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Fruchtbarkeitstest: So fruchtbar bist du wirklich

Um Aufschluss darüber zu erhalten, wie viel Zeit noch für die Familienplanung bleibt, können Frauen ihre Fruchtbarkeit testen lassen. Wie der Check funktioniert, wer ihn macht und was er kostet, erfahrt ihr hier.

Frau hält ihren Bauch
iStock, Maksym Azovtsev

Das Alter beeinflusst die Fruchtbarkeit

Zuerst ein bisschen Biologie im Schnelldurchlauf: Um schwanger zu werden, muss sich eine reife Eizelle im Eileiter der Frau mit einer Samenzelle vereinen. Männer können bis ins hohe Alter befruchtungsfähige Spermien bilden. Dagegen kommt es bei Frauen um die 30 bereits immer wieder zu Zyklen ohne Eisprung.

Mit 35 muss man damit rechnen, dass pro Jahr etwa drei bis fünf "taube" Zyklen vorkommen, mit 40 sind es dann schon etwa sieben. Mit etwa 50 erlischt die weibliche Fruchtbarkeit ganz. So weit die Fertilitäts-Statistik, die Durchschnittswerte aufführt. Doch keine Panik: Viele Frauen werden auch jenseits der 35 und sogar noch mit 40 problemlos schwanger.

Die Frage ist: Werde ich zu den Frauen gehören, die noch spät ein Kind bekommen können? Und kann ich mit einem zweiten (oder weiteren) Kind noch warten, oder drängt die Zeit?

Durchschnittliche und persönliche Fruchtbarkeit

Die Fruchtbarkeit ist von Frau zu Frau verschieden

Der Freiburger Kinderwunschmediziner und Hormonspezialist Professor Franz Geisthövel hat einen Test entwickelt, der eine Voraussage der persönlichen Fruchtbarkeit zulässt. Der Test soll die "ovarielle Reserve" bestimmen ("Ovar" ist der Fachausdruck für Eierstock).

Bevor es um den Test selbst geht, noch ein paar Infos: Eizellen bilden sich bereits in der frühen Embryonalzeit – und zwar in einer fast unvorstellbaren Menge. In den winzigen Ovarien eines ungeborenen Mädchens haben sich bis zur 20. Schwangerschaftswoche etwa sieben Millionen Eizellen entwickelt. Mit auf die Welt bringt ein kleines Mädchen noch etwa eine Million Keimzellen.

Wenn in der Pubertät die ersten Eizellen reifen, warten etwa 400.000 Keimzellen in den Ovarien. Zwar kommt pro Zyklus nur ein Ei (manchmal zwei) zur Reife, aber etwa 1.000 Keimzellen begleiten diesen Vorgang und werden dabei verbraucht.

Schnell mal nachgerechnet – 400.000 Eizellen ergeben etwa 35 Jahre Fruchtbarkeit. Mit großen Schwankungen von Frau zu Frau: Es gibt 35-Jährige, deren Vorrat an Eizellen schon so gut wie erschöpft ist. Und 40-Jährige, die noch einige Jahre Fruchtbarkeit vor sich haben.

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So funktioniert der Fruchtbarkeits-Check

Um festzustellen, wie es im konkreten Fall um die Fruchtbarkeit bestellt ist, schaut sich Professor Geisthövel am fünften bis sechsten Zyklustag per Ultraschall (der Schallkopf wird dabei in die Scheide eingeführt) die Eierstöcke an. Er beurteilt

  • die Größe der Ovarien. Gut ist ein Durchmesser von etwa 20 Millimetern.
  • die Anzahl der Follikel. Lassen sich fünf und mehr Eibläschen zählen, ist der Eierstock sehr munter. Drei und weniger Eibläschen weisen auf eine sich langsam erschöpfende Fruchtbarkeit hin.
  • die Binnenstruktur. Dabei wird auf das Bindegewebe in den Ovarien geschaut. Wenig bis mäßig viel Bindegewebe heißt: genug Platz für Follikel. Viel Bindegewebe dagegen zeigt, dass die Eizellen zum Großteil verbraucht sind und sich Füllstoff ausbreiten konnte.

Nach der Ultraschall-Untersuchung (sie dauert nur ein paar Minuten) teilt Professor Geisthövel die Eierstöcke in fünf Stufen ein (von plus zwei für sehr gute ovarielle Reserve über null für einen mittleren Befund bis zu minus zwei für nahezu erschöpfte Eierstöcke).

Zusammenspiel der Hormone

Eine Hormonuntersuchung aus dem Blut ergänzt den Ultraschall-Befund. Gesucht wird nach LH und FSH, den zwei Hormonen, die an der Eizellreifung maßgeblich beteiligt sind. FSH (Follikel stimulierendes Hormon) wird zu Beginn des Zyklus' von der Gehirnanhangdrüse ausgeschüttet.

Die Ovarien "antworten" mit LH (luteinisierendem Hormon), dem Stoff, der die Kraft des FSH auf ein Eibläschen bündelt, für die Reifung der einen Eizelle sorgt und schließlich den Eisprung auslöst. Die Verteilung aus FSH und LH lässt Rückschlüsse auf die Fruchtbarkeit zu. Überwiegt FSH, ist zu befürchten, dass die Eierstöcke schon zu schwach für eine Rückantwort sind.

Das Labor braucht für die Hormonanalyse nur ein paar Stunden; die Frau bekommt ihre Fruchtbarkeits-Prognose also meistens noch am Tag der Untersuchung. Und für wie lange gilt die Prognose? "Das Ergebnis hat mindestens für die nächsten drei bis fünf Jahre Bestand", sagt der Fruchtbarkeitsmediziner.