Zwischen Rutsche, Schaukel und Still-BH
 
Spielplatz-Drama mit Baby und Kleinkind

Bitte lesen und nicken: Drama-Sätze von 1 bis 80. Und so geht die Geschichte los: "Ich hol die Große gegen halb vier aus der Kita ab. Ah, der Vormittag war schön entspannt nur mit dem Baby, 4 Monate, fast wellnessmäßig). Lola, 2, macht schon beim Abholen Theater. Mal komme ich zu früh, mal zu spät. Mal ist die Windel voll und während ich sie wechsle, wacht das Baby im Kinderwagen auf. Jetzt schreien zwei. Das macht mich fertig. Ich freue mich so auf Lola, aber nach drei Minuten bin ich schon mit meiner Kraft am Ende. Mir ist heiß. Ich bin auf einmal so müde. Blick auf die Uhr, kurz vor vier. Dann am besten noch auf den Spielplatz, bis das Abendbrot-Zubettgeh-Spektakel dran ist. Da sind viele Kinder, das unterhält Lola am besten. Genug Zeit für mich, das Baby in Ruhe auf der Bank zu stillen. Dachte ich. Kam anders.

Zwei Kindern gerecht werden auf dem Spielplatz
iStock, FluxFactory

1. Lola sitzt freudig im Sandkasten und beobachtet die anderen Kinder.
 
2. Schnell Brust raus auf der Bank und Baby andocken.
 
3. Oh nein, da kommt Rocko. Dieser kleine Rabauke ärgert Lola gern und tritt auf alle Sandkuchen von ihr drauf.
 
4. Ah gut, Rocko stürzt sich erst mal auf den Bagger von dem blonden Jungen.
 
5. Der Angeber-Papa ist auch da. Er ist der Verbrecher und fünf Jungs rennen als Polizisten hinter ihm her. Laut, alles sehr laut.
 
6. Jetzt hat Lola die Dinkelstangen bei seiner Frau (ich nenne sie Stylo-Mom) entdeckt. Die Tupperdose hat eine Sternform im angesagten Neongelb/grau. Klar.
 
7. Gutes Kind, sie hat die Stylo-Mom so lange angeglotzt, bis die ihren Latte-Macchiato zur Seite stellt und ihr auch eine Dinkelstange anbietet.
 
8. Ich rufe hinten von den billigen Plätzen aus ein „Dankeschön."
 
9. Hat sie nicht gehört.
 
10. Ich kann gar nicht hinsehen, wie Lola die Dinkelstange mit den sandigen Händen anfasst und futtert. Naja, Dreck reinigt den Magen ...
 
 11. Angeber-Papa hat sich grad in den Rasen gelegt und balgt mit den Polizisten um die Wette. Alles fein, wenn er nicht ständig zu den Muddis schauen würde, ob die auch alle schön gucken.
 
12. Das Baby hat fertig getrunken.
 
13. Wieso bin ich jetzt gleich aufgestanden und zu Lola gegangen? War doch alles noch gut.
 
14. Jetzt will Lola auf die Schaukel. Also zurück zum Kinderwagen, Decke raus und das Baby neben uns auf die Decke legen.
 
15. Lola auf die Schaukel heben und Anschwung. „Nochmal, höher." Und kaum berührt meine Hand nicht mehr bei jedem Rückschwung Lolas Rücken, geht es wieder von vorne los: „ Nochmal, nochmal. Höher. Stop."
 
16. Der blonde Junge steht plötzlich neben uns.
 
17. Für meinen Geschmack etwas zu nah am Baby.
 
18. Gucken ja, anfassen nein, mein Freundchen.
 
19. „Bitte, keinen Sand auf die Decke zum Baby, ok?"
 
20. Hat der mich überhaupt gehört?
 
21. Ich knie mich mal mit auf die Decke und vielleicht ist er ja vorsichtig genug. 

22. Lola ruft lauter werdend: „Nochmal, höher, bis in den Himmel, Mama."
 
23. „Jaaa, gleich, Lola." Und zu dem blonden Jungen:  „Hörst Du mich? Bitte keinen Sand aufs Baby!"

24. Baby weint, Sand im Gesicht. Blonde Kack-Blage ist zum Glück weggerannt.
 
25. Seine Mama guckt mich prüfend an. 

26. Ich halte den Blick, aber mir wird heiß. Komm ruhig her. Keiner hat Deinem Goldjungen was getan. Was ich von ihm nicht behaupten kann.
 
27. Wieder Anschwung geben bei Lola. 

28. Was jetzt? Anhalten? Ok.
 
29. Ah, zur Rutsche.
 
30. Baby und Decke einsammeln.
 
31. Mit Baby aufm Arm, Lola die Rutsche hochhelfen.
 
32. Oben steht ein Mädchen und rutscht nicht.

33. Lola dahinter. Die Schlange wird länger. 

34. Ich nutze die Zeit, um die Babytrage aus dem Kinderwagen zu holen. Ich brauche doch zwei freie Hände.
 
35. Lola weint auf der Rutsche, weil ich kurz nicht zu sehen war.
 
36. Das Mädchen vor ihr hat sich entschieden, nicht zu rutschen und wieder rückwärts die Leiter runter zu klettern. Klappt so mäßig, da die Kinder nicht Platz machen.
 
37. Lola jetzt in der Pole-Position.
 
38. „Komm, mein Schatz, rutsch."

39. Lola sitzt bereit, rutscht aber nicht los.
 
40. Hinter ihr drängelt sich ein Junge an ihr vorbei. Lola meckert. 

41. Muss sie durch, halb so wild.
 
42. Noch zwei, drei Kinder drängeln vorbei. 

43. Nächster Versuch mit offenen Armen unten an der Rutsche, vorgebeugt, um Lola aufzufangen. Das Baby dementsprechend fast kopfüber in der Babytrage.
 
44. Oh nein, das Baby spuckt bisschen Milch. Nicht so gut die Idee, kurz nach der Mahlzeit gleich im Fledermaus-Modus zu hängen. Uärgs, Baby und meine Bluse riechen sauer. 

45. Aber jetzt rutscht Lola endlich.
 
46. Wow, die Regenhose gibt ihr richtig Schwung.
 
47. Etwas harte Landung. Lola jammert. Baby beschwert sich.
 
48. Tröst-Versuche meinerseits. Aber mit Baby zwischen uns lässt Lola das nicht gelten. 

49. Also Ablenkunsmanöver, „Guck mal das Spielhäuschen da. Wollen wir da hin?"
 
50. Super, hat geklappt. Ab zum Spielhäuschen. 

51. Drei ca. 4-5 jährige Mädels haben das Häuschen in ihrer Gewalt.
 
52. „Du darfst nicht mitspielen." Lola wieder in Heulmodus zu mir. 

53. Ich zu den Mädels:„Hier dürfen alle mitspielen." Man, wo sind denn die dazugehörigen Eltern? Gehört der Angeber-Papa vielleicht dazu?
 
54. Wenn Du als Erwachsener mit einem Kind alleine sprichst und das fängt plötzlich an zu heulen, haste immer die A-Karte. Also lieber nicht weiter mit den Mädels diskutieren. Trotzdem bleiben. 

55. Na, geht doch. Mit Baby vor der Brust ins Spielhaus krabbeln, na super. Aber wir sind drin und meine Tochter hat hoffentlich die Lektion gecheckt: Nur weil sie in der Überzahl sind und überzeugt auftreten, haben sie noch lange kein Recht.
 
56. Baby ist eingequetscht, wenn ich mich an den winzigen Tisch im Häuschen setze. Also wieder raus. 

57. Boah, war das anstrengend. Und schon halb sechs. Gottseidank.
 
58. Komm, wir gehen nach Hause. 

59. Wie, "nee?"
 
60. Doch! 

61. Bitte, bitte, jetzt versau mir nicht unseren Abgang hier vor der Mädels-Gang.
 
62. Mist. Jetzt gucken allmählich auch die anderen Eltern, warum das Baby plärrt und Lola sich wütend in den Sand schmeißt. 

63. Ich gucke gespielt locker zur Rutsche rüber.
 
64. Hat Lola es bald mal? 

65. Nee. Schade. Dann eben anders.
 
66. Jetzt ist Lola eingequetscht. Unter meinem Arm. 

67. Boah, die strampelt ganz schön.
 
68. Fallen lassen wäre jetzt der worst case. 

69. Ab zu unserer Doppelsitzer-Karre und dann ganz schnell den Rückzug antreten.
 
70. Na warte, Lola ist ausgebüchst, während ich das Baby in den Kinderwagen lege.
 
71. Hinterher.
 
72. Ich höre das Baby weinen. 

73. Vorhin wollte Lola keinen Schritt in das Spielhäuschen alleine machen. Jetzt muss ich sie an den Armen da raus ziehen.
 
74. Jetzt bloß nicht reden. Kommt alles nicht überzeugend, wenn das schreiende Kleinkind an der Hand zerrt. Na, warte Fräulein ... für dich lege ich mich noch mal mit der Mädels-Gang an. 

75. So, endlich beide festgeschnallt im Kinderwagen.
 
76. Jetzt noch schnell das Sandspielzeug einsammeln und die Blicke der Eltern ignorieren. 

77. Kunststück, dass Eure Kinder grad ruhig sind, so viel Schoko-Kekse wie die im Mund haben.
 
78. Schon wieder der Angeber-Papa. Wieso redet er so, als ob die Kinder auf der anderen Straßenseite ständen? Du bist nicht Daddy cool, nur weil Du hier die Show abziehst. 

79. Böser Blick meinerseits. Belustigter Blick seinerseits. Auf meine vollgespuckte Bluse.
 
80. Ok, jetzt reichts, time to go. Und was sage ich heute abend, wenn mein Mann fragt, wie der Tag so war?