Schwangerschaft
 
Schwangerschaftstest: Funktion, Anwendung und Ergebnisse

Hat es geklappt? Ob du ein Baby erwartest, können dir unterschiedliche Schwangerschaftstests sagen. Aber welcher Test ist für dich der richtige? Wie funktioniert ein Urintest? Und: Unter welchen Umständen kann das Ergebnis falsch sein?

Schwangerschaftstest
Thinkstock, diego_cervo
Inhalt: 
Wie funktioniert ein Schwangerschaftstest?Welche Arten von Schwangerschaftstests gibt es?Ab wann funktioniert ein Schwangerschaftstest?Übersicht: Was kann welcher Test?Wann sollte ich einen Test machen?Woher bekomme ich einen Schwangerschaftstest?Wie führe ich den Urin-Test durch?Wann führe ich den Schwangerschaftstest durch?Wann ist ein Schwangerschaftsfrühtest sinnvoll?Kann ein Schwangerschaftstest ein falsches Ergebnis anzeigen?Allgemeine Ursachen für ein falsches Ergebnis:Wann ist zusätzlich ein Bluttest notwendig?

Wie funktioniert ein Schwangerschaftstest?

Alle Schwangerschaftstests funktionieren nach demselben Prinzip. Sie messen das Hormon HCG. Da dieses Hormon ausschließlich während der Schwangerschaft gebildet wird, bedeutet sein Nachweis ab einer gewissen Konzentration, dass du schwanger bist. HCG wird daher auch das Schwangerschaftshormon genannt. Die Abkürzung steht für Humanes Choriongonadotropin.

Welche Arten von Schwangerschaftstests gibt es?

Der Schwangerschaftstest für den Hausgebrauch ist der Urintest. Es gibt ihn als Schwangerschaftsfrühtest und als klassischen Schwangerschaftstest. Der Frühtest kann eine bestehende Schwangerschaft bereits vor der ausbleibenden Menstruation anzeigen, bei der klassischen Variante muss du dich bis zum zweiten Tag nach dem Ausbleiben der Periode (auch NMT für Nicht-Mens-Tag) gedulden. Dafür ist das Ergebnis zuverlässiger.
Dein Gynäkologe kann in der Praxis zusätzlich einen Bluttest machen. Auch dieser Test kann eine Schwangerschaft schon vor dem Tag der erwarteten Regelblutung anzeigen.
Darüber hinaus unterscheiden sich Schwangerschaftstests durch die Ergebnis-Anzeige. Analoge Tests zeigen dir durch das Erscheinen oder Nicht-Erscheinen von Balken, ob der Test negativ oder positiv ausgefallen ist. Das ist sowohl bei Teststreifen aus Papier als auch bei solchen mit Kunststoffgehäuse der Fall. Bei den meisten Tests bedeutet ein Balken „nicht schwanger“ und zwei Balken „schwanger“. Bitte lies dir aber die Packungsanleitung vor dem Testen genau durch, um das Ergebnis nicht falsch zu interpretieren.
Digitale Schwangerschaftstests sind da eindeutiger. Durch einen lachenden Smiley oder die Wörter „schwanger“ oder „nicht schwanger“ weißt du eindeutig, ob das Ergebnis positiv oder negativ ist. Einige digitale Tests verraten dir zusätzlich auch die Schwangerschaftswoche.
 
Übrigens: In der Medizin beginnt die erste Schwangerschaftswoche ab dem ersten Tag der letzten Regelblutung. Nach diesem Sprachgebrauch zählen die Wochen also schon zur Schwangerschaft, bevor die Befruchtung überhaupt stattgefunden hat. Das führt oft zu Verwirrung, da ein Schwangerschaftstest mit Wochenangabe dir 2. bis 3. Woche anzeigt, der Arzt aber später von der 5. Schwangerschaftswoche spricht.

Kleiner Exkurs zum Schwangerschaftshormon HCG

Das Schwangerschaftshormon HCG (humanes Choriongonadotropin) wird aus den Zellen des frühen Mutterkuchens gebildet. Das Hormon besitzt eine Alpha- und eine Beta-Untereinheit. Das Beta-HCG (auch β-hCG) verleiht dem Hormon jedoch seinen spezifischen Charakter. Im Folgenden beschränken wir uns auf die Bezeichnung HCG.
HCG regt die Eierstöcke zur Produktion von Östrogen und Gestagen an und verhindert, dass die Menstruation einsetzt. Seine wichtigste Aufgabe ist die Aufrechterhaltung der Schwangerschaft.
Nach der Einnistung steigt der HCG-Wert sprunghaft an. Liegt die HCG-Konzentration einer nicht schwangeren Frau noch bei 5 mlU/ml (Milli-International-Units pro Milliliter), steigt sie fünf Tage nach der Einnistung auf bis zu 50 mlU/ml. Sie verdoppelt sich etwa alle zwei Tage, wobei die Konzentration individuell stark abweicht. In der 7. SSW kann sie im Blut bereits zwischen 3.700 und 164.000 mlU/ml liegen. Durch den raschen Anstieg eignet sich die Messung des HCG-Spiegels so gut zum frühen Nachweis einer Schwangerschaft. Zwischen der 8. und 12. SSW ist die maximale HCG-Konzentration erreicht. Die Eierstöcke müssen nicht mehr zur Hormonproduktion angeregt werden, da die ausgebildete Plazenta diese Aufgabe nun selbst übernimmt.
Der Wert kann nun soweit sinken, dass ein herkömmlicher Schwangerschaftstest negativ oder nur noch schwach positiv ausfällt.
Übrigens: Man vermutet, dass die hohe HCG-Konzentration für die typische Morgenübelkeit verantwortlich ist. Sinkt der HCG-Spiegel, ebbt auch die Übelkeit ab.

Ab wann funktioniert ein Schwangerschaftstest?

Ein normaler Urintest kann das HCG-Hormon ab einer Konzentration von 25 mIU/ml nachweisen. Diesen Wert erreicht dein Körper etwa zwei Tage, nachdem sich der Embryo in der Gebärmutter eingenistet hat. Das entspricht in der Regel dem Tag der ausbleibenden Monatsblutung. Sicherer ist das Testergebnis, wenn du es schaffst, noch ein oder zwei Tage länger zu warten.
Der Test hat eine Verlässlichkeit von 95 bis 99 Prozent. Je weiter die Schwangerschaft fortgeschritten ist, desto sicherer ist das Ergebnis. Ist der Test positiv, kannst du ihn dir bei deinem Frauenarzt bestätigen lassen.

Übersicht: Was kann welcher Test?

Art des Tests Zeitpunkt des möglichen Nachweises
Bluttest beim Arzt ab dem 9. Tag nach dem Eisprung
Frühschwangerschaftstest für zu Hause ab dem 10. Tag nach dem Eisprung
Normaler Urintest für zu Hause ab dem 14. Tag nach dem Eisprung
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Wann sollte ich einen Test machen?

Ein Schwangerschaftstest ist sinnvoll, wenn deine Periode ausgeblieben ist und du andere erste Anzeichen für eine Schwangerschaft wahrnimmst. Paare mit Kinderwunsch werden ihn routinemäßig in jedem Zyklus durchführen und hoffen, dass das Ergebnis positiv ist. Wenn du dir aber gar kein Kind wünschst, wirst du sicher hoffen, dass er negativ ist. Solltest du dennoch schwanger sein, kannst du dich an eine der vielen Beratungsstellen wenden, die dir helfen werden, mit dieser belastenden Situation umzugehen. Schau doch mal bei www.profamilia.de.

Woher bekomme ich einen Schwangerschaftstest?

Urintests sind frei verkäuflich. Du erhältst sie in Apotheken und Drogerien. Die herkömmlichen Tests gibt es ab vier Euro. Die digitale Variante ist etwas teurer.

Wie führe ich den Urin-Test durch?

Das Testen selbst ist ganz einfach. Du hältst den Schwangerschaftstest einfach mit der Spitze in deinen Urinstrahl. Alternativ kannst du den Urin auch in einem sauberen Becher auffangen und den Test etwa 20 Sekunden eintauchen. Wie lange du auf das Ergebnis warten musst, verrät dir die Packungsbeilage. In der Regel sind es nur ein paar Minuten.
Wenn der Urin mit dem Teststreifen in Berührung kommt, reagieren die Enzyme auf dem Test mit dem Hormon HCG im Urin. Je nach Konzentration des Hormons färbt sich der Balken oder das Kreuz im Ergebnisfenster oder löst die digitale Anzeige aus. Der Balken im Kontrollfeld zeigt nur an, ob der Test überhaupt funktioniert hat. Er erscheint als erstes.
Auch ein schwacher Balken kann ein positives Testergebnis sein. Zur Sicherheit solltest du den Test einige Tage später wiederholen.
Übrigens: Ein Test ist nur etwa zehn Minuten aussagekräftig. Dann reagiert der Teststreifen mit der Luft, mit Feuchtigkeit und der Urin trocknet ein. Dadurch kann der Balken verblassen oder verschwinden, was dann nicht bedeutet, dass du nicht mehr schwanger bist! Auch digitale Tests sind nach einigen Tagen nicht mehr lesbar. Am besten macht ihr ein Foto vom frischen Test und werft das gute Stück selbst in den Müll. Dann habt ihr wenigstens ein Bild für eure Baby-Erinnerungsbox.

Wann führe ich den Schwangerschaftstest durch?

Im Morgenurin ist die HCG-Konzentration am höchsten, da du nachts keine Flüssigkeit aufgenommen hast. Nach dem Aufstehen ist also der beste Zeitpunkt für den Test. Solltest du nachts arbeiten, testest du am besten nach einer längeren Ruhephase. Dein Morgenurin ist dann der Urin, den du nach dem Schlafen abgibst. Auch wenn die Uhr etwas anderes sagt. 

Wann ist ein Schwangerschaftsfrühtest sinnvoll?

Du wünschst dir schon lange ein Baby und kannst es kaum bis zum Tag der hoffentlich ausbleibenden Periode abwarten? Dann kannst du auch einen Schwangerschaftsfrühtest machen. Er ist empfindlicher als herkömmliche Tests und misst bereits eine HCG-Konzentration ab 10 mlU/ml. Ein Frühtest kann dir bereits vier bis sechs Tage vor dem Ausbleiben der Menstruation (10 Tage nach dem Eisprung) anzeigen, ob du schwanger bist. Denn der HCG-Wert steigt bereits fünf Tage nach der Einnistung. Eine Woche vor dem Ausbleiben der Periode liegt er zwischen 5 und 50 mlU/ml. Das ist bei jeder Frau verschieden. Daher kann es auch vorkommen, dass selbst ein empfindlicher Frühtest mit der niedrigsten Nachweisgrenze (auch Cutoff genannt) bei dir noch keine Schwangerschaft anzeigt, obwohl du schwanger bist.
Leider hat der Frühtest einen Nachteil: Ein positives Testergebnis bescheinigt zwar, dass du zu genau diesem Zeitpunkt schwanger bist. Allerdings kann die befruchtete Eizelle in den ersten Wochen der Schwangerschaft auch mit der nächsten Regelblutung wieder abgehen. Damit wäre klar, dass du eine frühe Fehlgeburt erlitten hast. Ein Wissen, dass dich sehr belasten würde und dich mit neuen Sorgen in die Zukunft blicken ließe. Natürlich kann auch nach einem normalen Schwangerschaftstest eine Fehlgeburt passieren. Doch in den ersten Tagen einer Schwangerschaft ist sie sehr viel wahrscheinlicher.

Kann ein Schwangerschaftstest ein falsches Ergebnis anzeigen?

Ein Schwangerschaftstest ist zwar in der Regel sehr zuverlässig, es kann aber in seltenen Fällen auch zu einem falsch-positivem oder falsch-negativem Ergebnis kommen. Der Test kann also anzeigen, dass du schwanger bist, obwohl du es nicht bist. Und er kann anzeigen, dass du nicht schwanger bist, obwohl du ein Kind erwartest.

Allgemeine Ursachen für ein falsches Ergebnis:

  • Falsche Handhabung (z.B. zu kurzes Eintauchen)
  • Überschreitung des Ablaufdatums
  • Falsche Lagerung
  • Test nicht bei Raumtemperatur durchgeführt
  • Medikamenteneinnahme (z.B. Antidepressiva)
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Ursachen für ein falsch-positives Ergebnis

  • Nach der Befruchtung und Einnistung hat sich der Embryo nicht weiterentwickelt (frühe Fehlgeburt).
  • Einnahme HCG-haltiger Medikamente. Diese werden z.B. bei einer künstlichen Befruchtung (IVF, ICSI) verabreicht. Hier sollte der Test von deinem Arzt durchgeführt werden.
  • Einige Krebserkrankungen führen zu einer erhöhten HCG-Produktion.
  • Auch bei Nierenversagen oder in den Wechseljahren produziert der Körper mehr HCG.
  • Einige Tumore produzieren HCG (das ist jedoch sehr selten).

Ursachen für ein falsch-negatives Ergebnis

  • Der Streifen war zu lange im Urin.
  • Der Test wurde durchgeführt, bevor der HCG-Spiegel für den betreffenden Test ausreichend war (den Test nach einigen Tagen wiederholen!).
  • Der Fälligkeitstag der Monatsblutung wurde falsch berechnet (dann ist der Test vielleicht in einigen Tagen nicht mehr negativ).
  • Der HCG-Wert ist im Verlauf der Schwangerschaft wieder abgefallen.
  • Nachtschichtarbeit verfälscht das Ergebnis, wenn morgens getestet wird (hier nach längeren Ruhephasen testen!).
  • Bakterien im Urin können zu einem falsch-negativen Ergebnis führen.

Wann ist zusätzlich ein Bluttest notwendig?

Im Blut einer Schwangeren ist die HCG-Konzentration höher als im Urin. Daher kann ein Bluttest schon einige Tage vor der ausbleibenden Periode (neun Tage nach der Befruchtung) relativ sicher eine Schwangerschaft nachweisen.
Ein Bluttest hat mehr diagnostische Optionen. Er kann das Alter des Embryos bestimmen und wird häufig angewendet, wenn nicht klar ist, ob die Schwangerschaft intakt ist. Um z.B. festzustellen, ob eine Eileiterschwangerschaft oder eine Blasenmole vorliegt, sind zwei Messungen im Abstand von 48 Stunden notwendig. 
Mehrere Messungen haben außerdem den Vorteil, dass sie die Entwicklung der HCG-Konzentration sichtbar machen. Ein stetiger Anstieg der Werte ist aussagekräftiger als ein einzelner Messwert.
Ohne therapeutische Notwendigkeit übernehmen die Kassen die Kosten (etwa 35 Euro) für die Blutuntersuchung normalerweise nicht. Dein Frauenarzt wird sicher auch in der Praxis zunächst einen Urintest machen.