Ungewollt kinderlos
 
Das Projekt Baby - zwei Frauen erzählen

In Deutschland leben 1,5 Millionen Paare mit bislang unerfülltem Kinderwunsch. Wir haben mit zwei betroffenen Frauen gesprochen: Die eine hat heute vier Kinder, die andere hofft noch auf ihr Mutterglück.

"Ich habe noch Hoffnung"

Ungewollt kinderlos: Das Projekt Baby - zwei Frauen erzählen

"Als ich im Januar 2005 die Pille abgesetzt hatte, war mein Hormonspiegel total durcheinander. Bis mein Körper hormonell wieder normal funktionierte, war es Herbst. Doch auch dann wurde ich nicht schwanger.
Nach den ersten Untersuchungen stellt sich heraus, dass ich eine leichte Eizellenreifestörung habe und dass das Spermiogramm meines Mannes auch nicht optimal ist. Meine Ärztin verschrieb mir ein Hormonpräparat, um meinen Zyklus zu unterstützen. Sie meinte, dass es damit auf natürlichem Wege klappen könnte. Nachdem ich aber nicht schwanger wurde, überwies sie uns in eine Kinderwunschklinik.
Ich hatte die Medikamente, die zur Vorbereitung auf die künstliche Befruchtung nötig sind, schon zu Hause. Aber ich hasse Spritzen und da hätte ich mir selbst Spritzen setzen und dann regelmäßig zur Ultraschalluntersuchung zum Arzt gehen müssen. Ich zögerte und wir haben die Behandlung erst mal nicht angefangen, da wir kurz darauf im März in den Urlaub geflogen sind. Doch dann wurde ich schwanger. Kurz vor unserem Urlaub. Eine Woche war ich auf Wolke sieben und total glücklich. In der zweiten Woche bekam ich Bauchkrämpfe und Blutungen. Ich war einige Tage zur Beobachtung im Krankenhaus und dabei stellte sich heraus, dass es eine Eileiterschwangerschaft war.
Die ersten Wochen nach dem Abgang waren sehr schwer für mich. Langsam wird es besser, aber nun geht das Bangen wieder von vorne los. Wenn ich heute auf die Straße gehe, sehe ich nur schwangere Frauen und kleine Kinder. Sie erinnern mich immer an meinen größten Wunsch. Ich denke dann: 'So würde ich jetzt auch aussehen - jetzt wäre bei mir Halbzeit.' An guten Tagen, rede ich mir ein, dass alles gut wird und es bald wieder klappt. Aber es gibt auch Tage, da liege ich abends im Bett und fange einfach an zu weinen.
Zu Bekannten, die in den letzten Jahren Kinder bekamen, haben wir im Moment keinen Kontakt. Eine ehemalige Kollegin von mir ist sogar ungeplant schwanger geworden. Ich wollte sie eigentlich nach ihrer Entbindung besuchen, aber ich musste ihr absagen. Im Moment kann ich das einfach nicht.
Mein Mann sieht das alles lockerer. Er macht sich nicht soviel Stress, sondern ist ganz positiv und meint, das wird schon werden. Aber Männer haben auch nicht den Altersdruck. Ich mache mir sogar so viel Druck damit, dass ich mittlerweile an Haarausfall leide. Das Paradoxe daran ist: Die Antibabypille könnte bei dieser Art von Haarausfall helfen. Aber die will ich ja gerade nicht nehmen! Wenn ich endlich ein Baby hätte, könnte ich auch auf so eine Pille zurückgreifen. Doch im Moment habe ich doppelt Angst, dass ich bald ohne Kind und ohne Haare dastehe.
Unsere Familie und unsere Bekannten dachten immer, dass wir gar keine Kinder haben wollen. Anfangs wollte ich nicht erzählen, dass wir Probleme haben, weil ich mir dachte, dass der Druck dadurch noch größer wird. Mittlerweile wissen es unsere Familien. Ich finde das sogar erleichternd, weil ich mich nicht mehr verstellen muss. Ich habe ihnen aber auch ganz deutlich gesagt, dass ich auf das Thema nicht angesprochen werden möchte.
Um mich zu informieren, habe ich viel über das Thema Kinderwunsch gelesen und mich im Forum auf Eltern.de mit anderen Frauen ausgetauscht, die in der gleichen Lage sind wie ich. Das hilft mir, ich bekomme dort viele Tipps. Außerdem bin ich so mit dem Problem nicht alleine, vielen Paaren geht es so wie uns. Ich habe auch immer noch Hoffnung: Im Moment nehme ich wieder Hormone, damit die Eizellenreifung besser klappt. Trotzdem hatte ich bislang leider keinen Eisprung, was mich gerade wieder etwas traurig und hoffnungsloser stimmt. Aber es hat ja schon mal geklappt mit dem Schwangerwerden, es wird auch wieder klappen."
Christina H. (34) aus Bietigheim wünscht sich seit zweieinhalb Jahren ein Kind - bislang ohne Erfolg.

"Hätten die Ärzte sich doch mehr Mühe gegeben"

Das Umfeld übte enormen Druck auf uns aus

"Ich habe acht Jahre versucht, schwanger zu werden. Aber es tat sich einfach nichts. Die Ärzte fanden die Ursache nicht, sagten nur, wir sollten genauer auf den Zyklus achten. Doch das half nicht. Die ersten zwei Jahre nahm ich es noch relativ leicht, aber dann kam mein 30. Geburtstag und das Thema wurde für mich zum Problem.

Meine jüngere Schwester wurde schwanger, auch andere Frauen aus unserem Freundeskreis bekamen problemlos Kinder. Und ich musste immer in Babyabteilungen gehen und Geschenke einkaufen. Das fand ich ganz schwierig.

Vor 13 Jahren haben wir geheiratet. Von da an haben die Leute mir auf den Bauch geschielt. Sogar die Friseuse klopfte mir auf den Bauch und wollte wissen, wann da mal was Kleines wächst. Irgendwann wurden wir dann gefragt: 'Wollt ihr keine Kinder oder bekommt ihr keine?' Das trägt nicht gerade zum Wohlbefinden bei. Mit dieser Erwartungshaltung übte das Umfeld einen enormen Druck auf uns aus.

Ich bin keine Optimistin und acht Jahre ist eine lange Zeit. Ich habe versucht, mich auf ein Leben ohne Kinder einzustellen. Aber ich musste mir eingestehen: Für mich ist das ein Leben zweiter Wahl. Ich kann noch so viel Karriere machen, ein schönes Haus haben und teure Reisen unternehmen. Das hätte mich auf Dauer nicht glücklich gemacht.

Wir haben uns immer gedacht, wir wollten keine Insemination machen, das fanden wir unnatürlich. Ich hatte Angst vor dieser Medizin-Maschinerie. Meine Befürchtung war, dass es schwierig wird rauszukommen, wenn man da mental mal drin ist. Irgendwann hatten wir aber doch einen Termin ausgemacht. Ich habe ihn dann aber ganz kurzfristig abgesagt. Im Nachhinein bin ich froh, dass wir diesen Weg nicht bestreiten mussten. Aber aus heutiger Sicht kann ich sagen, er wäre es Wert gewesen.

Als bei mir eine Zyste entfernt wurde, stellten die Ärzte durch Zufall fest, dass ich eine Endometriose dritten Grades hatte. Bis dahin hatte ich noch nie von dieser Krankheit gehört, bei der Gebärmuttergewebe unkontrolliert im Bauchraum wachsen. Meine Symptome passten aber perfekt: Ich hatte immer eine sehr starke Periode mit starken, krampfenden Schmerzen und manchmal auch klumpigen Blutungen über mehrere Tage hinweg.

Als die Diagnose schließlich feststand, hatte ich zwei Bauchspiegelungen bei denen das Gewebe im Bauchraum durch einen Laser entfernt wurde. Um das Gewebe auszutrocknen, bekam ich sechs Monate Hormone. So hatte ich eine künstliche Menopause. Kurz darauf war ich mit unserem ersten Kind schwanger. Damals war ich 35 Jahre alt. Heute bin ich 42 Jahre und habe vier Kinder im Alter zwischen einem und sieben Jahren.

Hätten sich die Ärzte mehr Mühe bei der Diagnose meiner Krankheit gegeben, wäre unser Lebensplan ganz anders verlaufen: Wir hätten viel früher Kinder haben können und wären jetzt nicht relativ alte Eltern.

Es war unser beider innigster Wunsch, eine große Familie zu haben, auch wenn wir beide jetzt oft sehr müde sind, weil wir nachts regelmäßig aufstehen müssen. Mein Mann hätte gerne noch ein fünftes Kind. Wir werden sehen, ob wir noch eines bekommen."

Bettina Bachmann (42) aus Rüschlikon in der Schweiz.

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