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Erziehung in Frankreich 6 Gründe, warum französische Kinder keine Wutanfälle haben

Erziehung in Frankreich: Warum französische Kinder keine Wutausbrüche haben
In Frankreich pflegt man teils einen anderen Erziehungsstil.
© Ekaterina Pokrovsky / Adobe Stock
Französische Kinder sind überaus gut erzogen und für viele Eltern ist "Wutanfall" ein Fremdwort. Sechs Gründe, warum das so ist.

Wer an Frankreich denkt, der:die mag an gutes Essen (vor allem Käse), Wein, Champagner und den Eiffelturm denken – aber natürlich hat ein ganzes Land weit mehr als das zu bieten. Französische Kinder sind beispielsweise nicht dafür bekannt, bei jeder Kleinigkeit, die nicht nach ihrem Willen läuft, einen Wutanfall zu bekommen. Das Online-Magazin "Mom Junction" erklärt, warum das so sein könnte. Was wir uns möglicherweise von französischen Eltern abschauen können, haben wir in diesem Artikel zusammengefasst.

Es gibt kein "Essen für Kinder"

In Frankreich wird nicht zwischen Speisen für Erwachsene und Kinder unterschieden – alle essen dasselbe. Das sorgt dafür, dass französische Kinder meist an Essen gewöhnt sind, das bei unseren Kindern möglicherweise skeptisch beäugt werden würde. Die Ausnahme sind schwierig zu verzehrende Lebensmittel wie Muscheln oder Hummer und Speisen, die zu scharf sind. Generell wird Essen in der französischen Kultur zelebriert – und die kleinen Gourmets sorgen mit ihren früh umsorgten Geschmacksknospen für den Familienfrieden.
Da gibt es nicht den kleinen Snack zwischen den Terminen, mancher Lunch kann sich über Stunden hinziehen. Schon im frühen Alter lernen Kinder so Benimmregeln zu Tisch, beispielsweise, dass man nur so viel auf den Teller legt, wie man auch essen kann und keine Nahrung verschwendet. Weiterhin ist es gang und gäbe, mindestens einmal am Tag als Familie gemeinsam zum Essen zusammenzukommen. 

Gutes Benehmen hat einen hohen Stellenwert

Höflichkeit, Geduld und Rücksichtnahme werden Kindern in Frankreich schon sehr früh im Leben nahegelegt – und ihre Eltern gehen mit gutem Beispiel voran. Da werden die Nachbar:innen sowie Gäst:innen und Fremde freundlich begrüßt. Muss in einer Schlange gewartet werden, so tut man dies geduldig und ohne zu nörgeln. Ebenfalls bringen französische Eltern ihren Kindern bei, dass es angebracht ist, älteren Menschen den Platz in Bus und Bahn anzubieten. Das Zauberwort "Bitte" wird genauso wie "Danke", "gern geschehen" und "einen schönen Tag" bereits früh beigebracht und angewendet.

Unabhängigkeit schon im frühen Alter

Unabhängigkeit hat in der französischen Erziehung einen hohen Stellenwert
Unabhängigkeit hat in der französischen Erziehung einen hohen Stellenwert.
© Irina Schmidt / Adobe Stock

Lediglich zehn Wochen haben Mütter in Frankreich nach der Geburt ihres Kindes Anspruch auf Mutterschaftsurlaub. Anschließend können sie die Elternzeit verlängern – da diese aber in der Regel nicht bezahlt wird, sehen die meisten davon ab. Entsprechend früh sind die Kinder dann in der Kindertagesstätte und im Kindergarten und gewöhnen sich schon zu Beginn ihres Lebens an neue Umstände und Menschen, was ihrer Unabhängigkeit zugutekommt. Auch Betreuungsangebote bis spät in den Nachmittag sind in Frankreich sehr weit verbreitet. Viele Einrichtungen für drei bis sechsjährige Kinder passen in der Woche bis 16:30 Uhr auf die Kleinen auf – ausgenommen vom Mittwoch, der meistens nur halbtags betreut wird.

Eltern mischen sich nicht in alles ein

Als Elternteil kann es manches Mal sehr schwerfallen, sich nicht in das Leben unserer Kinder einzumischen – schließlich wollen wir für sie nur das Beste und sie vor Gefahren, Schmerzen und anderen negativen Erfahrungen schützen. In Frankreich glaubt man stark daran, dass die freie Entfaltung eines Kindes unbedingt geschützt werden müsse – solange die Kinder diese Freiheit nicht missbrauchen. Wenn ein Elternteil beispielsweise bemerkt, dass das eigene Kind einen Streit mit Gleichaltrigen hat, dann wird sich nicht eingemischt, sondern erst einmal abgewartet, ob und wie das Kind den Konflikt eigenständig löst.

Die Familienzeit wird konsequent genutzt

Familienzeit wird in Frankreich sehr ernst genommen
Familienzeit wird in Frankreich sehr ernst genommen.
© davit85 / Adobe Stock

Sonntag ist Familientag. Das ist in Frankreich quasi ungeschriebenes Gesetz. Sonntags dürfen sich die Kinder meist nicht verabreden, genauso wenig wie die Eltern an diesem Tag arbeiten dürfen. Viele französische Familien planen die Sonntage schon weit im Voraus, um die gemeinsame Zeit möglichst effektiv miteinander nutzen zu können.

Kinder verwalten ihr eigenes Geld

Eigenes Taschengeld vermeidet Dramen an der Supermarktkasse
Eigenes Taschengeld vermeidet Dramen an der Supermarktkasse.
© Kaikoro / Adobe Stock

Spätestens an der Kasse wird es im Supermarkt anstrengend. Denn dort sammelt sich natürlich alles Tolle, was Kinder unbedingt haben wollen. Wird das von den Eltern verwehrt, ist das Geschrei schnell laut und unangenehm. In Frankreich läuft das aber oft anders ab: Hier bekommen Kinder von ihren Eltern schon früh eigenes Taschengeld, das ihnen zur freien Verfügung steht. Wenn sie bei einem Besuch im Supermarkt etwas sehen, das ihnen gefällt, kaufen sie es sich einfach selbst. Problem gelöst. Ist das Gewünschte zu teuer, müssen sie eben noch ein wenig sparen und können es sich erst beim nächsten Besuch leisten. So lernen Kinder schon früh den Wert des Geldes kennen. Die Höhe des Taschengeldes ist meist abhängig vom Alter des Kindes.

Verwendete Quellen: momjunction.com, connexion-emploi.com, tagesschau.de, kindergartenpaedagogik.de

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