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3. Lebensjahr: Das Denken wird abstrakt

Zweijährige versuchen ihren kleinen Kosmos zu ordnen - zunächst nach ihren Regeln, bis die Gedankengänge immer komplexer werden. Sie können nun schon Gefühle verarbeiten, Zusammenhänge erkennen und ihre Experimentierfreude wächst ins Unermessliche. Denn das Kind will jetzt die Welt entdecken!

Junge spielt mit Wasserspielzeug
iStock, MartinPrescott

Elsi besucht Paul. Und Paul besucht Elsi. Sie können sich jetzt schon gut für einige Stunden von den Eltern lösen. Ein Zeichen für ihr stabiles Urvertrauen. Am liebsten experimentieren Elsi und Paul gemeinsam und dabei sind sie ziemlich kreativ. Sie entdecken zum Beispiel, dass eine abgewickelte Toilettenpapierrolle ergiebig genug ist, um das Klo so zu verstopfen, dass sich ein Stausee bildet. Und anderen Unsinn - aus der Sicht der Erwachsenen selbstverständlich. Schrecklich, diese Zweijährigen! Sie sind jetzt unberechenbar. Manchmal streiten sie: mit anderen Zwergen, aber auch mit ihren Eltern. Dabei trainieren sie ihre sozialen Fähigkeiten. Sie sprechen viel und ihre Gedankengänge, ihre Spiele, mit denen sie versuchen größere Zusammenhänge zu erkennen, werden immer komplexer.

Die kleine Welt ordnen

So viele Anregungen, Reize und Ideen - da wissen die Zweijährigen gar nicht mehr, was sie zuerst tun sollen. Sie versuchen jetzt, selbst Ordnung in das Chaos zu bringen, indem sie ihre kleine Welt strukturieren. Mit Regeln, die sie aufstellen. Auch wenn es auf Eltern zwanghaft wirkt: Es hilft ihrem Kind, wenn sie mitspielen. So besteht es jetzt auf immer gleiche Abläufe im Alltag, möchte immer wieder die gleiche Geschichte vorgelesen bekommen. Diese Regeln beruhigen das Kind nicht nur, sie helfen ihm auch bei der Suche nach ersten mathematischen Gesetzmäßigkeiten. Es kann jetzt Kategorien (Tiere, Pflanzen, Möbel) erkennen und geometrische Grundstrukturen wie Kreise und Vierecke. Außerdem sortiert es mit großer Begeisterung: Stofftier zu Stofftier, Ball zu Ball.

Spielend Gefühle verarbeiten

Wurde das Kind bisher vor allem durch äußere Anregungen auf Entdeckerkurs gebracht, entstehen jetzt immer mehr Spiele im Kopf. Das liegt daran, dass das Denken der Kleinen immer abstrakter wird. Typisch die "Als-ob-Spiele", mit denen Erfahrungen und Ängste verarbeitet werden. So muss der Teddy so lange vor seinem Frühstück aus Knetgummi sitzen, bis er aufgegessen hat. Der Duplostein verwandelt sich in jenen brüllenden Löwen, vor dem Elsi morgens beim Zoobesuch so eine Riesenangst hat. Jetzt kann sie ihn (und damit auch ihre Angst) mit voller Kraft in eine Ecke schmeißen.

Testen, wie sich die Dinge verhalten

Für Eltern sieht es nach reiner Zerstörungswut aus - ist es aber meistens nicht. Im Zweifelsfall handelt es sich um Testreihen, die sich die Kleinen gerade vorgenommen haben. Sie stellen, wie in der Wissenschaft üblich, eine Hypothese auf und versuchen sie zu verifizieren oder, falls ihnen das nicht gelingt, verwerfen ihre Annahme wieder: Der Bagger geht doch bestimmt nicht kaputt, wenn ich ihn vom Klettergerüst in den Sand fallen lasse? Aber hält er auch einen Sturz vom Tisch auf den Küchenfußboden aus? Und was passiert, wenn ich ihn vom Balkon in den Garten fallen lasse? Fragen, die Paul jetzt sehr beschäftigen. Er muss das einfach ausprobieren.

Einiges aber müssen Elsi und Paul mit ihren fast drei Jahren nicht mehr selbst üben. Stattdessen lernen sie immer mehr auch durch Beobachtungen. Es gibt nämlich Zellen im Gehirn (Spiegelneuronen), die es schaffen beobachtete Handlungen so zu speichern, als ob das Kind sie selbst ausprobiert hätte. Das klappt aber nur, wenn es sich völlig darauf konzentriert. Noch sind die Nervenzellen und Gehirnstrukturen empfindlich: Kommen neue Informationen zu schnell hintereinander, dann löschen sie sich gegenseitig aus. Deshalb brauchen die Neuronen im Gehirn auch Pausen, in denen sie das Gelernte speichern können.

So unterstützen Sie Ihr Kind im 3. Lebensjahr

  • Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind Kontakt zu Gleichaltrigen hat.
  • Rechenspiele: Füllen Sie eine Anzahl Murmeln in eine Schüssel und eine andere in eine zweite. Welche Menge ist größer?
  • Lassen Sie Ihr Kind sortieren: das Besteck, die Garnrollen etc.
  • Experimentieren Sie mit ihm: Wie viel Sand passt in den ersten Becher, wie viel in den zweiten?
  • Beantworten Sie seine Fragen. Was Sie nicht wissen, schlagen Sie gemeinsam im Lexikon nach.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Kind über Gefühle wie Wut, Trauer, Freude und Schmerz.
  • Lassen Sie beim Vorlesen Ihr Kind erzählen, was es über die dargestellten Dinge weiß.