Geschwister
 
Nur einer kriegt was. Basta!

Ja, bei uns wird nur das Geburtstagskind beschenkt. Und nur das Einschulungskind kriegt eine Schultüte. Keine Trost-Tüte für den kleinen Bruder. ELTERN online-Redakteurin Biona Schütt beschreibt, warum sie so grausam ist.

Geburtstagskuchen
iStock, romrodinka

Gerührt schauen wir zu, wie Bela (4 Jahre alt) seine Geburtstagspakete aufreißt. Schon das erste Geschenk erfreut ihn so sehr, dass er versunken beginnt, mit dem Auto über den Boden zu fahren. Die anderen drei Geschenke, die da noch verpackt liegen, hat er für den Moment vergessen. Nicht so seine Schwester Rixa (6 Jahre alt). Nur zu gern würde sie auch eines der Geschenke auspacken. Sie kriecht auf meinen Schoß und wimmert: „Mama, ich will auch Geschenke haben. Das ist sonst unfair.“ Musste so kommen, hab auf diesen Jammer-Satz von Rixa fast gewartet. Genau deshalb diskutierten mein Mann und ich gestern Abend noch, ob wir für Rixa nicht auch eine Kleinigkeit da haben sollten. Ein schönes Malbuch wartet schon lange in der Schublade auf einen Anlass.

Fair oder fies?

Natürlich sind "Du-kriegst-auch-was-Geschenke" lieb gemeint. Kein Kind soll traurig zugucken müssen, wenn sein Geschwister seine Päckchen auspackt. Aber für das echte Geburtstagskind ist es nicht lieb. Es muss sich doch abgewertet fühlen, wenn ich ihm seine Besonderheit am Geburtstag oder am Einschulungstag so verwässere. Es hat nichts mit fair zu tun. Das ist Gleichmacherei von Kindern und Situationen, die nicht gleich sind.

Warum sollen wir also ein kleines Geschenk für Rixa da haben? Schon klar, damit es ihr leichter fällt, ihrem kleinen Bruder den Geschenkeberg zu gönnen. Und: Wir müssen es nicht aushalten, wenn sie traurig ist. Oder sauer. Oder sogar dem Kleinen die Freude verdirbt. Jeder kann sich ausmalen, wie es weiter geht mit den Tränen, die zum gewünschten Ziel führen.

Ich sehe Rixa an, wie schwer es ihr fällt, leer auszugehen. Aber ich kann das aushalten. Nicht weil ich von Natur aus ein grausamer Mensch bin. Sondern weil ich davon überzeugt bin, dass es wichtig ist. Rixa erlebt an Belas Geburtstag Enttäuschung und Neid. Sie muss sich zurücknehmen. Das ist nicht leicht. Ich kann Rixa gut verstehen. Aber Verstehen muss nicht bedeuten, dass ich sie mit Geschenken ablenke. Damit Ruhe ist.
Und schon bevor Bela sein letztes Geschenk ausgepackt hat, beginnt unsere Tochter, ihren nächsten Geburtstag im Kopf zu planen. Was wünscht sie sich? Wie soll ihr Kuchen aussehen? Vorfreude pur.

Und mal ehrlich, als Rixa neulich vom Kindergeburtstag mit einer prall gefüllten Mitgebseltüte heim kam, musste Bela zuschauen und das aushalten.
Zu seinem Glück nicht lang, denn Rixa hat gemerkt, wie schön es ist, jemandem eine Freude zu machen. Sie teilte großzügig mit ihrem Bruder. Nur mal so als Hinweis an alle Über-Eltern, die nach Geburtstagseinladungen Mitgebseltüten auch für die nicht mitfeiernden Geschwister bereit halten.
 
Im Sommer steht bei uns die Einschulung an. Ich bin mir sicher, ich werde viele Geschwisterkinder mit kleiner Schultüte sehen. Wenn bei Bela dann die Tränen rollen, werde ich ihn trösten und wir malen uns schon mal aus, wie seine Schultüte aussehen soll. Und so wie ich Rixa kenne, wird für den Kleinen ein Lolli aus ihrer Tüte abfallen.