Altersgemäß mit Kindern spielen
 
Spiel mit mir: So spielen Kinder mit 3, 8 und 12 Jahren

Keine Lust? Wir wecken die Spielfreude – auch bei den Großen. Damit die Kleinen sie behalten. Plus: Warum Spielen in jedem Alter ein Gewinn ist, auch wenn man verliert.

Inhalt: 
Mit 3 – alles ist SpielMit 8 – ich hab gewonnen!Mit 12 – Sportskanone oder CouchpotatoeDo's und Dont's für mehr Spielspaß mit Teenagern

Mit 3 – alles ist Spiel

kleiner Junge spielt
iStock, Orbon Alija

Und im Kita-Alter ist es die wichtigste Beschäftigung überhaupt.
Spielexperten werden nicht müde, darauf hinzuweisen, dass das Band zwischen Eltern und Kindern beim gemeinsamen Herumtollen im Kinderzimmer, auf dem Spielplatz und im Park gestärkt und durch immer neue Spielideen der Kleinen bereichert wird. Deshalb sind Mama und Papa jetzt auch die tollsten Spielkameraden. Das gilt nicht nur für Kinder, die ohne Geschwister aufwachsen. Das Spielen mit anderen Kindern klappt richtig gut oft erst am Ende der Kindergartenzeit. Es folgt eigenen Regeln, und die müssen die Kleinen erst lernen. Und das gelingt am besten, wenn Eltern viel und vor allem gern mit ihnen spielen.

In diesem Alter ist das allerdings nicht immer ein reines Vergnügen. Das liegt nicht nur daran, dass man ziemlich oft auf Knien rumrutschen muss. Die Kleinen wünschen sich auch viel ungeteilte Aufmerksamkeit, wollen ständig angefeuert, ermuntert und gelobt werden. Gleichzeitig heißt es aufpassen, dass beim Herumtollen nichts passiert. Besonders anstrengend ist die Begeisterung für endlose Wiederholungen. Immer wieder muss exakt das Gleiche gespielt werden. „Ich bin die Prinzessin, und du bist meine Bedienerin“, oder „Du machst die Augen zu, und wenn ich herumhüpfe, machst du die Augen auf und sagst: ‚Da ist ja ein Dino in meiner Küche‘, das ist so lustig.“ Zehnmal ist das lustig, aber nicht 100-mal und nicht jeden Tag wieder. Doch die immer wieder gleichen Spielabläufe sind wichtig, um soziale Regeln zu verinnerlichen. Dazu gehört auch, Mama und Papa ein bisschen herumzukommandieren: „So geht das nicht, du musst das so machen, nein, so!“ Ganz schön anstrengend, aber für die Kleinen mit dem großartigen Gefühl verbunden, auch mal Bestimmer zu sein. Das macht sie stark und lässt ihr kleines Selbst wachsen.

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Spielen ist eines der besten und dynamischsten Vehikel für soziales Lernen und Kommunikation

So wichtig es ist, sich auf Spielideen einzulassen, übertreiben muss man es damit aber nicht. Ein Spiel ist es nämlich nur, wenn beide Spaß haben. Wie das geht, kann man sich ein bisschen bei älteren Kindern und Teenagern abschauen. Bei ihnen ist die Erinnerung an ihre eigenen Kinderspiele noch wach, und sie haben kein Problem, sich auch mal durchzusetzen und zu erklären, wie man ein Spiel variieren kann, damit es auch ihnen Spaß macht.

Vermutlich wird man erst mal auf Widerstand stoßen, wenn man nach der 100sten Wiederholung erklärt: „Jetzt möchte ich mal die Prinzessin sein, die ein Pferd hat und reiten kann“ oder „Für unser Haus baue ich jetzt den Turm“. Das macht aber nichts. So wichtig der Spaß an der Sache ist, so wichtig ist es, dass Kinder ihr Missvergnügen zum Ausdruck bringen und ein bisschen herumstreiten. Genau aus diesem Grund ist Spielen eines der besten und dynamischsten Vehikel für soziales Lernen und Kommunikation. Übrigens muss man nicht immer nur mit Spielfiguren, Autos und Klötzen agieren. Kochen, Putzen, Reparaturen und Gartenarbeit sind für die Kleinen immer interessant und lustig. Vorausgesetzt, sie dürfen weitgehend selbstständig werkeln.

Mit 8 – ich hab gewonnen!

Kinder beim Tauziehen
iStock, BraunS

Spielen ist jetzt vor allem Wettkampf. Drei Fragen an den Bewegungs- und Spieletrainer Dieter Bigler.

Unser Sohn liebt Wettkämpfe. Ist es okay, wenn wir ihn gewinnen lassen?
Jein. Wenn zwei so ungleiche Spielpartner wie Klein und Groß gegeneinander antreten, stellen sich Kinder einer großen Herausforderung. Oft haben sie eigentlich keine Chance, einen stärkeren und versierten Erwachsenen zu besiegen. Da darf man schon mal ein Auge zudrücken. Grundsätzlich wollen Kinder aber, dass man sie für voll nimmt. Sie wollen ja mal genauso gut werden wie die Großen. Das bekommt man hin, wenn man nicht gegen-, sondern miteinander antritt und sich darüber austauscht, wie sich Spiel- oder beispielsweise Lauftechniken verbessern lassen. Super sind auch Wettkämpfe, bei denen zwei Familien gegeneinander antreten, etwa Tauziehen oder ein Wettlauf, bei dem jede Gruppe gemeinsam ans Ziel kommen muss.

Hier zählt nämlich die Gesamtleistung von Klein und Groß. Das vermittelt spielerisch, dass es weniger aufs Siegen ankommt, sondern auf Teamgeist und Rücksicht mit noch nicht so starken Mitspielern.

Wichtig sind auch Rituale

Wenn unser Kind verliert, gibt es immer ein Theater. Wie lernt es Siegen und Verlieren?
Auch hier werden Eltern dringend als Spielpartner gebraucht, die verständnisvoll und geduldig vermitteln, dass es zum Gewinnen ja immer auch ein bisschen Glück braucht. Wichtig sind auch Rituale. Nach jedem Spiel kann man beispielsweise sagen: „Es hat großen Spaß gemacht, mit dir zu spielen, danke. Jetzt spielen wir noch eine Runde Uno und schauen, was passiert.“ Anders als unter Kindern, wo die Rückmeldungen gegenüber einem „Verlierer“ mitunter etwas barsch ausfallen, können Eltern vorleben, wie ein fairer Sieger auftritt: respektvoll und bescheiden.

Fairplay funktioniert bei unserem Kind gar nicht. Was kann man da machen?
Dass es zwischen Kindern dieser Altersgruppe zu Reibereien kommt, ist völlig normal, selbst wenn dabei auch mal erbittert gestritten wird. Kinder haben eigene Regeln, und die handeln sie am besten unter ihresgleichen aus. Droht die Sache aus dem Ruder zu laufen, können Eltern schlichten, allerdings möglichst, ohne Partei zu ergreifen. Das mögen Kinder gar nicht. Besser man vermittelt, wie man zwischen Kontrahenten Brücken baut. Vielleicht so: „Beim nächsten Spiel achtet jeder von euch darauf, dass er selbst die Regeln einhält. Für Beleidigungen, Schubsen, Schummeln und Ähnliches gibt’s die rote Karte. Alles klar?“

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Mit 12 – Sportskanone oder Couchpotatoe

Mädchen liest
iStock, Judith Haeusler

Drängeln und Besserwisserei erzeugen meist eher das Gegenteil von Bewegungsfreude.

„Sport ist ein Riesending bei uns“                                  
„Wir bewegen uns sehr gern und unternehmen viel draußen. Radfahren, Fußball, Tennis, Schwimmen, Klettern. Der größte Spaß für unsere Kinder ist, wenn sie uns im Tischtennis-Doppel besiegen und mir oder meiner Frau ein Tor nach dem anderen reinsemmeln. Da sind die beiden schon richtig gut. Sie wissen, dass wir immer mit vollem Einsatz kämpfen und sie nicht einfach gewinnen lassen. Wir versuchen, unsere Kinder und ihre Leistungsfähigkeit ernst zu nehmen, und gaukeln ihnen nicht vor, dass sie super sind, wenn sie es nicht sind.
Wir spielen auch jeden Tag zusammen, am Wochenende wird schon beim Frühstück gekartelt und gekniffelt. Da fliegen immer noch manchmal Karten oder Würfel vom Tisch, wenn’s für einen der beiden nicht gut läuft. Wir spielen trotzdem. Unsere Kinder verstehen allmählich, dass es im Spiel wie im wirklichen Leben ist. Da hat man auch manchmal Pech, selbst wenn man sich voll ins Zeug legt.“
Sina und Jochen, 39, eine Tochter, 10, zwei Söhne, 12 und 13

„Mein Sohn kriegt seinen Hintern nicht mehr hoch“
„Wenn Spielen, dann Konsole. Bloß nicht Fußball, Skaten, Badminton, das ist Leo viel zu anstrengend. Früher hat er das total gern gemacht, auch Brett- und Kartenspiele mochte er. Aber das ist kein Thema mehr. Wenn ich ihn dränge, mit mir zu kickern oder Rad zu fahren, kriegt er sofort schlechte Laune und verschwindet hinter seinem Computer. Seit der Trennung habe ich Leo nur in den halben Ferien und an zwei Wochentagen. Da ist es für mich schwierig, ihn zu Unternehmungen zu bewegen, auf die er absolut keine Lust hat.
Also habe ich Computerspiele gekauft, die wir zusammen spielen und die uns beiden Spaß machen. Dann geht Leo auch aus sich raus und redet mit mir. Über die Sachen, die ihn interessieren, oder was gerade in seiner Klasse los ist. Sonst ist er eher verschlossen. Aber beim Spielen kommen wir uns wieder näher. Manchmal umarmt er mich sogar und sagt, dass es super mit mir ist. Ich bin zuversichtlich, dass er irgendwann wieder mit mir aufs Rad steigt.“
Alex, 41, ein Sohn, 13

Do's und Dont's für mehr Spielspaß mit Teenagern

Immer gut:

  • Regelmäßig Spielabende verabreden. Und sich anschließend bedanken: „Das hat echt Spaß gemacht mit dir.“
  • Herrliches Wetter, jede Menge Zeit, aber das Kind denkt nicht daran, sich vom Sofa zu bewegen? Einfach mal lassen. Phasenweise sind fast alle Teenager ziemlich träge. Es sieht zwar nicht so aus, aber auch dann bewegen sie sich, nämlich emotional und geistig.
  • Es muss nicht immer Fuß-, Hand- oder Basketball sein. Manche Teenager begeistern sich eher für Spiele und Sportarten, die sie allein oder zu zweit machen können. Zum Beispiel Schach, Skaten, Bogenschießen, Qigong, Rudern oder Ringen.
  • Gemeinsam ein neues Spiel oder eine neue Sportart lernen und seinem Teenager dabei die Führung überlassen.
  • Ins Teenie-Zimmer gehören nicht nur Spiegel und Computer, sondern auch Punchingball, Boxsack, Basketballkorb, Turnringe oder Yogamatte und Audioboxen für den richtigen Sound. Wenn Teenager sportliche Gerätschaften vor der Nase haben, besteht eine gute Chance, dass Bewegung ins Spiel kommt.

Besser lassen:

  • „Ein bisschen Bewegung würde dir ganz guttun.“ Auf solche Bemerkungen reagieren Teenager empfindlich.
  • Nicht drängeln („Warum machst du keinen Sport mehr?“)! Das erzeugt nur Widerstand, und als Antwort bekommt man ohnehin nur: „Keinen Bock!“
  • Nicht um des lieben Friedens gewinnen lassen. Dafür sind Teenager wirklich schon zu groß.
  • Keine Urteile wie „Du bist ein schlechter Verlierer.“ Selbst wenn das zutrifft, Verständnis bringt mehr. Man kann zum Beispiel sagen: „Verlieren ist wirklich nicht leicht. Mich wurmt das auch. Manchmal brauche ich einen Moment allein. Anschließend fühle ich mich wieder fit für eine Revanche.“
  • Nicht provozieren lassen. Wenn Teenager ihre Überlegenheit ausspielen, stecken nicht selten verletzte Gefühle dahinter. Die teilen sie einem vielleicht sogar mit, wenn man mit einem ruhigen „Bitte, sei fair mit mir“ reagiert.