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Siri, Alexa und Co. Sprachassistenten können die Kindesentwicklung negativ beeinflussen

Sind Alexa, Siri & Co. schlecht für Kinder? Kind spricht in einen Sprachassistenten
© shara / Adobe Stock
Britische Forschende haben die Auswirkungen von Sprachassistenten auf die Entwicklung von Kindern untersucht. Das Ergebnis: Die smarten Alltagshelfer können einen negativen Einfluss auf die Kleinen haben.

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In vielen Haushalten sind sie mittlerweile kaum wegzudenken: Sprachassistenten wie Alexa oder Echo, die unseren Alltag einfacher und komfortabler machen sollen. Wissenschaftler:innen der britischen Cambridge Universität wollen nun allerdings herausgefunden haben, dass die technischen Alltagshelfer negative Auswirkungen auf die Entwicklung von Kindern haben können.

Cambridge-Forscher:innen kommen zu dem Schluss: Sprachassistenten können langfristig schaden.

Das Forschungsteam hat sich mit der Frage befasst, ob Kinder durch häufigen Kontakt mit Sprachassistenten in ihrer Entwicklung beeinträchtigt werden. Das Ergebnis: Der Gebrauch kann zu negativen Auswirkungen auf die kognitive, soziale und sprachliche Entwicklung führen. Hauptsächlich bestünde das Problem darin, dass die Kinder den Sprachassistenten menschliche Eigenschaften zuschreiben würden – und diese dann nachahmen. Die Resultate können ein langfristig negativer Einfluss auf Empathie, Sprachentwicklung und kritisches Denken sein. Und das sind die Gründe, die die Wissenschaftler:innen dafür sehen:

  • Nachahmung: Kinder imitieren die monotonen Stimmen oder sprachlichen Fehler der Geräte und werden so in ihrer Sprachentwicklung gehemmt.
  • Befehlston: Kinder erlernen durch das reine Erteilen von Befehlen nicht die üblichen sozialen Umgangsformen der menschlichen Kommunikation.
  • Unterkomplexität: Sprachassistenten benötigen einfache Ansagen. Kindern fehlt so die Gelegenheit, komplexere Fragen zu formulieren.
  • Einseitige Kommunikation: Sprachliche Interaktion ist wichtig für den Spracherwerb und die Ausprägung sozialer Verhaltensweisen. Sprachassistenten geben keine Rückmeldung und bieten auch keine nonverbale Kommunikation. Kindern fehlt hier das Feedback, um ihre Kommunikationskompetenzen bestmöglich auszubilden.
  • Fehlende Informationssuche: Einfache Antworten auf kindliche Fragen beeinträchtigen das Herausbilden von kritischem Denkvermögen und die Fähigkeit von logischen Schlussfolgerungen. Außerdem fehlt der Anreiz, selbst Informationen zu recherchieren und diese auf ihre Glaubwürdigkeit hin zu untersuchen.

Die Wissenschaftler räumen jedoch ein, dass Sprachassistenten auch positive Nutzen haben können – etwa einen schnellen Informationszugang – und sehen weiteren Forschungsbedarf, der sich mit den langfristigen Folgen für Kinder befasst.

8 Tipps für eine gelungene Kommunikation mit Kindern

Auch wenn Sprachassistenten im Hinblick auf die kindliche Entwicklung kritisch zu betrachten sind: verteufeln muss man sie nicht. Gelegentlich ein Lieblingslied über den smarten Lautsprecher abzuspielen, wird keinen großen Schaden verursachen – wenn euer Kind im Alltag genug andere Gelegenheiten hat, um seine soziale und sprachliche Kompetenz auszubilden. Dabei hilft ihm eine sprachförderliche Grundhaltung in seinem Umfeld. Wie ihr diese Haltung einnehmen könnt, haben wir in unseren 8 Tipps für eine gelungene Kommunikation mit Kindern für euch zusammengefasst:

  1. Ungeteilte Aufmerksamkeit schenken: Geht so oft es geht in den direkten Austausch mit eurem Kind und widmet ihm eure ungeteilte Aufmerksamkeit. Lasst euer Kind ausreden und vervollständigt keine Sätze – auch wenn ihr bereits wisst, was es sagen möchte.
  2. Aktive:r Zuhörer:in sein: Gebt eurem Kind die Gelegenheit, sich mitzuteilen – und reißt das Gespräch nicht gleich an euch, auch wenn es etwas länger zum Erzählen braucht. Beantwortet die Fragen eures Kindes und hört genau zu, was es sagt.
  3. Nonverbale Signale senden: Achtet auf Blickkontakt, Berührungen, Zugewandtheit und Mimik sowie Gestik – all diese Elemente der nonverbalen Kommunikation kann euer Kind nur im menschlichen Austausch erlernen.
  4. Rückmeldungen zum Gesprächsverhalten geben: Um die Fähigkeit zur sozialen Kommunikation zu fördern, könnt ihr eurem Kind altersangemessen Feedback zu seinem Gesprächsverhalten geben. Dazu gehören: Ausreden lassen, ein freundlicher und respektvoller Umgangston sowie das Aufeinandereingehen der Gesprächsparteien.
  5. Gespräche in größeren Gruppen führen: Um eurem Kind frühzeitig zu vermitteln, dass es als Gesprächspartner ernst genommen wird, bieten sich Gespräche in größeren Runden an. Möglich ist etwa ein wöchentlicher „Familienrat“, bei dem alle Themen gemeinsam besprochen werden. Das gibt eurem Kind Selbstbewusstsein und verleiht ihm die Fähigkeit, sich auch in größeren Gesprächsgruppen durchzusetzen – oder anzupassen.
  6. Positive Bestärkung vermitteln: Auch wenn euch das liebste Gesprächsthema eures Kindes vielleicht nur wenig interessiert: fragt nach, wenn es von seinen Interessen berichtet und greift seine Äußerungen in eurer Unterhaltung auf. So lernt es, dass es aktiver Teil einer Kommunikation sein kann.
  7. Nicht zum Problemlöser werden: Ermöglicht eurem Kind, Probleme selbst zu formulieren und Gedanken eigenständig zu Ende zu denken. Also nicht ungefragt alles erklären, sondern das Kind zum eigenen Nachdenken anregen.
  8. Ich-Botschaften nutzen: Auch Streiten ist eine kommunikative Fähigkeit – und die will gelernt sein! Vermittelt eurem Kind, dass sich Gefühle und Wünsche gut mittels Ich-Botschaften überbringen lassen – und ein Streit so meistens viel konstruktiver wird.  

Quellen:

ELTERN

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