Motorik
 
"Ich laufe und wachse"

Motorik nennen Fachleute die körperliche Beweglichkeit. Bei Kindern zwischen eins und zwei scheint dieser Begriff untertrieben. Sie haben einen Düsenantrieb!

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Die Beine kommen in Gang

Motorik: "Ich laufe und wachse"

Drei Schritte frei laufen können – Kinderärzte geben Kindern dafür bis zum 18. Lebensmonat Zeit. Dann sollten sie es können. Viele Kinder machen sich aber schon deutlich früher auf den Weg und watscheln mit 13, 14 Monaten los. O-beinig noch und wackelig, aber doch zielsicher. In Papas ausgestreckte Arme oder zum roten Licht des CD-Players. Im Lauf des zweiten Lebensjahres werden dann aus den stämmigen Sichelbeinchen schlankere X-Beine. Vom O zum X – das ist keine Eigenart, sondern gehört zur normalen Entwicklung eines Kindes.

Die spannendste Richtung: Aufwärts

Wer einigermaßen sicher laufen kann, will schon bald klettern.Treppen üben auf Kinder um die 18 Monate eine geradezu magische Anziehungskraft aus. Oder die Leiter zur Rutsche auf dem Spielplatz. Stufe für Stufe geht es aufwärts. Die umgekehrte Richtung ist den Kleinen aber oft noch umheimlich. Da lassen sie sich lieber tragen.
Aufwärts streben, größer sein – keine Anstrengung ist jetzt zu viel. Könnte da etwas Interessantes auf dem Tisch liegen? Nichts wie hin, auf die Zehenspitzen stellen und nachschauen. Anfangs kommt man dabei zwar noch ins Schwanken, aber bald steht man auch auf Zehenspitzen sicher! So sicher, dass einige Kinder (etwa jedes zehnte) vorübergehend nur noch auf Zehenspitzen gehen.

Training für Torschützen

Vorwärts, seitwärts, rückwärts laufen – in dieser Kunst üben sich Kinder, sobald die ersten freien Schritte klappen. Rückwärts zu gehen, hat es besonders in sich, denn man muss Raumgefühl haben, um das zu können. Auf Kommando geht natürlich nichts, aber wenn die Eltern ihrem Kind einen Ball vor die Füße legen, können sie sehen, ob das Rückwärts-Gehen schon klappt. Um den Ball zu kicken, nehmen Kinder in diesem Alter nämlich Anlauf. Und dafür gehen sie dann ein paar Schrittchen zurück.

Die Knubbelfüße werden schlanker

Baby-Speckfüßchen sind wahnsinnig süß! Mit Zehen, die wie Perlen vorne dran sitzen. Und die zarte Samtferse! Das ganze Plattfüßchen ein Kussfeld! Süß bleiben die Füße auch noch,wenn das Kind läuft. Aber sie werden erwachsener. Heißt: Die Speckschicht an der Fußsohle wird dünner, allmählich wölbt sich der Fuß, die Zehen strecken sich. Und wenn Sie staunen wollen: Bei Kindern zwischen eins und zwei sind die Zehen so beweglich wie die Finger, das heißt, sie können sich mühelos spreizen, einkrallen oder etwas festhalten. Deshalb die Füße so selten wie möglich in Schuhe einsperren.

Traumfigur: Hohlkreuz und Bäuchlein

Aufrecht stehen und auf zwei Beinen gehen ist eine Riesenleistung, weil der Körperschwerpunkt von Kindern zwischen eins und zwei noch viel tiefer liegt als bei Erwachsenen. Die im Verhältnis zum Körper noch recht kurzen Beinchen müssen einen großen Balanceakt vollbringen. Becken, Bauch und Rücken schwanken noch ein wenig – um das auszugleichen, gehen die Kleinen ins Hohlkreuz und strecken das Bäuchlein raus. Besonders süß anzusehen, wenn sie nackt herumlaufen.

Kopf: von Beulen bedroht

Ein kleines Horn auf der Stirn – das ist im zweiten Lebensjahr kein seltener Anblick. Trotzdem passen die Kleinen erstaunlich gut selbst auf sich auf. Wenn sie zum Beispiel unter den Couchtisch oder unter eine Kommode krabbeln, richten sie sich (meistens) erst wieder auf, wenn sie mit dem Kopf nicht mehr anstoßen können. Das klappt, ohne dass nach oben geschaut werden muss! Das Raumgefühl ist schon recht gut entwickelt: Die kleinen Forscher schauen, schätzen ab, krabbeln unter den Tisch und kommen ohne Macke wieder raus. Perfekt ist die Technik aber natürlich noch nicht entwickelt. Deshalb kann eine sichernde Hand an der Kante nicht schaden. Die Warnung: "Pass auf, gleich tust du dir weh!" lieber so oft wie möglich runterschlucken.

Jetzt sind die Fontanellen zu

Mit 18 Monaten ist es so weit: Die Knochenplatten des Schädels sind so weit aufeinander zu gewachsen, dass sich die Fontanellen geschlossen haben. An den Nahtstellen, die wie eine unregelmäßige Zickzacklinie aussehen, können die Knochen immer noch wachsen. Allerdings tun sie das längst nicht so rasant wie bisher. Im ersten Lebensjahr legt der Kopfumfang um etwa zehn Zentimeter zu (von ca. 36 Zentimeter bei der Geburt auf etwa 46 am ersten Geburtstag). Im Alter zwischen eins und zwei wächst der Kopfumfang immerhin noch um drei Zentimeter und beträgt dann etwa 49 Zentimeter. Und: Die Kopfform verändert sich im zweiten Lebensjahr. Das Gesicht wird im Verhältnis zum Hinterkopf größer. Das Kleine beginnt auszusehen wie ein "richtiges" Kind und nicht mehr wie ein Baby.

Aus dem Babyspeck wird eine Figur

Wenn kleine Leute auf zwei Beinen stehen, fängt ihr Körper an, sich zu strecken. Die Figur bekommt eine ganz andere Anmutung – Kind, nicht mehr Baby. Und das, obwohl im zweiten Jahr das Längenwachstum langsamer fortschreitet als im ersten. Zehn Zentimeter beträgt es in etwa (von etwa 75 auf 85 Zentimeter). Weil das Gewicht im zweiten Lebensjahr nur mäßig mehr wird (es steigt von etwa zehn auf etwa zwölf Kilo), ist meist schon auf den ersten Blick zu sehen, wie sich das Kind streckt. Auch, weil sich die Proportionen ändern: Die Beine, die das Kind jetzt vorwärts bringen, wachsen schneller als der übrige Körper.

Mädchen? Junge? Klarheit auf den ersten Blick

Junge oder Mädchen? – Bei Kindern im Babyalter wird da schon mal diskutiert. Im zweiten Jahr tauchen solche Fragen kaum mehr auf. Auch dann nicht, wenn kleine Mädchen Latzhosen tragen und wenige Haare haben. Eine Vielzahl von Merkmalen und Signalen verrät ziemlich eindeutig, ob ein Mädchen oder ein Junge die Welt erobert. Sogar auf Porträtfotos sind Zweijährige oft auf den ersten Blick zuzuordnen. In einem Experiment gelang das übrigens schon Kindern zwischen drei und fünf Jahren.

Erste Spuren auf Papier

Im zweiten Jahr sind die Hände schon so geschickt, dass sie einen Stift halten können. Meist gelingt das der linken Hand genauso wie der rechten, denn noch hat das Kind keine bevorzugte Seite. Mit dem Stift eine Spur zu hinterlassen, ist für Kinder in diesem Alter ein Riesenereignis. Fasziniert schauen sie der Linie hinterher. Nach ein paar Übungswochen mit temperamentvollem Gekritzel gelingen weichere Muster – Spiralen zum Beispiel. Und dann lassen sich auch mal Dinge zeichnen, für die das Kind einen Plan im Kopf hatte.

Auf dem Weg zur ersten Frisur

Babyglatzen sind supersüß, aber trotzdem warten die meisten Eltern darauf, dass die Härchen endlich sprießen! Im zweiten Lebensjahr entwickelt sich die Pracht langsam: Jetzt schieben sich die Haare aus den Haarwurzeln; an den Seiten ist der Wuchs meist noch dürftig, aber am Oberkopf sind schon richtige Strähnen zu erkennen. Die "Wetzglatze" am Hinterkopf verschwindet, die feinen Kinderhaare verdichten sich an dieser Stelle oft zu einem Filz. Blond oder dunkel, glatt oder mit Engelslöckchen – das kommt jetzt allmählich ans Licht. Aber: Bis die Haarfarbe und die Struktur endgültig feststehen, vergehen noch etwa drei Jahre.