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Familie und Beruf Intensive Kombination

Familie und Beruf zu kombinieren hört sich einfacher an, als es im täglichen Leben oft ist. Besonders der Faktor Zeit spielt in dieser Verbindung eine entscheidende Rolle, wie Eltern.de-Redakteurin Dagmar Fritz an ihrem eigenen Familienalltag feststellen konnte.

Mein Leben im "Allgemeinen"

"Ich bin auch eine von jenen Frauen, die nicht nur einen Beruf haben, sondern auch ein Kind. Und ich muss zugeben: Ich hatte mir diese Kombination einfacher und auch ein bisschen schicker vorgestellt. Mein Idealbild von Mama mit Job sah so aus: Morgens wollte ich gut gelaunt, gut gekleidet und gut geschminkt meinem adretten Kind einen Kuss auf die Stirn geben, um dann in einem roten Cabrio in Richtung Arbeit zu düsen. Drei Jahre später weiß ich: So läuft das vielleicht in zweitklassigen Vorabendserien - das wahre Leben sieht anders aus.

Um ehrlich zu sein: Manchmal würde ich mich am liebsten schon morgens im Bett scheintot stellen, weil ich mich vor dem Tagespensum drücken will. Andererseits erfüllt mich mein überaus "erfülltes" Leben auch mit Stolz: Mein Kind ist glücklich und fröhlich, auch wenn ich es nicht jeden Tag persönlich vom Kindergarten abholen kann. Und was mir wichtig ist: Ich definiere mich nicht ausschließlich über meine Familie, sondern über mein Leben im Allgemeinen. Obwohl das "Allgemeine" mitunter ziemlich anstrengend ist.

Arbeitszeiten

Als mein Hausarzt mir letztens vorjammerte, dass er mit Hausbesuchen, Praxisstunden und Büroarbeit auf eine 70 Stunden Woche käme, konnte ich nur müde lächeln. Mein Tag beginnt um 6 Uhr mit dem Decken des Frühstückstisches und endet in der Regel um 22 Uhr mit dem Bestücken der Geschirrspülmaschine. Von meiner 96 Stundenwoche (ohne Sonn- und Feiertagsarbeit) entfallen gerade mal 30 Stunden auf Erwerbsarbeit und der dazugehörigen Fahrzeit. Der Rest sind Familien-Angelegenheiten.

Kam mir als Studentin die akademische Viertelstunde immer sehr entgegen, so ist heute mein Tag straff getaktet und 15 Minuten für mich eine Ewigkeit in der ich noch schnell den Trockner ausräume, meinem Kind in die Strumpfhosen helfe und danach Lippenstift auflege, bevor ich - nicht im roten Cabrio sondern mit einem blauen Fahrrad - zum Bahnhof strample, um die Bahn zur Arbeit zu erwischen.

Kostbare Minuten

Seit ich versuche, meine Familie mit meiner Arbeit zu kombinieren, ist Zeit die kostbarste Währung, die ich kenne: Fünf Minuten in Ruhe die Nägel lackieren - wunderbar! Zehn Minuten in der Bahn vor mich hinstarren - herrlich! Fünfzehnminuten die Zeitung lesen und dabei über das Vermischte hinauskommen - ein Traum!

Als berufstätige Mutter muss ich meine Zeit gut einteilen, mir genau überlegen, wann ich einkaufen gehe, wann mit meiner Tochter zum Schwimmen und wann zum Steuerberater. Reibungsverluste muss ich dabei hinnehmen: So war ich leider in der Arbeit, als zum ersten Mal der Nikolaus bei uns vor der Tür stand und ihren ersten Zahn hat Amlie auch ohne mich verloren. Ich muss zugeben, soetwas lässt mich nicht kalt und tut mir als Mutter ein bisschen weh, aber bei meinem Spagat zwischen Beruf und Familie musste ich auch einsehen, dass man nicht alles haben kann, wenn man alles vereinbaren will. Und trotzdem habe ich das Gefühl, das es gut ist, so wie es ist - auch wenn ich spät abends die Geschirrspülmaschine einräume und mich dabei ertappe, dass ich an Nikoläuse mit Zahnausfall denke.

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