Kinderwunsch
 
Gelbkörperschwäche: Ursachen, Symptome und Behandlung

Dr. med Annette Klöpper, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe – Psychotherapie
Medizinisch geprüft vonDr. med. Annette Klöpper
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Dr. med. Annette Klöpper geprüft.

Eine Gelbkörperschwäche hat einen Progesteronmangel zur Folge. Fehlt das wichtige Sexualhormon, ist es schwieriger, schwanger zu werden. Die gute Nachricht: Mit einer Hormontherapie lässt sich der Kinderwunsch häufig dennoch erfüllen.

Gelbkörperschwäche
iStock, Ridofranz
Auf einen Blick
Artikelinhalt
  • Eine Gelbkörperschwäche ist oft auf eine Störung der Eierstockfunktion zurückzuführen.
  • Das Gelbkörperhormon wird auch Progesteron genannt.
  • Deine Gynäkologin kann eine Gelbkörperschwäche anhand eines Blut- oder Speicheltests messen.
  • Mit Hilfe einer Hormontherapie können Frauen trotz Gelbkörperschwäche auf ein Baby hoffen.

Was ist eine Gelbkörperschwäche?

Eine Gelbkörperschwäche (Lutealinsuffizienz, Corpus-Luteum-Insuffizienz) ist eine Funktionsstörung des sogenannten Gelbkörpers, die oft auf eine Störung der Eierstockfunktion zurückzuführen ist. Sie ist eine der häufigsten Gründe für einen unerfüllten Kinderwunsch.
 
Läuft im Zyklus alles optimal, wird der Gelbkörper nach dem Eisprung im Eierstock gebildet. Dieser produziert dann das so genannte Gelbkörperhormon (Progesteron). Das Hormon ist für den Aufbau und die Durchblutung der Gebärmutterschleimhaut wichtig. Liegt eine Gelbkörperschwäche vor, wird zu wenig Progesteron gebildet und dadurch die Einnistung des befruchteten Eis in der Gebärmutter gestört. Eine Schwangerschaft tritt nicht ein oder endet mit einer frühen Fehlgeburt. Mediziner sprechen auch von einer hormonell bedingten Unfruchtbarkeit.

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Hintergrund: Was ist Progesteron?

Progesteron ist eines der wichtigsten weiblichen Sexualhormone. Ganz besonders gilt das für Frauen, die gerne schwanger werden wollen. Denn zusammen mit anderen weiblichen Geschlechtshormonen (besonders dem Östrogen) bereitet das Gelbkörperhormon deinen Körper auf eine kommende Schwangerschaft vor. Dies geschieht in erster Linie durch den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut, in die sich dann die befruchtete Eizelle einnisten kann. Im Verlauf einer Schwangerschaft wird das Hormon Progesteron auch im Mutterkuchen und zu einem kleinen Teil in der Nebennierenrinde gebildet. Das Gelbkörperhormon ist dann für die Erhaltung der Schwangerschaft unverzichtbar. Es versorgt die Gebärmutterschleimhaut stetig mit Nährstoffen und sorgt für das Wachstum des Embryos.

Progesteron hat noch mehr Aufgaben

  • Es sorgt für eine Verdichtung deiner Brustdrüsen, um sie auf die Milchbildung/ das Stillen vorzubereiten.
  • Es stimuliert deinen Stoffwechsel und lässt dadurch deine Körpertemperatur ansteigen.
  • Es fördert die Einlagerung von Wasser im weiblichen Körper (kurz vor der Periode kann das ein bis zwei Kilo mehr auf der Waage bedeuten).
  • Es fördert laut neuerer Studien die Beweglichkeit der Spermien und unterstützt die Fähigkeit der Samenzellen, in die Eizelle einzudringen.
  • Es entspannt dich und fördert so einen tiefen Schlaf (unschöner Nebeneffekt: die entspannten Muskeln führen zu Darmträgheit, was in der Schwangerschaft oft Verstopfung bedeutet).
  • Es verhindert in der Schwangerschaft das Heranreifen von Eizellen in den Eierstöcken und so eine weitere Schwangerschaft.
  • Es verfeinert dein Hautbild und bewirkt eine verlängerte Verweildauer der Haare in der Kopfhaut.
  • Es fördert den Knochenaufbau.

Woher kommt die Bezeichnung Gelbkörper?

Das Gewebe, das in der zweiten Zyklushälfte (Gelbkörperphase) nach dem Eisprung im Eierstock aus der zurückgebliebenen Eibläschenhülle gebildet wird, wurde nach seinem Aussehen benannt: Es ist gelb. Auch der lateinische Begriff corpus luteum (corpus „Körper“ und luteus „gelb“) bezieht sich darauf.

Welche Symptome deuten auf einen Progesteronmangel?

Ein Progesteronmangel als Folge einer Gelbkörperschwäche äußert sich nicht bei jeder Frau gleich. Daher ist eine Selbstdiagnose eher schwierig. Die folgenden Symptome können jedoch auf eine Lutealinsuffizienz hindeuten:

  • Eine verkürzte zweite Zyklushälfte gilt als Hauptmerkmal. Sie dauert normalerweise 14 Tage. Produziert dein Körper zu wenig Progesteron, kann sich die Gelbkörperphase auf 12 oder weniger Tage reduzieren.
  • Deine Basaltemperatur steigt zu langsam oder in Etappen an. In ausreichender Konzentration würde das Hormon Progesteron nach dem Eisprung für einen steilen Anstieg der Körpertemperatur sorgen.
  • Zwischenblutungen in der zweiten Hälfte deines Zyklus
  • Frühe Fehlgeburten
  • Auch starke PMS-Symptome, Muskel- und Gelenkschmerzen oder Schlafstörungen können Anzeichen sein.

Die genannten Symptome treten nicht unbedingt alle zugleich auf. Oft treffen bei einer Frau nur zwei oder drei davon zu. Wenn sie außerdem noch schwach ausgeprägt sind, ahnst du vielleicht jahrelang nichts von einem bestehenden Progesteronmangel. Häufig wird er erst erkannt, wenn du schwanger werden möchtest und es nicht klappt.

Was kann ich bei Gelbkörperschwäche tun?

Wenn du selbst den Verdacht hast, dass bei dir eine Gelbkörperschwäche vorliegt, ist es sinnvoll, deinen Zyklus genau zu beobachten. Am besten führst du eine Temperaturkurve und verwendest Ovulationstests. So kannst du erkennen, ob deine zweite Zyklushälfte tatsächlich verkürzt ist. Da ein Temperaturanstieg oft nur wenige Zehntel Grad Unterschied ausmacht, braucht es beim Messen und Interpretieren der Kurve etwas Übung. Wenn du mit der Temperaturmethode noch wenig vertraut bist, wendest du dich besser an deinen Arzt.

Wie stellt die Ärztin eine Gelbkörperschwäche fest?

Dein Gynäkologin kann mit einem Speichel- oder einem Bluttest deinen Progesteronspiegel in der zweiten Zyklushälfte messen. So kann sie feststellen, ob dein Progesteronwert im Normbereich liegt. Der Wert kann aber von Zyklus zu Zyklus schwanken. Auch andere Hormone, wie das Östrogen, werden untersucht, da ein Progesteronmangel häufig mit einer Östrogendominanz einhergeht.

Die Diagnostik ist nur sinnvoll, wenn der Test in der zweiten Zyklushälfte durchgeführt wird. Hast du einen unregelmäßigen oder sehr langen Zyklus, kann es sein, dass er noch in der Eireifungsphase durchgeführt wurde. Und dann würde ein niedriger Progesteronwert am 19. bis 21. Tag nicht auf eine Gelbkörperschwäche hindeuten, sondern wäre völlig normal.

Um die Diagnose sicherer zu machen, kann es sinnvoll sein, wenn du neben einer mehrmonatigen Messung deiner Basaltemperatur auch die Entwicklung deines Zervixschleims prüfst (symptothermale Methode). So kannst du mit etwas Übung auch deine fruchtbaren Tage bestimmen.

Dein Arzt wird zusätzlich testen, ob überhaupt ein Eisprung stattfindet und ob vielleicht eine Nebennierenschwäche vorliegt. In einem Gespräch wird er sich bei dir nach weiteren Symptomen erkundigen und fragen, ob du dauerhaft Medikamente einnimmst oder eine chronische Erkrankungen hast.
 

Zeitpunkt Konzentration im Blutserum in Nanogramm pro Milliliter
Erste Zyklushälfte < 0,1 ng/ml
Nach dem Eisprung 5 - 12 ng/ml
Erstes Trimester 10 - 50 ng/ml
Zweites Trimester 20 - 130 ng/ml
Drittes Trimester 130 - 423 ng/ml

Welche Ursachen hat eine Gelbkörperschwäche?

Die möglichen Ursachen einer Lutealinsuffizienz sind zahlreich. Sie kann die Folge einer unzureichenden Follikelreifung sein. Das ist zum Beispiel beim PCO-Syndrom der Fall. Ein anderer Grund ist eine zu geringe Stimulation der Eierstöcke durch eine unzureichende Produktion der Hormone FSH und LH in der Hirnanhangdrüse (Ovarialinsuffizienz). Auch die Einnahme der Pille kann anschließend eine Gelbkörperschwäche nach sich ziehen. Meist pendelt sich dein Hormonhaushalt innerhalb von drei Monaten wieder ein.
 
Diverse Erkrankungen des Darms, der Schilddrüse, der Bauchspeicheldrüse (etwa Diabetes) oder der Nebenniere sind ebenfalls mögliche Ursachen. Ein niedriger Progesteronwert kann auch den Beginn deiner Wechseljahre ankündigen.
 
Die Vielfalt der möglichen Ursachen zeigt, dass du am besten mit deiner Ärztin sprichst und deine Hormonwerte überprüfen lässt.

Kann ich trotz Gelbkörperschwäche schwanger werden?

Steht die Diagnose fest, ist sie auf keinen Fall das Ende deiner Hoffnung auf ein Baby. Auch Frauen mit Progesteronmangel können mit Hilfe einer Hormontherapie schwanger werden. Eine Lutealinsuffizienz lässt sich gut mit Medikamenten behandeln, die die verringerte Hormonproduktion ausgleichen. Viele Ärzte verschreiben zum Beispiel die Präparate Clomifen, Utrogest oder Duphaston.

Das Präparat Clomifen spielt dem Körper vor, dass nicht ausreichend Östrogen vorhanden ist. Dadurch wird die Produktion der Hormone FSH und LH angeregt, die wiederum in den Eierstöcken die Reifung der Eibläschen auslösen, die dann ihrerseits Östrogen produzieren. Aus einem guten Follikel entwickelt sich ein guter Gelbkörper.
 
Wird Progesteron verabreicht, kommt überwiegend natürliches Progesteron zum Einsatz, da es in seiner Molekülstruktur dem natürlichen menschlichen Gelbkörperhormon entspricht. Anders als synthetische Gestagene behandelt der weibliche Körper naturidentisches Progesteron wie ein körpereigenes Hormon. Es wird aus dem Pflanzenstoff Diosgenin hergestellt, der aus der Yamswurzel gewonnen wird.

Hat eine Progesteron-Therapie Nebenwirkungen?

Progesteron kann als Kapsel, Creme oder Pflaster verabreicht werden. Alle progesteronhaltigen Präparate sind verschreibungspflichtig. Da es bei einer oralen Einnahme häufig zu Völlegefühl oder Übelkeit kommt, sind Pflaster und Cremes Alternativen mit weniger Nebenwirkungen. Aber auch bei der äußeren Anwendung kann es zu Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Schmierblutungen kommen. Progesteronhaltige Cremes und Pflaster sind noch wenig erforscht und in Deutschland nicht stark verbreitet.

Kann man Gelbkörperschwäche alternativ behandeln?

Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus) wird schon lange bei unerfülltem Kinderwunsch angewendet. Die Wirkstoffe aus den Mönchspfeffersamen harmonisieren den Hormonhaushalt und steigern die Fruchtbarkeit. Vor allem hemmen sie die Prolaktin-Produktion. Prolaktin unterdrückt den Eisprung und fördert die Milchproduktion. Mönchspfeffer kann herkömmliche Therapien sinnvoll ergänzen.

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