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Stiftung Lesen Laut Umfrage: Jedem fünften Kind wird nie vorgelesen

Vater liest seinem Sohn ein Kinderbuch vor
© AYAimages / Adobe Stock
Kinder, denen regelmäßig vorgelesen wird, haben einen größeren Wortschatz und weniger Startschwierigkeiten in der Grundschule. Trotzdem lesen in Deutschland etwa 40 Prozent aller Eltern ihren Kindern selten bis nie vor, wie eine Umfrage der Stiftung Lesen ergibt.

Kinder lieben es, Bücher gezeigt und vorgelesen zu bekommen. Selbst im Babyalter, wenn die Kleinen noch nicht verstehen, was ihnen erzählt wird, sind solche Momente wichtig. Denn auf die Kinder wirken die Stimmen von Mama und Papa beruhigend und die vorgetragenen Reime oder Sätze prägen sich ein. Für viele Kinder gehört das Vorlesen hierzulande jedoch nicht zum Alltag, wie die Stiftung Lesen in Berlin im sogenannten Vorlesemonitor mitteilt.

39 Prozent der Eltern lesen selten bis nie vor

Im Rahmen des Vorlesemonitors wurden die Aussagen von 839 Müttern und Vätern von ein- bis achtjährigen Kindern ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen: Jedem fünften Kind wird nie vorgelesen. Der Anteil erhöht sich mit den Kindern, denen selten vorgelesen wird, auf etwa 39 Prozent. Zum Vergleich: 2019 lag der Anteil der Eltern, die ihren Kindern selten bis nie vorlasen, noch bei 32 Prozent. Im gleichen Zeitraum ist der Anteil der Mütter und Väter, die ihren Kindern nie vorlesen, von acht auf 20 Prozent gestiegen.
61 Prozent der befragten Eltern nehmen regelmäßig bzw. mehrmals pro Woche ein Buch zur Hand, um ihren Kindern daraus vorzulesen. Wie die Umfrage zeigt, spielt auch das Bildungsniveau beim Vorleseverhalten eine Rolle. 31 Prozent der Eltern, die einen Hauptschulabschluss oder keinen Abschluss haben, lesen demnach nie vor. In Familien, deren Eltern einen höheren Bildungsabschluss besitzen, liegt dieser Anteil bei 18 Prozent. Darüber hinaus sind es eher die Mütter, die den Kindern eine Gutenachtgeschichte vortragen.

Schulkindern wird weniger vorgelesen

Zwei- bis vierjährigen Kindern wird am meisten vorgelesen. Viele Eltern beginnen vergleichsweise spät damit – etwa mit oder nach dem zweiten Geburtstag ihres Kindes. Dabei ist es wichtig, dass Kinder bereits im Babyalter an Bücher herangeführt werden, da dies nicht nur die Sprachentwicklung fördert, sondern auch eine hohe emotionale Bedeutung hat.
Mit dem Eintritt in die Schule steigt der Anteil der Kinder, denen nie vorgelesen wird, an – und erreicht bei den Achtjährigen mehr als die Hälfte. Insbesondere in dieser Übergangszeit, in der Kinder das eigenständige Lesen erlernen, ist es wichtig, weiter vorzulesen. Kinder seien sonst frustriert oder gehemmt zu lesen. Tatsache ist, dass flüssiges Lesen und Verständnis für Texte wichtig für den gesamten weiteren Bildungsverlauf ist.

Warum die Bereitschaft zum Vorlesen fehlt

Die Gründe für das fehlende Vorleseverhalten sind vielfältig. 50 Prozent der befragten Eltern erklärten etwa, dass es im Haushalt andere Dinge zu tun gäbe und sie zu erschöpft zum Vorlesen seien. Der anderen Hälfte mache das Vorlesen schlicht und ergreifend keinen Spaß. 44 Prozent der Mütter und Väter gaben an, dass ihre Sprösslinge zu unruhig für das Vorleseritual seien und sich nicht auf das Gelesene konzentrieren können. 31 Prozent der Eltern betonten, dass ihre Töchter und Söhne selbst nichts vorgelesen bekommen wollen.
4 Tipps für entspannte Vorlesemomente
Ihr möchtet euren Kindern gerne mehr vorlesen, wisst aber nicht, wie ihr das Ritual in euren Alltag integrieren sollt? Wir haben vier Tipps, wie das Lesen für beide Seiten zu einem schönen Erlebnis wird.
  1. Der richtige Zeitpunkt: Viele Eltern lesen gerne kurz vor dem Einschlafen aus einem Kinderbuch vor, um den Tag entspannt ausklingen zu lassen. Macht euer Kind bettfertig und legt euch anschließend daneben. Die meisten Kinder mögen es, wenn sie Papa oder Mama dabei auch nochmal kuscheln können.
  2. Der passende Ort: Wählt zum Vorlesen einen ruhigen und gemütlichen Ort aus. Das kann das Sofa im Wohnzimmer oder das Bett im Schlafzimmer sein – wichtig ist, dass euer Kind sich auf die Geschichte konzentrieren kann und nicht von anderen Geräuschen abgelenkt wird.
  3. Das geeignete Buch: Lasst euer Kind wählen, welches Kinderbuch vorgelesen wird. So könnt ihr sichergehen, dass es die Geschichte auch wirklich hören möchte. Und wenn das die 20. Wiederholung der "Eiskönigin" ist, dann ist das eben so. Wir haben 5 Kinderbücher für magische Lesemomente
  4. Die richtige Art und Weise: Habt selbst Spaß daran, vorzulesen. Verstellt zum Beispiel eure Stimmen und macht immer wieder Pausen, damit euer Kind der Geschichte folgen kann. Eventuell kennt euer Kind manche Buchpassagen auswendig und möchte diese selbst aufsagen? Wichtig ist auch, Rückfragen zuzulassen und mit eurem Kind über das Gehörte zu sprechen. Lasst e vor- und zurückblättern, auch wenn ihr gerne weiterlesen möchtet. Letztlich ist es doch schön, wenn euer Kind Interesse für die Geschichte entwickelt und diese verinnerlicht.
ELTERN

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