Hormontherapie
 
Endlich schwanger - dank Hormonen?

Die wichtigsten Fragen zur Hormontherapie: Welchen Paaren kann sie helfen, wie lange dauert sie - und was passiert dabei eigentlich?

Kinderwunsch: Hormontherapie
Thinkstock, Artfoliophoto

Unentbehrliche Hormone

Hormone steuern die meisten Abläufe im Körper. Damit sich Samenfäden entwickeln oder Eizellen reifen können, braucht es diese Botenstoffe.
 

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Hormonstörungen können bei Frau und Mann auftreten

Eine Störung der Hormone kann Frauen und Männer betreffen. Hat der Mann zum Beispiel einen Mangel an bestimmten Hormonen, kann das zu einer Unterfunktion der Hoden führen. Dann raten manche Ärzte dazu, die fehlenden Hormone als Präparate einzunehmen oder als Spritzen zu geben. Hormone können Männern jedoch nicht so oft helfen wie Frauen.

Therapie mit Clomifen oder FSH

Bei Frauen kann es zum Beispiel an der Schilddrüse liegen. Ist das Hormonsystem im Ungleichgewicht, können die Eizellen nicht gut reifen oder der Eisprung ist gestört. Manchmal funktionieren auch die Eierstöcke nicht richtig, obwohl die Hormonwerte normal sind. In solchen Fällen ist eine Hormontherapie sinnvoll. Die Frau nimmt dann Tabletten mit Clomifen ein oder spritzt sich das follikelstimuliernde Hormon (FSH), um den natürlichen Zyklus zu stimulieren. Zusätzlich kann das Gelbkörper-Hormon LH (luteinisierendes Hormon) helfen. In allen Fällen unterstützt die Hormontherapie, dass die Eizellen gut reifen und der Eisprung ausgelöst wird.

Keine Sorge, heute werden keine "Hormonbomben" mehr verabreicht. Die Ärzte überwachen genau, wie viele Hormone die Frau braucht und was sie in ihrem Körper bewirken. So kann auch der ideale Zeitpunkt für die Befruchtung bestimmt werden - möglichst nahe am Eisprung.
 

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Hormontherapie bei Kinderwunschbehandlung mit Hilfe der Reproduktionsmedizin

Soll bei der Befruchtung die Reproduktionsmedizin helfen, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Die Hormontherapie schafft quasi die optimalen Bedingungen dafür. Werden die Hormone etwas höher dosiert, können sie die Eierstöcke innerhalb eines Monatszyklus dazu anregen, mehrere Eibläschen zu bilden. Das bedeutet mehr Eizellen und somit auch mehr Embryos, die der Frau nach der künstlichen Befruchtung wieder eingesetzt werden können.
 

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Hormontherapie bei der Insemination

Bei der Insemination bringt ein Arzt die Samenzellen des Mannes in die Gebärmutterhöhle der Frau, möglichst nahe an die Eizelle. (Die Samen wurden zuvor im Labor aufbereitet, nachdem sie der Mann durch Masturbation gewonnen hat). So können viele gute Samenzellen dicht an die Eizelle herankommen. Angewendet wird diese Methode zum Beispiel, wenn der Mann nicht genügend oder schlecht bewegliche Spermien hat oder die Frau einen verengten Gebärmutterhals.

Bevor der Arzt inseminiert, kann die Hormontherapie erreichen, dass die Eizellen besser reifen (zum Beispiel durch Gabe von FSH) und der Eisprung ausgelöst wird (durch die Gabe von hCG).
 

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Hormontherapie bei der In-Vitro-Fertilisation

Auch bei der In-Vitro-Fertilistation (künstliche Befruchtung im Reagenzglas, kurz IVF), ist die Hormontherapie eine gute Vorbereitung.

Bei der IVF werden die Eizellen der Frau mit dem aufbereiteten Sperma des Mannes (besonders mobile und schnelle Spermien) in einem Reagenzglas zusammengebracht. Pro Behandlungszyklus werden maximal drei Eizellen mit dem männlichen Samen befruchtet. Danach werden die Embryonen in die Gebärmutter eingepflanzt. Der Erfolg der Behandlung hängt dann davon ab, ob sich der Embryo in der Gebärmutter einnisten und dort entwickeln kann.

Und hier beantworten wir die wichtigsten Fragen:

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Ist eine Hormontherapie bei der Kinderwunschbehandlung wirklich notwendig?

Grundsätzlich kann eine Kinderwunschbehandlung auch ohne die Gabe von Hormonen durchgeführt werden. Die erste IVF-Schwangerschaft entstand 1978 ohne eine Stimulation der Eierstöcke. Auch eine Insemination, IVF oder ICSI (= die Samenzelle des Mannes wird unter dem Mikroskop direkt in das Zytoplasma einer Eizelle gespritzt) ist ohne eine unterstützende Hormontherapie möglich. Allerdings ist die Chance auf Erfolg größer, wenn mehr als eine Eizelle im Behandlungszyklus heranreift.

Wie funktioniert die Hormontherapie genau?

Die Hormontherapie soll einen optimalen Verlauf der ersten Zyklushälfte bewirken, also die bestmögliche Eibläschen-Reifung (Eibläschen = Follikel). Wie viele Follikel sich entwickeln, schaut sich der Arzt beim Ultraschall an. Er kontrolliert auch die Hormonwerte und kann sie gegebenenfalls anpassen.

Der erste Schritt bei der Hormontherapie sind oft Tabletten mit Clomifen. Clomifen regt die Eierstöcke auf indirektem Weg an: es aktiviert die Hormone im Gehirn.

Führt das nicht zum Erfolg, kann eine Behandlung mit Gonadotropinen helfen. Diese Hormone regen die Eierstöcke auf direktem Weg an, wirken also nicht übers Gehirn, sondern unmittelbar am "Ort des Geschehens". Gonadotropine gibt es nur als Spritzen, die sich die Frau selbst unter die Haut spritzen kann (subkutan). Der Vorteil: Gonadotropine können sehr individuell angepasst werden. Das dabei eingesetzte Hormon FSH (= Follikel-Stimulierendes Hormon) entspricht dem körpereigenen FSH.

Die Hormontherapie kann auch den Verlauf der zweiten Zyklushälfte verbessern, indem sie den Eisprung anregt. Dazu spritzt sich die Frau das Schwangerschaftshormon hCG (humanes Choriongonadotropin). Nimmt die Frau außerdem das Gelbkörperhormon Progesteron ein, kann der Eisprung zusätzlich unterstützt werden.

 

Was bedeutet die Hormontherapie für die Frau?

Vor Beginn der Stimulation wird meist ein Ultraschall durchgeführt, um eine Zyste an den Eierstöcken auszuschließen. Die Gonadotropine werden dann häufig vom dritten Zyklustag an gegeben, mit einer täglichen Injektion. Die Frau kann sich die Spritzen selbst geben, was mit den modernen "Pens" recht einfach ist. Die Dosierung hängt von der Therapie ab. Sie fällt bei einer "Reagenzglasmethode" höher aus als beispielsweise bei einer Insemination.
Je höher die Hormone dosiert sind, desto mehr Ultraschallkontrollen führt der Arzt durch. So kann er die Anzahl und Größe der Eibläschen feststellen. Zusätzlich untersucht der Arzt die sogenannten Östradiolwerte (geben Aufschluss darüber, wie reif die Eizellen sind) und das eisprungauslösende Hormon. Je nachdem wie hoch diese Werte ausfallen, wird der Arzt die Medikamente anpassen.

Wie lang muss eine Hormontherapie durchgeführt werden?

Bei manchen Frauen stellt sich der Erfolg sofort ein, bei anderen dauert es etwas länger. Durchschnittlich werden etwa 40 Prozent der behandelten Frauen schwanger, mit Schwankungen zwischen 25 und 80 Prozent. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass die meisten Schwangerschaften spätestens nach vier bis sechs Behandlungszyklen eintreten. Wer sich zur Hormontherapie entschließt, sollte also etwas Geduld mitbringen.

 

Mit welchen Nebenwirkungen müssen Frauen bei der Hormontherapie rechnen?

Viele Frauen vertragen die in der Kinderwunschbehandlung eingesetzten Hormone gut. Die Medikamente können aber auch Nebenwirkungen haben. Diese sind unangenehm, verschwinden jedoch nach dem Absetzen - zum Beispiel Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Übelkeit, Kopfschmerzen, Schwindelgefühle oder Abgeschlagenheit.

Welche Risiken gibt es bei einer Hormontherapie?

Stimuliert die Frau ihren Zyklus mit Hormonen, sind gewisse Risiken nicht gänzlich auszuschließen. Gegenüber dem Nutzen sind die Risiken jedoch zum Glück relativ gering. Sehr selten kann es zu einem sogenannten Überstimulationssysndrom kommen (dabei verdreht sich der Eierstock um die eigene Achse und unterbindet die Blutzufuhr). Um solch eine Gefahr auszuschließen, überwacht der Arzt die Eierstöcke jedoch ganz genau. Auch das Risiko für Thrombosen (Blutgerinnsel) steigt bei einer Hormontherapie etwas an.
Wer eine Hormontherapie macht, sollte sich ebenfalls im Klaren sein, dass sich die Chance auf eine Mehrlingsschwangerschaft erhöht.

Warum kommt es bei der Hormontherapie oft zu Mehrlingsgeburten?

Für die Reagenzglasbefruchtung hat der Gesetzgeber festgelegt, dass die Frau maximal drei Embryonen eingesetzt bekommen darf. Normalerweise geben die Mediziner Frauen bis 38 Jahren zwei Embryonen zurück.Einerseits wird damit die Chance auf die erfolgreiche Einnistung eines Embryos erhöht, andererseits können sich aber auch beide Embryonen einnisten, was zu einer Zwillingsschwangerschaft führt. Drillingsschwangerschaften kommen nur noch sehr selten vor. Denn drei Embryonen werden meist nur Frauen über 40 eingepflanzt - wo sich in den wenigsten Fällen alle drei Embryonen entwickeln.

Was sollte man während der Hormontherapie beachten?

Grundsätzlich sollte die Frau bei einer Hormonbehandlung dasselbe tun - bzw. lassen - was für die Vorbereitung auf eine Schwangerschaft gilt:

  • Sich gesund und ausgewogen ernähren, mit Vitaminen, Spurenelementen und genügend Folsäure.
  • Nicht übermäßig viel Alkohol trinken.
  • Finger weg von Zigaretten, denn Nikotin verengt die Gefäße (sonst findet die Eizelle im Falle einer Schwangerschaft keine günstigen Einnistungsbedingungen vor).

Ist eine Hormontherapie teuer?

Die alleinige Hormontherapie wird von den Krankenkassen und privaten Versicherungen erstattet. Wird die Hormontherapie jedoch mit reproduktionsmedizinischen Behandlungsmethoden kombiniert (z.B. Insemination, IVF oder ICSI), müssen Kassenpatientinnen 50 Prozent der Kosten tragen, private Versicherungen erstatten die gesamten Kosten.

Insgesamt sind die anfallenden Kosten individuell und schwer vorhersagbar, die Paare sollten sich bei ihrer Versicherung erkundigen und ihren behandelnden Arzt darauf ansprechen.

Hier finden Sie weitere Infos zu den Behandlungskosten bei der Kinderwunschmedizin.



Wissenschaftliche Beratung: Prof. Dr. Wolfgang Würfel vom Kinderwunsch Centrum München.