Erfahrungsbericht
 
Dagmar und die Rüpelrentner

Unsere Kollegin Dagmar war unter Zeitdruck: In der Redaktion noch den letzten Artikel abschließen, Milchfläschchen fertig machen, dann schnell in die Krippe und ihren 19 Monate alten Sohn Elias abholen, um noch rechtzeitig die S-Bahn zu erwischen. Doch an diesem Tag sollte der eigentliche Stress erst in der S-Bahn so richtig losgehen...

So geht Deutschland mit seinem Nachwuchs um:

Es war gegen 17.30 Uhr, als ich mit meinem Sohn Elias auf dem Nachhauseweg in der S-Bahn saß. Es war warm, es war stickig und mein Kind war müde. Eine komplizierte Mischung, die es etwas schwierig macht, Kleinkinder im öffentlichen Personennahverkehr eine Stunde lang bei Laune zu halten. Um Elias die Zeit zu vertreiben, hielt ich an jeder Haltestalle nach Baggern, Lkws und Hunden Ausschau. Leider wird im Moment auf dieser Strecke eher wenig gebaut und fürs Gassigehen war es den Herrchen und Frauchen anscheinend zu warm.

Als seine Milchflasche leer und die Breze bis zur Unkenntlichkeit angekaut war, fiel auch noch der Schnulli auf den schmutzig-staubigen Zugboden, was Elias mit einem lautstarken "NEIIIIN" kommentierte. Kurz darauf hatten wir das dritte Bilderbuch durchgeblättert. Elias rief immer dann laut "DA! DA! DA!", wenn ein Hund oder ein Bagger abgebildet war und sogar noch etwas lauter "NEIIIIIN!" wenn kein Hund oder kein Bagger abgebildet waren. Dann begann das Meckern.

Drei Senioren hatten sich schräg gegenüber zusammengerottet und raunzten immer lauter in unsere Richtung: "Also diese Kinder heutzutage sind überhaupt nicht mehr erzogen, zu unserer Zeit hätte es das nicht gegeben." Ich tat so, als ob ich nichts gehört hätte. Kurz darauf: "Wenn diese verzogenen Gören etwas nicht bekommen, fangen Sie gleich an zu schreien." Ich dachte an den Schnuller, der auf den schmutzigen Boden gefallen war. Könnte es möglich sein, dass die Mehrfachimpfung mein Kind auch gegen Magendarminfektionen, Mundfäule und Bandwürmer schützen würde? Kurz darauf verwarf ich den Gedanken und blieb bei meiner Entscheidung, lieber einen Schrittmacherkollaps der Rentnerbande zu riskieren als meinem Sohn den schmutzigen Schnulli wieder in den Mund zu stecken.

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Leider kein Einzelfall - weitere Beispiele für Kinderfeindlichkeit:

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