Demenz
 
Kinder und demenzkranke Großeltern

Wenn bei Oma das Telefon im Kühlschrank klingelt, kommt das auch Kindern komisch vor. Enkel lernen mit dem ungewöhnliche Verhalten der Großeltern am besten umzugehen, wenn man ihnen möglichst früh erklären, dass es sich um eine Krankheit handelt. Ablehnung und Angst treten dann viel seltener auf.

Kinder können Kranke gut integrieren

Wenn Oma oder Opa an Demenz erkrankt sind, müssen sich auch Enkelkinder mit diesem Thema auseinandersetzen. Dann ist es wichtig, dass ihre Eltern ihnen das ungewohnte Verhalten der Großeltern erklären. "Kinder sollten verstehen, dass der Betroffene nicht absichtlich Dinge vergisst oder sich bewusst ungeschickt anstellt", sagt Sabine Engel, Psychogerontologin am Gedächtniszentrum der Universität Erlangen. Denn wenn die Kleinen verstsehen, dass Oma oder Opa an einer Krankheit leiden, fällt es ihnen leichter, rücksichtsvoll mit den Betroffenen umzugehen.

Wichtig ist für Eltern, ihren Kindern verständlich zu machen, dass sie nicht über die Missgeschicke des Demenzkranken lachen solllten oder sich darüber lustig machen. Über kleine Unstimmigkeiten, wie eine im Wäscheschrank liegende TV-Fernbedienung, können die Kinder hinwegsehen oder den Großeltern helfen, den Gegenstand wieder selbst an den richtigen Platz zu legen. "Einige Kranke reagieren aggressiv oder beschämt, wenn man sie direkt auf einen Fehler aufmerksam macht", sagt die Psychogerontologin. Bemerkten die Kinder allerdings eine Gefahrenquelle, etwa eine angestellte Herdplatte, muss man ihnen klar machen, dass sie reagieren müssen und möglichst Hilfe holen sollten.

Grenzen der Kinder akzeptieren

Der Wunsch vieler Kranker ist es, so lange wie möglich in die Familie integriert zu bleiben. "Dieses Gefühl können Enkel hervorragend vermitteln", berichtet die Expertin. Jüngere Kinder können zum Beispiel mit dem Großvater malen oder spielen. Die Betroffenen wüssten zwar später nicht mehr unbedingt, was ihr Enkelkind mit ihnen gemacht habe, könnten sich aber an die Liebe und Zuwendung erinnern.

Eltern sollten jedoch stets die Grenzen ihrer Sprösslinge akzeptieren. Einige Kinder hätten auch Angst vor dem Anderssein der Kranken und möchten lieber nicht mit ihnen allein sein. "Es gibt auch Formen der Demenz, bei der die Betroffenen verhaltensauffällig werden", berichtet Engel. Dies erschrecke viele Kinder und Jugendliche und überfordere sie meist.

Weitere Informationen für Eltern (auch Buchtipps für Kinder) gibt es zum Beispiel bei der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, Friedrichstraße 236, 10969 Berlin, Tel.: 030/25937950, Internet: www.deutsche-alzheimer.de.