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Entwicklung Mein Kind ist 2 Jahre – das kann es alles schon!

Kleines Mädchen rennt fröhlich durch den Park
© Maria Sbytova / Shutterstock
Mit zwei Jahren kann dein Kind immer sicherer laufen, rennen und klettern. Es lernt täglich neue Wörter und nutzt viele auch aktiv, um allen zu zeigen: „Das kann ich schon!“ Und wie geht es weiter im dritten Lebensjahr? Wir geben euch einen Überblick zu Wachstum, Motorik, Spielen, Schlafen, Essen und emotionaler Entwicklung.

Im dritten Lebensjahr sind die Unterschiede in der Entwicklung oft ziemlich groß. Die einen Kinder rennen, flitzen Mama schon mit dem Laufrad davon und plappern munter vor sich hin, die anderen bewegen sich mit 24 Monaten eher vorsichtig und behalten ihren stattlichen Wortschatz erstmal für sich. Menschen sind Individuen, auch mit zwei Jahren. Solange Kinder den Raum bekommen, sich in ihrem Tempo zu entwickeln, werden sie etwas später auch Fahrrad fahren und in ganzen Sätzen kommunizieren. Versprochen! Als Eltern braucht man aber dennoch eine grobe Richtschnur. Das verstehen wir. Also, was können Kinder als 2-Jährige und was lernen sie in ihrem dritten Lebensjahr? Wir geben euch einen Überblick zu Wachstum, Motorik, Spielen, Schlafen, Essen und emotionaler Entwicklung.

So groß und schwer ist ein Kind mit 2 Jahren

Die Körpergröße und das Gewicht eures Schatzes ist zu einem großen Teil genetisch geprägt. Kinder hochgewachsener Eltern werden langfristig ebenfalls eher große Menschen, Kinder mit kleinen Eltern werden als Erwachsene eher keine Riesen sein. In der Tendenz ist das auch im Kindesalter schon der Fall. Allerdings gibt es Ausnahmen. Auch wenn ihr sehr groß seid, muss euer Zweijähriger sich nicht bei jeder U-Untersuchung am oberen Ende der Wachstumskurse bewegen. Denn das Längenwachstum und die Gewichtszunahme unterliegt auch anderen Einflüssen. Kinder, die krank sind, wachsen zum Beispiel langsamer. Sind sie wieder fit, schließt sich häufig ein Wachstumsschub an und die Kinder holen in der Entwicklung wieder auf.

Auch die Ernährung hat Einfluss auf Größe und Gewicht. Ein Kind, dessen Eltern eigentlich eher eine schlanke Statur haben, wird trotzdem übergewichtig, wenn es zu viel Zucker und Fett zu sich nimmt. Auch die allgemeinen Lebensumstände sind ein wichtiger Faktor in der Entwicklung. Werden Kinder gut medizinisch versorgt, ausgewogen ernährt und haben genug Möglichkeiten, sich motorisch optimal auszuprobieren, können sie sich ihren genetischen Anlagen entsprechend entwickeln. Wie groß euer Kind etwa wird, könnt ihr mit unserem Wachstumsrechner ermitteln.

An den Wachstumskurven im gelben U-Untersuchungsheft könnt ihr ablesen, ob die Körpergröße und das Gewicht eures zweijährigen Kindes sich im normalen Bereich bewegen. Mit zwei Jahren wiegt ein Junge im Durchschnitt etwas über 12 kg. Allerdings gibt es eine Spannbreite, die ebenfalls als Normalgewicht definiert wird. Die liegt bei Jungs zwischen 10,5 und 15 kg. Drüber geht es Richtung Übergewicht, darunter ist das Kind untergewichtig. Mädchen sind etwas leichter. Sie wiegen zu Beginn des dritten Lebensjahrs zwischen 10 und 14 kg. Der Durchschnittswert liegt bei 12 kg. Ihr seht, der Unterschied zwischen den Geschlechtern ist in diesem Alter noch nicht besonders groß. Außerdem wird das Wachstum im Vergleich zum ersten und zweiten Lebensjahr nun langsamer. Etwa 5 bis 6 cm pro kommen pro Jahr hinzu.

An der Perzentilenkurve im U-Heft könnt ihr auch die Körpergröße ablesen, die die meisten Kinder an ihrem 2. Geburtstag haben. Die Durchschnittsgröße für einen zweijährigen Jungen liegt bei 88 cm. Aber auch 81-94 cm sind völlig im Rahmen. Mädchen sind etwas kleiner. Sie sind zwischen 80 und 92 Zentimeter groß. Der Durchschnittswert liegt bei etwas über 86 cm.

Kleines asiatisches Mädchen auf dem Spielplatz
© Waridsara_HappyChildren / Shutterstock

So bewegt sich dein Kind mit zwei Jahren

Bis zu ihrem 2. Geburtstag haben Kinder in der Regel gelernt, selbständig zu laufen. Viele Kinder können auch schon rennen, abstoppen und ihre Richtung ändern. Besonders interessiert euer Zweijähriges das Klettern auf und über kleine Hindernisse. Eure Wohnzimmermöbel eigenen sich dafür prima – aber nur, wenn sie kippsicher sind! Auch Treppensteigen gehört in dieser Phase der Entwicklung bei vielen schon zum Repertoire. Dabei setzt euer Kleines vermutlich noch das zweite Bein auf dieselbe Stufe. Nachstellschritt nennen das die Kinderärzte. Mit 2 Jahren kann dein Kind auch schon auf beiden Beinen hüpfen und in einen Karton hinein- und hinaussteigen.

Im dritten Lebensjahr werden diese motorischen Fähigkeiten weiter verfeinert. Voraussetzung sind die stetige Weiterentwicklung der Muskeln und des Nervensystems sowie das Verschwinden der angeborenen Reflexe. Beim Rennen und Klettern wird euer Kind nun immer sicherer. Und je mehr Selbstbewusstsein es durch einen geglückten Versuch bekommt, desto lauter wird seine Forderung sein, das „ganz allein!“ zu machen.

Der Gleichgewichtssinn ist nun so weit entwickelt, dass das Treppensteigen bei vielen schon bald im Wechselschritt funktioniert und auch balancieren und auf einem Bein stehen kann schon klappen. Im dritten Lebensjahr können Kinder sich außerdem um die Längsachse rollen und einige lieben es, auf einem Laufrad zu fahren. Wenn der Platz zu Hause fehlt, lassen sich viele Bewegungen prima auf dem Spielplatz oder beim Kinderturnen üben. Wichtig ist, dass euer Kind alles, was es schon kann, regelmäßig übt. Am besten, immer, wenn es Lust dazu hat.

Zweijähriger baut mit Bauklötzen.
© Oksana Kuzmina / Shutterstock

So spielt euer Kind mit zwei Jahren

Mit zwei Jahren eröffnet die Entwicklung seiner motorischen Fähigkeiten eurem Kleinkind ganz neue Spielmöglichkeiten. Das gilt nicht nur für das Laufen, Klettern und Balancieren (Grobmotorik). Auch die Feinmotorik hat sich rasant weiterentwickelt. Euer Kind kann jetzt einen Ball schon etwas zielsicherer wegtreten und werfen und ihn vielleicht sogar fangen. Beim Malen entstehen schon die ersten Kreise und Flächen und auch eine stumpfe Kinderschere können viele Kinder in diesem Alter schon bedienen. Mit seiner Hand kann ein Zweijähriges den Deckel von einem Glas aufschrauben, an Knöpfen drehen oder ein Bonbon auspacken. Auch dicke Perlen auf eine Schnur fädeln ist ein beliebte Herausforderung. Und die Bauklotz-Türme werden langsam immer höher.

Die Interaktion mit anderen Kindern nimmt nun zu. Je näher der 3. Geburtstag rückt, desto eher begeistern sich Kleinkinder auch schon für Rollenspiele. Auch das Imitieren von Erwachsenentätigkeiten ist nach wie vor beliebt. Draußen mögen es Kinder, mit Sand, Wasser und Matsch zu spielen.

Der Begriff Spielen ist ziemlich weit gefasst. Euer Kind weiß eigentlich gar nicht, was das ist. Denn jede Beschäftigung, die Spaß macht, ist für einen 2-Jährigen ein Spiel. Sei es mit „richtigem“ Spielzeug, sei es beim An- oder Ausziehen, beim Essen, beim Spazierengehen, auf dem Spielplatz, im Schwimmbad oder zu Besuch bei Oma und Opa. Herdknöpfe, Küchenutensilien, Reinigungsmittel, Flaschen, Möbel und Papas Werkzeug. Mit vielem lässt sich prima Musik machen, anderes lässt sich in den Mund stecken oder man kann draufklettern und die Welt von oben betrachten. Euer Auftrag bleibt also klar: Die Wohnung kindersicher machen!

Fröhlicher kleiner Junge isst Rührei
© komokvm / Shutterstock

So klappt es mit dem Essen mit zwei Jahren

Euer Kind kann im dritten Lebensjahr im Grunde alles essen, was ihr auch esst, sofern es nicht scharf gewürzt ist oder Alkohol enthält. Voraussetzung ist, dass ihr euch selbst gesund und abwechslungsreich ernährt. Euer Kind braucht zum Wachsen eine Kost mit viel Obst und Gemüse, Kohlenhydraten (möglichst Vollkorn), Milchprodukten, etwas Seefisch und fettarmes Fleisch und reichlich ungesüßte Getränke. Auch ein paar Süßigkeiten oder ein Muffin dürfen zwischendurch mal sein. Wichtig ist, dass ihr danach die gerade frisch geschlüpften Milchzähne putzt. Je mehr davon durchbrechen, desto leichter wird es eurem Kind auch fallen, härtere Lebensmittel zu kauen. Hier findest du jede Menge Rezeptideen für den Familientisch mit Kleinkind.

Seid bei stark blähenden Lebensmitteln etwas zurückhaltend. Die können schnell Bauchweh verursachen. Achtung! Kleine, runde Lebensmittel, wie Weintrauben, Rosinen, Oliven oder Nüsse können gefährlich werden. Euer Kind kann sich leicht daran verschlucken oder sie in die Atemwege bekommen. Am Tisch wird euer Kind mit 2 Jahren nun immer sicherer mit seinem Besteck umgehen. Schaufeln mit dem Löffel oder Aufpicken mit seiner Gabel sind kein Problem mehr. Das Messer muss meistens noch etwas auf seinen Einsatz warten.

So sieht es mit dem Schlafen aus mit zwei Jahren

Ein zweijähriges Kind braucht etwa zwölf bis 13 Stunden Schlaf. Viele erledigen einen Teil davon noch bei einem Mittagsnickerchen. Andere kommen mit weniger aus und schlafen nur nachts. Ob sie das schon am Stück machen, ist ganz unterschiedlich. Die meisten Kinder werden im dritten Lebensjahr mittlerweile durchschlafen. Wenn euer Schatz noch nicht dazugehört, ist das aber (zumindest fürs Kind) nicht schlimm. Vielleicht hat euer Kind aufregend geträumt oder es bekommt Durst. Solange keine Erkrankung der Grund für das nächtliche Aufwachen ist, braucht ihr noch ein wenig Geduld. Versucht – wie beim Einschlafen – auch in der Nacht ein Ritual einzuführen, um euer Kind wieder sanft und liebevoll ins Reich der Träume zu begleiten.

Zwei Kleinkinder spielen miteinander.
© veryulissa / Shutterstock

Sprechen und Verstehen mit zwei Jahren

Auf 50 bis 150 Wörter wird euer Kind seinen Sprachschatz im dritten Lebensjahr erweitern. Aber nicht alle Zweijährigen werden sie bei der U-7-Untersuchung auch von sich geben. Während viele Kinder jetzt schon Zweiwortsätze bilden und beim Spielen munter vor sich hinplappern, beginnt jedes fünfte Kind erst im dritten Lebensjahr aktiv zu sprechen. Das heißt aber nicht, dass diese Kinder die Wörter nicht verstehen. Ihr passiver Wortschatz wächst von Tag zu Tag. Logopäden sprechen auch von einem Wortschatzschub. In dieser Entwicklungsphase verläuft die Sprachentwicklung besonders schnell. Sicher werdet ihr euch wundern, was dann plötzlich alles aus dem kleinen Kindermund herauskommt, wenn es soweit ist.

Wenn ihr euch dennoch Sorgen macht, ob eine Sprachentwicklungsstörung vorliegen könnte, sprecht euren Kinderarzt an oder vereinbart einen Termin bei einem Logopäden.

Tipp zur Sprachförderung: Vorlesen und über das Gelesene sprechen ist die beste Hilfe beim Spracherwerb. Stellt eurem Kind einfache Fragen zu den Bildern und zu der Geschichte, die es gerade gehört hat. Oder spinnt die Geschichte weiter! So wird das Lesen nicht zur Einbahnstraße, sondern zu einem Gesprächsanlass.

Die emotionale Entwicklung im 3. Lebensjahr

Im dritten Lebensjahr entwickeln Kinder langsam eine Vorstellung vom eigenen Ich. Sie nehmen sich selbst als Person mit einem eigenen Willen wahr und erkennen Besonderheiten und Unterschiede zu anderen (Mädchen/Junge, dunkle Haare/helle Haare). Diese Fähigkeit ist eng mit dem Spracherwerb verbunden. So lernen sie, Körperteile zu benennen und Gefühle wie Schmerz, Hunger oder Müdigkeit zu verbalisieren. Auch den Druck auf Blase und Darm nimmt ein 2-Jähriges jetzt früher wahr und teilt vielleicht schon mit, dass es auf die Toilette muss.

Damit einher geht auch die Entwicklung zunehmender Selbständigkeit und ein vorsichtiges Ablösen von der Mutter oder der engsten Bezugsperson (Autonomiephase). Auch Besitzansprüche werden nun sprachlich ausgedrückt. „Das gehört mir!“ ist einer der Lieblingssätze im dritten Lebensjahr. Auch Eifersucht auf Geschwister und Spielkameraden ist jetzt normal. Auf der anderen Seite wächst in diesem Alter aber auch die Fähigkeit zu Empathie.

Die Kehrseite neuer Selbständigkeit sind neue und alte Ängste. Tagsüber will euer Zweijähriges schon zeigen, dass es schon ganz viel „allein!“ kann, während es abends dringend Mamas Unterstützung braucht, weil unterm Bett ein Monster wohnt. All das ist völlig normal, zeigt aber, wie zwiegespalten die Gefühle eures Kindes in dieser Entwicklungsphase sein können. Helft ihm, indem ihr die Ängste ernst nehmt und euch gemeinsam Strategien überlegt, um die Monster zu verscheuchen.

Auch mit Wutanfällen haben Eltern von Zweijährigen in dieser Trotzphase regelmäßig zu tun. Auch sie drücken einen Zwiespalt aus. Euer Kind glaubt, etwas schon zu können oder will einen Vorgang beeinflussen, muss dann aber feststellen, dass es sich geirrt hat. Wer wäre da nicht sauer? Versucht, diese Anfälle möglichst gelassen hinzunehmen. Wenn es euch tröstet: Es ist nur eine dieser Phasen!

Die beste Förderung für euer Zweijähriges

Im dritten Lebensjahr wollen Kinder selbständig sein. Hilf deinem kleinen Entdecker, indem du ihm dafür den Raum gibst. Nimm ihm oder ihr nicht alles aus der Hand. Plane mehr Zeit beim An- und Ausziehen ein und lass dein Kind selbst versuchen, in die Hose zu steigen. Hol es so zeitig von der Kita ab, dass es Jacke und Klettverschluss-Schuhe alleine anziehen kann. Und findet euch mit einem tapferen Lächeln damit ab, dass die Küche nach dem Essen rund um den Kinderstuhl gewischt werden muss. Die Zeit des Fütterns ist nun einmal vorbei. Und euer Kind will den Löffel nun selbst in die Hand nehmen.

Nimm dir Zeit, um dein Kind bei der Erkundung seiner Welt zu begleiten. Trau ihm etwas zu! Schütz es vor wirklichen Gefahren, aber nicht vor jedem negativen Gefühl und jeder frustrierenden Erfahrung. So kann es wachsen und sich in seinem eigenen Tempo weiterentwickeln.

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