Interview
 
Wörter sind Wissen

Fördern ist einfacher, als Eltern manchmal denken, und vieles tun sie intuitiv. ELTERN-FAMILY sprach darüber mit der Münchner Kinder und Jugendlichentherapeutin Florence Volpers, selbst zweifache Mutter.

Interview: Wörter sind Wissen
Eltern.de

Wie kann ich mein Kind frühzeitig und intensiv fördern?
Die wichtigste Grundlage für frühes intellektuelles, motorisches und kreatives Lernen ist Sicherheit und Vertrauen. Wenn ein Kind von seinen Eltern liebevolle Zuwendung, Rituale, aber auch Konsequenz erfährt, hat es die besten Chancen, dass sich seine Begabungen und Talente optimal entwickeln.

Welche Angebote regen besonders an?
In erster Linie sprachliche. Vorlesen, Singen, aber auch intensiv Geräuschen oder Vogelstimmen zuzuhören, stimuliert schon sehr kleine Kinder. Je größer der Wortschatz, desto besser lässt sich die Welt erfassen und verstehen. Intensive Kommunikation aktiviert das Gehirn und führt zu vielen Verbindungen zwischen einzelnen Gehirnzellen. So funktioniert Lernen, so baut sich Intelligenz auf.

In anderen Ländern werden Kinder früher als bei uns mit naturwissenschaftlichen Zusammenhängen vertraut gemacht. Halten Sie das für wichtig?
Unbedingt, denn so werden spielerisch abstraktes und komplexes Denken, aber auch das bildliche Vorstellungsvermögen geschult. Leider kommt das in deutschen Kindergärten zu kurz. Deshalb fördern Eltern ihr Kind sehr, wenn sie es physikalische und chemische Phänomene im Alltag ausprobieren lassen. Natürlich unter Aufsicht und Anleitung. Gießen Sie zum Beispiel Ihrem Kind dieselbe Menge Saft in ein niedriges, aber weites Glas. Dann wird in ein enges, aber hohes Glas umgeschüttet - jetzt sieht der Saft nach viel mehr aus. Oder: Welche Materialien schwimmen auf Wasser, welche gehen unter? Was passiert, wenn ich über eine brennende Kerze ein Glas stülpe?

Kann ein Kindergartenkind das schon aufnehmen?
Kinder sind, wenn der emotionale Rahmen stimmt, sehr neugierig und wissbegierig. Lernen ist ein urmenschliches Bedürfnis. Ob sie sich alles merken, ist eine andere Frage. Das hängt davon ab, wie oft und wie viel wiederholt wird. Es bringt nicht allzu viel, wenn ich mein Kind einmal pro Woche in einen Englischkurs bringe. Lese ich ihm aber täglich auf Englisch vor, lasse es CDs hören oder mit englischsprachigen Kindern spielen, dann werden ganze Sätze in seinem Langzeitgedächtnis gespeichert.

Früh fördern heißt also möglichst viel Futter fürs Gehirn?
Bewegung, Tanzen, Malen, Rollenspiele, Musikmachen sind mindestens genau so wichtig. Denn auch damit wird das Gehirn stimuliert. Kinder, die frühzeitig die Chance haben, sich kreativ auszuleben und auszudrücken, werden sicherer, selbstbewusster und glücklicher.

Und was ist mit normalen Spielen?
Memory, Puzzles, Würfel- und Brettspiele sind wunderbar. Sie trainieren die Konzentration, das Gedächtnis, das Zahlenverständnis und - ganz wichtig - die soziale Kompetenz. Abwarten können, Verlieren lernen, all das sind wichtige Fähigkeiten, um im Leben zurechtzukommen.

Kann frühes Fördern ein Kind auch überfordern?
Nur wenn Eltern ihren eigenen Ehrgeiz und ihr eigenes Tempo zum Maßstab nehmen. Außerdem muss genug Zeit bleiben, damit das Kind immer wieder Ruhe findet, sich zurückziehen kann und aus dieser Langeweile heraus kreativ wird. Aufpassen sollten Eltern auch, dass die Förderung eines Kindes nicht die Eltern selbst und die Gesamtfamilie überfordert. Kreuz und quer durch die ganze Stadt fahren, um zur musikalischen Früherziehung zu kommen, bedeutetet Stress für alle.