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Buchtipp Die Primaten der Park Avenue - Pavianherden der High Society

Women in High Heels
© iStock
Ein Umzug nach New York ist schon eine aufregende Sache – ganz besonders, wenn man dort als zweifache Mutter eine unglaubliche Wahrheit aufdeckt, diese in einem Buch verarbeitet und damit aus dem Stand auf Platz 1 der „New York Times“-Bestseller-Liste schießt.

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Willkommen im Dschungel

Autorin Wednesday Martin
© rnz.de

Als die Anthropologin & Sozialforscherin Wednesday Martin mit ihrem Ehemann an der Seite, Sohn 1 an der Hand und Sohn 2 im Bauch von Michigan nach New York zog, bot sich ihr zunächst ein recht verwirrendes Bild: Glamouröse, top ausgebildete Mütter, die meisten von ihnen hochqualifiziert – doch kaum eine davon berufstätig.
Frauen, deren Leben sich auf das Gebiet zwischen Central Park, Lexington Avenue, der 60. Straße im Süden und der 96. Straße im Norden beschränken.
Frauen, die sich jeden Morgen um 9 Uhr freiwillig in das einmalige Fegefeuer der Eitelkeiten stürzen, ohne sich dabei zu verbrennen. Frauen, die den Designer-Buggy selbst auf den rotbesohlten High Heels von Louboutin so gekonnt manövrieren, als gehörte er zur den selbstverständlich perfekt auf das restliche Outfit abgestimmten Accessoires.

Wednesday Martin hat dieses besondere Treiben vor und in den Privatkindergärten rund um die Park Avenue genau studiert und dabei faszinierende Parallelen zur Tierwelt entdeckt.
Denn genau wie Pavianherden schufen sich die sogenannten Glam-SAHMs (glamouröse Stay-At-Home-Mums), wie Martin sie nennt, über Jahre hinweg ihre eigene Kultur und eine Gemeinschaft voller Solidarität. Man (er-)kennt sich, Statussymbole wie Chanel-Jacken, Burberry Mäntel oder Birkin-Bags sind unsichtbare Clubausweise.
Und der einzige Weg in diese spezielle Rangordnung, deren Regeln mitunter sogar an Stammesrituale erinnern, führt direkt über die Bankkonten der Ehemänner.

 

Der Wife-Bonus

Diese sind Bänker, Anwälte, Manager und haben kaum Zeit für die Familie, geschweige denn für die Erziehung der eigenen Kinder. Aber das müssen sie auch nicht, dafür sind schließlich ihre Ehefrauen zuständig. Was leicht rückständig klingt, ist ein System, das sich auszahlt  - vor allem für die Frauen.
Martin sprach mit mehr als 100 Müttern und erfuhr dabei von einer Art Belohnungssystem, das die einen ganz schrecklich finden, die anderen aber gar nicht mal so blöd – dem sogenannten „Wife-Bonus“. Damit bezahlen Männer ihre Frauen, wenn es das Kind auf eine angesehene Privatschule schafft. Oder sie belohnen ihre Partnerin für eine Serie besonders gelungener Dinner-Partys zu massentauglichen Charity-Zwecken, ja mitunter auch für gutes Haushalten. Eine Art Bonuszahlung als Teil des Ehevertrags.
Nebenbei bemerkt: Die Glam-SAHMs geben jährlich bis zu 95.000 Dollar für Shopping, Fitness und Schönheit aus – da kommt so ein Bonus natürlich sehr gelegen.
 

Lebensziel: High Society-Hausfrau?

Doch ist das wirklich ein erstrebenswertes Ziel? Ein Lebensstil, für den man alle offenstehenden Türen zur Welt, zur Karriere und zum selbstbestimmten Leben wissentlich schließt, ohne auch nur einmal hindurchgegangen zu sein?
In Wednesday Martins Augen ist Begriff des „Wife-Bonus“ nichts weiter, als die neue, hippe Bezeichnung eines alten Rollenmusters. Auch wenn wir dachten, dass man gerade in einer modernen, karriereorientierten Metropole wie New York City mit regelmäßiger Leichtigkeit den Staub von alten Klischees pustet, belehrt uns „Primaten der Park Avenue“ auf amüsant-schockierende Weise eines Besseren. Dass Frauen von ihren Ehemännern wirtschaftlich abhängig sind, ist nichts Neues – aber dass es gerade in der Welt der Superreichen üblich ist, rüttelte nicht nur die Autorin wach.
Zuhause bei den Kindern bleiben, während der Ehemann das Geld nach Hause bringt? Warum lassen sich intelligente, qualifizierte und sozial engagierte Frauen freiwillig in solch ein verstaubtes Rollenmuster pressen?

Die Glam-SAHMs leben in ihrer eigenen Welt und das sehr gut, zweifellos. Sie haben alles was sie brauchen, wollen und zur Not immer die Platinkarte des Gatten in der Hinterhand. Es ist ein Leben, das wir nur aus den Medien kennen, aus Hochglanzmagazinen und diversen Lifestyle-Blogs. Und wir hinterfragten es nie. Bis jetzt.

 

"Die Primaten der Park Avenue" - Scharfsinn in seiner amüsantesten Form

"Primates of Park Avenue"-Cover
© nytimes.com

Das Buch „Die Primaten der Park Avenue“ von Wednesday Martin ist alles andere als ein weiterer Klatsch & Tratsch-Roman, der mit leicht neidischem Blick über die High Society New Yorks berichtet. Vielmehr ist es scharfsinnig und herrlich amüsant geschrieben, ohne dabei den wissenschaftlichen Hintergrund außer Acht zu lassen – anscheinend ist die anthropologische Sicht der Autorin erst die entscheidende Prise Salz, welche dem Leser Seite für Seite schmackhaft macht.
„Die Primaten der Park Avenue“ ist am 17.03.2016 im Berlin Verlag endlich auch auf Deutsch erschienen und für € 16,99 UVP erhältlich. Peanuts für wahre Glam-SAHMs, oder?
 
Übrigens: Hinter Manhattans Upper East Side haben Wednesday Martin und ihre Familie mittlerweile einen Haken gesetzt und sind an die Upper West Side auf die andere Seite des Central Parks gezogen – fernab von Begriffen wie Glam-SAHMs und Wife-Bonus.

 

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