Künstliche Befruchtung
 
Insemination: Weniger Hürden auf dem Weg zur Eizelle

Auf natürliche Weise klappt es nicht mit dem Kinderwunsch? Sollte es an der Qualität der Spermien liegen, kann eine Insemination helfen. Das direkte Einspritzen konzentrierter Samenflüssigkeit in Gebärmutter oder Eileiter verkürzt den Weg der Samenzellen, die Chancen auf eine Schwangerschaft steigen. Wir erklären die Details.

Intrauterine Insemination: Weniger Hürden auf dem Weg zur Eizelle
Thinkstock, Photodisc
Inhalt: 
Was bedeutet homologe Insemination?Für wen eignet sich eine Insemination? Wie groß sind die Chancen auf eine Schwangerschaft?Wie können Paare die Erfolgsquote beeinflussen?Was kostet eine Insemination?Zahlt die Kasse den Eingriff?Was tun, wenn es nicht geklappt hat?

Was ist eine Insemination?

Eine Insemination ist eine Samenübertragung. Die Spermien werden dabei näher an die befruchtungsfähige Eizelle gebracht. Um die Erfolgschancen zu erhöhen, werden der Frau bei diesem relativ einfachen Verfahren der künstlichen Befruchtung die Samenzellen direkt in Gebärmutter (Intrauterine Insemination, kurz IUI) oder Eileiter eingespritzt. Die Befruchtung selbst läuft dabei völlig natürlich ab. Der an Ort und Stelle gebrachte Samen muss selbständig mit der Eizelle verschmelzen.

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Wie ist der Ablauf einer Insemination?

Eisprung ermitteln: Für den Erfolg einer Insemination ist es wichtig, den genauen Zeitpunkt des Eisprungs zu kennen. Der Gynäkologe überwacht mittels Ultraschall die Reifung der Eibläschen und misst den LH-Wert (Ovulationstest). Hat die Kinderwunschpatientin ohnehin einen sehr regelmäßigen Zyklus und überwacht ihn vielleicht auch selbst, kann auch eine Samenübertragung im natürlichen Zyklus erfolgreich sein.

Hormongabe: Ist der Zyklus eher unregelmäßig, die Reifung der Eizellen gestört oder sprechen andere Gründe gegen eine Insemination im spontanen Zyklus, sind die Erfolgschancen größer, wenn die Eizellreifung durch Hormongaben unterstützt wird. Die Dosis wird sehr genau auf die Patientin abgestimmt. Die Frau kann sich die Medikamente (z.B. Clomifen oder das follikelstimulierende Hormon (FSH)) mit einem sogenannten Pen selbst spritzen. Der Arzt überwacht regelmäßig die Reifung der Eibläschen in den Eierstöcken. Auch der Eisprung kann in einem stimulierten Zyklus durch die Gabe des Hormons HCG kontrolliert ausgelöst werden.

Samengewinnung: Der Mann gewinnt seinen Samen, indem er masturbiert und das Sperma in einem Becher auffängt. Vor der Übertragung wird das Ejakulat gereinigt und konzentriert. Dabei werden die äußerlich gesunden und beweglichen Samenzellen ausgewählt  und die Dichte gesunder Spermien erhöht. So steigt die Chance auf eine erfolgreiche Befruchtung.

Insemination: Der Arzt überträgt das aufbereitete Sperma mit einem sehr dünnen Katheter vaginal in die Gebärmutterhöhle. Läuft alles reibungslos, treffen die Samenzellen auf eine reife Eizelle, die nach dem Eisprung gerade unterwegs durch den Eileiter ist. Der Eingriff ist nicht angenehm, aber schmerzlos. Nach einer kurzen Ruhephase kann die Patientin nach Hause gehen.

Schwangerschaftstest: Ob die Behandlung erfolgreich war und eine Schwangerschaft vorliegt, erfährt das Paar nach etwa 14 Tagen durch einen Schwangerschaftstest.

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Welche Arten der Insemination gibt es?

Bei einer Insemination gibt es unterschiedliche Varianten. Sie unterscheiden sich nach dem Ort, an den die Spermien gebracht werden. Die am häufigsten durchgeführten Methoden sind die Intrauterine Insemination (IUI), bei der die Spermien direkt in die Gebärmutter gespritzt werden, und die Intratubare Insemination. Bei dieser Variante spritzt der Arzt die Samenzellen direkt in die Eileiter, was eine weitere Verkürzung des Wegs bedeutet. Ein Injizieren der Spermien in den Gebärmutterhals (Intrazervikale Insemination) oder ein Platzieren in einer Kappe vor dem Muttermund (Kappeninsemination) wird heute selten durchgeführt.

Was bedeutet homologe Insemination?

Stammt das Sperma vom eigenen Partner, spricht man in der Fruchtbarkeitsmedizin von einer homologen Insemination. Eine heterologe Insemination liegt demnach vor, wenn Fremdsperma genutzt wird. Dies ist der Fall, wenn die Spermienqualität des Partners zu gering ist, wenn die Patientin ein Kind ohne Partner bekommen will oder eine Frau in einer homosexuellen Partnerschaft schwanger werden möchte. Wird Fremdsperma genutzt, übernimmt die Krankenkasse die Behandlung in der Regel nicht.

Für wen eignet sich eine Insemination?

Eine Insemination eignet sich besonders für Paare mit leichten bis mittelgradigen Fruchtbarkeitsstörungen. Häufig ist sie auch die erste Behandlungsoption, wenn die Gründe für die Sterilität noch unklar sind.
Diese Methode der künstlichen Befruchtung wird besonders häufig angewandt, wenn die Spermiendichte des Mannes zu gering ist oder sich die Samenzellen zu langsam bewegen. Auch eine Verengung des Gebärmutterhalses kann ein Grund sein, sich für diese Behandlungsmethode zu entscheiden. Durch eine Samenübertragung überwinden die Spermien künstlich den Schleimpfropf am Gebärmutterhals, der durch den sie sonst nicht durchkommen würden.  
Außerdem nutzen Frauen ohne männlichen Partner die Methode, um mit Hilfe eines Samenspenders schwanger zu werden. Der Eingriff ist rein rechtlich gesehen unproblematisch. Viele Fruchtbarkeitsmediziner lehnen eine Kinderwunschbehandlung von Frauen in einer homosexuellen Partnerschaft dennoch ab, da die Berufsordnungen mancher Landesärztekammern sie verbietet. Darüber hinaus fürchten die Ärzte auch spätere Unterhaltsklagen. In den USA oder den Niederlanden ist es hingegen nicht ungewöhnlich, dass sich lesbische oder alleinstehende Frauen ihren Kinderwunsch mit einer anonymen Samenspende erfüllen. Finden sie keine Praxis, die eine Samenübertragung vornimmt, bleibt die Heiminsemination, auch Bechermethode genannt. Dabei injiziert sich die Frau das Fremdsperma selbst.

Wie groß sind die Chancen auf eine Schwangerschaft?

Pro Versuch liegt die Erfolgsquote bei 15 bis 20 Prozent. Rein statistisch betrachtet sind also mehrere Versuche notwendig, um nach einer Insemination ein Kind zu bekommen. Die Erfolgsrate steigt durch eine hormonelle Stimulation der Eierstöcke. Sie bewirkt, dass mehrere Eizellen zeitgleich reifen und befruchtungsfähig sind.
Die gestiegene Erfolgsquote nach einer hormonellen Stimulation hat auch eine Kehrseite. Das Risiko einer Mehrlingsschwangerschaft steigt. Im Allgemeinen vertragen Frauen die Medikamente, die in der Kinderwunschbehandlung eingesetzt werden gut, da sie individuell abgestimmt werden. Einige Patientinnen klagen aber während der Hormontherapie auch über Hitzewallungen, Übelkeit, Kopfschmerzen, Schweißausbrüche oder Schwindelgefühle. Diese Nebenwirkungen verschwinden nach dem Absetzen der Medikamente normalerweise wieder.
Eine ernstere Nebenwirkung ist das sogenannte Hyperstimulationssyndrom (OHSS). Durch eine regelmäßige Ultraschallüberwachung der Eierstöcke kann aber auch dieses Risiko stark minimiert werden. 2016 waren laut IVF-Register nur 0,2 der Frauen, die sich im Rahmen einer künstlichen Befruchtung einer Hormonbehandlung unterzogen, von einer schweren Form der Überstimulation betroffen.

Wie können Paare die Erfolgsquote beeinflussen?

Eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung (genug Vitamine und Folsäure), Bewegung, ohne Alkohol und Nikotin optimiert die persönlichen körperlichen Bedingungen für Befruchtung und Einnistung – das gilt bei einer Insemination genauso wie beim Versuch, auf natürlichem Wege schwanger zu werden.

Was kostet eine Insemination?

Eine Behandlung kostet ungefähr 200 Euro pro Zyklus. Hinzu kommen die individuell notwendigen Medikamente. Bei einer hormonellen Stimulation belaufen sich die Kosten auf circa 300 bis 800 Euro.

Zahlt die Kasse den Eingriff?

Die gesetzliche Krankenkasse zahlt die Hälfte von bis zu acht Versuchen innerhalb des natürlichen Zyklus und die Hälfte von bis zu drei Versuchen mit hormoneller Unterstützung. Die andere Hälfte tragen die Versicherten mit unerfülltem Kinderwunsch selbst. In einigen Bundesländern besteht die Chance, sich die Kinderwunschbehandlung staatlich unterstützen zu lassen. Einzelheiten dazu findest Du in unserem Artikel Künstliche Befruchtung: Kosten und finanzielle Unterstützung. Das Paar muss, wie bei anderen Methoden künstlicher Befruchtung auch, eine Reihe von Voraussetzungen erfüllen. Unter anderem muss die Frau unter 40 und der Mann unter 50 Jahre alt sein und der Samen muss vom Partner stammen. Darüber hinaus muss der Arzt der Krankenkasse vor Beginn des Eingriffs einen Behandlungsplan vorlegen, den diese genehmigen muss.

Was tun, wenn es nicht geklappt hat?

Falls die Insemination auch nach mehreren Versuchen nicht zur ersehnten Schwangerschaft führt, wird der Arzt mit dir über andere Methoden künstlicher Befruchtung sprechen. Je nach Qualität der Spermien kommt eine In-Vitro-Fertilisation (IVF) oder eine Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) in Frage. Bei einer ICSI wird langsamen Spermien der Weg in die weibliche Keimzelle komplett erspart. Sie werden direkt injiziert und reifen im Labor zu einer embryonalen Vorstufe heran, die dann in die Gebärmutter eingesetzt wird. Bei der IVF müssen Ei- und Samenzellen im Reagenzglas selbst zusammenfinden.
Die Kosten für eine IVF oder ICSI tragen die gesetzlichen Krankenkassen ebenfalls für bis zu drei Behandlungen zur Hälfte.