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Das Glück der anderen Warum Kinderwagen so weh tun können

Eine Mutter spaziert mit ihrem Baby entlang der Promenade.
Eine Mutter spaziert mit ihrem Baby entlang der Promenade.
© Rasstock / Shutterstock
Wenn der Kinderwunsch unerfüllt bleibt, ist das häufig eine der schwersten Situationen im Leben. Es ist belastend und kaum zu ertragen. Flüchtige Begegnungen bewirken, dass die Tränen in einem aufsteigen. Jeder Kinderwagen kann einem in einer solchen Phase dann einen Stich versetzen.

Die ehemalige Eiskunstläuferin und Schauspielerin Tanja Szewczenko ist mittlerweile dreifache Mutter. 2011 wurde ihre Tochter Jona geboren und im April 2021 erblickten die eineiigen Zwillinge Leo und Louis das Licht der Welt. Auf den ersten Blick könnte es sich hier um eine Bilderbuchfamilie handeln – das mag jetzt vielleicht auch so sein, der Weg dahin war steinig und mit viel Schmerz verbunden.

Tanja Szewczenko erzählt, wie weh es ihr tat, andere Mütter mit Kinderwagen zu sehen

Tanja teilt auf ihrem Instagram-Account alles offen mit ihren Fans. Sie möchte andere ermutigen, für ihre Wünsche einzustehen. Fünf Jahre blieb der Wunsch einer zweiten Schwangerschaft unerfüllt, sie hatte mit Rückschlägen und Fehlgeburten zu kämpfen. Im September schrieb sie in einem Post: "Wie oft habe ich in den letzten Jahren davon geträumt, noch einmal einen Kinderwagen durch unser Dorf schieben zu dürfen!"

Sie wollte mit einem Kinderwagen entlang der Felder flanieren und anderen Fußgängern mit einem Lächeln im Gesicht zeigen, dass sie die glücklichste Mutter der Welt sei. "Fünf Sommer vergingen, in denen ich nur zuschauen durfte wie andere Frauen meinen Traum lebten", schreibt sie weiter. "Manchmal dachte ich, ich sehe nur noch Kinderwagen und lächelnde Mütter."

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Tanja Szewczenko sagt, sie sei häufig wütend und neidisch auf die anderen Mütter gewesen

Diese Begegnungen hätten ihr unwahrscheinlich wehgetan. Häufig habe sie ihre Tränen hinter einer Sonnenbrille versteckt, wenn sie beim Spaziergang mit Hund Guido wieder eine glückliche Mutter traf. Diese Konfrontationen mit dem eigenen unerfüllten Wunsch waren schwer und hätten sie teilweise auch wütend und neidisch gemacht – auch wenn sie jeder Einzelnen ihr Glück gönnte.

Die Einzige ist sie damit nicht. Nicht nur der Kinderwagen ist bei dem Thema ein Trigger, auch bei Verkündungen von Freunden mischen sich die Emotionen von Freude und Neid ineinander. Einige haben irgendwann das Gefühl, sich nicht mehr für andere freuen zu können.

Neid ist eine sozial unerwünschte Emotion und gilt gemeinhin als etwas Schlechtes. Niemand möchte als missgünstig betitelt werden, daher wird meist versucht, das Gefühl zu unterdrücken oder zu überspielen. Abzugrenzen ist der Neid von der Eifersucht. Während es bei Neid meist um Besitz, Erfolg und Fähigkeiten geht, ist die Eifersucht eher an emotionale Ressourcen wie Liebe gebunden.

Neid ist ein grundlegendes menschliches Bedürfnis

Es handelt sich bei Neid sogar um ein grundlegendes menschliches Bedürfnis, sich selbst für wichtig und wertvoll zu halten. Wer Neid empfindet, gewinnt nach der "Theorie des sozialen Vergleichs" des US-amerikanischen Psychologen Leon Festinger, Informationen über sich selbst.

Trotzdem ist Neid häufig der Motor für Krisen und Brüche. Tanja Szewchzenko stellte sich bei den Begegnungen mit den Kinderwagen immer wieder die Fragen: "Warum sie und nicht ich? Warum alle und nicht ich?" Dunkle Wolken hätten sich über ihr Gemüt gelegt, einfach so, ohne dass sie es steuern konnte. Sie schreibt, dass sie sich manchmal dafür geschämt habe, so zu empfinden. Doch eigentlich hat ihr Körper ihr nur das Signal gegeben: Mir fehlt etwas.

Wenn der Kinderwunsch unerreichbar bleibt, müssen neue Perspektiven her

Während der Neid auf eine höhere berufliche Position oder ein schönes neues Auto durch eigene Disziplin erreichbar ist, ist es das bei einem unerfüllten Kinderwunsch häufig nicht. Es gibt nicht wenige Paare, die sich nach jahrelanger Behandlung eingestehen müssen, dass der Wunsch unerfüllt bleibt. Dann kommt der Punkt, an dem man die Sehnsucht irgendwie ertragen muss. Einen ultimativen Rat gibt es da leider nicht. Wichtig ist aber eines: Der Neid auf andere darf einen nicht zerfressen.

Es kann helfen. die Perspektive zu wechseln. Neue Ziele für die Zukunft zu suchen und ein eigenes Selbstverständnis von Liebe, Partnerschaft und Familie zu entwickeln. Vielen helfen neue Projekte, in die sie ihre Energie stecken können, andere brauchen Gespräche. Vor einer professionellen Beratung sollte niemals zurückgeschreckt werden. Vor allem ist aber eines wichtig: Gefühle und Emotionen dürfen da sein und rausgelassen werden.

Verwendete Quellen: Instagram.com, quarks.de

ELTERN

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