren Hilfe Hämophilie-Betroffene ein weitgehend normales Leben führen. Sie bekommen vorbeugend bestimmte Gerinnungsfaktoren, die der Körper nicht selbst herstellen kann.

Leichter verlaufend, aber häufiger: das Von-Willebrand-Syndrom

Eine nicht so gefährliche, dafür aber weit häufigere Gerinnungsstörung ist das so genannte Von-Willebrand-Syndrom. Rund 800.000 Betroffene gibt es in Deutschland. Das Von-Willebrand-Syndrom wird ebenfalls vererbt, aber an dieser Krankheit können Männer und Frauen gleichermaßen leiden.
Die Betroffenen haben Probleme mit dem „von-Willebrand-Faktor“ (benannt nach dem Forscher Erik Adolf von Willebrand, einem finischen Arzt), einem Eiweiß, das für die Blutstillung wichtig ist. Es gibt drei Krankheitstypen: Bei der ersten Gruppe ist die Konzentration dieses Gerinnungsfaktors geringer als normal, beim zweiten ist die Produktion des Faktors gestört und beim dritten Typ fehlt er ganz.
Fast drei Viertel der Betroffenen gehören zu den ersten beiden Typen und haben deshalb leichtere Formen der Erkrankung. Bei vielen verläuft die Störung so leicht, dass sie gar nicht erkannt wird. Das kann allerdings bei Notfällen lebensgefährlich sein, etwa, wenn bei einer Operation überraschend starke Blutungen auftreten. Deshalb ist es wichtig, dass das Von-Willebrand-Syndrom schon im Kindesalter entdeckt wird. Hier die wichtigsten Anzeichen:

Bis zum Schulalter:

  • große blaue Flecken in der Lauflernphase und nach eigentlich harmlosen Stürzen
  • große Blutergüsse nach Impfungen
  • lang anhaltende Blutungen bei Schnitt- und Schürfwunden (länger als 10 bis 15 Minuten)

Ab dem Schulalter:

  • häufigere und größere blaue Flecken im Vergleich zu Altersgenossen
  • häufiges, oft beidseitiges Nasenbluten
  • schwer stillbare Blutungen bei Zahnbehandlungen
  • starke Nachblutungen bei Operationen

Natürlich brauchen Eltern sich nicht bei jedem blauen Fleck und jedem Nasenbluten verrückt zu machen, gerade, wenn sie ein besonders lebhaftes Kind haben. Aber wenn sie den Eindruck gewinnen, dass sich Blutungen und blaue Flecken ungewöhnlich häufen, sollten sie zur Vorsicht den Kinderarzt zu Rate ziehen. Um festzustellen, wie häufig diese Zwischenfälle tatsächlich sind, kann es sich lohnen, in den Wochen vor dem Arztbesuch ein kleines Tagebuch zu führen.

Mehr Infos für Eltern finden Sie beim Netzwerk Von Willebrand und bei der Deutschen Hämophilie-Gesellschaft.

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