Gefahr für Neugeborene
 
Keuchhusten-Welle in Deutschland: Wie schütze ich mein Baby?

Ja, Keuchhusten ist eine Kinderkrankheit. Das klingt irgendwie niedlich. Aber Keuchhusten ist kein bisschen niedlich, sondern eine schwere Krankheit, die Babys in den ersten Monaten sogar töten kann. Überträger sind bei uns vor allem Jugendliche und Erwachsene. Was können Eltern tun?

Baby weint auf dem Arm
iStock, robertmandel
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Seit 2016 steigt die Zahl der Keuchhustenfälle steil anMütter ohne Impfschutz können ihren Babys keinen Nestschutz mitgebenÄrzte empfehlen für Neugeborene einen so genannten KokonschutzAuch Schwangere dürfen sich gegen Keuchhusten impfen lassen

Keuchhusten beginnt harmlos. In den ersten Wochen klingt er wie normaler Husten, dann werden die Anfälle immer quälender. Die schlimmste Phase beginnt nach etwa vier Wochen: Die Anfälle beginnen mit einem pfeifenden Einatmen, dann hustet der Kranke bis zum Erbrechen und würgt am Ende klaren Schleim hervor. Die Augen röten sich, da Äderchen unter dem Hustendruck platzen, die Schleimhäute von Hals, Mund und Nasenlöchern werden durch das ständige Erbrechen verätzt. Bald häufen sich die Anfälle nicht nur nachts, sondern auch am Tag. Diese Phase dauert weitere vier Wochen, in denen an ein normales Familienleben kaum zu denken ist. Die Anfälle sind so stark, dass vor allem ältere Menschen sich dabei sogar Rippen brechen. Aber am gefährlichsten ist Keuchhusten für Babys: Sie können nichts mehr bei sich behalten, sind völlig entkräftet und können sogar sterben.

Seit 2016 steigt die Zahl der Keuchhustenfälle steil an

In den 30er Jahren, als es noch keine Impfung gegen Keuchhusten gab und die medizinische Versorgung noch nicht so gut war, überlebten jährlich rund 10.000 Säuglinge die Infektion nicht, so das Robert-Koch-Institut in Berlin. Diese Zeiten sind zum Glück lange vorbei. 2016 allerdings starben drei Säuglinge in Deutschland an Keuchhusten – statistisch gesehen ungewöhnlich viele. Der Grund: eine Keuchhustenwelle, die zur Zeit über Deutschland schwappt. 2013 wurde für Keuchhusten die Meldepflicht eingeführt, damals wurden rund 12.600 Fälle gemeldet, 2016 fast doppelt so viele, nämlich 22.119.

Mütter ohne Impfschutz können ihren Babys keinen Nestschutz mitgeben

Wie kann sich die Krankheit wieder ausbreiten, wenn doch heute fast 95 Prozent aller Kinder im Bundesgebiet durch Impfung geschützt sind? Es mag zum einen sein, dass seit der Meldepflicht einfach immer mehr Erkrankungen bekannt werden. Viel wichtiger aber: Bei den Jugendlichen und Erwachsenen bestehen große Impflücken. Nur zehn bis 20 Prozent haben einen Impfschutz, bei den Schwangeren sind es ebenfalls 20 Prozent. Zugleich ist Keuchhusten sehr ansteckend, die Bakterien werden durch Tröpfchen-Infektion übertragen, also durch Husten, Niesen, Händeschütteln. Babys dürfen aber erst mit acht Wochen geimpft werden. Hat die Mutter keinen Impfschutz, so kann sie dem Baby auch keinen Nestschutz für die ersten zwei Monate mitgeben.

Ärzte empfehlen für Neugeborene einen so genannten Kokonschutz

Damit durch die Keuchhustenwelle möglichst wenig Neugeborene in Gefahr geraten, empfehlen Ärzte einen so genannten Kokonschutz. Das heißt: Möglichst viele Menschen sollten dafür sorgen, dass sie selbst vor Keuchhusten geschützt sind. Denn dann können sie die Krankheit auch nicht weitergeben und bilden so einen schützenden Kokon um das Neugeborene. Am besten wäre es, wenn alle Erwachsenen sich gegen Keuchhusten impfen beziehungsweise ihren Immunschutz auffrischen ließen. Das gilt auch für alle, die Keuchhusten durchgemacht haben. Denn der Schutz hält so oder so nur etwa zehn Jahre an.

Auch Schwangere dürfen sich gegen Keuchhusten impfen lassen

Wichtig ist aber auf jeden Fall, dass alle Schwangeren ihren Immunschutz prüfen lassen und die Impfung gegebenenfalls nachholen oder auffrischen. So ist das Baby durch den Nestschutz geschützt, bis es geimpft werden kann. Mehr zu Impfungen in der Schwangerschaft hier. Das gleiche gilt für Verwandte und Freunde, die sonst noch mit dem Baby Kontakt haben.