Lauschen, Riechen, Schmecken
 
Spielen mit allen Sinnen macht klug

Kinder genießen den Sommer mit allen Sinnen. Die beste Zeit, um spielerisch die Welt kennenzulernen und fit für die Zukunft zu werden.

Lauschen, Riechen, Schmecken: Spielen mit allen Sinnen macht klug

Sommer. Wald. Der erdige Geruch von Moos und Pilzen, Duft von harzigen Baumrinden und trockenen Tannennadeln. Sonnenstrahlen, die diffus durch die Baumkronen fallen und nur knapp den Waldboden erreichen. Käfer, Mücken und Bienen, die summen und schwirren. Und dann das Gefühl, eins zu sein mit der Welt. Können Sie sich erinnern, wie das war als Kind? Wir Erwachsene müssen uns in diese Stimmung oft erst wieder hineinfühlen, haben Mühe, uns ihr zu überlassen.

Ihr Kind dagegen lebt in diesem Gefühl. Es tickt (noch) völlig anders und kann mit allen seinen Sinnen das aufnehmen, was es riecht, sieht, fühlt, schmeckt, hört und spürt – jederzeit. So bastelt es sich sein Bild von der Welt. Und lernt dabei in den ersten Jahren so viel wie später nie wieder in seinem Leben.

Besonders wach und aufnahmebereit ist Ihr Kind im Sommer.

Denn in den warmen Monaten ist die Welt für die Kleinen so spannend wie nie. Wenn die Tage lang, die Luft warm, die Blütenwelt total bunt und alle kleinen Krabbeltiere unterwegs sind, laufen die Sinne von Kindern auf Hochtouren.

Licht und Wärme sind Wundermedizin, Lebenselixier und Antrieb. Der Körper wächst schneller, der Stoffwechselumsatz steigt, Herzfrequenz und Reaktionsgeschwindigkeit sind hoch, die Stimmung ist gut. Im Sommer reagiert Ihr Kind viel intensiver auf die Welt und ihre Sinnesreize und entwickelt sich in Riesenschritten.

Fühlen: Was ist das Ding in meiner Hand?
Fühlen: Was ist das Ding in meiner Hand?

Sie können diese Chance nutzen und ihm Anregungen bieten, die ihm Spaß machen und seinen Entwicklungsschub unterstützen. Offen dafür ist es garantiert – auch wenn es noch ein Baby ist. Denn bereits beim Neugeborenen sind alle Sinne ausgebildet. Es trainiert sie im Bauch der Mutter. Spürt das sanfte Streicheln des Fruchtwassers auf seiner Haut, hört die Stimmen der Eltern und erkennt den Lichtschimmer, der durch die Bauchdecke dringt.

Sofort nach der Geburt beginnt das Baby weitere Erfahrungen zu sammeln. Innerhalb von Stunden und Tagen macht es gewaltige Fortschritte. Jede Berührung, jeder Ton, Blick, Geruch und Geschmack ist ein neues Erlebnis und Futter für sein Gehirn. Dabei durchläuft jede Information mehrere Bereiche des Gehirns, dringt in die tiefsten Regionen vor, bis ins limbische System, wo die Gefühle gesteuert werden. Neue Nervensprossen bilden sich, das Nervensystem wächst, wird komplexer und das Gehirn damit leistungsfähiger. Jeder einzelne Sinnesreiz macht ein bisschen klüger.

Ziemlich schnell gelingt es Babys, mehrere Erfahrungen miteinander zu verknüpfen und daraus einen logischen Schluss zu ziehen. Etwa: „Wenn Mama an mein Bett tritt und ich ihre Stimme höre, wird sie mich gleich auf den Arm nehmen, an sich drücken – und schon fühle ich mich wunderbar geborgen.“

Erhören: Je voller das Glas, umso tiefer der Ton
Erhören: Je voller das Glas, umso tiefer der Ton

Im Alter von drei Jahren versteht Ihr Kind dann komplexere Zusammenhänge: Kaum isst und schmeckt es zum Beispiel frisch gekochtes Apfelkompott, schon denkt es automatisch an einen Apfel und daran, wie sich die Frucht anfühlt. Vielleicht erinnert es sich sogar an einen Zweig mit Apfelblüten.

Diese Kombinationsfähigkeit ist die wichtigste Voraussetzung für jede Art von Lernen. Das daraus gewonnene Wissen wird Ihr Kind dann besonders tief im Gedächtnis speichern, wenn es über viele unterschiedliche Sinneserfahrungen gewonnen wurde. Kinder, die die Welt mit allen Sinnen erleben, bleiben neugierig, lernen, sich auf eine Aufgabe zu konzentrieren, und haben Spaß daran, zu forschen. Damit schaffen sie sich eine wichtige Basis für später; wenn es in der Schule beispielsweise darum geht, sich durch knifflige mathematische Aufgaben zu beißen.

Mal wird der Geruchssinn besonders angesprochen, mal der Geschmackssinn, doch immer ergänzen sich verschiedene Sinne gegenseitig. Manche Kinder haben einen Lieblingssinn, über den sie besonders aufnahmebereit sind. Wie Sie herausfinden, über welchen Sinn Ihr Kind leicht anzuregen ist, verrät der Test rechts. Babys und Kleinkinder holen sich viele Informationen über ihre Haut, sie ertasten und erfühlen ihre Umgebung, schauen Gegenstände an, stecken sie aber auch in den Mund, um sie genauer zu erschmecken.

Schmecken: Süß, sauer, salzig? Essen ist ein (Lern-)Spiel
Schmecken: Süß, sauer, salzig? Essen ist ein (Lern-)Spiel

Jeder der klassischen fünf Sinne – Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Fühlen – ist gleich wichtig. Hinzu kommt noch der Gleichgewichtssinn, dem die Wissenschaftler bei der geistigen und körperlichen Entwicklung eines Kindes immer größere Bedeutung zumessen.

Mit Hilfe des Gleichgewichtssinns koordinieren Kinder ihre Bewegungen, gleichzeitig entwickeln sie ihr Körpergefühl – und ihr Denk- und Konzentrationsvermögen. Denn: Kinder, die körperlich fit sind und sich viel bewegen, können auch besser denken. Sie fühlen sich in ihrer Haut wohler. Das Gleichgewichtsorgan sitzt im Ohr und kontrolliert jeden Muskel. Es ist eng mit dem Hörsinn verbunden. Töne fließen nicht nur ins Ohr, sondern auch direkt in die Muskeln. Ihr Kind nimmt einen Klang als Ton und als Rhythmus wahr – und zu tanzen, sobald eine Musik-CD aufgelegt wird, die ihm gefällt.

Verbindet sich jetzt im Sommer mit diesen Tönen noch ein angenehmer Blumenduft, dann wird das Kind die Melodie über drei Sinneskanäle speichern – Hör-, Gleichgewichts- und Geruchssinn – und sicher im Gedächtnis behalten. Die Fähigkeit, mit allen Sinnen wahrzunehmen, schwindet spätestens ab dem vierten Lebensjahr – wenn sie nicht gefördert wird.

Sinnliche Spiele zum Nachmachen

Damit es Ihrem Kind nicht so geht und es sich immer wieder eins mit der Welt fühlt, stellen wir Ihnen hier Möglichkeiten vor, wie Sie ihm helfen können, seine Sinne fit zu halten. Ihr Job: Sie machen ihm Angebote – Ihr Kind wird sich dann heraussuchen, was ihm gefällt. Vielleicht haben Sie an diesen wunderbaren Sommertagen ja auch Lust, mit Ihrem Kind gemeinsam sinnliche Erfahrungen aufzupolieren. Viel Spaß dabei und ein großes sinnliches Vergnügen für die ganze Familie!