Kinderwunschbehandlung
 
Elternglück - in den USA ein gutes Geschäft

In den USA können kinderlose Paare die Dienste konkurrierender Agenturen, Ärzte, Leihmütter, Sperma- und Eizellspender in Anspruch nehmen. Ein - teures - Vorbild für Deutschland? Geo.de-Redakteurin Andrea Böhm berichtet

Täglicher Chemie-Cocktail

Kinderwunschbehandlung: Elternglück - in den USA ein gutes Geschäft

Es ist jetzt fast zwei Jahre her, dass Marco Serra seiner Frau Michaela zum letzten Mal eine Spritze setzte. Es gab Zeiten, da verabreichte er ihr jeden Tag eine Injektion - in den Schenkel, in den Bauch, ins Gesäß. Manchmal kam Michaela abends von der Arbeit nach Hause, schob zuerst den Hintern durch die Tür und sagte: "Liebling, wo ist mein Schuss?" Meist stand Marco schon im Flur, in der einen Hand die Nadel, in der anderen die Wunderdroge. So ging das, mit kleinen Unterbrechungen, fast zehn Jahre lang bis zum September 2001. Da endlich beschloss Michaela, auf Entzug zu gehen.

Der Stoff war legal - Lupron, Pergonal, Fertinex. Schließlich ist es nicht verboten, mithilfe der Pharmaindustrie schwanger zu werden. Wenn es um Unfruchtbarkeit geht, ist in den USA fast alles erlaubt. Die Serras sind nach vier künstlichen Inseminationen, acht Versuchen mit In-vitro-Fertilisation (IVF), einem Cytoplasma-Transfer und der Inanspruchnahme einer Eizellspenderin weiterhin kinderlos - und rund 250.000 Dollar ärmer. Aber sie haben neun Embryonen produziert, die derzeit im Tiefkühltank eines Labors lagern. Für diese auf Eis gelegte Elternschaft zahlen sie jährlich 500 Dollar "Miete". Was nun mit den Embryonen passieren soll, ist derzeit Gegenstand heftiger ehelicher Diskussionen.

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Mit 48 Jahren schwanger werden

Michaela Serra ist 48 Jahre alt. Man sieht ihr die Torturen nicht an, die sie ihrem Körper zugemutet hat. Sie ist gertenschlank, trägt wieder Kleidergröße Zwei statt Acht, die sie brauchte, wenn sie "auf Lupron war und aufging wie ein Kuchen". Sie spricht mit der gepressten Konzentration eines Menschen mit übervollem Terminkalender und verdient genug Geld, um sich auf der Jagd nach dem eigenen Kind nicht zu verschulden. Michaela Serra hat in Manhattan als Kinesiotherapeutin einen exzellenten Namen, der allerdings auf ihren Wunsch in diesem Artikel geändert ist. Marco Serra, ebenfalls 48, wartet noch auf seinen Durchbruch als Schriftsteller, weswegen sein finanzieller Beitrag zur Familienplanung eher bescheiden ausfällt.

Maßgeschneidertes Glück?

Man muss einmal in einem New Yorker Wartezimmer gewesen sein, um zu begreifen, wie der Wunsch nach einem Kind zum Anspruch auf das maßgeschneiderte Glück mutieren kann. Anwältinnen, Journalistinnen, Börsenmaklerinnen oder gut betuchte Ehefrauen mit vier Ehrenämtern finden sich hier zur Eizellentnahme oder zum Bluttest ein - alle Ende dreißig, Anfang vierzig, alle voll gepumpt mit Hormonen, alle mit derselben Entschlossenheit in den Augen.

Es gibt inzwischen über 400 Fortpflanzungskliniken in den USA. Nirgendwo dürfte die Dichte so hoch und die Erwartungshaltung der Hilfesuchenden so groß sein wie in New York, wo die Menschen weniger Geduld haben als anderswo. Alles ist im Angebot: Im Internet können allein stehende Frauen oder lesbische Paare Samen auswählen, sortiert nach genetischen Merkmalen, Intelligenzquotienten und Charaktereigenschaften des Spenders, lieferbar per Expressboten über Nacht, weswegen man in der Branche auch vom "overnight-male" spricht.

Werden fremde Eizellen gebraucht, verkaufen Studentinnen an Universitätskliniken ihre Dienste - für 7.000 Dollar und mehr. Agenturen vermitteln Leihmütter, wenn die Klientin selbst nicht mehr gebären kann - oder will. Kosten: rund 50.000 Dollar. Wer nach einer preisgünstigeren Variante sucht, kann "adoptieren", soll heißen: sich den Embryo eines fremden Paares einsetzen lassen. Dann beläuft sich die Rechnung auf "nur" 3.000 Dollar.

35.000 Amerikaner werden künstlich gezeugt

Die Fortpflanzungsindustrie macht Milliarden-Umsätze

Die USA sind das einzige Land, in dem die "Kinderwunsch-Behandlung" vor allem durch die Gesetze des Marktes geregelt wird. Die Fortpflanzungsindustrie macht jedes Jahr Milliarden-Umsätze. Rund 100. 000 Mal kamen im Jahr 2000 Techniken der künstlichen Reproduktion zum Einsatz, 35.000 Kinder erblickten dank künstlicher Befruchtung, Eizellspenden, Samenspenden oder Leihmüttern das Licht der Welt.

Das macht bislang zwar nur ein Prozent der jährlichen Geburten in den USA aus, doch die Kinderwunsch-Industrie darf auf Expansion setzen. Denn: Rund sechs Millionen amerikanische Männer und Frauen sind von Unfruchtbarkeit betroffen. Zudem schieben immer mehr berufstätige Frauen ihre Mutterschaft hinaus und bilden ein schier unerschöpfliches Reservoir an Klientinnen. Strengere Gesetze im Ausland bescheren dem Markt zudem einen wachsenden Zustrom internationaler Kunden - vor allem aus Japan, Deutschland, Italien, Lateinamerika und Russland.

Immer mehr immer ältere Eltern

Manchmal beschleichen selbst den Experten Zweifel

Es ist Freitagmorgen, zehn Uhr. Im Center for Women's Reproductive Care am Broadway trifft sich Doktor Mark Sauer mit zwei Mitarbeitern. Sauer ist einer der großen Stars im Feld der Reproduktionsmedizin. Das schließt mit ein, dass er gern an Tabus rührt und die Bioethiker regelmäßig in Empörung versetzt. 1991 geriet Mark Sauer zum ersten Mal in die Schlagzeilen, als er Jonie Mosby Mitchell mithilfe von Hormonspritzen, einer Eizellspende und In-Vitro-Fertilisation - der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle in einem Glasschälchen und Verpflanzung des so gewonnenen Embryos in den Mutterleib - zur Schwangerschaft verhalf. Jonie Mosby Mitchell war zu diesem Zeitpunkt 52 Jahre alt.

Heute beschleichen Sauer manchmal Zweifel, ob Eltern, die bei der Einschulung ihrer Kinder schon einen Seniorenpass haben, wirklich das Fundament für eine glückliche Familie bilden. "Aber der Mensch", sagt der Doktor lakonisch, "hat nun einmal das enorme Bedürfnis, eigenen Nachwuchs hervorzubringen."

Sauer behandelt jährlich etwa 150 unfruchtbare Klienten - oder solche, die nach ein paar Jahren mit verhütungsfreiem Sex ungeduldig geworden sind. Das Ehepaar Serra saß erstmals im Sommer 2000 bei ihm im Sprechzimmer. Da war Michaela bereits 45 Jahre alt, hatte sieben IVF-Zyklen hinter sich und war zum nächsten Schritt bereit: schwanger zu werden mit einem Kind, das in der Petri-Schale mit Marcos Samen und der Eizelle einer Spenderin gezeugt werden sollte. Kosten: rund 20.000 Dollar.

Ein Privileg für Reiche?

Wären sie ein Jahr früher gekommen, hätte Sauer ihnen eine preiswertere Option anbieten können: hausgemachte Embryonen. Amerikanische Krankenversicherungen übernehmen nämlich, wenn überhaupt, nur die Kosten für den ersten IVF-Zyklus. Eizellspenden, Leihmütter und andere Hilfsmittel sind aus eigener Tasche zu bezahlen. Das vermeintliche "Recht auf Fortpflanzung" ist so zum Privileg der Reichen geworden. Das hatte Mark Sauer, der sich gern auf der liberalen Seite des politischen Spektrums einordnet, schon lange geärgert.

Als er eines Tages wieder einmal mit Spender-Eizellen dastand, deren vorgesehene Empfängerin kurzfristig abgesprungen war, bestellte er bei einer kommerziellen Samenbank ein paar Röhrchen und ließ Eizelle und Samen in der Petri-Schale verschmelzen. Bei den Auswahlkriterien beschränkte er sich auf ein grobes Raster: blond-blauäugig oder schwarzhaarig mit braunen Augen. Die Embryonen bot Sauer weniger gut betuchten Paaren zur "Adoption" an. Die hatten dann zwar keinen weiteren Einfluss mehr bei der Auswahl genetischer Merkmale, zahlten dafür aber nur die Kosten für den Transfer des keimenden Lebens in die Gebärmutter der Frau: 2.700 Dollar. Es war, wenn man so will, das Modell von der Stange.

Was möglich ist, wird auch gemacht

Sauer hatte sich, wohlgemerkt, nicht strafbar gemacht. Kein Gesetz und kein Gericht verbietet amerikanischen Ärzten, Embryonen nach ihrem Gusto zu kreieren - vorausgesetzt, sie haben das Einverständnis der Eizellspenderin.

"Grundsätzlich gilt: Wenn es in nur einem Tierversuch geklappt hat, wird es an einer Frau ausprobiert", schreibt Lori Andrews, Jura-Professorin und kritische Chronistin der amerikanischen Kinderwunsch-Industrie. Es war "learning by doing" - egal, ob es um die Stimulation von Eierstöcken ging, um die intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI), wie das Einschleusen eines einzelnen Spermiums in die Eizelle im Fachjargon heißt, oder den Embryotransfer. Die Gesetzgeber der einzelnen Bundesstaaten machten kaum Anstalten, der Reproduktionsmedizin Grenzen zu setzen.

Kurz nach der Geburt von Louise Brown, dem ersten IVF-Baby, im Jahre 1978 verabschiedete das Parlament von Illinois ein "Abschreckungsgesetz": Es erlegte Ärzten eine Fürsorgepflicht für alle Embryonen auf, die sie in ihrer Praxis per IVF zeugten. Ein Bundesgericht erklärte das Gesetz wenig später für verfassungswidrig. Seither verfahren die Bundesstaaten im Umgang mit der Fortpflanzungsmedizin nach zwei Grundsätzen. Erstens: Was machbar ist, kann gemacht werden. Zweitens: Um die entstehenden Probleme kümmern sich die Gerichte.

Starker Anstieg von Mehrlingsschwangerschaften

Es ist üblich, älteren Frauen fünf oder sechs Embryonen einzusetzen

Eine Folge der Laisser-faire-Politik ist ein rasanter Anstieg von Mehrlingsschwangerschaften. In den USA gibt es im Gegensatz zu Deutschland kein Gesetz, das die Zahl der Embryonen begrenzt, die einer IVF-Patientin eingesetzt werden dürfen. Je mehr desto besser, lautete anfangs die Devise. Auch heute ist es noch üblich, älteren Frauen fünf oder sechs Embryonen zu implantieren - nach der Devise: Einer kommt durch.

Die teilweise tragischen Folgen der künstlich herbeigeführten Mehrlingsschwangerschaften offenbaren sich in den Entbindungsstationen, wo Frühgeburten mit schweren Gesundheitsschäden versorgt werden müssen; oder in den Kliniken und Arztpraxen, wo sich Frauen zur "selective reduction" einfinden - also einer oder mehrere der Embryos getötet werden, damit die anderen eine größere Chance haben, sich gut zu entwickeln.

Eizellspenderinnen und Leihmütter

Mein Mann wollte, dass die Spenderin grüne Augen hat wie ich

Der Wilshire Boulevard ist Los Angeles' "Einkaufsstraße" für Babys. Zwischen Palmen und makellos gepflegten Rasenflächen verbirgt sich hinter Hausnummer 5455 das CHA Fertility Center von Doktor Thomas Kim, der nicht nur In-vitro-Fertilisation, sondern auch die neueste medizinische Tiefkühltechnik anbietet. Ein paar Blocks westlich, hinter Nummer 5757, befindet sich das Büro von Growing Generations, einer Babywunsch-Agentur für Homosexuelle. Hausnummer 4727, Suite 600, ist die Anschrift von Shelley Smith, M. F. C. C. Die Abkürzung steht für Marriage, Family and Child Counselor, "Ehe-, Familien- und Kinderberaterin". Shelley Smith vermittelt Eizellspenderinnen und Leihmütter.

Vor 13 Jahren hatte sie im Traum die Eingebung, ihre schleppende Karriere als Fernsehschauspielerin aufzugeben und einen Handel mit Eizellen zu eröffnen. Sie gab eine Anzeige in einer Zeitschrift für Schauspieler auf und fand so ihre ersten Spenderinnen. Einige Ärzte erklärten sich bereit, kinderlose Paare an sie zu vermitteln. Die juristische Lage sei damals noch "etwas verworren" gewesen. Shelley Smiths Spenderinnen unterschrieben am Tag der Eizellentnahme in der Arztpraxis eine Verpflichtung, auf das Sorgerecht für das potenzielle Kind zu verzichten. Die Käufer versicherten ihrerseits schriftlich, für dessen Unterhalt aufzukommen.

Die Serras hatten von Smiths Agentur über Freunde erfahren. Drei Monate lang hatte das Ehepaar Dutzende von Akten im Internet studiert. Jede enthielt ein Foto der potenziellen Eizellspenderin sowie Informationen über Körpergröße, ethnische Herkunft, Schulbildung, Krankheitsgeschichte, Hobbys und eine psychologische Evaluation.

"Mein Mann wollte, dass die Spenderin grüne Augen hat wie ich", sagt Michaela Serra. "Ich wollte, dass sie intelligent ist." Am Ende fiel die Wahl auf eine grünäugige 22-jährige Frau deutsch-portugiesisch-französischer Herkunft aus Minnesota, die wir aus Gründen der Anonymität hier einfach Tiffany nennen wollen. Im Fragebogen hatte sie unter der Rubrik "Meine Lieblingslektüre" nicht, wie viele andere Kandidatinnen, die Bibel eingetragen, sondern den Schriftsteller Paulo Coelho. Literarische Vorlieben sind zwar genetisch nicht vererbbar. Doch Marco Serra fand das trotzdem sehr beruhigend.

Spenderinnen leiden für Geld

In den USA ist der Handel mit Körperteilen grundsätzlich verboten, doch Samen und Eizellen fielen nie unter dieses Gesetz. Für den Verkauf von Eizellen berechnet Shelley Smith 9.000 Dollar, wovon 5.000 an die "Spenderin" gehen und 4.000 an ihre Agentur - für Anwaltskosten, Versicherung, psychologische und medizinische Beurteilung der Spenderinnen. Das ist preiswert, wenn man bedenkt, dass Paare, die es auf eigene Faust versuchen, in den Studentenzeitschriften von Elite-Universitäten für Eizellen besonders gut aussehender und intelligenter junger Frauen Summen von bis zu 50.000 Dollar bieten.

Trotz der üppigen Honorare hält die American Society for Reproductive Medicine (ASRM) am Euphemismus "Spenderin" fest und empfiehlt in ihren Richtlinien einen Vertragstext, laut dem die Lieferantin nicht für ihre Eizellen, sondern für "den zeitlichen Aufwand, in Kauf genommene Beschwerden und das Risiko" entschädigt wird.

Und tatsächlich kann die Prozedur schmerzhaft und gefährlich sein: Die Spenderin muss ihren Zyklus mit dem der Empfängerin synchronisieren, was in der Regel durch eine künstlich induzierte Menopause geschieht. Dann muss sie, wie eine IVF-Patientin, ihre Eierstöcke durch Hormonspritzen überstimulieren, wobei ihr Unterleib oft erheblich anschwillt.

Durch eine letzte Injektion löst sie den Eisprung aus. All das geschieht im Do-it-yourself-Verfahren - die Spenderin muss sich selbst mit der Nadel traktieren. 36 Stunden später lässt sie sich in einer Klinik, leicht sediert, die Eizellen absaugen. Keine Frau sollte diese Prozedur mehr als sechsmal durchlaufen, empfiehlt die ASRM. Mögliche Spätfolgen sind noch nicht bekannt.

Glaubt man Shelley Smith, so sind ihre Eizellspenderinnen selbstbewusste junge Frauen, die Gutes tun und dabei den Hauch des Außergewöhnlichen spüren wollen. Es sei ihr peinlich, sagt sie, dass sie vor kurzem eine "premier category" eingerichtet hat - besonders "erlesene Kandidatinnen" also, deren "Spenden" schon mehrfach zu Schwangerschaften führten. Sie dürfen 7.500 Dollar mit nach Hause nehmen. Das passt nicht ganz zur spirituellen Aura der Firma, aber Smith fürchtete, angesichts der Preisexplosion auf dem Markt plötzlich als Billig-Anbieterin dazustehen.

Der Erfolg gibt wie immer Recht: "Die Klienten sind verrückt nach den Premier-Mädchen." 300 kleine Karteikarten mit Passfotos, Abstammungsmerkmalen und den Körpermaßen hängen an der "Spenderinnen-Wand" in der Agentur, sortiert in die Kategorien "blond", "brünett", "asiatisch", "afro-amerikanisch" - und "premier". Das Ganze sieht aus wie die Fotosammlung eines Abschlussjahrgangs der Highschool mit Shelley Smith als mütterlicher, geschäftstüchtiger Direktorin. "Wenn sie ein Auto kaufen, wollen sie doch auch erstmal die Anzeigen durchsehen und prüfen, mit welchen Accessoires es ausgestattet ist."

Junge oder lieber Mädchen?

Gegen Aufpreis kann man das Geschlecht des Kindes auswählen

Im Huntington Reproductive Center in Los Angeles entnahmen Ärzte Tiffany, der Wunschspenderin des Ehepaars Serra, zwölf Eizellen. Neun befruchteten sie mit Serras Samen, drei behandelten sie sicherheitshalber nach einer zweiten Methode: Sie entnahmen ihnen das Cytoplasma, die "Füllsubstanz" der Zelle. Sie sogen es in eine Pipette, die eines von Marcos Spermien enthielt, und injizierten das Ganze zur "Verjüngung" in eine Eizelle Michaelas. In der Petri-Schale lagen nun befruchtete Eizellen, hervorgegangen aus den Zellen dreier Menschen.

Marco Serra bestellte in der Klinik noch schnell eine Geschlechterselektion für den Aufpreis von 250 Dollar. "Willst du lieber ein Mädchen oder einen Jungen?", fragte er seine Frau. Die lag leicht sediert nach der Eizellentnahme auf dem Gynäkologenstuhl und sagte nur: "Mach, was du willst." "Wir hätten gern einen Jungen", sagte Marco Serra zum Embryologen. Doch aus der Bestellung wurde nichts. Von den drei "verjüngten" befruchteten Eizellen überstand keine die aufwendige Prozedur.

Inzwischen hat die Food and Drug Administration den Cytoplasma-Transfer eingeschränkt - sehr zum Ärger der Reproduktionsmediziner. Ein paar Tage später wurden Michaela Serra drei der "konventionell" erzeugten Embryonen eingesetzt, die Produkte aus Tiffanys Eizellen und den Samen ihres Mannes. "Komm uns besuchen", hatte das Paar seiner Spenderin zum Abschied gesagt, "wenn wir ein Baby haben." Doch auch der Embryotransfer im Huntington Reproductive Center war gescheitert. Jetzt wollen die Serras einen allerletzten Versuch starten: mit einer Leihmutter.