Kinderkleidung
 
Wie finden Sie den Matrosenlook?

Kinder im Matrosenlook? Adrette Kleidchen und saubere Hosen? "Au ja", jubelt ELTERN-Redakteurin Anke Willers. "Bloß nicht", entsetzt sich ihre Kollegin Ulrike Blieffert. Zwei Mütter, zwei Meinungen - hier können Sie beide lesen. Und anschließend entscheiden, welcher Ansicht Sie zustimmen.

"Schlichtes Blau und Vichy-Kleider beruhigen mich"

ELTERN-Redakteurin Anke Willers: In Kleiderfragen konservativ
ELTERN-Redakteurin Anke Willers: In Kleiderfragen konservativ

Wunsch oder Wirklichkeit, das ist hier die Frage. Ich fange mit dem Wunsch an: Er kommt zweimal im Jahr per Katalog von einer nordfranzösischen Firma für Kindermode in meinen Briefkasten - und macht mich glücklich: Denn ich sehe da Zopffrisuren mit stoffbezogenen Klämmerchen, dunkelblaue Twillhosen mit maritimer Note, geringelte T-Shirts mit U-Boot-Ausschnitt, Riemchenschuhe mit viel Leder, dafür ganz ohne Hello-Kitty. Die Katalogkinder tragen auch Kleider mit Vichykaro und kleinen Bubikragen, viele Mädchen haben Pagenköpfe, viele Jungs haben ordentliche Scheitel - und manche, ja!, Matrosenkragen. Und alle Kinder haben keine Totenkopftattoos auf dem Unterarm.

Doch, in Kleiderfragen bin ich konservativ: ein bisschen Franzosenlook, ein bisschen Matrosenlook, gerne auch mal Schottenröckchen. Warum das so ist? Darüber habe ich auch schon nachgedacht. Vielleicht handelt es sich um ein nie aufgearbeitetes Defizit aus meiner Kindheit, die ich auf einem niedersächsischen Bauernhof verbrachte: meist mit Lederhosen, Gummistiefeln, klämmerchenresistenter Kurzhaarfrisur und verpflasterten Knien. Und jetzt übertrage ich meine Kleidersehnsüchte auf meine Kinder.

Vielleicht ist es auch so, dass schlichtes Blau und Vichy-Kleider mit übersichtlichem Karo mich beruhigen im allzeit vom Chaos bedrohten Alltag mit zwei Kindern. Oder: Ich will meinen Kindern ganz einfach Stil beibringen, einen Sinn für Qualität, klassische Formen, Ästhetik. Und nebenbei den Produktdesignern eins auswischen: Weil die sich alle vier Wochen eine neue Mode ausdenken und uns mit ihren Merchandisingprodukten das Geld aus der Tasche ziehen.

Das Blöde ist bloß: Meine Mädels spielen das Stil-Spiel nicht mehr mit. Stattdessen tun sie das, was fast alle Mädchen tun, die sechs und neun sind: doof finden, was ihre Mama nicht doof findet. Und schön finden, was alle anderen Mädchen in ihrem Alter auch schön finden.

In unserem Fall bedeutet das: Sie mögen keine Matrosen, keine Franzosen, keine Schotten und keine Bubis - weder am Kopf noch am Kragen. Stattdessen lieben sie Röhren und Hängerkleidchen aus Schweden, wild Gebatiktes aus Bangladesch, Ohrringe aus Billigstrass und Lagenlook aus aller Herren Länder. Und die Wahrheit ist: Meine Töchter sehen nicht im Entferntesten so aus wie meine Sehnsuchtskinder aus dem Katalog.

Das, was ich ihnen hinlege, ziehen sie nämlich nur an, wenn ich sie zwinge. Oder besteche: etwa mit dem neuesten Kitsch-Comic vom Kiosk, das als Beigabe - ja genau - die grässlichen Strassohrringe hat.

Wie es mir damit geht? Ich leide: an all dem hässlichen, schrillen, schlampig genähten, das mich umgibt. Ich warte: darauf, dass meine Kinder zur Vernunft kommen. Und darauf, dass der neue Herbstkatalog in meinem Briefkasten liegt und mit ihm die bretonischen Fischerjacken aus dunkelblauer Walkwolle. Manchmal übe ich auch ein bisschen: Bleib locker, sage ich mir, sei lässig, sei offen für Neues. Neulich zum Beispiel habe ich den Mädchen Dirndl gekauft: Okay, auch die hatten ein paar ordentliche Karos. Aber Uli, du hast recht: Es müssen ja wirklich nicht immer Matrosenhosen sein!

Auf der folgenden Seite lesen Sie, wie ELTERN-Redakteurin Ulrike Blieffert Ihren Sohn am liebsten anzieht - und können bei unserer Umfrage mitmachen!

"Naserümpfen verstehe ich als Auszeichnung"

Ihr Stil ist der Stilbruch: ELTERN-Redakteurin Ulrike Blieffert
Ihr Stil ist der Stilbruch: ELTERN-Redakteurin Ulrike Blieffert

Manche Leute rümpfen die Nase - in der Erwartung, gleich einen schlechten Geruch wahrzunehmen. Aber mein Sohn riecht nicht. Er sieht mit wirrem Haar und bunter Kluft nur so aus, als würde er es tun, das ist ein Riesenunterschied.

Der oberflächliche Beobachter mag denken, mein Kind sei ungewaschen und abgerissen. Er übersieht, wie viel Mühe und Liebe zum Detail in diesem Styling steckt. Edle Stücke von der Stange kaufen und nach dem Waschen bügeln ist ein Klacks im Vergleich zum Aufwand, den ich betreibe. Warum ich das tue? Weil es mich glücklich macht.

Es gibt Kinder, die werden auf einem Bauernhof groß - in Lederhose und Gummistiefeln. Andere wachsen in der Stadt auf - repräsentativ in weißer Bluse und Spangenschuhen. Die Fotos aus meiner Kindheit zeigen ein Baby im blütenweißen Wickelhemdchen, eine Erstklässlerin mit langem, spitzem Blusenkragen, eine Tanzschülerin mit geschwellter weißer Rüschenbrust. Ein Kind in Weiß bedeutet: Seine Mutter scheut im Haushalt keine Mühen. Bei ihrem Kampf gegen Grauschleier hat sie sich mit dem Fleckenteufel verbündet.

Der Matrosenlook besteht für mich vor allem aus Bügelfalten, steifen Krägen und zu viel Weiß. Dinge, die mich an die modischen Leitsätze meiner Kindheit erinnern: "Helle Farben zu Flanell wirken frisch." "Trag doch die Lackschuhe." Und: "Steck das Hemd in die Hose."

Ich weiß, alle Eltern wollen ihren Kindern Stil beibringen - ihren eigenen. Statt weißer Bluse heißt mein Dogma heute Blumenwiese. Mein Stil ist der Stilbruch. Hier eine knallrote Hose zum seriösen Polohemd in Dunkelblau. Dort orangefarbene Socken zum grauen Pullunder. Etwas in Grasgrün tut immer gut. Alles ungebügelt und vom Flohmarkt. Gern auch mit Loch - als kleinen Affront gegen ordentliche Matrosen-Mütter wie Anke. Naserümpfen verstehe ich als Auszeichnung, da bin ich ganz Kind geblieben. Was den maritimen Look angeht: Mein Lieblingsaccessoire ist ein rotes Halstuch mit Anker-Motiv. Nein, es müssen nicht immer Matrosenhosen sein!

Ich vergaß zu erwähnen, dass mein Sohn noch zu klein ist, um in modischen Fragen Protest einzulegen. Auch macht es ihm nichts aus, dass er manchmal für ein Mädchen gehalten wird. Er schaut noch nicht auf den Look seiner Peergroup.

Deine Leiden, Anke, sind mir fremd. Allerdings auch nicht mehr allzu fern: Erst vor Kurzem habe ich beobachtet, wie eine Mutter ihren Vierjährigen immer im Kreis um einen Kleiderständer jagte. Der Kleine - zwei Schritte schneller - brüllte nur panisch "Nein! Nein!" angesichts des Outfits, das seine Mama an die Brust gepresst hielt.

Manchmal stelle ich mir mit leisem Gruseln vor, wie mein Sohn sich in naher Zukunft seine wilden Locken glättet. Und sogar noch seine Unterhosen bügelt. Für den Fall, dass er mir einen Katalog mit nordfranzösischen Schnösel-Klamotten unter die Nase halten sollte, bin ich aber gewappnet. Dann fährt er mal zwei Wochen mit Familie Willers in die Bretagne.

Was halten Sie vom Matrosenlook für Kinder?

Geht es Ihnen wie Anke Willers? Lieben Sie Matrosenlook und kleine Karos? Oder halten Sie es mit Ulrike Blieffert eher mit dem unkonventionellen Modestil? Machen Sie mit bei unserer Umfrage - wir sind gespannt!

Schick und ordentlich oder bunt und lässig - welche Kleidung kaufen Sie Ihren Kindern am liebsten?