Psychologie
 
Mobbing im Sandkasten

Mobbing bei Kleinkindern
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Können Kleinkinder mobben?

Dann bin ich nicht mehr dein bester Freund

"Was nach Mobbing aussieht, sind meist Konflikte, die Teil eines natürlichen Entwicklungsprozesses sind", sagt Melitta Walter, als Fachberaterin zuständig für Gewaltprävention in den städtischen Kindergärten Münchens. In der Regel dauern diese Streitereien gar nicht lange genug, um die Form von Mobbing anzunehmen. "Kinder reagieren situativ. Deshalb ist es fraglich, ob Vier- oder Fünfjährige zu derart systematischen Handlungen überhaupt fähig sind", so Frau Walter.

Auch die Erzieherinnen in einem Münchener Kindergarten, Irene Ott und Christine Bosch, glauben nicht, dass ihre Schützlinge die nötige Reife haben, um langfristig und methodisch vorzugehen. Natürlich gibt es dominante Kinder, die in der Rolle des Anführers bewundert werden. Und auf der anderen Seite gibt es jene, die bereitwillig einem Bandenführer folgen oder die sich nie zur Wehr setzen, auch wenn ihnen etwas weggenommen wird. Aber das passiert nicht absichtlich oder gar geplant. Oft ist es einfach nur eine Frage des Temperaments.

Die Münchener Diplompädagogin, Dr. Marija Kulis, sieht wie ihre Kolleginnen das Problem des Mobbings eher in der Schule und im Hort. Als Fachberaterin auf diesem Gebiet hat sie allerdings beobachtet, dass "die Grundformen des Mobbings im Kindergarten bereits vorhanden sind, z.B. in Form sozialer Erpressung". Dazu zählt die bekannte Drohung: "Dann bin ich nicht mehr dein bester Freund!". Macht das Kind die Erfahrung, dass es mit Hilfe von Drohungen seine Wünsche durchsetzen kann, lernt es daraus, dass es Macht über andere hat. Und dass es dafür bewundert wird.

Kinder, die Spaß daran finden, andere zu dominieren und zu ärgern, müssen nicht böse oder aggressiv sein. "Es reicht, dass sie gelernt haben, dass sich Mobbing lohnt und dass niemand eingreift", so die Autorin Alsaker. Melitta Walter dagegen gibt zu Bedenken, dass Kinder solche Verhaltensweisen auch von Erwachsenen vorgelebt bekommen. Sie machen ihre Vorbilder einfach nach.