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Trocken werden Tschüss, Windel! So unterstützt ihr euer Kind beim Sauberwerden

Kinderfüße vor Töpfchen auf dem Boden
© EvgeniiAnd / Adobe Stock
Trocken werden benötigt Zeit – Eltern sollten den Prozess einfühlsam und ohne Druck begleiten. Jedes Kind hat sein individuelles Tempo und sendet Signale, wann es bereit ist, seine Windel wegzulassen. Wir verraten euch, was eurem Kind hilft und was ihr besser vermeidet.  

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Der Übergang von der Windel zum Töpfchen oder zur Toilette ist ein Meilenstein im Leben eures Kindes – und für diesen Entwicklungsschritt benötigt ihr vor allem eines: Geduld. Denn euer Kind hat sein ganz individuelles Tempo und signalisiert euch, wann es bereit ist, trocken zu werden. Erst dann macht es Sinn, sich aktiv mit dem Thema auseinanderzusetzen. Welche Signale das sind und wie ihr den Prozess unterstützen könnt, lest ihr hier.

Wann sind Kinder im Durchschnitt trocken?

Manche Kinder zeigen bereits mit zwei Jahren, dass sie trocken werden möchten, andere benötigen auch im Alter von fünf Jahren nachts noch eine Windel. Wie auch beim Sprechen oder Laufen entwickelt sich jedes Kind individuell. Grundvoraussetzung für die Benutzung des Töpfchens ist jedoch, dass euer Kind körperlich in der Lage ist, seine Blase und seinen Darm zu kontrollieren.
Tatsächlich sind Eltern oft verunsichert, welches Alter "normal" für die Sauberkeitserziehung ist. Immerhin versuchen uns ältere Generationen oft weiszumachen, dass Kinder früher bereits mit einem Jahr windelfrei waren. Doch das ist heute nicht mehr die Norm – das altbekannte Töpfchentraining übt einen Druck auf eure Kinder aus, der kontraproduktiv für den Prozess des Sauberwerdens ist. Ein Reifungsprozess, der meist zwischen zwei und fünf Jahren abgeschlossen ist und sich über mehrere Monate erstrecken kann.

Welche Signale gibt euch euer Kind?

Ab einem bestimmten Zeitpunkt interessieren sich die meisten Kinder für die Tatsache, dass sie eine Windel tragen. Und dass Mama und Papa dies nicht tun. Stattdessen gehen sie auf eine Toilette und benutzen Klopapier und eine Klobürste. Euer Kind interessiert sich nun brennend für die ganzen Utensilien und kann möglicherweise schon artikulieren, dass seine Windel voll ist. Folgende Anzeichen geben Aufschluss darüber, ob der Zeitpunkt für den Windelfrei-Startschuss gekommen ist:
  • Euer Kind möchte Klopapier und Toilettenbürste selbst benutzen, die Spülung betätigen und zeigt generelles Interesse an Toilettengängen.
  • Die Windel bleibt tagsüber bereits für drei bis vier Stunden trocken - dein Kind hat demnach bereits eine gewisse Blasenkontrolle – und wenn sie voll ist, kann dein Kind dies verbal oder nonverbal ausdrücken.
  • Es hat Freude daran, die Hose aus- und anzuziehen und zeigt euch an, wann das große Geschäft kommt.
  • Es guckt sich Verhaltensweisen von allen Familienmitgliedern ab, insbesondere von älteren Geschwistern, und möchte gelobt werden.
  • Das Windeln macht keinen Spaß mehr und ist ein Kraftakt, weil euer Kind sich windet, und alles alleine machen möchte.
Sobald ihr diese Anzeichen bemerkt, könnt ihr eurem Kind ein Töpfchen oder einen Toiletten-Aufsatzfür die Toilettenbrille näher bringen. Wie immer gilt: Erstmal probieren und ganz ohne Druck an die Sache rangehen.

Wie lange dauert das Trocken werden?

Vom ersten Versuch, euer Kind auf ein Töpfchen zu setzen bis zu dem Zeitpunkt, dass es nachts ohne Windel schlafen kann, vergeht einige Zeit. Meistens sind es mehrere Monate, manchmal dauert es auch bis zu einem Jahr – inklusive Rückschlägen.
Meist sind Kinder bereits tagsüber trocken, das nächtliche Einnässen kann indes länger andauern. Außerdem ist es einfacher, die Blase zu entleeren, als das große Geschäft auf einem Toilettenaufsatz zu verrichten. Für viele Kinder ist es eine große Überwindung, ihr Geschäft in ein "schwarzes Loch" zu verrichten. Damit euer Kind seinen Stuhlgang nicht zurückhält, ist Fingerspitzengefühl und jede Menge Geduld gefordert. Wenn Eltern jedoch merken, dass es gar nicht klappen will, sollten sie den Prozess vorerst abbrechen, den Druck rausnehmen und zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal neu starten.

Wie könnt ihr euer Kind beim Windel-Abschied unterstützen?

Kinder werden in zahlreichen kleinen Schritten sauber. Ihr könnt sie dabei immer unterstützen, indem ihr liebevoll begleitet und mit Verständnis reagiert. Doch Achtung: Versprecht eurem Kind keine Belohnungen für die Benutzung des Töpfchens. Lob ja, Belohnung nein. Belohnungen für "selbstverständliche" Dinge sind kontraproduktiv, da euer Kind genau versteht, was es dafür tun oder eben nicht tun muss. Sie sollten etwas Besonderes bleiben.
Folgende neun Tipps helfen euren Kindern beim Trocken werden:
1. Toilettengang üben
Bevor euer Kind richtig aufs Töpfchen oder einen Toiletten-Aufsatz geht, müsst ihr es erst mal spielerisch an den Toilettengang ranführen. Zeigt ihm, was es Schritt für Schritt machen muss, um sein kleines oder großes Geschäft zu verrichten. Hose ausziehen, pullern, abwischen, wieder anziehen, Töpchen ausschütten und abspülen. All das kann eurem Kind auch Spaß machen.
2. Selber entscheiden
Lasst eurem Kind die Wahl, ob er lieber das Töpfchen oder den Toiletten-Aufsatz benutzen möchte – und sollte es das Töpfchen präferieren, muss dieses auch nicht in einer festen Ecke stehen. Euer Kind fühlt sich hinter der Gardine am sichersten? Dann lasst es doch dort aufs Töpfchen gehen. Es erspart euch Stress und unterstützt möglicherweise den Prozess.
3. Nicht ständig Nachfragen
Musst du noch mal auf Toilette? Bist du sicher? Wir fahren jetzt lange Auto. Solche und ähnliche Fragen kennen wohl alle Eltern, deren Kinder gerade trocken werden. Trotzdem ist es besser, nicht ständig nachzufragen. Euer Kind muss selbst lernen, wann es Zeit ist, auf Toilette zu gehen. Bitte gebt eurem Kind auch abends nicht weniger zu trinken, damit es nachts nicht ins Bett pinkelt. Sorgt aber dafür, dass es unmittelbar vor dem Schlafengehen die Toilette aufsucht.
4. Klo-Lektüre geben
Nur auf dem Töpfchen sitzen, kann ganz schön langweilig werden. Viel besser ist das Ganze doch mit der geeigneten Lektüre. Leo Lausemaus oder Bobo Siebenschläfer auf ihren Klo-Abenteuern zu begleiten, macht nicht nur mehr Spaß, es dient auch als kleiner Ansporn, selbst sein Geschäft zu verrichten.  
5. An Lieblingspuppe/Kuscheltier üben
Nicht nur euer Kind, auch seine Lieblingspuppe oder sein Lieblingskuscheltier verzichten ab sofort auf ihre Windel. Nehmt sie mit auf Toilette und übt gemeinsam. Ihr könnt dafür auch einen kleinen Topf für die Puppi basteln, damit das Ganze besser klappt.
6. Kinder loben
Lobt euer Kind immer, wenn es das Töpfchen erfolgreich genutzt hat. Generell solltet ihr eurer Kind bei jedem Schritt des Trockenwerdens loben und unterstützen und euch nicht enttäuscht zeigen, wenn mal ein Malheur passiert.
7. Im Sommer anfangen
Im Idealfall beginnt ihr im Sommer mit der windelfreien Zeit. Euer Kind ist leichter bekleidet und kann sich so schneller ausziehen, wenn es auf Toilette muss. Es hilft auch, sein Kind zuhause oder im Garten untenrum nackt rumlaufen zu lassen. Kinder, die sonst immer eine Windel umhatten, sind zunächst erstaunt über die Flüssigkeit, die aus ihnen rauskommt. Das kann man übrigens auch schon machen, bevor es ans Trockenwerden geht. Einfach, damit sich das Kind besser kennenlernt.
8. Respektvoll miteinander umgehen
Selbst wenn euch der Prozess noch so sehr anstrengt und ihr findet, dass das Ganze nicht schnell genug geht: Bleibt eurem Kind gegenüber immer respektvoll und blamiert es nicht vor anderen Kindern oder Müttern in seiner Gegenwart, indem ihr etwa über das Einnässen sprecht.
9. Rückfälle einplanen
Euer Kind ist bereits seit einigen Wochen tagsüber "trocken", doch plötzlich macht es wieder vermehrt in die Hose? Das ist nicht ungewöhnlich. Insbesondere wenn euer Kind krank ist, macht es erneut Rückschritte. Auch Stress, Aufregung, plötzliche Veränderungen oder neue Dinge, die es gerade erlernt, können dazu führen, dass es erneut einnässt. Reagiert nicht mit Verärgerung oder Enttäuschung, sondern bewahrt Ruhe und Geduld. Schenkt eurem Kind positive Aufmerksamkeit und findet heraus, ob es etwas gibt, das ihr an der Situation verändern könnt. 

Warum klappt es nicht mit dem Sauberwerden?

Es gibt einige Gründe, warum es nicht so recht mit dem Trockenwerden klappen möchte. Wenn ihr euer Kind unterstützen wollt, dann vermeidet am besten folgende fünf Fehler:
  1. Das Alter bestimmt den Startschuss: Euer Kind ist schon zwei Jahre alt und zeigt noch keinerlei Ambitionen, seine Windel loszuwerden? Macht überhaupt nichts. Es gibt kein bestimmtes Alter, in dem damit gestartet wird, trocken zu werden. Auch wenn ältere Generationen dies gerne anders sehen. Vergleicht euer Kind auch nicht mit anderen Kindern, die eventuell mit zwei Jahren schon trocken sind. Vergleiche sind demotivierend und beschleunigen auch nicht die individuelle Entwicklung eures Kindes.
  2. Die Kita weiß nicht Bescheid: Wenn euer Kind erstes Interesse am Toilettengang bei Mama und Papa zeigt – und sich zu Hause auch schon auf ein Töpfchen setzen möchte – dann erzählt das auch euren Erzieher:innen. Startet gemeinsam in die windelfreie Zeit. Sonst ist euer Kind am Wochenende womöglich schon "trocken", doch unter der Woche lässt es sich weiterhin die Windel anziehen. Das gilt es natürlich zu vermeiden.
  3. Der Zeitplan muss eingehalten werden: Manche Eltern lassen sich jeden Bereich des Lebens von einem Zeitplan diktieren. Ab vier Lebensmonaten starten wir in die Beikost, mit einem Jahr wird im eigenen Bett geschlafen und ab zwei Jahren muss das Kind trocken sein. Ideal wäre es außerdem, wenn das erste Kind durchschläft, wenn das zweite Kind zur Welt kommt – oder zumindest keine Windel mehr benötigt. Leider lässt sich das Leben eurer Kinder nicht so leicht in Zeitpläne einordnen. Stattdessen ist es wichtig, die Bedürfnisse eures Kindes zu erkennen und sich daran zu orientieren.
  4. Das Trockenwerden ist ein Training: Der alte Begriff "Töpfchentraining" suggeriert bereits, dass man das Trockenwerden vor einigen Jahrzehnten noch trainiert hat. Dazu wurden schon Kinder unter einem Jahr in regelmäßigen Abständen auf das Töpfchen gesetzt, um das Wasserlassen zu üben. Und zwar so lange, bis etwas kam. Pädagogisch betrachtet ist ein solcher Ansatz nicht mehr zeitgemäß, da er die individuelle Entwicklung eines Kindes völlig außer Acht lässt.
  5. Das Kind erhält Strafen und Belohnungen: "Wenn du jetzt nicht Kacka oder Pipi machst, geht es ohne Geschichte ins Bett" – angedrohte Bestrafungen sind absolut kontraproduktiv. Sie erzeugen lediglich Druck bei eurem Kind, sodass dieses sich noch mehr vor dem Prozess sträubt. Belohnungen für ein natürliches Grundbedürfnis sind ebenso fragwürdig. Kinder sollten diesem ganz ohne positive und negative Konsequenzen nachgehen können.  
Quellen: 
Kindergesundheit-info.de: Trocken und sauber werden
Gesundheitsinformation.de: Unterstützung beim Trocken und sauber werden
ELTERN

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