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Emotionales Lernen Wie kann ich mit meinem Kleinkind über Gefühle reden?

Weinender kleiner Junge, der seine Mutter umarmt
© Ksenia Shestakova / Shutterstock
Gerade im Kleinkindalter gestaltet sich die (verbale) Kommunikation mit Kindern noch etwas holprig. Doch wie erfahren wir als Eltern, was wirklich im Kinderkopf vor sich geht und ob es dem kleinen Schatz gut geht? Gar nicht so einfach.

Emotionale Entwicklung

Für die emotionale Entwicklung von Kindern ist es besonders wichtig, über Gefühle – egal ob negative oder positive – zu sprechen. So lernen sie, dass Gefühle immer da sind und üben sich auch im Benennen und Aussprechen. Denn wenn Kinder ihre Gefühle in Worte fassen können, können sie sich anderen auch mitteilen. Um zu diesem Punkt zu kommen, ist es wichtig, ein tolerantes Umfeld zu schaffen, in dem sie sich wohlfühlen und sie wissen, dass alle Gefühle da sein dürfen, akzeptiert und besprochen werden. Ganz wichtig dabei: Gespräche über Gefühle sollten ohne Druck passieren. Gebt eurem Kind die Zeit und den Raum, die es in diesen Momenten braucht.

Als Eltern unterstützt ihr euer Kind, seine Gefühle verbal und auch nonverbal auszudrücken. Das emotionale Lernen und das damit verbundene Emotionswissen, das Kinder langsam anhäufen, ist ein komplexer Prozess: Gefühle ungefiltert an sich selbst wahrnehmen, diese klar spüren können, wirklich aussprechen, was sie fühlen und auch bei anderen erkennen, wie sie sich fühlen – all diese Entwicklungen dauern ihre Zeit. Und sie erfordern gerade von euch Eltern jede Menge Geduld. Allerdings ist es besonders wichtig für Kinder, diese Fähigkeit auszubilden. Denn so lernen sie mit den Jahren, empathisch zu werden. 

Von der Eigenwahrnehmung zur Empathie

Diese Eigenschaft haben sie nicht von Anfang an. Die Kleinkindpädagogin, Buchautorin und Bloggerin Susanne Mierau beschreibt diesen Prozess folgendermaßen: „Wenn wir über Gefühle sprechen, bildet sich nicht nur der Wortschatz aus und die Eigenwahrnehmung wird gestärkt, sondern auch das Verständnis der anderen wird verbessert: die Empathie. Kinder lernen, nicht nur sich selbst besser zu verstehen und die Emotionen einzuordnen, sondern können auch besser die Gefühle der anderen Personen um sie herum „lesen“ und damit umgehen (…)“. Die Wahrnehmung der eigenen Gefühle ist also auch die Basis für späteres empathisches Handeln und soziale Kompetenz. 

Hilfreiche Tipps zum Gefühlebegleiten 

Ob nun als kleiner Wutzwerg, der sich im Supermarkt auf den Boden wirft, als kleines Häufchen Elend, das am Boden zerstört ist, weil ihm der Becher mit dem Milchschaum aus den Händen geflutscht ist oder als fröhlicher Flummi, der unfassbar glücklich über das Spielplatzdate mit der besten Freundin ist – schon ganz früh sind Kinder mit großen Gefühlen konfrontiert und müssen selbst erst einmal lernen, mit ihnen klarzukommen. Mierau erklärt: „Als Eltern sind wir Begleiter unserer Kinder: Wir nehmen ihre Gefühle wahr, wir helfen ihnen dabei, sie zu verstehen und nach und nach selbst zu regulieren.“ Wie können Eltern ihr Kind also konkret begleiten? Die Intuition und Selbstwahrnehmung fördern, damit es seine Gefühle wahrnimmt und zu benennen lernt?

Zu Beginn ist es für euch Eltern sicher immer wieder eine Herausforderung, die Gefühle eures Kindes zu begleiten und mit ihnen herauszufinden, wie sie sich ausdrücken und mit den Gefühlen umgehen können. Doch es wird von Mal zu Mal leichter. Folgende Punkte können euch dabei helfen, besonders präsent zu sein: 

•    Versucht, bedürfnisorientiert heranzugehen und das Kind in seinen Gefühlen anzunehmen. Wenn die Gefühle aufkommen, könnt ihr euer Kind beispielsweise in den Arm oder auf den Schoß nehmen (wenn es das möchte). Ist es zu aufgebracht und braucht erst einmal Raum für sich, könnt ihr euch in die Nähe setzen. Ihr gebt damit auch das Signal, einfach „da“ zu sein – und euer Kind zu beschützen, aber das unmittelbare Bedürfnis nach Raum auch zu respektieren.

•    Ihr beobachtet euer Kind: Ist es offen für einen Gesprächsversuch? Und helft ihm zu benennen, was es gerade fühlt. Das könnt ihr durch Verbalisieren tun: „Du bist gerade traurig, oder?“ oder „Das hat dich gerade wütend gemacht, oder?“. Geht auf euer Kind ein und versucht dabei, komplett wertfrei zu sein. Kinder sollen lernen dürfen, ihre Gefühle offen zu kommunizieren. Dabei ist es wichtig, als Eltern zuzuhören, zu reagieren und zu erklären.

•    Im nächsten Schritt könnt ihr nachfragen, warum sich das Kind in dieser Gemütslage befindet: „Magst du mir erzählen, warum?“. Wenn es spricht, vielleicht auch einmal konkret nachfragen, ob andere Kinder oder Erzieher:innen involviert waren und die Emotionen möglicherweise ausgelöst haben.

•    Macht eurem Kind durch erklären und vorleben deutlich, dass alle Gefühle ihre Berechtigung haben und da sein dürfen. Gerade auch bei den „negativen“ Gefühlen müssen Kinder lernen, dass auch diese okay sind und sie sie nicht verstecken müssen (Wut, Angst, Trauer zum Beispiel). Beobachtet vielleicht auch einmal, wie ihr als Eltern mit euren Gefühlen umgeht – und erklärt eurem Kind, warum ihr aufgebracht, sauer oder besonders glücklich wart in dieser bestimmten Situation. 

•    Ein tolles Hilfsmittel sind übrigens Bücher. Besorgt schöne, illustrierte Kinderbücher, in denen Gefühle thematisiert werden. So könnt ihr dieses komplexe Thema entspannter an euer Kind heranführen – und fühlt euch möglicherweise auch selbst sicherer oder besser vorbereitet. Zusätzlich lernt euer Kind auch anhand der ausgewählten Bücher, welche Gefühle es so gibt und erweitert seine Bandbreite dadurch auch immer mehr.

Jedes Kind ist ganz individuell – manchen fällt es leichter, die eigenen Gefühle in Worte zu fassen, manche tun sich schwerer. Deswegen gibt es wie immer im Familienleben kein Patentrezept. ABER: Was eurem Kind sicherlich hilft, die eigenen Gefühle zu ergründen, sind Eltern, die ihre Gefühle im Alltag vorleben, Aufmerksamkeit schenken und ihr Kind im Emotionschaos ernst nehmen und auffangen. 

Verwendete Quellen: Susanne Mierau in geborgen-wachsen.de, kindergesundheit-info.de

lha ELTERN

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