Kinderwunsch
 
Spermiogramm: Wie fit sind deine Samenzellen?

Bleibt die ersehnte Schwangerschaft aus, könnte das an der Qualität der Spermien liegen. Ein Spermiogramm verrät, wie viele Samenzellen du hast und ob sie fit und gesund sind. Aber wie läuft die Untersuchung ab und was kostet sie? Wir beantworten deine Fragen.

Spermien unter dem Mikroskop
iStock, eraxion
Inhalt: 
Was genau misst ein Spermiogramm?Referenzwerte des Spermiogramms nach WHO 2010Welche Diagnosen sind denkbar?Wie läuft die Untersuchung ab?Können Männer ihre Spermien nicht auch zu Hause testen?Wie fehleranfällig ist ein Spermiogramm?Kann man sein Spermiogramm verbessern?Was kostet ein Spermiogramm?Wie geht’s nun weiter mit dem Kinderwunsch?

Ein Spermiogramm ist das Ergebnis einer Sperma-Analyse unterm Mikroskop. Es enthält eine Reihe von Messwerten, die zusammengefasst eine Aussage über die Zeugungsfähigkeit ermöglichen. Die Untersuchung ist schmerzlos. Du musst lediglich eine Samenprobe abgeben.
Ein Spermiogramm wird in der Regel aus zwei Gründen angefertigt. Der Hauptgrund ist ein Qualitätscheck des Spermas im Rahmen einer Kinderwunschbehandlung. Der Test ist aber auch eine Erfolgskontrolle nach einer Vasektomie. Er stellt sicher, dass der sterilisierte Mann tatsächlich keine Spermien mehr im Ejakulat hat.

Was genau misst ein Spermiogramm?

Das Spermiogramm umfasst mehrere Kennwerte. Besonders wichtig ist die Anzahl der Spermien pro Milliliter Ejakulat. Bei einem gesunden Mann enthält es zwischen 80 und 120 Millionen Samenzellen pro Milliliter. Sind es weniger als 5 Millionen, ist es sehr unwahrscheinlich, dass der Mann auf natürlichem Weg ein Kind zeugen wird. Liegt der Wert zwischen 5 und 15 Millionen, liegt eine eingeschränkte Fruchtbarkeit vor.
Die Quantität ist aber nicht alles. Die Untersuchung zeigt auch, wie lebendig (Vitalität) und beweglich (Motilität) die Spermien sind und wie ihre Form beschaffen ist (Morphologie). Darüber hinaus werden Geruch, Aussehen und Farbe des Ejakulats bewertet und der pH-Wert bestimmt. Auch die Zahl der Leukozyten wird gemessen, da ein zu hoher Wert auf eine Entzündung der Samenleiter hinweisen kann. Die Ursache für einen unerfüllten Kinderwunsch kann der Androloge (Männerarzt) oder Urologe nur finden, wenn er alle Werte zusammen betrachtet.
 
Der Arzt untersucht die Samenflüssigkeit nach den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO). 2010 hat sie ein aktualisiertes Laborhandbuch herausgegeben. Darin ist der genaue Ablauf der Untersuchung ebenso dokumentiert wie eine Reihe neuer Referenzwerte für die anschließende Beurteilung der Befunde. Die Schnelligkeit der Spermien spielt bei den neuen WHO-Richtlinien keine Rolle mehr. Als viel wichtiger stuft die WHO die Beweglichkeit ein. Mindestens 32 Prozent der Spermien müssen mit dem Kopf voran schwimmen können (progressive Motilität), um ihr Ziel zu erreichen.

Referenzwerte des Spermiogramms nach WHO 2010

Kriterien Normalbefunde
Ejakulatvolumen 1,5 ml oder mehr
pH-Wert 7,2 oder höher
Spermienkonzentration mindestens 15 Millionen Spermien pro Milliliter
Spermiengesamtzahl mindestens 39 Millionen Spermien in der Probe
Motilität (Beweglichkeit) 32 Prozent sollen progressiv beweglich sein (progressive Motilität). Das bedeutet, dass sie sich mit dem Kopf voran bewegen sollten. Nach den neuen WHO-Kriterien spielt die Schnelligkeit dabei keine Rolle mehr.
Form (Morphologie) 4 Prozent der Spermien sollten eine normale Form haben (ovaler Kopf, regelmäßig geformt, gleichlanges, schmaleres Mittelstück und Schwanz).
Anteil der lebenden Spermien Mindestens 58 Prozent der Spermien müssen lebendig sein (Eosin-Test).
Leukozyten höchstens 1 Million weiße Blutkörperchen pro Milliliter
MAR-Test weniger als 50 Prozent Spermien mit adhärenten Partikeln
Farbe weißlich trübe Farbe
Geruch kastanienblütenartiger Geruch

Welche Diagnosen sind denkbar?

Sind die Untersuchungsergebnisse unterhalb der Referenzwerte, ist die Zeugungsfähigkeit eingeschränkt. Die häufigste Diagnose ist das sogenannte OAT-Syndrom (Oligo-Astheno-Teratozoospermie-Syndrom). In diesen Fällen ist die Zahl der Spermien zu gering, ihre Beweglichkeit eingeschränkt und das Aussehen nicht normal. Auch die folgenden Diagnosen sind möglich:
 

Fachbegriff Erklärung
Aspermie Es konnte kein Ejakulat gewonnen werden.
Asthenozoospermie Die Samenzellen verfügen nur über eine eingeschränkte Beweglichkeit (weniger als 32 Prozent motile Spermatozoen).
Azoospermie In der Probe können keine Spermatozoen nachgewiesen werden.
Kryptozoospermie Weniger als eine Million Spermien pro Milliliter, Nachweis erst im Zentrifugat
Nekrozoospermie Es wurden keinerlei beweglichen Spermien gefunden.
Normozoospermie Normale Werte ohne Befund
Oligozoospermie Die Spermienanzahl ist reduziert (weniger als 15 Millionen Spermatozoen pro ml).
Parvesemie Das Ejakulatvolumen ist zu gering (weniger als 1,5 ml).
Teratozoospermie Der Anteil der normal geformten Spermatozoen ist vermindert (weniger als 4 Prozent).

Ein weiterer Befund ist das Vorkommen von Spermien-Antikörpern (MAR-Test). Da das Vorhandensein von Autoantikörpern nicht therapierbar ist, würde der Weg zum Wunschkind dann nur über eine Befruchtung" target="_self" class="contentlink">künstliche Befruchtung gehen.

Wie läuft die Untersuchung ab?

Für ein Spermiogramm gibst Du eine Spermaprobe ab. Meist geschieht dies in einem Raum in der Praxis des Uro- oder Andrologen, es sei denn, du wohnst um die Ecke und willst die Probe von zuhause mitbringen.
Wichtig ist, dass das Ejakulat bei der Untersuchung ganz frisch ist. Bringst Du die Probe mit, ist es wichtig, dass Du ein steriles Gefäß benutzt und die Probe auf dem Weg auf Körpertemperatur hältst. Es ist sinnvoll, drei bis fünf Tage davor auf Sex zu verzichten. Die Enthaltsamkeit macht das Testergebnis aussagekräftiger. Allerdings nur, wenn sie nicht zu lange dauert. Länger als 7 Tage sollte der letzte Samenerguss nicht zurückliegen.
Im Labor wird dann als erstes die Zeit gemessen, die das Sperma braucht, um sich zu verflüssigen. Dauert es länger als 30 Minuten, kann das bereits ein Hinweis auf eine Fruchtbarkeitsstörung sein. Denn nur flüssiges Sperma bringt die Samenzellen schnell genug an ihren Bestimmungsort.
Anschließend folgen die Analyse unter dem Mikroskop sowie weitere Labortests.
Je nach Praxis bekommt Ihr das Ergebnis schon am folgenden Tag. In Einzelfällen dauert es bis zu einer Woche.

Können Männer ihre Spermien nicht auch zu Hause testen?

Es gibt eine Reihe von Fruchtbarkeitstests für Männer, die man ohne Probleme in der Apotheke bekommt und zu Hause durchführen kann. Diese Schnelltests prüfen allerdings lediglich die Anzahl der Spermien. Über Schnelligkeit und Form treffen sie keine Aussagen. Bevor ihr euch in falscher Sicherheit wiegt, ist der Gang zum Männerarzt (Androloge) die bessere Wahl.

Wie fehleranfällig ist ein Spermiogramm?

Ein Spermiogramm kann von Mal zu Mal im Ergebnis etwas unterschiedlich sein. Hatte der Patient einen Infekt, wird sich diese gesundheitliche Einschränkung auch in den Ergebnissen zeigen. Insofern spiegelt das Spermiogramm nicht nur den allgemeinen Gesundheitszustand, sondern auch ganz konkret das Befinden am Tag der Probenabgabe.
Ist das Spermiogramm schlecht, wird der Arzt nach einigen Wochen ein zweites anfertigen, um die Ergebnisse zu verifizieren.

Kann man sein Spermiogramm verbessern?

Ganz allgemein kann man sagen, dass gutes Sperma in einem gesunden Körper entsteht. Der Verzicht auf Alkohol und Nikotin, eine bewusste Ernährung und regelmäßige Bewegung verbessern die Spermienqualität.
Es ist nachgewiesen, dass Männer mit Übergewicht weniger Spermien produzieren und diese auch langsamer sind. Die Betroffenen haben weniger Testosteron im Körper als Normalgewichtige. Da dieses Hormon aber entscheidend für die Spermienproduktion ist, machen weniger Kilos auf der Waage nicht nur Männer, sondern auch ihre Spermien fitter.
Auch dauerhafte Wärme ist schlecht für die Spermienqualität. Schließlich produzieren die Hoden die Keimzellen nicht umsonst außerhalb des Körpers. Hier liegt die Körpertemperatur nur zwischen 33 und 35 Grad. Optimal für die Spermienproduktion. Sitzheizungen im Auto oder Laptops auf dem Schoß machen diesen Trick der Natur zunichte und stören auf Dauer die Spermienproduktion.
 
Mit dem eigenen Lebenswandel lässt sich aber natürlich nicht jedes Problem der männlichen Fruchtbarkeit lösen. Sind die Spermien krankhaft verändert, sind sie aufgrund genetischer Dispositionen nicht zahlreich oder nicht beweglich genug oder gibt es andere Gründe für eine Fruchtbarkeitsstörung, helfen eine gesunde Ernährung und Alkoholverzicht auch nicht weiter. In diesen Fällen wird der Facharzt mit dem Patienten besprechen, ob es in seinem Fall erfolgversprechende Therapien gibt.

Was kostet ein Spermiogramm?

Ein Spermiogramm kostet zwischen 60 und 90 Euro. Könnt ihr glaubhaft machen, dass bei euch ein unerfüllter Kinderwunsch vorliegt, übernehmen die Krankenkassen in der Regel die vollen Kosten. Schließlich dient die Untersuchung der männlichen Fruchtbarkeit ja der Ursachenforschung und ist noch nicht Teil einer Kinderwunschbehandlung. Um sicher zu gehen, wendest du dich am besten im Vorfeld an deine Kasse.

Wie geht’s nun weiter mit dem Kinderwunsch?

Ein Spermiogramm ist nur eine Momentaufnahme. Ist das Ergebnis eher schlecht, wird der Androloge (Urologe) einige Wochen später ein zweites anfertigen, um zu prüfen, ob die Ergebnisse sich bestätigen. Sind die Spermien tatsächlich zu gering konzentriert, krankhaft verändert oder nicht beweglich genug, seid ihr der Ursache für die Unfruchtbarkeit offenbar auf der Spur. Allerdings bedeutet ein schlechtes Spermiogramm nicht automatisch, dass der Grund für die ausbleibende Schwangerschaft nur bei ihm liegt. In 30 Prozent der Fälle liegt eine Kombination vor und auch die Frau leidet unter Fertilitätsstörungen. In jedem Fall ist es wichtig, dass sich beide Partner vom Facharzt untersuchen lassen.
Stehen die Ergebnisse dann fest, ist es Zeit über euren weiteren Weg zum Wunschkind nachzudenken. Ist die schlechte Spermienqualität ausschlaggebend, wird der Arzt vermutlich zu einer Insemination oder zu einer ICSI-Behandlung (Intracytoplasmatische Spermieninjektion) raten. Bei dieser Methode der künstlichen Befruchtung wird eine Samenzelle direkt in die befruchtungsfähige Eizelle injiziert, die der Frau vorher entnommen wurde. Entsteht daraus im Labor die Vorstufe eines Embryos, wird dieser in die Gebärmutter eingesetzt und wächst dort ganz normal zu einem Baby heran.
Ob eine Insemination oder eine ICSI die beste Methode ist, wird euer Arzt mit euch in Ruhe besprechen.
Um eine Kinderwunschbehandlung zu beginnen, ist ein zweites Spermiogramm notwendig, damit die Krankenkasse den Behandlungsplan des Reproduktionsmediziners genehmigt. Nach den neuen Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses (Juni 2017) ist ein 12-wöchiger Abstand zwischen den beiden Untersuchungen nicht mehr vorgeschrieben. Auch die zuvor festgelegten Grenzwerte zur ärztlichen Beurteilung der Werte sind nach den neuen Standards entfallen. Es liegt jetzt im Ermessen des behandelnden Arztes, ob eine schwere Fruchtbarkeitsstörung vorliegt. Eine neue Voraussetzung für die Genehmigung des Kostenplans ist die Fachrichtung des Mediziners. Er muss Androloge sein oder eine Zusatzausbildung in diesem Fachgebiet haben.