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Schwanger werden nach Fehlgeburt Studie widerlegt Empfehlung der WHO zu warten

Schwangerschaftstest in Hand
© fotoduets / Adobe Stock
Nach einer Fehlgeburt wollen viele Paare möglichst schnell wieder versuchen schwanger zu werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt jedoch, mindestens sechs Monate zu warten. Eine neue Studie untersuchte nun, ob das überhaupt nötig ist. 

Nach einem Schwangerschaftsabbruch oder einer Fehlgeburt galt bisher die Empfehlung der WHO, mindestens sechs Monate zu warten, bis eine erneute Schwangerschaft eintrete, um dem Körper Erholung zu gönnen und Komplikationen zu vermeiden. Die Ergebnisse einer breit angelegten Studie zeigen nun: Diese Wartezeit ist nicht nötig. 

Untersucht wurden Daten mit Blick auf Schwangerschaftskomplikationen

Für die Studie werteten die Forscherinnen und Forscher der australischen Curtin School of Population Health Daten von mehr als 72.000 Frauen in Norwegen aus, die zwischen 2008 und 2016 ein Baby zur Welt gebracht hatten. Etwa 49.000 von ihnen hatten zuvor eine Fehlgeburt erlitten, knapp 23.000 einen Schwangerschaftsabbruch. Untersucht wurden die die Daten in Hinblick auf sechs mögliche Schwangerschaftskomplikationen wie Frühgeburt, spontane Frühgeburt, Präeklampsie und Schwangerschaftsdiabetes. Außerdem wurde analysiert, ob die Babys zu klein oder zu groß in Relation auf die Schwangerschaftsdauer waren.

Die Ergebnisse zeigten: Eine erneute Schwangerschaft innerhalb von der drei Monaten nach einer Fehlgeburt oder einem Schwangerschaftsabbruch geht mit keinem erhöhten Risiko für derartige Komplikationen einher. 

Das Gegenteil ist der Fall: Das Risiko ist sogar geringer

Laut der Studie ist das Risiko, einen Schwangerschaftsdiabetis zu entwickeln sogar niedriger, als bei einer Wartezeit von sechs Monaten oder mehr. Ähnlich verhält es sich mit Größe und Gewicht des Babys. Im Vergleich zu Kindern, die nach einer längeren Wartezeit gezeugt wurden, sei das Risiko für zu kleine oder leichte Babys geringer, wenn sie innerhalb der ersten drei Monate nach einer Fehlgeburt gezeugt wurden. Diese Ergebnisse stellen die Empfehlung der WHO klar in Frage, die auf einer Studie aus Lateinamerika von 2005 basieren. In dieser Untersuchung wurde von einem erhöhten Risiko verschiedener Schwangerschaftskomplikationen berichtet. Das Australische Forscherteam geht heute davon aus, dass diese Ergebnisse unter anderem in der unterschiedlichen medizinischen Versorgung begründet liegen. Gleiches gilt allerdings auch für die aktuelle Studie. Denn auch diese wertete lediglich Daten aus Norwegen aus: „Da in unserer Studie Daten aus einem einzigen Land mit hohem Einkommen und besserer Gesundheitsversorgung verwendet wurden, können unsere Ergebnisse nicht auf andere Situationen mit anderen Bevölkerungsgruppen übertragen werden.“ Allerdings passen die Ergebnisse zu denen früherer Studien aus Schottland und den USA. 

Psychische Aspekte wurden nicht berücksichtigt

Das Augenmerk der Forschenden lag bei der Analyse lediglich auf den physischen Aspekten, kritisiert Matthias David von der Charité Berlin gegenüber der dpa. Dabei sei die psychische Verarbeitung eines Schwangerschaftsverlusts ein beträchtlicher Faktor. Immerhin stelle eine Fehlgeburt oder ein Schwangerschaftsabbruch für die Betroffenen eine besondere Situation dar, die von Verlust, Trauer und Angst hinsichtlich zukünftiger Schwangerschaften geprägt sei, so der Gynäkologe. Die Trauerprozesse sind sehr individuell, selbst wenn körperlich nichts gegen eine schnelle erneute Schwangerschaft spricht, kann die psychische Verarbeitung eine längere Wartezeit erfordern - ein Aspekt, der in der aktuellen australischen Studie keine Berücksichtigung findet. 

Quellen: Rnd.de, dpa

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