Grippe-Saison 2020
 
Grippeimpfung für alle Kinder? Was Eltern jetzt wissen müssen

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und einige Kinderärzte empfehlen, in dieser Saison alle Kinder gegen Grippe impfen zu lassen. Aber ist das wirklich sinnvoll? Hier alle wichtigen Infos.

kleines Mädchen wird geimpft
iStock, FatCamera
Auf einen Blick
Artikelinhalt
  • Die echte Grippe (Influenza) ist eine ernsthafte Erkrankung, die zu schweren Verläufen und sogar zum Tod führen kann.
  • Typische Symptome sind hohes Fieber, quälender Reizhusten, starke Gliederschmerzen, allgemeine Schwäche und ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl.
  • Für Kinder mit schweren Grunderkrankungen und/oder einer Immunschwäche wird eine Grippeschutzimpfung ohnehin empfohlen, und zwar ab einem Alter von sechs Monaten.
  • Laut Robert-Koch-Institut wird die Impfung für gesunde Kinder und Jugendliche nicht empfohlen, weil die Erkrankung bei ihnen meist nicht so schwer verläuft.
  • Die Impfung gesunder Kinder hätte aber den Vorteil, dass wahrscheinlich weniger Menschen in diesem Herbst an Grippe erkranken würden.

Wogegen genau schützt die jährliche Grippeimpfung?

Die Impfung schützt nur vor einer Infektion mit der echten Grippe, medizinisch Influenza, nicht gegen Erkältungen („grippale Infekte“) oder vor dem Corona-Virus.
Und: Die Impfung schützt nur vor bestimmten Influenza-Viren, von denen die Wissenschaftler international annehmen, dass sie in dieser Saison zu einer Grippewelle führen könnten. In diesem Jahr sind das vier Virenstämme, deshalb nennt man diese Impfung eine "quadrivalente" Impfung. Theoretisch könnte es auch sein, dass die Wissenschaftler danebenliegen und ein anderes Grippevirus in dieser Saison um die Welt geht. In der Praxis funktioniert die Vorhersage aber ziemlich zuverlässig.

Warum überhaupt eine Impfung gegen Grippe?

Weil die echte Grippe (Influenza) eine ernsthafte Erkrankung ist, die vor allem bei bestimmten Risikogruppen zu schweren Verläufen und sogar zum Tod führen kann.
Typisch für eine Infektion mit Influenza-Viren sind plötzlich auftretendes hohes Fieber, quälender Reizhusten, starke Glieder-, Kopf- und Muskelschmerzen, allgemeine Schwäche und ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl. Die echte Grippe schwächt den Körper so sehr, dass schwere bakterielle Infektionen, etwa Mittelohr- oder Lungenentzündungen, dazukommen können.

singlePlayer

Für wen wird die Impfung von der Ständigen Impfkommission der Länder (STIKO) empfohlen?

Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Influenza-Impfung

  • für ältere Menschen ab 60 Jahren
  • für alle Schwangeren ab dem 2. Schwangerschaftsdrittel, bei erhöhter gesundheitlicher Gefährdung auch schon im 1. Drittel
  • für chronisch Kranke und andere Menschen, für die Infekte besonders gefährlich werden können
  • für Menschen, die Risikopersonen betreuen, etwa ältere Menschen, oder mit ihnen im selben Haushalt leben

Geimpft werden sollten außerdem Menschen, die durch ihren Beruf einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt sind, etwa medizinisches Personal.
Sobald die Impfung von der STIKO empfohlen wird, handelt es sich um eine Kassenleistung. Manche Krankenkassen erstatten die Kosten jedoch auf Anfrage auch bei Nichtrisikogruppen.

Warum empfiehlt der Gesundheitsminister die Grippeimpfung für Kinder?

Dazu muss man unterscheiden: Für Kinder mit schweren Grunderkrankungen und/oder einer Immunschwäche wird eine Grippeschutzimpfung ohnehin empfohlen, und zwar ab einem Alter von sechs Monaten.
Diskutiert wird jetzt darüber, ob auch gesunde Kinder gegen Grippe geimpft werden sollen. Dafür spricht, dass Kinder die Influenza leicht weitergeben können. Dagegen spricht, dass in dieser Saison der Impfstoff eventuell nicht für die Angehörigen der Risikogruppen reichen könnte, wenn jetzt alle gesunden Kinder geimpft werden. Und: Laut Robert-Koch-Institut wird die Impfung für gesunde Kinder und Jugendliche nicht empfohlen, weil die Erkrankung bei ihnen meist nicht so schwer verläuft.

Gibt es für Kinder einen extra Grippe-Impfstoff?

Kinder und Jugendliche bekommen bei der Impfung in der Regel den gleichen Impfstoff (einen Totimpfstoff) und die gleiche Dosis wie Erwachsene. Kinder zwischen sechs Monaten und neun Jahren müssen zwei Mal innerhalb von vier Wochen geimpft werden. Für Kinder ab neun Jahren reicht eine einmalige Impfung aus.
Neben dem Totimpfstoff ist auch ein Lebendimpfstoff verfügbar, der als Nasenspray gegeben wird, und zwar Kindern und Jugendlichen im Alter von 2 bis einschließlich 17 Jahren. Welche Impfung für ihr Kind sinnvoller ist, besprechen Eltern am besten mit dem Kinderarzt.

Weniger Tränen beim Impfen: Die 12 besten Tipps

Weiterlesen

Was ist mit Säuglingen, die noch keine Grippeimpfung bekommen dürfen?

Um Babys im ersten halben Lebensjahr gegen Ansteckung zu schützen, gibt es drei Wege:

  1. Die Mutter lässt sich schon während der Schwangerschaft impfen – so ist ihr Kind über den Nestschutz durch ihre Antikörper geschützt. (Hier alles Wichtige zur Grippeimpfung für Schwangere.)
  2. Auch während der Stillzeit ist es möglich, sich noch gegen Grippe impfen zu lassen und über die Muttermilch auch das Baby zu schützen.
  3. Falls die Mutter sich nicht als Schwangere hat impfen lassen, kann die Familie einen so genannten Kokon-Schutz für das Neugeborene schaffen, indem sich alle Familienmitglieder, die dem Baby nahekommen, gegen Grippe impfen lassen. So ist die Gefahr geringer, dass die Viren in die Familie eingetragen werden.

Haben sich die Grippe-Impfempfehlungen wegen Corona geändert?

Nein, eher noch bestätigt. Das Robert-Koch-Institut betont, dass die Gruppen, die ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf haben, bei Influenza und COVID-19 sehr ähnlich sind: insbesondere ältere Menschen ab 60 Jahren und Menschen mit Grunderkrankungen. Diesen Menschen wird in diesem Jahr ganz besonders zur Grippeimpfung geraten. Dabei geht es aber nicht nur darum, die Menschen aus den Risikogruppen zu schützen, sondern Engpässen auf den Intensivstationen in  vorzubeugen.

Wann ist die beste Zeit für eine Grippeimpfung?

Die beste Zeit liegt zwischen Oktober und Dezember. Der Grund: Etwa 14 Tage dauert es, bis der Impfschutz voll aufgebaut ist. Mindestens vier bis fünf Monate lang bleibt er dann, wahrscheinlich länger. Der Höhepunkt der Grippenwellen liegt bei uns meist nach Beginn des neuen Jahres. Da eine Grippewelle aber auch noch bis April dauern kann, ist es auch im neuen Jahr noch nicht zu spät, sich impfen zu lassen.