Kinder und Glück
 
Was macht eine glückliche Kindheit aus?

Damit unsere Kinder glücklich aufwachsen, tun wir eine Menge. Aber manchmal sind wir uns gar nicht so sicher, ob wir das richtig machen. Da helfen Tipps von Experten. Unsere Anleitung für eine glückliche Kindheit.

Inhalt: 
Mach den TestGlück ist die "Wechselwirkung mit der Außenwelt"1. Lacht gemeinsam2. Sei selber optimistisch3. Bring Deinem Kind bei sich zu beherrschen4. Erkenne die Eigenarten Deines Kindes an5. Schenk Deinem Kind bedingungslose Liebe6. Gib Deinem Kind das Gefühl Teil eines Ganzem zu sein7. Küss Dein Kind oft8. Schenke Deinem Kind Anerkennung9. Spendiere Deinem Kind Glücksmomente10. Pflege einen netten Umgangston11. Unterstütze Dein Kind12. Mache anderen eine Freude13. Schenk Deinem Kind Zeit14. Begleite Dein Kind durch die Schulzeit15. Förder Dein Kind16. Forder auch mal etwas von Deinem Kind17. Trau Deinem Kind etwas zu18. Lass Dein Kind auch eigene Wege gehen19. Sorge für gute Freunde20. Lass Dein Kind auch mal allein21. Lass Dein Kind dazugehören22. Erfüll nicht jeden Wunsch23. Sorg für Bewegung24. Achte auf gesunde Ernährung25. Bestehe darauf auch unangenehme Dinge zu machen

Mach den Test

Kinder und Glück: Was macht eine glückliche Kindheit aus?
mauritius images/ Fancy

Willst Du wissen, wie glücklich Dein Kind ist? Finde es in unserem Test heraus.

Glück ist die "Wechselwirkung mit der Außenwelt"

Glück lässt sich lernen

Ein gewisses Talent zum Glück zeigt sich schon in den ersten Lebensmonaten, haben Wissenschaftler herausgefunden. Das eine Kind weint herzzerreißend, sobald es Mama aus dem Blick verliert, ein anderes brabbelt weiter vergnügt vor sich hin. Ein Drittel der Kinder kommt als Frohnatur auf die Welt, ein Drittel lässt rasch den Kopf hängen und hadert oft und lange mit sich und der Welt, und ein Drittel ist weder besonders optimistisch noch pessimistisch. Trotzdem, so die Forscher, erleben Menschen Ärger und Niedergeschlagenheit grundsätzlich stärker als Freude. Diesen eher betrüblichen Zug verdanken wir unseren tierischen Vorfahren: Als wir noch auf Bäumen lebten, brachten Angst, Trauer oder Wut die Affenfamilie dazu, beim leisesten Geräusch jede noch so gemütliche Lianenschaukel sofort links liegen zu lassen und sich in Sicherheit zu bringen. Doch weder tierisches Erbe noch Gene sind Schicksal. Entscheidend für Lebensfreude und Glück ist die "Wechselwirkung mit der Außenwelt", sagt der Glücksforscher, Biophysiker und Philosoph Stefan Klein.
Viele positive Erfahrungen, der zärtliche Gute-Nacht-Kuss von Mama, die Kissenschlacht mit Papa, der Kindergartenfreund, der morgens vor der Tür wartet, der Lehrer, der "Kopf hoch!" sagt, können sogar einen kleinen Trauerkloß in einen Sonnenschein verwandeln. Heute weiß man: Glückliche Erwachsene haben von klein auf einen guten Umgang mit Gefühlen gelernt. Fröhlichkeit, so die französische Psychologin Hélène Mathieu, kann eine gute Gewohnheit werden. Für sie ist Glück das beste Erziehungsziel überhaupt: "Ein glückliches Kind kann sein Potenzial entfalten und kommt in seiner persönlichen Entwicklung voran."

Wie kannst Du Dein Kind auf dem Weg in eine glückliche Zukunft unterstützen?

1. Lacht gemeinsam

Lachen ist ein großartiges Wachstumshormon. Vermutlich deshalb lachen Kinder durchschnittlich 400 Mal am Tag (Erwachsene nur 15 Mal). Lächeln und Lachen machen konzentriert, belastbar und fantasievoll, sagen Glücksforscher. Die Wirkung zeigt sich unmittelbar: Glückshormone durchströmen jede Faser des Körpers, der Puls schlägt schneller, gleichmäßiger und fester, die Aufmerksamkeit erhöht sich, und mit einem Mal scheint alles leichter, und die Dinge gehen einem schneller von der Hand.

2. Sei selber optimistisch

Kinder von übervorsichtigen und pessimistischen Eltern neigen zu düsteren Gedanken, haben Forscher herausgefunden. Egal, wie Du drauf bist, zeige Deinem Kind, wie man anstrengende, unangenehme, ärgerliche, traurige Situationen annehmen und in positiver Weise darauf reagieren kann. "Leon will nicht mit dir spielen? Dann machst du erst mal was ohne ihn, und später fragst du ihn noch einmal."

3. Bring Deinem Kind bei sich zu beherrschen

Dampf ablassen, um sich gut zu fühlen? Das funktioniert nicht. Wut, Trauer und Zorn verschwinden nicht, wenn man ihnen freien Lauf lässt, sondern nur, wenn man negative Gefühle kontrolliert. Wer sich beherrschen kann, so Forscher, ist optimistischer und ausgeglichener. Selbstbeherrschung fällt leichter, wenn Absprachen und Regeln klar und Reaktionen vorhersehbar sind. Sag "Nein", wenn Du Nein meinst, und bleibe dabei. Sage "Ja", wenn Du Ja meinst - und bleibe auch dann dabei.

4. Erkenne die Eigenarten Deines Kindes an

Lisa redet ohne Punkt und Komma, Jakob ist schweigsam wie Häuptling Stummer Bär, Selma kann nicht still sitzen, Emil liest Bücher so schnell, wie andere Kartoffelchips essen. Kinder sind verschieden. Es geht ihnen gut, wenn ihre Eigenarten von den Eltern erkannt und anerkannt werden. Ein schüchternes Kind kann nicht einfach bei einem Kindergartenkollegen abgegeben werden, um dort einen Nachmittag zu verbringen, es muss viel behutsamer an Menschen und Situationen herangeführt werden als ein kleiner Wirbelwind, der sich neugierig in jedes Abenteuer stürzt. Als Eltern müssen wir Erziehungsideale immer wieder überprüfen: Passen die Ziele, die wir anstreben, zu unserem Kind, werden sie seiner Entwicklung gerecht? Besonders beim Übergang zur Pubertät verändern sich Kinder. Aus einer selbstbewussten Achtjährigen kann eine 13-Jährige werden, die sich zu dick fühlt und wegen ihrer Pickel schämt. Sie wird sich womöglich plötzlich weigern, bei den Nachbarn zu klingeln, um Zucker auszuleihen. Dann fühlt sie sich geborgen und verstanden, wenn Mama oder Papa sagen: "Okay, dann gehe ich diesmal halt selbst."

5. Schenk Deinem Kind bedingungslose Liebe

Es ist 26 Jahre her, dass Anne die erste Fünf in einer Mathearbeit kassierte. Ganz neu im Gymnasium musste sie die Erfahrung machen, dass gute Grundschulnoten keine Erfolgsgarantie sind. An was sich Anne aber noch viel besser erinnert als an ihre Verblüffung über diese unglaubliche Fünf, war die Reaktion ihrer Eltern. Die Mutter nahm sie in den Arm und kochte ihr Grießbrei, der Vater brachte seiner Leseratte am Abend ein Buch mit. Es hieß „Beate, die Fünferkönigin“ und handelte von einer nicht ganz so glücklichen Schulkarriere und einem trotzdem glücklichen kleinen Mädchen. "Von dem Tag an wusste ich", sagt Anne über ihr damaliges Gefühl, "dass nichts so schlimm sein kann, wie die Liebe meiner Eltern stark ist." Eine der wichtigsten Zutaten für eine schöne Kindheit ist, dass ein Kind sich unabhängig von seinen Leistungen geliebt fühlt.

zurück 123 .. 56